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Endlich ist es wieder soweit, es geht Richtung Crispendorf zum CHAOS DESCENDS. Die Wochenendtickets sind heuer im Vorfeld ausverkauft, und bereits am Donnerstagabend ist der Zeltplatz relativ gut belegt.

Donnerstag, 18.07.2019

So ist die Poolstage schon verdammt voll, als KRINGA das CHAOS DESCENDS 2019 offiziell eröffnen. Roher und dreckiger Black Metal made in Austria, und die Jungs sind auf Krawall gebürstet. Zu perfekt ist dieses alte, zunehmend verfallende Schwimmbecken, das Null Distanz zum Publikum bietet. Also musikalisch mit ´Pearly Gates, Abhorrent Ascent´ oder ´Nine Prayers, Red Wine´ immer voll auf die Zwölf - und immer rein in die Menge, lass den Wahnsinn regieren und die Leute reagieren. Wiederholt droht eine Keilerei auszubrechen, KRINGA liefern gleich als Festivalopener den totalen Abriss. Wer neben Metal auch altem Goth frönt, erkennt den letzten Song anhand des markanten Basslaufs binnen Sekunden. Die Österreicher covern äußerst gelungen ´The Hanging Garden´ von The Cure - wie geil ist das denn?

Da haben es die Amis THE BODY anschließend nicht leicht. Ihr experimenteller, zeitweise sehr noisiger Mix aus Sludge, Drone, Industrial und Doom polarisiert sichtbar, denn konnte man sich bei KRINGA kaum am Rand rund um den Pool frei bewegen, ist es nun kein Problem mehr, sich auch im Schwimmbecken aufzuhalten. Dafür sind die, die nicht die Flucht antreten, umso leidenschaftlicher bei der Sache, auch, als es einen Amp durchhaut, worauf es etwas verschmort riecht. Aber statt einer Zwangspause, in der Stille regiert, überbrücken THE BODY, seit 20 Jahren aktiv, das kleine Malheur einfach mit Drums und noisigen Sounds. Die schwere Rhythmik, das Dröhnen und das hohe Gekeife gehen durch Mark und Bein und machen die Performance zu einem intensiven Erlebnis. Wer danach noch nicht genug hat, findet sich im Partyzelt ein, wo noch bis tief in die Nacht gefeiert wird.


Freitag, 19.07.2019

Pünktlich um 16 Uhr geht es am Freitag bei bestem "bewölkt aber trocken"-Festivalwetter los. CHALICE sind eine relativ neue Truppe aus Finnland und geben beim CHAOS DESCENDS ihr Live-Debüt. Erst im Frühjahr wurde mit Schlagzeuger Olli Törrönen die Besetzung komplettiert, und was das Quartett da im Rahmen eines allerersten Auftritts präsentiert, kann sich hören und sehen lassen. Der melodische Heavy Metal lockt nicht wenige Metalfans vor die Bühne, als CHALICE mit dem Titeltrack ihrer just veröffentlichten Debüt-EP "Silver Cloak" durchstarten. Von Nervosität keine Spur, stattdessen dominiert Spielfreude bei Stücken wie ´Nathusie Soul´ oder ´Stigmata´.

Wer auf derbere Kost steht, kommt anschließend bei NOCTURNAL WITCH auf seine Kosten. Der Black Thrash aus Thüringen macht keine Gefangenen, und als Liveunterstützung holen sich Tyrant und Baphomet Venomessiah an der zweiten Gitarre und N. Vmtr am Bass auf die Bretter, die ebenfalls über eine starke Bühnenpräsenz verfügen. Mit einem brandneuen Album im Gepäck, kredenzen NOCTURNAL WITCH vornehmlich Material von "A Thousand Pyres" wie den Opener ´Downfall Of The World´ oder ´Dark Forces´, geben aber auch Älteres wie ´Black Star´ oder ´Resurrected Darkness´ zum bösen Besten. Eine Dreiviertelstunde mitreißendes Vollgas, wie die ersten Reihen vor der Bühne belegen.

Die Herren CHAPEL OF DISEASE sind auf ihrem Debütalbum "Summoning Black Gods" auch noch recht schnörkellos unterwegs, doch schon beim Nachfolger "The Mysterious Ways Of Repetitive Art" kündigt sich eine musikalische Weiterentwicklung an, deren überaus konsequente Fortführung "...And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye" heißt, das heute fast in Gänze präsentiert wird. ´Einfach mal´ ein Album runterzuspielen, kann nach hinten los gehen, aber bei CHAPEL OF DISEASE kommt der Gedanke, dass hier etwas hingeleiert wird, nicht mal ansatzweise auf. Dennoch fallen die Reaktionen im Publikum sehr unterschiedlich aus. Während viele das musikalische Können, das gute Zusammenspiel des Quartetts aus NRW und die dichte Atmosphäre (man denke nur an das gnadenlos gute ´Song Of The Gods´) bejubeln, gibt es auch Stimmen, denen es zuviel des Guten ist, zu viel Rumgedudel, zu verspielt, eben nicht mehr so in die Fresse wie zu ihren Anfangstagen. Lebt einfach damit, dass nicht jede Band in ihrem Urschleim steckenbleibt, okay?

WIEGEDOOD gehen danach technisch nicht ganz so versiert zu Werke, allerdings kommt es bei den Belgiern auch mehr auf den atmosphärischen Aspekt an. Dieser wird durch angenehme sommerliche Begleitumstände im Ferienland zu Crispendorf allerdings leider nicht verstärkt. Man könnte sich vorstellen, dass die Musik der aus Flandern stammenden Formation in einem kleinen, stickigen Club bei dezenter Hintergrundbeleuchtung besser rüberkommt als am helllichten Tage in einem thüringischen Wald. Die durch die Bank verhältnismäßig ziemlich ausschweifenden Stücke der Truppe treiben dem einen oder anderen Anwesenden, der tags zuvor vielleicht etwas zu tief ins Glas geschaut hat, ein müdes Gähnen ins Gesicht. Dennoch ziehen sich WIEGEDOOD den Begleitumständen zum Trotz letzten Endes noch achtbar aus der Affäre.

Spätestens mit den ersten Klängen von BROCAS HELMs ´Black Death´ ist vor allen Dingen der traditionsbewusstere Teil der Fans wie von Sinnen. Zu lange musste man hierzulande warten, bis die Kalifornier sich in unseren Breitengraden mal wieder sehen lassen! Angesichtes der Tatsache, dass das letzte (allerdings superbe!) Album „Defender Of The Crown“ aus dem Jahr 2004 datiert und das Power-Trio in jüngster Vergangenheit live nur spärlich unterwegs war, hatte so mancher geglaubt, dass sich BROCAS HELM über kurz oder lang in die ewigen Jagdgründe verabschieden würden. Um den Gegenbeweis abzuliefern, stürmen die Amis die Bühne und bieten eine spielfreudige Performance, bei der vor allen Dingen Bassist Jim Schumacher und Sänger / Gitarrist Bobbie Wright mit ihrem kauzigen Auftreten zu unterhalten vermögen. Hinter den Kesseln sitzt zudem tatsächlich Jack Hays, so dass hier selbst nach 37 (!) Jahren Bandgeschichte immer noch die Gründungsbesetzung agiert! Dass Wrights Stimme mittlerweile etwas an Kraft eingebüßt hat, ist angesichts dieser beängstigenden Konstanz und dem Alter der Musiker durchaus zu verzeihen. Wie fast schon zu erwarten werden vor allen Dingen die Hymnen des oben erwähnten 2004er Meisterwerks wie ´Cry Of The Banshee´ oder das illustre ´Drink And Drive´ von den Kutten-Metallern vor der Bühne abgefeiert, bis bei der abschließenden Speed-Granate ´Skullfucker´ alle Dämme brechen. Die Kalifornier jetten danach indes nicht gleich heim oder zum nächsten Auftrittsort, sondern bleiben für die gesamte Dauer des Festivals vor Ort, so dass man die Jungs auch noch am darauf folgenden Tag immer wieder mal übers Gelände streifen sieht.

Als OBLITERATION anno 2011 beim „Hell´s Pleasure“, dem Vorgänger-Festival des CHAOS DESCENDS, in Erscheinung traten, hatten die Norweger gerade mal ihre ersten beiden Longplayer draußen, die noch sehr im traditionellen Death Metal verwurzelt waren. Zudem enterte die Hälfte der Band im Rahmen derselben Veranstaltung bei den genialen Thrashern von Nekromantheon noch einmal die Bühne. Diese Doppelbelastung existiert anno 2019 nun nicht mehr, und auch die Musik der Skandinavier hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Zwar ist das Ganze trotzdem immer noch ganz schön räudig und traditionell gehalten, letzten Endes hatten es OBLITERATION vor allen Dingen auf ihrer letzten Scheibe „Cenotaph Obscure“ jedoch geschafft, sich nahezu komplett von den früher offensichtlicheren musikalischen Vorbildern zu lösen und ein eigenes Ding zu etablieren. Folglich stammt auch über die Hälfte der an diesem Freitagabend dargebotenen Stücke von eben jenem Album. Nur wenige Male greifen die Norweger in die Mottenkiste und kramen alte Gassenhauer wie beispielsweise ´Exterminate´ oder ´The Spawn Of A Dying Kind´ vom Zweitwerk „Nekropsalms“ aus, welches dieses Jahr doch tatsächlich schon sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Das Publikum feiert diese intensive Messe düsteren Death Metals gebührend ab, so dass man sich die bange Frage stellen muss, ob die darauf folgenden ARCHGOAT dieses Niveau werden halten können?

Gut, selbst wenn beide Bands, grob gesagt, im Bereich des extremen Metals wildern, so liegen zwischen den Gruppen natürlich Welten. Während OBLITERATION ziemlich verspielt daherkommen, regiert bei ARCHGOAT die primitive Essenz der alten finnischen Szene. Die Skandinavier kommen aus demselben Urschleim wie Beherit, Impaled Nazarene, Mythos oder Belial und zelebrieren in Crispendorf eine unheilige Messe verwegener Düsternis. Erstaunlich präzise und abgebrüht kommt dabei die muntere Reise durch die Band-Biografie rüber, was allerdings keineswegs zu Lasten des undergroundigen Feelings geht. Der letzte Longplayer „The Luciferian Crown“ ist noch relativ frisch, weswegen ARCHGOAT nach der darauf enthaltenen Einleitung ´Intranation´ gleich mit ´Jesus Christ Father Of Lies´ losbrettern. Im direkten Vergleich mit frühen Demo-Ergüssen wie ´Black Messiah´ (Opener des ersten Tapes „Jesus Spawn“ aus dem Jahr 1991) oder ´Rise Of The Black Moon´ hat sich der Sound der Finnen im Laufe der Jahrzehnte wenig gewandelt. Vielmehr wurde akribisch darauf geachtet, dass der ursprüngliche Geist der Band trotz Weiterentwicklung an den Instrumenten erhalten blieb. Das Gros des Publikums weiß dies vollauf zu schätzen und bereitet dieser skandinavischen Black / Death – Legende den ihr gebührenden Empfang.

Die weitere Entwicklung Samaels ab „Passage“ oder allerspätestens ab der 1999er Scheibe „Eternal“ ist freilich Geschmackssache. Keinerlei Diskussionsbedarf dürfte es unter eingefleischten Metallern indes geben, wenn von den ersten beiden Meisterwerken „Worship Him“ und „Blood Ritual“ die Rede ist. Dass die beiden Samael-Köpfe Vorphalack und Xytraguptor nunmehr unter dem Kürzel W.A.R. („Worship And Ritual“) ausschließlich Songs der ersten beiden Longplayer zum Besten geben, ruft einerseits ungemeine (Vor)freude, andererseits jedoch auch Bedenken hervor, denn schließlich braucht die (Black) Metal-Welt nicht unbedingt eine weitere halbherzige Reproduktion alter Genre-Klassiker. Die Sorgenfalten sollten sich allerdings bereits im Vorfeld etwas verringern, wenn man bedenkt, dass Xytraguptor sich dort nunmehr nicht mehr um Samples, Effekte oder vereinzelte Percussion kümmert, sondern wie von alters her gewohnt wieder hinter einem richtigen Schlagzeug sitzt. Gleich zu Beginn des Headliner-Auftritts ertönt ´Total Consecration´, das Zwischenstück von „Blood Ritual” mit der markanten Beschwörungsformel, die von vielen Anwesenden begeistert mitgesprochen wird: „From the north, from the south, From the west, from the east, I summon you, gods of the pit. Come to us, infernal legions. Satan, father of men, god of gods. Take a look at your children Tonight, they give you their souls.“ Das darauf folgende ´Beyond The Nothingness´ vom Zweitwerk aus dem Jahr 1992 bläst dann jegliche Zweifel fort wie ein Orkan eine Feder: Die Leute hinter W.A.R. wissen definitiv, wie man frühe Samael-Klassiker auch heute noch authentisch darbietet! Man merkt, dass die involvierten Musiker seit vielen Jahren professionell unterwegs sind, was den frühen Werken der Schweizer jedoch keinesfalls ihren rohen Charme raubt! Mit ´Poison Infiltration´, ´Sleep Of Death´, ´Worship Him´, ´Macabre Operetta´, dem finsteren ´After The Sepulture´, ´The Knowledge Of The Ancient Kingdom´, ´Into The Infernal Storm Of Evil´ sowie dem rabiaten ´Morbid Metal´ zelebrieren Vorphalack und Xytraguptor zusammen mit ihren beiden Mitstreitern an Bass und Gitarre eine absolut stimmige Reise zurück in die frühen 90er. Vor der düster-doomigen Hymne ´Into The Pentagram´ gibt es noch ´Messenger Of The Light´, während dem Instrumental ´Last Benediction´ die Klassiker ´Bestial Devotion´, ´Rite Of Chtulhu´ und ´The Black Face´ folgen. Im Zugabenteil feuern die Eidgenossen mit ´Until The Chaos´ zunächst den letzten Song von „Blood Ritual“ ins Publikum, bis dann das von nahezu allen Anwesenden sehnsüchtig erwartete Titelstück der zweiten Platte einen Auftritt beschließt, welcher keinen Wunsch offen lässt! W.A.R. sind ihrer Headliner-Rolle gerecht geworden und können zweifellos als Highlight des Festival-Freitags verbucht werden!


Samstag, 20.07.2019

Gleich der Opener des Samstags vermag in Sachen Qualität an die Vortages-Headliner W.A.R. anzuschließen, selbst wenn GIÖBIA mit Black Metal und generell mit Metal eigentlich überhaupt nix am Hut haben. Der Bandname geht übrigens auf ein vorchristliches Ritual aus Norditalien zurück. Die drei Herren und die Dame aus Mailand lassen bei herrlichstem Sonnenschein Soundwälle über die Anwesenden niederprasseln, die regelrechten Trips ins Unterbewusste gleichen. Dabei agieren die Südeuropäer irgendwo zwischen Acid, Psychedelic und Space Rock, wiederholen mantragleich monotone Riffs und Grooves, die immer wieder in mitunter recht ausladenden Improvisationen enden. So geschehen beim den leider viel zu kurz anmutenden Auftritt abschließenden ´Sun Spectre´ von der 2015er Scheibe „The Magnifier“, wo die Musiker nach und nach von der Bühne gehen und nur noch Bassist Paolo Basurto mit seinem Rickenbacker auf der Bühne schön langsam „ausgroovt“. So viel kann und sollte man vorwegnehmen: GIÖBIA waren schon zu solch einem frühen Zeitpunkt eines der Festival-Highlights und haben so sehr zu recht einige Herzen für sich gewonnen!

Spätestens seit Veröffentlichung des Debütalbums „Abhorrent Manifestation“ vor zwei Jahren via Dark Descent Records und Invictus Productions dürfte der Name ASCENDED DEAD auch im Underground ein Begriff sein. Konsequenterweise verlagern die Amis das Augenmerk ab Song Nummer 5 bis zum Gig-Ende ausschließlich auf dieses Werk. Davor gibt´s unter anderem noch ´Mortification Of Souls´ vom ersten Demo sowie ´Arcane Malevolence´, das sich bereits auf der 2014er EP als passender Titeltrack und Opener erwies. ASCENDED DEAD präsentieren sich spieltechnisch völlig auf der Höhe und ernten für ihre ziemlich hektische, nichtsdestotrotz jedoch sehr präzise Spielweise Anerkennung.

Das italienisch/norwegische Black Metal-Kommando DARVAZA am hellichten Tage auf der Festivalbühne? Das funktioniert durchaus, denn man bekommt glatt das Gefühl, dass es etwas dunkler wird, als Omega und Wraath mit der Unterstützung von Tumulash (Bass), R. (Gitarre) und Bornyhake (Drums) die Bühne entern. Bösartige Intensität von den ersten Takten von ´A Hanging Sword´ an, versammeln sich schnell die Die-Hards vor der Bühne, um DARVAZA gebührend zu feiern. Neben Tracks von allen drei EPs gibt es mit ´Gospel Of Hate´ ein erstklassiges Celestial Bloodshed-Cover, und Wraath zeigt einmal mehr, dass er ein charismatischer Frontmann ist, der seinesgleichen sucht. Während einem so manch anderer ob seiner Bemühungen, böse zu wirken, allenfalls ein müdes Grinsen entlockt, kommt hier die Mischung aus hasstriefend, verachtend und wahnsinnig einfach authentisch rüber. Mit ´The Silver Chalice´ findet ein mehr als gelungener Auftritt seinen Abschluss.

Etwas vergleichbar Durchgeknalltes und Abgefucktes findet man heutzutage wohl nur noch selten: IMPETUOUS RITUAL gehen blutüberströmt, mit massig Spikes und Nieten versehen sowie Lendenschürzen tragend auf die Bühne, ein bestialisch-wüstes Durcheinander an Riffs, Licks und Rhythmen auskotzend, dass sich so mancher fragt, ob nicht jeder Musiker für sich einfach wild drauflos spielt? Weniger originell als Portal, wo zwei Mitglieder dieser Band ebenfalls zugange sind, erinnern IMPETUOUS RITUAL vielmehr an typisch düsteren, chaotischen Aussie-Lärm der Marke Sadistik Exekution, Martire oder Bestial Warlust / Corpse Molestation. Auf Platte dürfte das nach einer gewissen Zeit furchtbar anstrengend sein, live kann man der Truppe zumindest einen gewissen Unterhaltungsfaktor nicht absprechen, zumal irgendwann der Torso einer blutverschmierten Schaufensterpuppe hervorgeholt und in die Menge befördert wird. Sicherlich einer der verschrobensten, ungewöhnlichsten Festival-Auftritte!

Genau die Stilvielfalt lieben viele Besucher des CHAOS DESCENDS: Nachdem sich der gierige Schlund der chaotischen Vorhölle nach dem Abgang von IMPETUOUS RITUAL wieder geschlossen hat, bieten die von Sänger, Songwriter und Gitarrist Mat McNerney angeführten HEXVESSEL zuweilen leicht progressiv angehauchten Folk(Rock). Insbesondere die Stücke der Anfang dieses Jahres erschienenen neuen Scheibe „All Tree“ sind ziemlich eingängig ausgefallen und scheinen auch beim Publikum anzukommen. Nicht allein deswegen gibt die Band mit ´Son Of The Sky´, ´Changeling´, ´Wilderness Spirit´ und ´Ancient Astronaut´ an diesem Abend gleich vier Songs dieses Albums zum Besten. Wer seine Musik als „Psychedelic Forest Folk Rock“ bezeichnet, verdient es natürlich, in einem solchen zu spielen! Sprich, HEXVESSELs Musik kommt in der stimmungsvollen Location mitten im Wald ziemlich gut zur Geltung, und natürlich darf ´Invocation Summoning´ nicht fehlen, zu dem Mat das Publikum auffordert, die Band beim ´Ahoo´ zu unterstützen. Eine Aufforderung, der man gern folgt.

Der darauf folgende Stilbruch sollte eigentlich eine Feierstunde für NWOBHM-Freaks werden, leider entwickelt sich der Auftritt von ANGEL WITCH jedoch eher zu einem Trauerspiel! An der Songauswahl kann es eigentlich nicht liegen, zocken Kevin Heybourne & Co. doch mit Ausnahme von ´Sweet Danger´, ´Free Man´ und dem Instrumental ´Devil´s Tower´ wirklich sämtliche Songs des legendären Debütalbums aus dem Jahr 1980! Wenngleich der Verfasser dieser Zeilen mittlerweile endgültig die Hoffnung aufgegeben hat, mal auch ein paar Stücke des zwar nicht ganz so kultigen, aber ebenso ziemlich starken Zweitwerks „Screamin´ n´ Bleedin´“ zu hören, liefern die Briten abgesehen von den Debüt-Klassikern noch ´Into The Dark´ vom letzten Album „As Above, So Below“ aus dem Jahr 2012, die beiden Longtracks ´The Night Is Calling´ und ´Baphomet´ sowie das Instrumental ´Dr. Phibes´ von der „Loser“-7“. Rein instrumental gesehen hätte dieser Auftritt noch das Potential gehabt, eine fette Angelegenheit für alle Beteiligten zu werden. Kevin Heybourne ist als einzig übrig gebliebenes Ur-Mitglied zweifelsohne DIE Identifikationsfigur bei ANGEL WITCH, seine Gitarre und sein Gesang prägten diese Band von Beginn an. Natürlich kann man nicht erwarten, dass der Brite heute noch genauso gut singt wie vor rund 40 Jahren. Auffallend ist dann doch der stete Verfall seiner Fähigkeiten am Mikro. Der Auftritt beim CHAOS DESCENDS markiert dann endgültig den traurigen Tiefpunkt einer absoluten Metal-Legende. Viele, selbst große Diehard-Fans (zu denen sich der Schreiberling zählt) wenden sich bei so manchem allzu schiefen und/oder kraftlosen Ton ab, während einige unbeirrbare Zeitgenossen ANGEL WITCH dann doch noch ziemlich gut abfeiern. Was zurück bleibt ist ein mehr als nur zwiespältiger Eindruck: Sollte da jemand vergessen haben, wann´s mal genug ist und man der eigenen Karriere ein würdevolles Ende setzen sollte?

Selbst wenn die Musik von VED BUENS ENDE zum Ende eines Festivals natürlich nicht zu exzessivem Abfeiern einlädt, wird man doch zumindest als Anhänger experimentellen Black Metals vollauf zufrieden gestellt. Zeitzeugen, die das Glück hatten, die Band um Vicotnik (u.a. Dodheimsgard, Strid), Skoll (Arcturus) und Carl-Michael Eide (Aura Noir) bereits in den 90ern live zu erleben, meinten im Nachhinein, dass die Norweger auch heute noch jene Magie von damals heraufzubeschwören vermögen. Angesichts des mageren Backkatalogs in Form eines Demos („Those Who Caress The Pale“) und eines Albums („Written In Waters“) ist verständlich, dass sich die Songauswahl in erster Linie auf Stücke des wegweisenden Longplayers beschränken. Letztgenannter wird dann auch bis auf das kurze, finale ´To Swarm Deserted Away´ komplett zum Besten gegeben. Selbst heute noch ist nachvollziehbar, dass „Written In Waters“ bei Erstveröffentlichung anno 1995 seiner Zeit meilenweit voraus war und deswegen vom gemeinen Durchschnitts-Metaller nicht wirklich verstanden wurde. Es sei dahingestellt, ob das gegenwärtig so viel anders ist als damals, jedenfalls interessieren sich an diesem Abend viele Menschen für die Musik von VED BUENS ENDE, lassen sich auf die ungewöhnlichen Klänge ein und saugen sie zuweilen vollends in sich auf. Neben den bewährten Stücken der Debüt-Scheibe wie ´Carrier Of Wounds´, ´Den Saakaldte´ oder ´I Sang For The Swans´ streuen die Norweger noch Demosongs der Marke ´A Mask In The Mirror´ oder ´The Plunderer´ ein, bis das Titelstück des Tapes „Those Who Caress The Pale“ einen atmosphärischen, mitreißenden Auftritt beschließt.

Was wäre das CHAOS DESCENDS ohne einen Act, der völlig aus der Reihe fällt; heuer ist es THE SOFT MOON, das Brainchild des Kaliforniers Luis Vasquez, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Für die Live-Zeremonie mit zwei Mitstreitern zum Trio angewachsen, sind THE SOFT MOON mit ihren kühlen, elektronischen Post-Punk-Hymnen und Industrial-Tracks nicht nur musikalisches Kontrast-Programm. Sie schaffen es auch mühelos, Metaller zum Tanzen zu bringen. Wenn man Luis auf der Bühne umherspringen sieht, fällt es aber auch schwer, selbst ruhig zu bleiben. Die emotionale Bandbreite ist ebenso vielfältig wie die Sounds. Das 2013 auf dem selbstbetitelten Album veröffentlichte ´Circles´ atmet Verzweiflung, ´Like A Father´ oder ´Choke´ vom letzten Album "Criminal" haftet treibendes EBM-Flair mit aggressiver Note an. Ein Gefühl der Nostalgie macht sich breit, denn THE SOFT MOON wirken wie eine Band aus den 80ern, keine Wannabees, sondern einfach pur und echt, so auch das dramatischere ´The Pain´ (ebenfalls vom Album "Criminal" aus 2018). Repetitive Elemente unterstreichen den hypnotischen Charakter von ´Parallels´ oder ´Black´, und das ebenso eindringliche ´Want´ beschließt ein viel zu kurzes Set. Daran ändern auch leider die ´Zugabe´-Rufe nichts. Im Video zu ´Want´ krakelt Luis die Frage ´What's Wrong With Me?´ auf eine Wand. Diese Frage mag sich der eine oder andere auch stellen, der sich von THE SOFT MOON mitreißen lässt und einfach zu tanzen anfängt. Hey, alles gut, vielleicht sind nur mal eben die Scheuklappen etwas verrutscht, und das ist gut so!

Das Fazit zum CHAOS DESCENDS 2019 unterscheidet sich kaum von den vergangenen vier Jahren. Es ist ein Festival in einer wunderbaren Umgebung mit einzigartiger Atmosphäre, gut organisiert und von den Machern einmal mehr mit einer absolut überzeugenden Bandauswahl ausgestattet. Vielen Dank und bis zum nächsten Jahr!

Text: Endrew Stepan & Christian Wachter

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