Live, Reviews

BATTLECREEK, SACRED REICH – AUGSBURG, SPECTRUM – 15.08.2019

Inmitten des Festival-Sommers bzw. konkret des nur 100km entfernten, parallel stattfindenden Summer Breeze Festivals, geben Arizonas finest Thrashers heute in Augsburg die Ehre. Eine Stunde vor Konzertbeginn geben sich die Musiker von SACRED REICH Fan nah, sind dem ein oder anderen Plausch bzw. Foto nicht abgeneigt und verkaufen im Schichtbetrieb ihr Merchandise selbst. Da könnte sich die ein oder andere etablierte Größe ruhig mal eine Scheibe abschneiden!

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In etwa zur besten Sendezeit dürfen aber erst mal die Bayern BATTLECREEK die Bühne entern. Das Quartett aus Schnaitsee musiziert arschtight und auf einem beachtlichen technischen Niveau. Dies hat viel mehr mit Bay-Area Sound der Marke viel Exodus und Testament sowie auch etwas Megadeth und Slayer, als mit teutonischem Rumpelthrash zu tun. Die Band geht mit einer Menge Energie und Spielfreude zu Werke. Also ist es keine Überraschung, dass das mittlerweile reichlich anwesende Publikum spätestens zur Hälfte des Sets völlig aufgetaut ist und begeistert mitbangt und applaudiert. Während `Fuck The Demon` und dem coolen `Kill Or Be Killed` steigt die Stimmung weiter, was die Band sichtlich genießt. Gitarrist Chris kommt aus dem Dauergrinsen gar nicht mehr heraus, hat einen beachtlichen Bewegungsradius und reißt nicht nur zum gekonnten Solieren immer wieder seine Klampfe in die Höhe. Sänger Bene bekommt für sein „good friendly violent fun“ Stage-Acting und das hübsche „Impact Is Imminent“ Leibchen ebenfalls einen Pluspunkt. Spätestens nach dem Smasher `Redneck Riot` incl. `Harvester Of Sorrow` (Metallica) Gedächtnisriff zum Ende es Sets ist klar, dass die 2004 gegründete Combo heute einen wahren Triumphzug einfahren kann. Vorbildliche Anheizershow!

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Nach einer schön kurzen Umbaupause, in der sich der Spectrum Club erfreulicherweise noch weiter füllt, entern endlich SACRED REICH lässig grinsend die Bühne. Von dieser Band geht wie eh und je ein extrem positiver Spirit aus, der sich von der ersten Sekunde an auf die Zuschauer überträgt. Das Quartett steigt mit dem Groover `The American Way` in das Set ein – und viele Blicke wandern zunächst zu dem neuen Gitarristen. Der erst 22-jährige Joey Radziwill spielt, bangt sich die Seele aus dem Leib, post und performt als gäbe es kein Morgen! Der junge Wilde, sehr leidenschaftliche Musiker harmoniert prächtig mit dem lässigen Spiel und der tiefenentspannten Art des sehr Charismatischen Veteranen Wiley Arnett. Dessen Soli sind nicht nur in `Death Squad` Weltklasse und tönen stets charakteristisch. Bei Rückkehr-Drummer Dave McClain (Ex-Machine Head), welcher bereits von 1991-1997 in der Band war, fühlt es sich so an als sei er nie weg gewesen. Der gute hat sichtlich den Spaß seines Lebens, und tauscht besonders häufig immer wieder Blicke und Grinser mit Fronter Phil Rind aus – bevor er mit `Awakening` das Titelstück der neuen Platte einläutet. Dieses funktioniert Live prächtig und sorgt wirklich für kollektives Synchron-Banging in den ersten Reihen vor der Bühne. Was den Gesang von Phil angeht, so scheint dieser wie ein guter Wein immer weiter gereift zu sein. `Free` wird von ihm sehr ergreifend und emotional gesungen, ehe es mit `Who`s To Blame` den ersten Überhit zu hören gibt. Mr. Rind weiß auf Basis seines großen Herzes sehr gut mit dem Publikum zu kommunizieren und bedankt sich mehr als einmal für den Support sowie den Jahrelangen Zuspruch auf Konzerten auch ohne neues Material. Ein Klassiker wie `Independent`, scheint für den mit einer unvergleichlich positiven, sympathischen Aura gesegneten Phil wie gemacht zu sein. Augsburg frisst dem Buddhisten förmlich aus der Hand, als er mit `Salvation` ein weiteres Stück von dem neuen Longplayer singt. Noch intensiver als auf Konserve! Mit `Ignorance` werden Geschwindigkeit und Aggression wieder angezogen, ehe SACRED REICH `One Nation` als Midtempo-Nackenbrecher nachschieben – nur um mit `Divide & Conquer`, einem weiteren neuen Track, wieder das Gaspedal durchzutreten. Trommler Dave kann immer wieder zeigen, was für ein herausragender Drummer er ist. Sein kraftvolles, stets mit feinen Fills und kleineren Raffinessen ausgestattetes Spiel sticht im Vergleich zu seinem im Vergleich etwas straighter agierenden Greg Hall wirklich heraus. Jungspund Joey sucht nicht nur während `Love…Hate` immer wieder direkten Blickkontakt zu den Fans in den ersten Reihen, schneidet Grimassen und ist ständig in Bewegung. Was für ein Glücksgriff für SACRED REICH! Mit `Manifest Reality` folgt nach Auffassung des Rezensenten DAS Highlight des neuen Outputs. Ein zukünftiger Klassiker und totale Abrissbirne, die wie dafür gemacht ist um Live performt zu werden. Ganz abgesehen von dem sehr wertvollen, starken Text. Den Deckel macht heute der Smasher `Surf Nicaragua` drauf. Dabei ist noch einmal Party pur auf und vor der Bühne angesagt. Es ist überdeutlich, dass heute Abend vier dicke Kumpels auf der Bühne stehen, die den Spaß ihres Lebens haben und davon jede Minute in sich aufsaugen. Dieses Gefühl überträgt sich über die gesamte Konzertlänge auf das Publikum. Beeindruckende, wirklich makellose Show!


Setlist SACRED REICH:

The American Way

Death Squad

Awakening

Free

Who`s To Blame

Independent

Salvation

Ignorance

One Nation

Divide & Conquer

Love…Hate

Manifest Reality

Surf Nicaragua


Text: Markus Wiesmüller

Fotos: Anastasiya Wiesmüller

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