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29. Oktober 2026

Battleforged

Geschmiedet aus Blut und Verrat: Dan Dryer über „Erben des Aufstands“

Titel: BATTLEFORGED – IN DER SCHLACHT GESCHMIEDET („Erben des Aufstands“ Band 2)
Autor: Dan Dreyer
Seitenzahl:  584
Verlag: LAUSCH medien
Bereits erschienen

Im Februar entführte uns Dan Dryer mit GUTTERBORN – IN DER GOSSE GEBOREN, dem Auftakt seiner neuen Reihe „Erben des Aufstands“, in eine düstere Fantasywelt, in der die Grenzen zwischen Hoffnung, Verrat und brutaler Macht verschwimmen. Mit BATTLEFORGED – IN DER SCHLACHT GESCHMIEDET steht nun die Fortsetzung in den Startlöchern. Wir haben mit Dan Dryer darüber gesprochen, wie er seine Welt weiterentwickelt, welche Rolle Geschichte und Mythos dabei spielen und was seine Figuren im Angesicht des Krieges erwartet.

Mit GUTTERBORN – IN DER GOSSE GEBOREN ist Anfang des Jahres der erste Band der Reihe erschienen. Was war die ursprüngliche Idee hinter dieser Geschichte, und wann wurde dir klar, dass daraus eine größere Reihe werden sollte?
Dass es eine Tetralogie werden würde, war von Beginn an klar. Ich wollte die Legende von Robin Hood mit historischer Fantasy und Anleihen beim Grimdark verweben. Themen wie die Kreuzzüge, England um 1190, Richard Löwenherz und die Unruhen gegen die Machtergreifung Prinz Johns sollten dabei eine zentrale Rolle spielen.
Mir war von Anfang an wichtig, dass sich die Geschichte nicht nur um einen einzelnen Aufstand dreht. Ich wollte erzählen, wie aus zwei einfachen Gossenkindern Menschen werden, deren Entscheidungen irgendwann das Schicksal eines ganzen Reiches beeinflussen. Und dafür brauchte ich einen entsprechend großen erzählerischen Rahmen.
Gutterborn bildet dabei den Auftakt, in dem die Zwillinge Aster und Ira ihre erste große Aufgabe bewältigen müssen. Noch ahnen sie nicht, wie weit ihre Wege sie führen werden und welche Rolle sie eines Tages in den Konflikten ihrer Zeit spielen sollen.

Was hat dich an diesen beiden Figuren besonders interessiert? 
Nachdem ich in einigen Büchern häufig männliche Protagonisten aufgeboten hatte und mit der „Nebula“-Reihe um Miss O’Shea eine weibliche Heldin auflaufen ließ, wollte ich in „Erben des Aufstands“ einmal beides parallel angehen. Der Untertitel „Dragoness And Ox“ verrät es ein wenig. Aster entspricht vom Charakter einer durchsetzungsfreudigen, agilen Drachin, während Ira in seiner Körperlichkeit und Vorgehensweise eher an einen Ochsen erinnert. Allein diese Dynamiken zwischen den beiden machen sie für mich interessant. Erst recht, wenn ich sie zu Beginn als treues Zwillingspaar aufbaue, nur um sie dann voneinander zu trennen.

Nun erscheint mit BATTLEFORGED – IN DER SCHLACHT GESCHMIEDET der zweite Teil der Reihe, und hier verschiebt sich der Schauplatz von den Gassen Truehavens in eine vom Krieg gezeichnete Welt. Was verändert dieser Bruch für die Figuren?
Nachdem in Buch 1 die Zwillinge durch ein Elendsviertel gekrochen sind, öffnet sich die Welt für sie in Buch 2. Aus den engen Häuserschluchten in Buch 1 geht es nun ins Heilige Land, wo es Pfeilhagel regnet und Drachen durch die Lüfte rauschen. Dazu werden die beiden voneinander getrennt, und Aster findet sich als Knappe bei den Drachenreitern, während Ira im Sträflingstross bei den Sühnebognern antritt, um feindliche Drachen vom Himmel zu holen. Den Rahmen bildet die Armee des Reiches, die einen Belagerungsring um die Heilige Stadt gezogen hat. Das Setting ist also ein ganz anderes – so wie auch Buch 3 ein anderes aufmachen wird. Ab da geht es in meine Version des Sherwood Forrest.

Salvareth bildet einen wichtigen Schauplatz des zweiten Bandes. Welche Konflikte wolltest du mit diesem Setting aufgreifen? 
Salvareth steht für mich sinnbildlich für die Absurdität des Krieges. Menschen bringen einander um, weil sie unterschiedlichen Überzeugungen anhängen, weil ihre Herrscher Macht und Einfluss beanspruchen oder weil ihnen jemand eingeredet hat, dass ihre Sache die einzig gerechte sei. Und am Ende sind es vor allem diejenigen, die mit diesen Entscheidungen überhaupt nichts zu tun hatten, die darunter leiden. Das Heilige Land zur Zeit der Kreuzzüge bietet dafür eine geradezu erschreckend passende Kulisse. Hier treffen Glaube, Fanatismus, politische Interessen und persönliche Schicksale unmittelbar aufeinander. Dabei wollte ich bewusst keine einfache Einteilung in Gut und Böse vornehmen. Denn auf beiden Seiten gibt es Menschen mit Überzeugungen, Hoffnungen und Ängsten. Und auf beiden Seiten gibt es diejenigen, die diese Überzeugungen für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. In BATTLEFORGED geht es deshalb auch um die Frage, was von unseren Idealen übrig bleibt, wenn wir bereit sind, für sie alles zu zerstören. Und darum, wie schnell Menschen zu Feinden werden können, obwohl sie eigentlich viel mehr miteinander verbindet, als sie voneinander trennt. Ich finde, das ist ein Thema, das nach über 800 Jahren leider nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Mit dem zweiten Band wächst die Welt weiter. Was dürfen Leserinnen und Leser von der Fortsetzung erwarten, und worauf freust du dich selbst am meisten, wenn du die Geschichte von Aster und Ira weitererzählst?
Mit BATTLEFORGED verlassen wir zunächst die Schauplätze Englands und erleben einen Krieg im Heiligen Land, der Aster und Ira auf völlig unterschiedliche Weise prägt. Aber dieser Krieg ist nur ein Teil einer viel größeren Geschichte. In den kommenden Bänden kehren wir nach England zurück. In den Sherwood Forest, wo sich der Widerstand gegen die Willkür der Herrschenden formiert. Wo Aufständische in den Wäldern leben, Überfälle planen und ein gewisser Rebell versucht, den Menschen etwas zurückzugeben, das ihnen längst abhanden gekommen ist: die Hoffnung auf Freiheit. Dabei wird die Geschichte zunehmend politischer, aber auch persönlicher. Denn Aster und Ira haben sich verändert. Sie sind nicht mehr die Jugendlichen, die wir zu Beginn des ersten Bandes kennengelernt haben. Sie haben gekämpft, getötet, gelitten und Erfahrungen gemacht, die ihre Sicht auf die Welt grundlegend verändert haben. 
Am meisten freue ich mich darauf, die verschiedenen Handlungsstränge wieder zusammenzuführen. Auf die Konflikte, die entstehen, wenn Menschen, die einander lieben, plötzlich auf unterschiedlichen Seiten stehen. Und natürlich darauf, die Robin-Hood-Legende auf meine ganz eigene, ziemlich ruppige und düstere Weise weitererzählen zu dürfen.
Denn stellen wir uns doch einmal vor, dass Robin Hood und seine Rebellen nicht nur gegen den Sheriff von Nottingham und dessen Soldaten kämpfen müssen, sondern dass die Krone irgendwann beschließt, den Aufstand endgültig niederzuschlagen – und dafür eine Drachenreiterin nach Sherwood schickt. Eine Drachenreiterin namens Aster.

Florian Tritsch