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20. Juni 2026

Mit den falschen Wölfen heulen

Titel: WOLVES
Land/Jahr: Schweiz 2025
Label: Meteor Film
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 96 Min.
Erscheint am 27.08.


Die Musik zum Film

Dass WOLVES nicht nur als Film, sondern auch musikalisch überzeugt, ist kein Zufall. Für das Projekt wurde eigens die Band WLVS gegründet, in der unter anderem Mitglieder von Ungfell (absolute Empfehlung für Blackies!) und Megaton Sword mitwirken. Komplettiert wird das Line-up durch Hauptdarsteller Bartosz Bielenia am Mikrofon, während die Songs aus der Feder von Zeal-&-Ardor-Mastermind Manuel Gagneux stammen. Man könnte fast von einer Supergroup sprechen!

Musikalisch orientiert sich „Rooted In Ancestral Memory“ an der skandinavischen Black-Metal-Schule der neunziger Jahre, verbindet deren rohe Atmosphäre jedoch mit einem modernen Klangbild. Dass WLVS weit mehr als ein bloßes Film-Gimmick sind, bewiesen die Musiker bereits mit mehreren Konzerten vor echtem Publikum, darunter sogar als Support der belgischen Post-Metal-Größe Amenra.

Das Album erschien im Mai 2026 und ist über Fucking Kill Records erhältlich. Neben Vinyl ist auch eine Tape-Version vorgesehen. Wer sich nach dem Film noch tiefer in die düstere Welt von WOLVES begeben möchte, findet mit „Rooted In Ancestral Memory“ den passenden Soundtrack dazu. (JJ)

 

Mit WOLVES gelingt dem Schweizer Filmemacher Jonas Ulrich ein intensives wie überraschend differenziertes Drama über Zugehörigkeit, Manipulation und die extremistische Seite der Black-Metal-Szene.

Egal ob „Metal Lords“, „Heavy Trip“ oder „This Is Spinal Tap“ – wenn Metal im Mittelpunkt von Spielfilmen steht, dient das Genre meist als Ausgangspunkt für Komödien. Doch zum Glück gibt es immer wieder ambitionierte Ausnahmen, etwa den großartigen „Sound Of Metal“ von Darius Marder. In eine ähnliche Richtung schlägt nun auch WOLVES, das Langfilmdebüt von Regisseur Jonas Ulrich, der sich hier einem ernsteren Thema widmet und dabei bemerkenswert treffsicher vorgeht.

 Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Luana, die spürbar mit ihrem Leben hadert. Ihr Job erfüllt sie nicht, das Zusammenleben mit ihren Eltern frustriert sie zunehmend, und eine wirkliche Perspektive ist nicht in Sicht. Als sie den charismatischen Wiktor, den Frontmann der Black-Metal-Band WLVS, kennenlernt, verändert sich ihr Alltag jedoch schlagartig. Plötzlich eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt voller interessanter Menschen, exzessiver Partynächte und einer Musik, die ihr das Gefühl gibt, ihren Alltag vergessen zu können.

Innerhalb kürzester Zeit identifiziert sich Luana mehr und mehr mit der Band. Bald begleitet sie die Gruppe auf Konzerte, verkauft deren Merchandise und kümmert sich um die Social-Media-Kanäle.  Gleichzeitig verfällt sie Wiktor zunehmend. Trotz seiner Widersprüchlichkeit, seiner Unberechenbarkeit und seinen zunehmend offen zur Schau gestellten extremistischen Ansichten gelingt es ihm, eine enorme Anziehungskraft auf sie auszuüben …

Man könnte nun denken, WOLVES würde den Weg vieler älterer pädagogischer Machwerke einschlagen, die dem Publikum erklären wollen, dass Metal automatisch zu gesellschaftlichem Abstieg und auf direktem Weg in die Hölle führt. Glücklicherweise wählt der Film jedoch einen anderen Ton. Statt plakativer Warnungen und oberflächlicher Klischees präsentiert Jonas Ulrich eine differenzierte Milieustudie, die sich einem schwierigen, aber leider real existierenden Teilbereich der Szene widmet: dem NSBM (National Socialist Black Metal). 

Besonders beeindruckend ist hier, wie glaubwürdig und authentisch WOLVES daherkommt. Man spürt in nahezu jeder Szene, dass Ulrich die Kultur und die Menschen kennt, über die er erzählt. Der Film interessiert sich nicht für einfache Antworten oder moralische Holzhammerbotschaften. Stattdessen liefert der Schweizer Filmemacher eine Geschichte über die Suche nach Identität und Zugehörigkeit sowie die Gefahr, dabei an die falschen Menschen zu geraten.

Dass das so gut funktioniert, liegt vor allem an dem wunderbaren Cast. Die bisher wenig bekannte Selma Kopp setzt hier ein deutliches Ausrufezeichen und überzeugt als Hauptfigur Luana mit einer nuancierten und glaubwürdigen Performance. Kopp macht die Zerrissenheit ihres Charakters in jeder Szene nachvollziehbar und trägt den Film mühelos über die gesamte Laufzeit. Ihr Konterpart Bartosz Bielenia („Corpus Christi“) steht dem in nichts nach und verleiht seinem Wiktor genau die Mischung aus Charisma und Bedrohlichkeit, die die Figur benötigt, um ein gefährlicher Menschenfänger zu sein. Man versteht jederzeit, warum seine Umwelt sich von ihm angezogen fühlt.

Alles in allem gelingt Jonas Ulrich mit seinem Langfilmdebüt ein mehr als sehenswerter Film. WOLVES ist gleichermaßen ein sensibles Drama und eine interessante Milieustudie zur NSBM-Szene. Wer sich für das Thema interessiert, sollte diesen Film keinesfalls verpassen.

WOLVES erscheint am 27. August als Mediabook sowie in einem exklusiven Bundle mit Mediabook und Vinyl.

 

Florian Tritsch