Live

MOTÖRBLÖCK, MAD SABBATH @ CHAM, L.A. – 28.12.2018

Ein wahrlich feines Kontrastprogramm zu den besinnlichen Weihnachtsfeiertagen und dem großen Fressen im Kreise der Familie wird am heutigen Freitagabend im L.A. geboten. Nicht nur dass heute bereits der dritte Todestag von Legende Lemmy Kilmister ist. Chef Jürgen hat sich zu diesem Anlass zwei starke Coverbands ins Haus geholt, um Ian Fraser gebührend zu gedenken.

Um 18 Uhr dominiert aber noch die Gemütlichkeit im Restaurant- und Bar-Bereich des L.A. Dass das Publikum heute besonders generationsübergreifend ist, wird anhand der zahlreichen größeren Tischrunden deutlich. Es sind einige Familiengruppen mit Teen-Kids, Eltern als auch Großeltern auszumachen. Die Gäste erfreuen sich an der reichhaltigen Menüauswahl rund um leckere Sandwiches, Hotdogs, Burritos, Burger, Baked Potatoes und vielem mehr. Natürlich darf zu Ehren Lemmys heute auch der eine oder andere Jack-Daniel‘s-basierte Longdrink nicht fehlen. Hierzu bietet das L.A. heute feinerweise spezielle Trinkoptionen an.

Mad Sabbath

Als dann um 20 Uhr der Einlass zur Konzerthalle startet, ist das L.A. bereits bestens gefüllt, und die Zuschauer schlurfen nach und nach gemütlich vor die Bühne. Heute regiert die bayerische Urlaubs-/Feiertagsgemütlichkeit, was sehr angenehm ist. Circa 45 Minuten später stehen dann MAD SABBATH auf der Bühne. Auch wenn die Combo von vielen als Black-Sabbath-Coverband gehandelt wird, ist nach den ersten Songs schnell klar, dass der Schwerpunkt ein bisschen woanders liegt. Gitarrist Chris sieht mit seiner Biker-Lederweste inkl. Black-Label-Society-Backpatch und mit Kronkorken-verzierter Rebel-Flag-Les-Paul-Klampfe z.B. nicht nur wie ein Southern-Rocker/Metaller aus, sondern auch sein bockstarkes Spiel orientiert sich sehr gelungen an Zakk Wylde. Auch wenn das Quartett mit dem Klassiker 'Paranoid' einsteigt, werden schnell 'I Don't Know' und 'Crazy Train' hinterhergeschoben, ehe 'Iron Man' mit 'Children Of The Grave' verschmelzen darf. Insgesamt gibt es doch etwas mehr Ozzy-Osbourne-Solo-Material als Black-Sabbath-Übersongs zu hören. Anhand von Schmankerln wie z.B. 'Mama I'm Coming Home' (richtigerweise Lemmy zugeschrieben und gewidmet), 'Mr. Crowley', 'Bark At The Moon', 'I Don't Want To Change The World', 'Shot In The Dark', 'Mr. Tinkertrain' und 'Suicide Solution' ist dies aber kein Problem. Die ganz großen Sabbath-Klassiker und Standards wie 'War Pigs', 'Symptom Of The Universe' oder 'Changes' bleiben glücklicherweise trotzdem nicht außen vor. Bei all der Uptempo-Lastigkeit in der Setlist wäre es aber dennoch wünschenswert, den ein oder anderen schleppenden Black-Sabbath-Düstertrack (z.B. 'Black Sabbath', 'Cornucopia', 'Faires Wear Boots', 'Sabbath Bloody Sabbath') mit einzubauen, um Abwechslung bzw. Bandbreite weiter zu erhöhen.

Was hingegen voll und ganz zu begeistern weiß, ist die Spielfreude der einzelnen Musiker. Drummer Stefan kann sich sein Grinsen immer wieder nicht verkneifen. Bassist Kevin ist ständig in Bewegung, post Klampfer Chris ständig zu und bangt, was das Zeug hält. Und Sänger Ozz… äh, Mario? Dieser bewegt sich nicht nur stimmlich so nah wie möglich am Original, sondern hat auch seine Mimik, Gestik als auch das Bühnenverhalten gründlichst studiert. Kritikpunkte? Nur einen: 'I Don't Wanna Stop' aus der Setlist zu verbannen – alles andere als eine Ozzy-Sternstunde! Kein würdiger Schlusspunkt einer ansonsten richtig guten Show. Weiter so, Jungs!

Motorblöck

Nach einer wohltuend zackigen Umbaupause stehen dann die bereits 1994 gegründeten MOTÖRBLÖCK auf der Bühne. Die (Live-)Erfahrung als auch den Motörhead-Fanatismus merkt man gleich während des Eröffnungs-Duos 'We Are Motörblöck' und 'Stay Clean' sofort. Hier quellen der Enthusiasmus und der Spirit der Rock-Legende jedem Einzelnen des Trios förmlich aus allen Poren. Der schicke Tieftöner von Frontmann Helmut als auch der herrlich laute, knarzende Bass-Sound ist wahrlich Lemmy-würdig. Gitarrist Rainer bewegt sich mit seinem Spiel und sogar den wunderbaren Gitarren-Soli ebenfalls so nah wie möglich am Original. Allerdings orientiert er sich etwas weniger an „Fast Eddie“, sondern eher an Phil Campbell. Drummer Markus hat den Philthy-Punch, kann aber problemlos auch komplexere, für Motörhead-Verhältnisse progressivere Stücke wie 'Sacrifice' perfekt darbieten. Hut ab! Im ersten Drittel des Sets ernten die Stücke 'The Hammer' (Energie pur!), 'Iron Fist', 'Rock Out' und 'I'm So Bad Baby (I Don't Care)' die größte Resonanz. Für die eingefleischten Die-Hard-Motörheadbangers folgen die Gourmets aber im Anschluss. 'Stand' wird in einer herrlich lebendigen Version dargeboten und göttlich gesungen, das fiese 'Sacrifice' schraubt den Energie-Level weiter nach oben, und das viel zu selten live gehört 'You Better Run' holt anschließend den Blues aus dem Keller. Ganz großes Kino!

'Bomber' darf dann das Gaspedal wieder durchtreten, ehe es die nächste Überraschung zu hören gibt: 'Love Me Forever' – d-i-e ultimative Motörhead-Ballade – Gänsehautfaktor! 'Be My Baby' vertritt anschließend wieder die neuere Schule, ehe es mit 'I Got Mine' (von der viel zu wenig beachteten „Another Perfect Day“-Platte mit Brian Robertson (Thin Lizzy) an der Gitarre) ein weiteres Highlight zu hören gibt. 'Damage Case' und 'In The Name Of Tragedy' sind anschließend wieder Mitsing-Garanten, ehe das David-Bowie-Cover 'Heroes' (aufgenommen kurz vor Frasers Tod) etwas melancholisch stimmt. Insofern ist es ein cleverer Schachzug, gleich danach im Set eine ganze Familienpackung Partykracher zu platzieren ('Rock 'n Roll', 'Born To Raise Hell', 'R.A.M.O.N.E.S', 'Going To Brazil').

Ohne die ganz großen Klassiker und Standards können MOTÖRBLÖCK natürlich nicht von der Bühne gehen. Also geben Band und Fans noch einmal alles, mobilisieren die letzten Energiereserven und feiern während 'Killed By Death', 'Ace Of Spades' sowie dem Zugabeteil 'Motörblöck' und 'Overkill' eine unglaubliche Party. Auch wenn es wirklich viele Motörhead-Coverbands gibt, muss man MOTÖRBLÖCK völlig verdient folgendes Kompliment machen. Ganz selten sieht man Musiker, die sich so authentisch-glaubwürdig und nah am Original bewegen, spielerisch problemlos alle Bandphasen arschtight darbieten und eine so abwechslungsreiche, originelle Setlist darbieten können. Respekt und Hut ab! Und nein, der Rezensent wird für diese Worte nicht „bezahlt“, sondern geht einfach als glücklicher und zufriedener Motörhead-Die-Hard-Fan nach Hause. Und dies sehen heute 99,9% aller Anwesenden ganz genauso. Ein denkwürdiger, Mr. Kilmister absolut würdiger Konzertabend. Super!

Setlist Mad Sabbath:

Paranoid

I Don't Know

Crazy Train

Iron Man

Children Of The Grave

Mr. Crowley

Symptom Of The Universe

Desire

Mr. Tinkertrain

Mama I'm Coming Home

I Don't Wanna Change The World

Suicide Solution

Bark At The Moon

Shot In The Dark

War Pigs

I Don't Wanna Stop

Changes

Setlist Motörblöck:

We are Motörblöck

Stay Clean

Over The Top

The Hammer

Iron Fist

Rock Out

I'm So Bad Baby (I Don't Care)

Stand

Sacrifice

You Better Run

Bomber

Love Me Forever

Be My Baby

I Got Mine

Damage Case

In The Name Of Tragedy

Heroes

Rock 'n Roll

Born To Raise Hell

R.A.M.O.N.E.S

Going To Brazil

Killed By Death

Ace Of Spades

Motörblöck

Overkill

Text: Markus Wiesmüller

Fotos: Anastasiya Wiesmüller

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