OVERKILL, BATTLECREEK @ L.A., CHAM, 14.07.2026
Eine nur 2 Monate vorher angekündigte Konzertserie inmitten der Sommer-Festivalsaison. Dieser Schuss hätte in vielen anderen Fällen nach hinten los gehen können. New Jersey`s finest verkaufen heute allerdings trotzdem das wunderschöne L.A. Venue in der Oberpfalz mal eben aus. Bereits zwei Stunden vor Konzertbeginn sitzen viele Metalheads im Biergarten vor dem Venue und lassen es sich mit kühlem Gerstensaft plus Burgern, Burritos, Subs oder anderen American Diner Leckereien gutgehen. Bevor es zu voll wird, probieren OVERKILL mal eben kollektiv die Mini-Hot-Rods aus mit denen man bei den Besitzern Tanja und Jürgen Wittmann auch Touren buchen kann. Bei dieser Aktion hat man als Zaungast genauso viel Spaß wie die dabei dauergrinsenden Herren Mr. Linsk und Mr. Ellsworth.

Zum wiederholten Male dürfen die Bayern BATTLECREEK den Opening-Act für eine größere Thrash-Band stellen. Und wer das Quartett in den letzten zwei Jahren Live gesehen hat, weiß auch warum und dass sich die sympathischen Jungs dies redlich verdient haben. Die Band steigert sich bzgl. Songwriting als auch in der Live-Disziplin stetig, braucht sich mittlerweile nicht mehr hinter einigen größeren Namen des Genres verstecken. Energielevel, Tightness, Spielfreude, Charisma – hier stimmt einfach alles. Zudem hat man bei den Thrashern den Eindruck, dass hier keine Zweckgemeinschaft, sondern echte Kumpels zusammen auf der Bühne stehen. In der 22-jährigen Bandgeschichte wurden bisher drei Alben veröffentlicht und als Fan wird man das Gefühl nicht los, dass BATTLECREEK ihr Magnum Opus noch schreiben werden. Heute trifft neben dem A-Team Intro `Hate Injection`, `King Of Rats`, `Knockout In The First Round`, `Fuck The Demon`sowie das obligatorische `Redneck Riot`zum Schluss am meisten ins Schwarze. Und trotz tropischen Temperaturen auf und vor der Bühne, entfacht sich ein schöner Moshpit und auch die bereits etablierten Ballspielchen, werden von den anwesenden Bangern auch gerne mitgemacht. Weit mehr als eine gute Anheizershow!

Die Großmeister OVERKILL segelten in der letzten Zeit in eher unruhigem Fahrwasser. Zunächst die zweimalige Schulter-OP von Tieftöner D. D. Verni, dann der Wechsel von den Aushilfs-Bassisten Speesy/Dave Ellefson zu Christian Olde Wolbers (Ex-Vio-Lence/Fear Factory) hin. Plus die Integration des neuen Drummers Jeramie Kling. Und last but not least die Trennung von Rhythmus-Gitarrist Derek Tailer, der immerhin 25 Jahre Teil der Band war. Somit steht heute mit Sänger Bobby nur eines der Gründungsmitglieder auf der Bühne. Der Charismatiker wirkt glücklich, gesund und hat heute echt unübersehbar so richtig Bock alles zu geben. Die fehlende zweite Gitarre kompensiert Dave erstaunlich gut. Es ist absolut erstaunlich, welches Brett der gute heute allein aufzufahren weiß. Zusammen mit Basser Christian, der sich optisch als auch spielerisch sehr gut einfügt, ergibt dies ein stimmiges Bild. Schön auch zu sehen, wie sich die Musiker untereinander immer wieder anposen, in die Augen schauen, Grimassen schneiden und interagieren. So hatte man es auf der letzten ausgedehnten Tour tatsächlich nicht mehr erlebt. Evtl. die Art von Frischzellenkur, die OVERKILL mal wieder gebraucht haben. Glücklicherweise meint es auch der Mischer heute gut mit den Amis, wodurch gleich das Eröffnungs-Trio `Scorched`, `Rotten To The Core`sowie `Bring Me The Night`in vollem Glanz erstrahlt. Mr. Ellsworth attestiert dem L.A. Venue, dass es sich für ihn anfühlt, als würde es aus einem Tarantino Film stammen. Cooles Kompliment! Spätestens zu `Hello From The Gutter` brechen die letzten Dämme und das L.A. steht Kopf. Bangen, mitsingen und Pogen, wohin das Auge blickt. Dies quittiert Bobby breit grinsend, und sagt mit `Deny The Cross` eines der größten Schmankerl des heutigen Abends an. Nach `Electric Rattlesnake`, welches langsam mal durch einen anderen Track im Set abgelöst werden könnte, erfahren wir das `Mean, Green, Killing Machine`eines der Lieblings-Stücke des 67-jährigen Frontmanns ist. Um die Abwechslung hochzuhalten, packen das geniale vom Rezensenten vermisste `Necroshine`(Gänsehaut!) sowie `Horrorscope`anschließend die Groove-Keule aus. `The Surgeon`etabliert sich zurecht langsam zu einem neuen Standard im Set, was bei dem Übersong `Ironbound`längst selbstverständlich ist. Wie gewohnt steht der Klassiker `Elimination` für den Aggressions-Peak vor der Bühne, ehe leider bereits der Zugabeblock eingeläutet wird. `In Union We Stand` und das sehr intensiv performte `Feel The Fire`, welches dem ein oder anderen Altfan sogar Freudentränen in die Augen treibt, sorgt für die höchste Endorphin-Ausschüttung des heutigen Abends. Das kein OVERKILL Konzert ohne das The Subhumans Cover `Fuck You`beendet werden kann, ist eh selbstredend. Nach dieser Killer-Show ist klar, dass das (neuerdings) Quartett gerade so etwas wie seinen dritten Frühling erlebt. Unter diesen Vorzeichen wollen wir hoffen, dass sich dieser Drive auch auf das neue Album überträgt an dem die Thrasher aktuell arbeiten. A Night to Remember!

Text: Markus Wiesmüller
Fotos: Danny “Trabi” Jakesch