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20. Juni 2026

Aus der Tiefe des Fjords

Titel: KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE
Land/Jahr: Norwegen 2026
Label: Splendid
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 94 Min.
Erscheint am 23.07. 

Norwegische Fjorde, eine moderne Lachsfarm und ein uraltes Wesen aus dem Meeresschlund: KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE verbindet Umweltthemen mit klassischem Monsterkino. Das Ergebnis ist ein überraschend spannendes Creature-Feature, das mehr zu bieten hat als bloße Tentakel-Action.

Egal ob „Metal Lords“, „Heavy Trip“ oder „This Is Spinal Tap“ – wenn Metal im Mittelpunkt von Spielfilmen steht, dient das Genre meist als Ausgangspunkt für Komödien. Doch zum Glück gibt es immer wieder ambitionierte Ausnahmen, etwa den großartigen „Sound Of Metal“ von Darius Marder. In eine ähnliche Richtung schlägt nun auch WOLVES, das Langfilmdebüt von Regisseur Jonas Ulrich, der sich hier einem ernsteren Thema widmet und dabei bemerkenswert treffsicher vorgeht.

 Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Luana, die spürbar mit ihrem Leben hadert. Ihr Job erfüllt sie nicht, das Zusammenleben mit ihren Eltern frustriert sie zunehmend, und eine wirkliche Perspektive ist nicht in Sicht. Als sie den charismatischen Wiktor, den Frontmann der Black-Metal-Band WLVS, kennenlernt, verändert sich ihr Alltag jedoch schlagartig. Plötzlich eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt voller interessanter Menschen, exzessiver Partynächte und einer Musik, die ihr das Gefühl gibt, ihren Alltag vergessen zu können.

Die Gefahren des Tier- und Monsterhorrors lauern überall: Raubtiere streifen durch Wälder und Wüsten, Vogelschwärme verdunkeln den Himmel, und unbekannte Kreaturen graben sich aus der Erde. Doch am unheimlichsten bleibt bis heute das Wasser. Dort verbirgt sich die Bedrohung unter einer scheinbar ruhigen Oberfläche – unsichtbar, lautlos und oft erst dann zu erkennen, wenn es zu spät ist.

So auch in Vangsnes, einem malerischen Dörfchen am kristallblauen Sognefjord, dem größten und tiefsten Fjord Norwegens. Vor vielen Jahren arbeitete Johanne (Sara Khorami) gemeinsam mit ihrem Kollegen Erik (Mikkel Bratt Silset) in diesem Urlaubsparadies an einem System, das Parasiten von Lachsen fernhalten sollte. Doch bevor das Projekt abgeschlossen war, verließ sie den Ort und ließ Erik mit der Fertigstellung allein. Jetzt kehrt sie nach Vangsnes zurück, um die Anlage genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das System gehört inzwischen zu einer Hightech-Lachsfarm des Geschäftsmanns Avaldsnes (Øyvind Brandtzæg) und scheint erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt zu haben. Fischschwärme werden an die Küste gespült, Krabben verlassen in großer Zahl das Wasser – und offenbar wurde noch etwas anderes aus den Tiefen des Fjords geweckt ...

Es braucht nicht allzu viel Fantasie, um zu erahnen, welche Art von Monster die Bewohner*innen des fjordnahen Örtchens bei einem Titel wie KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE wohl heimsuchen wird. Und, ja das Regietandem Pål Øie und Sjur Aarthun liefert hier im Kern einen klassischen Monsterfilm über ein uraltes Ungeheuer aus dem Abgrund mit traditionellem Figurenensembles aus kapitalistischem Geschäftsmann, rebellischer Teenagerin samt Freunden, dem altem Seebären und natürlich der aufrichtigen Heldin.

Und so ist man zweifellos versucht, das Werk des Filmemacher-Duos als typisches Creature-Feature nach Schema F abzutun, doch hier tut man dem Film unrecht, denn den beiden gelingt es hier tatsächlich immer wieder, zu überraschen. KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE unterläuft die Erwartungen an den Plot und in die Figuren regelmäßig und setzt vor allem auf etwas, das in der Creature-Feature-Sparte keineswegs selbstverständlich ist: Spannung, die sich letztlich zu einem packenden Finale steigert, das sich vor zahlreichen Filmklassikern verneigt und doch eigenständig ist.

Der norwegische Monsterfilm begeistert nicht nur durch sein Drehbuch, sondern auch durch die gekonnte Umsetzung. Dies zeigt sich zum einen in der wunderbaren Naturkulisse, die Kameramann Sjur Aarthun eindrucksvoll in Szene setzt. Die majestätischen Fjorde, die steilen Berghänge und die scheinbar endlosen Wasserflächen sind dabei weit mehr als nur eine hübsche Hintergrundkulisse. Sie verleihen dem Geschehen eine ganz eigene Atmosphäre und tragen entscheidend dazu bei, dass die Bedrohung durch das Monster aus der skandinavischen Untiefe jederzeit greifbar bleibt.

Ebenso überzeugend fällt die musikalische Untermalung aus. Der Soundtrack versteht es, die unterschiedlichen Stimmungen des Films gekonnt zu unterstützen – mal zurückhaltend und atmosphärisch, mal druckvoll und bedrohlich. Besonders erfreulich ist dabei die Beteiligung der Extreme-Metal-Größe Vreid, deren Musik hervorragend zum Ende passt und Lust auf mehr macht.

KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE ist definitiv kein gewöhnliches Creature-Feature, sondern ein fesselnder Film, der die klassischen Zutaten von Katastrophen- und Monsterkino gekonnt nutzt und sie mit einem eigenen stilistischen Flair skandinavisch verfeinert.

 

Florian Tritsch

VREID

 

Sognametal. Nichts passt besser zu einem Film, der am Ende eines der vielen Ausläufer des mächtigen norwegischen Sognefjords spielt. 'Sognametal' heißt auch der Schwanengesang der legendären Windir, aus denen VREID hervorgegangen sind. Die führen den extravaganten und charakteristischen Metal-Sound der Gegend fort und wurden gebeten, ein Stück namens 'Kraken' für den Film zu schreiben. Kreativkopf Jarle Kvåle gibt dazu Auskunft.

 

Jarle, wie kam es dazu, dass ihr Musik zum Film KRAKEN beisteuern konntet?
Der Produzent Einar Loftesnes war unser Musiklehrer, als wir mit dem Musikmachen anfingen, und half uns dabei, die ersten Demos mit Windir und Ulcus aufzunehmen. Wir sind über die Jahre in Kontakt geblieben, und als er bereit war, diesen Film in unserer Heimatregion zu drehen, wollte er unbedingt Sognametal als Soundtrack dafür haben.“

Mit eurer Komposition für den Soundtrack betretet ihr ein anderes kreatives Feld – inwiefern unterschied sich diese Arbeit von eurem üblichen Songwriting-Prozess bei VREID?
Filmmusik hat mich schon immer inspiriert – so habe ich versucht, mir zu überlegen, wie ich sie mag und habe ziemlich viel Zeit damit verbracht, Filmmusik zu hören. Ein Song für einen Film ist ein anderer Prozess als das Schreiben eines Songs für ein Album. Wenn ich eine Platte mache, habe ich absolut keine Grenzen, hier musste ich mir überlegen, wie die Musik in diese andere Welt passen soll.

Hast du den Track eher aus einer filmischen Perspektive angegangen und versucht, dich den Bildern anzupassen, oder bist du deiner etablierten musikalischen Identität treu geblieben?
Für mich war es am wichtigsten, an der musikalischen DNA von VREID festzuhalten, dies aber auch als Herausforderung zu sehen, wie ich das mit neuem Kontext weiterentwickeln könnte.

Anders gefragt: Wie viel VREID steckt in der Nummer, und wie viel ist von den Anforderungen des Films geprägt?
Es ist hundertprozentig VREID. Ich habe den Song genau so geschrieben, wie ich ihn haben wollte. Wir standen während des Prozesses natürlich im Dialog, und mein Ziel war immer, dass er ihnen gefällt und sie ihn verwenden. Hätten sie das Gefühl gehabt, er passt nicht zum Film, hätten sie ihn abgelehnt – zum Glück fanden sie ihn wirklich toll.

Waren für die Arbeit an dem Stück bestimmte Szenen oder Stimmungen vorgegeben, oder hattest du die kreative Freiheit, die Atmosphäre von KRAKEN selbst zu interpretieren?
Wir haben uns intensiv über den Film und die Geschichte unterhalten, das war wichtig, um zu sehen, in welche Richtung ich damit gehen kann – aber ich hatte volle künstlerische Freiheit.

Warst du auch an anderen Teilen des Soundtracks zum Film beteiligt, oder handelt es sich hier um einen eigenständigen Beitrag?
Es handelt sich um einen eigenständigen Beitrag.

Würdest du dich aufgrund dieser Erfahrung daran interessiert zeigen, in Zukunft verstärkt im Bereich der Filmmusik tätig zu werden?
Auf jeden Fall, der Prozess hat mir sehr gefallen, es ist für mich jedoch kein Neuland. Für das letzte VREID-Album „Wild North West“ haben wir unseren eigenen Film gedreht, und für unser neues Album „The Skies Turn Black“ haben wir Videos produziert, die selbst Teil des kreativen Prozesses waren. Zum Song 'Loving The Dead' haben wir, glaube ich, unser bestes Musikvideo aller Zeiten gedreht, mit Chris Pontius von "Jackass".

Wenn du das Ergebnis jetzt siehst: Was hast du aus dieser Zusammenarbeit mitgenommen? Hat sie dir neue kreative Türen oder Denkweisen in Bezug auf Musik eröffnet?
Ich bin immer auf der Suche nach neuen Wegen, die ich erkunden kann! Die Zusammenarbeit mit KRAKEN war eine großartige Reise. Ich bin sicher, wir werden im nächsten Jahr neue Wege beschreiten, die wir noch nicht gegangen sind – das ist ja der Sinn des Schaffens!

Könntest du dir vorstellen, Elemente des filmischen Ansatzes in zukünftiges VREID-Material einfließen zu lassen?

Das kann ich und ich werde es auch tun.

 

Wedekind Gisbertson

FB: vreidofficial