11. September 2026
Screeeaaam For Me, Long Beach!

Rückblickend gesehen ist es schon ziemlich irre, dass bei „Burning Ambition“, dieser jetzt auf Zelluloid gebannten Dokumentation über die wohl größte Heavy-Metal-Band des Planeten, die Fans am Anfang stehen. Und doch war für Regisseur Malcolm Venville der Erstkontakt zu den IRON-MAIDEN-Fans ausschlaggebend für seine Arbeit. Herausgekommen ist ein Film, der sich zwar mühelos in die vielen Dokumentationen über Rockmusiker, ihre Bands sowie ihr Gefolge einreihen lässt – und trotzdem weit darüber hinausgeht. Weil es eben um IRON MAIDEN geht.
Titel: IRON MAIDEN: BURNING AMBITION
Land/Jahr: UK 2026
Label: Universal/PLAION PICTURES
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 106 Min.
Formate: Blu-ray, 4K-UHD, Blu-ray-Steelbook
Erscheint am 08.10.
Man merkt dem Film zu jeder Sekunde an, dass Venville und seine Crew immer wieder von der Handlung überrascht werden, vielleicht sogar vom Grundgefühl überholt werden, das Maiden-Fans miteinander verbindet: „Am Anfang hat es sich richtig angefühlt, mit den vielen Fans zu beginnen“, lässt sich Venville zur Vorgehensweise zitieren und fährt fort: „Ohne Ablenkung in einer schlichten Studio-Atmosphäre, um ihre Stimmen allein die Erzählung tragen zu lassen, führen ihre Berichte uns von den Anfängen der Band in der Pub-Rock-Szene des East London in der Mitte der Siebziger bis hin zu den gigantischen Stadionshows heute, bei denen MAIDEN vor Millionen von Menschen auftreten.“
Eine Erkenntnis elektrisiert Regisseur Venville genauso wie Drehbuchschreiber David Teague: Der Zusammenhalt über Standes-, Länder-, gar Kontinentgrenzen hinweg. „IRON-MAIDEN-Publikum ist viel komplexer als all die Klischees, die das Heavy-Metal-Genre umgeben. Die Fans kommen aus jeder Bevölkerungsschicht, vom Straßenverkäufer bis zur Politikerin. Egal ob der kanadische Premier oder die japanische Premierministerin. Beide haben sich öffentlich als IRON-MAIDEN-Fans geoutet. Einer der Interviewpartner im Film ist sogar der Meinung, es gäbe eine geteilte 'Maiden-DNA', die Menschen unabhängig von Geografie, Status und Kultur miteinander verbindet.“
Auf den Spuren dieser Maiden-DNA zeichnet die Dokumentation den Werdegang der Band nach, beginnend mit der Zeit, als man für zwei Pfund am Abend mehrere Sets in den Kneipen des Londoner East Ends zockte, über die Phase, als man mit Paul Di'Anno als Sänger die erste Single „Roundhouse Tapes“ und die legendären ersten Alben eingespielt hat. Paul Di'Anno wird in der Dokumentation sogar noch mit dem letzten Interview gewürdigt, das er vor seinem Tod gegeben hat (Rest in Peace, Mate!). Bruce Dickinson tritt IRON MAIDEN bei, „666 – The Number Of The Beast“, Stühle fliegen durch ein Aufnahmestudio. Es folgt ein Aufstieg, den dieser Truppe um die zwei verschiedenen Charaktere – der gelassene, eher reserviert wirkende Steve Harris und der draufgängerische, theatralische Bruce Dickinson – keiner zugetraut hätte. Genau die zwei Charaktere aber braucht das Konstrukt, um zu funktionieren, der Sonne entgegen emporzufliegen, ohne jedoch sich wie Ikarus die Flügel daran zu verbrennen. „Powerslave“, „Live After Death“, „Somewhere In Time“ und „Seventh Son Of A Seventh Son“ bis zu „Fear Of The Dark“ von 1992. Was immer IRON MAIDEN in die Hände nehmen, es scheint sich zu Gold zu verwandeln ...
Das Filmteam erhält Zugriff auf die Archive der Band, diese hält sich aber erstaunlicherweise aus dem Entstehungsprozess heraus. Konsequent werden die Interview-Beiträge der MAIDEN-Mitglieder dann nur als Voice-Beitrag im Film verwendet, der sich wie ein gigantisches Puzzle zusammensetzt. Dickinson steigt aus, weil er sich auf seine Solo-Karriere fokussieren will, es folgt die ausführlich geschilderte Phase mit Blaze Bayley, der ebenfalls zu Wort kommt. Bruce Dickinson kommt zurück, mit „Brave New World“ begeistert er sofort wieder die ganze Welt – weiter geht eine wilde Reise: höher, verrückter und irgendwie immer gigantischer. Bis zum Moment, als der ausgebildete Flugkapitän Bruce Dickinson himself seine komplette Band samt Vorgruppen und Crew am Steuer einer Boeing 747 von Gig zu Gig fliegt. „Ed Force One“ heißt der Flieger. Womit wir bei Maskottchen Eddie gelandet wären, dem als Alter Ego für den ewig schüchternen Steve Harris erfundene Kreatur aus der Feder von Derek Riggs wird im Film auch seine ganz eigene Hall of Fame eröffnet.
IRON MAIDEN haben sich nie verbiegen lassen, sie haben sich nie angebiedert, sie gehen ihren Weg immer weiter. Hier liegt eines der Geheimnisse ihres Erfolges, der ihnen eine Anhängerschaft beschert hat, die ihnen über Kontinente hinweg hinterher reist und die einander auf Augenhöhe begegnen können, wo auch immer sie sich treffen. Genau diese Errungenschaft ist es, die am Ende den kleinen, aber feinen Unterschied macht.
Die Fans der Band werden diesen Film lieben und auch Metal-Neueinsteiger können hier einen sehr unterhaltsamen Blick in diese spektakuläre Musik-Szene werfen.
IRON MAIDEN: BURNING AMBITION hat die reine Kino-Phase verlassen und ist ab dem 8. Oktober als 4K-UHD & Blu-ray-Steelbook, als herkömmliche Blu-ray sowie als Limited Edition 4K-UHD & Blu-ray Box-Set (inklusive Artcards, Plektren und Poster) erhältlich. Letztgenanntes Box-Set gibt es exklusiv bei: shop.plaionpictures.com.
Wedekind Gisbertson