Live, Reviews

CHAOS DESCENDS @ Ferienland Crispendorf -19.-21. Juli 2018

 

Manilla Road

Endlich ist es wieder soweit, der Weg führt uns einmal mehr in das Ferienland Crispendorf zum CHAOS DESCENDS. Der Shuttle-Bus ab Flughafen Tegel fährt heuer eine Stunde früher ab, um auch ja rechtzeitig zum Auftakt auf der Poolbühne vor Ort zu sein. So kommen diejenigen, die einen Platz im Bus gebucht haben, noch bei Tageslicht in Crispendorf an und können noch Zelte aufbauen oder ihre Zimmer beziehen, bevor es zur Poolbühne geht. Bereits am Donnerstagabend zwei Bands im leeren Pool spielen zu lassen, ist definitiv eine bessere Wahl, als die Leute wie im letzten Jahr zur Mittagshitze dorthin zu locken. Eine große Lichtshow sucht man natürlich vergebens, aber es sind gerade die punktuell platzierten Strahler und die vielen Kerzen, die dieser Location eine noch besonderere Atmosphäre geben, als sie ohnehin schon innehat.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Den Auftakt machen die experimentellen Franzosen von CHAOS ECHŒS mit dem Opener ´Senses Of The Nonexistent´ des 2015er Albums „Transient". Ein Name, der bei den Uibo-Brüdern Programm ist, die stetig das ihnen Unbekannte erforschen, Death, Doom und Black mit vielfältigen Einflüssen anreichern und einen auf eine Reise schicken, die hier mitten im Wald eine ganz eigene Wirkung entfaltet. Das folgende ´Through Kaleidoscopic Haze Of Unexpected Extents´ findet sich auf dem 2018 erschienenen Album „Mouvement", während ´Black Mantra´ aus den Anfangstagen von CHAOS ECHŒS stammt. Ein spannendes, improvisiertes Zwischenstück dominiert den Mittelteil, und den Schlusspunkt ihrer Performance setzen die Franzosen mit ´Shine On, Obsidian! Ego! Ego! Echo Back To The Yearning Of The Self!´. Ein großartiges Set mit gutem und druckvollem Sound, das nicht nur einen mehr als gelungenen Einstieg in das CHAOS DESCENDS 2018 darstellt, sondern auch schon eine Menge Leute angezogen hat! Und es wurde sogar daran gedacht, die Besucher nicht verdursten zu lassen, denn für 1 EUR gibt es Dosenbier zu kaufen.

In der anschließenden Umbaupause scheint es Hord von OCCVLTA noch viel zu hell vorn an der Bühne, also wird ein Großteil der dort stehenden Kerzen hinten auf den Poolrand verbannt. Dunkelheit - dreckig, bös und gemein - verträgt sich nicht mit üppigem Kerzenschein. Der Platz vor der Bühne füllt sich zusehends, und kurz vor Mitternacht kredenzen die Berliner OCCVLTA eben diese dreckige Dunkelheit, kompromisslos und voll in die Fresse. Es kommt Bewegung in die Menge, die Tracks wie ´Merciless Hammer´, ´Black Wind Desecration Horde´ vom ersten Demo, ´Sculpture Made Of Cursed Visions´ oder ´Return To The House´ lautstark feiern. Im Publikum ist auch die eine oder andere Stimme zu vernehmen, die OCCVLTAs Oldschool versprühende Tracks etwas zu stark von Darkthrone, Hellhammer und Co. beeinflusst findet, was die Stimmung insgesamt jedoch nicht trüben kann. ´Angst aus Deutschland´ ist ein Slogan, den man oft in Verbindung mit OCCVLTA findet und der sich hier als durchaus passend erweist. Der schwarzmetallische Sturm endet mit ´Above Pale Fields Of Fever´, für das auch die letzten Kerzen gelöscht werden, so dass am Ende... nur die Dunkelheit regiert. Der Wunsch nach einer lautstark geforderten Zugabe wird leider nicht erfüllt, und so geht es zurück zum Partyzelt, wo noch bis früh in den Morgen weiter gefeiert wird.

Freitag, 20. Juli 2018

Selbst die Partywütigen sollten inzwischen wach sein, als EVIL WARRIORS um 16:00 Uhr den Festivalfreitag eröffnen. Die Sonne knallt, und die Leipziger bieten mit ihrem Longplayer „Fall From Reality" höllischen Sound zu höllischen Temperaturen. Vor der Bühne ist leider nicht allzu viel los, da sich die meisten Anwesenden - von einigen wenigen Die-Hards in der ersten Reihe abgesehen - in den raren Schattenflecken tummeln, was schade ist. EVIL WARRIORS live sind immer wieder eine Messe, selbst am Nachmittag, und wer sie noch nicht gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen (zum Beispiel beim PartySan!). Leider reißt nach ´Pillow Of Cold Water´ Frontmann Beast eine Gitarrensaite, und das Kabel passt nicht zur Ersatzgitarre, was eine längere Pause verursacht. Doch ´Idleness And Doom´ oder ´All The Stars´ entschädigen auf ganzer Linie. 

Es bleibt düster mit den Death-Blackstern NACHASH aus Norwegen, die sich neben der 2015er EP „Conjuring The Red Death Eclipse" auch mit ordentlich Material vom heuer erschienenen Debütalbum „Phantasmal Triunity" vorstellen. Die Reihen füllen sich etwas, viel Bewegung ist bei ´Red Death Eclipse (A Savage Darkening)´, ´Apex Illuminous´ oder ´Fleshtemple Incineration´ allerdings nicht auszumachen. Irgendwie wirkt das Trio heute zwar souverän, aber etwas kraftlos und ganz anders, als man sie beispielweise vom Metal Magic 2017 in Erinnerung hat, was vielleicht auch an der Hitze liegen mag. Mit ´A Necromancer's Lament´ oder ´Crimson Monarch´ gibt es weitere Tracks von der ersten EP und verhalten klatschen einige Leute Beifall. Nicht schlecht, was NACHASH bieten, vielleicht sind sie einfach eher eine Club-Band.

ORACULUM aus Chile, deren Frontmann und Schlagzeuger man bereits von Wrathprayer kennt, können mit ihrem Oldschool-Death da mehr reißen. Bereits beim das Set eröffnenden ´The Vessel Of Orichalcum´ finden sich mehr Leute vor der Bühne ein, der Sound stimmt und die Chilenen überzeugen mit guter Bühnenpräsenz. ´Semper Exelcius´ wird ebenso gut aufgenommen, und mit ´The Great One´ gibt es einen brandneuen Track, also einen Ausblick auf das kommende Album auf die Ohren. Die unerbittliche Todeswalze rollt mit ´Flagelum Dei´ und ´Endarkenment´ weiter, während zunehmend Maniacs im Publikum die Matte kreisen lassen. ORACULUM setzen hier ein Ausrufezeichen, gern mehr davon!

Was mögen SVARTIDAUƉI, in deren Heimat gerade der kälteste Sommer seit 100 Jahren regiert, gedacht haben, als sie in Deutschland aus dem Flieger stiegen? Erfreut waren sie sicher nicht. Wenigstens ist es bereits nach 19 Uhr, als die Isländer im kuschlig warmen Crispendorf die Bühne entern und die Temperatur mit ´Venus Illegitima´ um 1 oder 2 Grad sinken lassen. SVARTIDAUƉI mit ihrem teils dissonanten finsteren Sound und ebenso finsteren Mienen sind gern gesehene Gäste auf deutschen Bühnen und heute besonders gut in Form. Nach ´Depleted Pathways´ präsentieren sie zwei noch unveröffentlichte Tracks; der Versuch, Sturla Viđar die Titel zu entlocken, scheitert, denn Titel gibt es grundsätzlich erst bei Veröffentlichung. Bleibt nur zu sagen, dass die neuen Titel qualitativ nahtlos an die Vorwerke anschließen und der heutige Auftritt würdig mit dem gnadenlos guten ´Flesh Cathedral´ beschlossen wird.

Dann ist es Zeit für den schwarzen Thrash made by GOSPEL OF THE HORNS. Die ursprünglich in Australien beheimateten Jungs entfesseln einen Feuersturm aus Spielfreude und bieten eine Show, wie man sie von ihnen erwartet. Thrash 'N' Roll, Schweiß und Herzblut entzünden den Funken, der auf das begeisterte Publikum überspringt, das von Anfang an mitgeht. Der Applaus nach dem eröffnenden ´Trial By Power´ fällt entsprechend laut aus, und ´Gospel Of The Horns´, vor 20 Jahren geschrieben und den Maniacs in der ersten Reihe gewidmet, wird genauso abgefeiert wie ´Desolation Descending´, ´Vengeance Is Mine´ oder ´Absolute Power´. Dass sich die außerordentlich gut aufgelegten GOSPEL OF THE HORNS auch mal verzocken, ist bei dieser Stimmung allenfalls eine Randnotiz wert.

Mit einer ausgewogenen Mischung alter Hits stürmen auch MANILLA ROAD die Bühne. Egal ob entspannt (´Mystification´), heavy (´The Ram´) oder flott (´Necropolis´) vorgetragen, bestechen die Amis um Ikone Mark „The Shark“ Shelton zwar nicht mit äußerster Bewegungsfreude auf der Bühne. Wenn zudem Letztgenannter mal zum Mikro greift, wird einem schnell offenbar, dass seine Stimme mittlerweile etwas schwächer ist als noch vor wenigen Jahren. Und Bryan „Hellroadie“ Patrick verfügt nicht wirklich über das Charisma Sheltons. Dennoch schaffen es MANILLA ROAD immer wieder, auf der Bühne vollends zu überzeugen, so dass das von allen Anwesenden inbrünstig mitgesungene ´Crystal Logic´ noch sehr lange in den Ohren nachhallt. Nicht einmal eine Woche später sollte Mark Shelton nicht mehr unter uns weilen: Das sympathische Metal-Urgestein verzauberte und verzückte die Anwesenden des „Headbangers Open Air“, bevor er seinen letzten Weg hier auf Erden antrat. Rückblickend gesehen war der Auftritt beim CHAOS DESCENDS also eine der letzten MANILLA ROAD – Shows überhaupt in einer unvergleichlichen Location und ein mehr als würdiger Schlusspunkt unter einer eindrucksvollen Karriere! Rest in peace, Mark!

Danach ist es an der Zeit für eine der am meisten erwartesten Reunions der letzten Jahre: Die Songs der beiden Demotapes „The 7th Day Of Doom“ und „Anno Domini“ der ungarischen TORMENTOR sind schon lange absoluter Kult, jetzt mussten Frontbarde Attila Csihar und seine Mitstreiter nur noch beweisen, dass sie diese Stücke auch anno 2018 noch authentisch live rüberbringen können. Der Auftritt beim CHAOS DESCENDS wird mit Klassikern vom Schlage ´Damned Grave´, ´Lyssa´, ´Anno Domini´, ´Tormentor´ sowie natürlich ´Elisabeth Bathory´ zum absoluten Triumphzug. Letztgenanntes wird erstaunlicherweise bereits ziemlich zu Beginn des Sets präsentiert, aber es ist ja nicht so, dass die Ungarn darüber hinaus nicht noch genügend Klassiker in der Hinterhand hätten. So zum Beispiel das mitreißende ´Branded The Satan´, welches unmittelbar nach dem kultigen „Return“-Intro vom „The 7th Day Of Doom“-Tape den Zugabereigen einläutet. TORMENTOR präsentieren sich so, als ob zwischen den Demotagen Mitte / Ende der 80er und heute keine Zeit vergangen sei, nur das Equipment ist mittlerweile besser geworden. Attilas Ansagen beschränken sich auf ein Minimum, stattdessen offenbart er zwischen den Songs desöfteren den ungemeinen Abwechslungsreichtum seiner Stimme. Als dann das Outro (vom Stanley Kubrick-Streifen „Eyes Wide Shut“) ertönt, möchte man am liebsten eine Zeitmaschine besitzen, um das Ganze noch mal von vorne erleben zu können. Definitiv eine der gnadenlos düstersten Shows der letzten Jahre und mehr als ein würdiger Headliner des ersten Festivaltages!

Samstag, 21. Juli 2018

Mit ihrem brandneuen Debütalbum „Come Ethereal Somberness“ in der Hinterhand stürmen die Dänen TAPHOS als allererste Band am Samstag die CHAOS DESCENDS-Bühne. Ihre düsteren Oden an die Dunkelheit passen irgendwie zur regnerischen Tristesse nach dem sonnendurchfluteten Vortag. Trotzdem ist noch nicht jeder Zuschauer in der Stimmung für brachialen, traditionellen Düster-Death Metal. TAPHOS zeigen sich davon unbeeinflusst und ziehen ihr Set gnadenlos durch.

Die mit allerlei Vorschusslorbeeren ausgezeichneten INDIAN NIGHTMARE werden den hohen Erwartungen gerecht: Dreckiger Thrash Metal mit derber Crust-Punk-Schlagseite wird vom multikulturellen Quintett zelebriert als gebe es kein Morgen mehr. Die in Berlin ansässigen Herren, deren Ursprünge bis in Länder wie Mexiko, Indonesien, Italien oder die Türkei zurückverfolgt werden können, bestätigen den guten Eindruck, den sie bereits auf Festivals wie dem „Wolf City“ oder dem „Partysan“ hinterlassen haben und liefern von ´Circles Of Fire´ über ´War-Metal-Punks´ bis ´Betrayers´ eine schweißtreibende, agile Show ab.

Nach diesen ersten beiden Granaten des zweiten Festivaltages ist erstmal Zeit für entspanntere Musik: HÄLLAS sind derzeit auch irgendwie so etwas wie eine „Band der Stunde“, zumindest fand die Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Scheibe „Excerpts From A Future Past“ ziemlich viel Zuspruch. Dabei bietet der 70er-Rock-beeinflusste Sound der Schweden, wenn man mal ehrlich ist, nichts wirklich Neues. Coole, eingängige Gitarrenriffs treffen auf markanten Gesang und gekonntes Songwriting. HÄLLAS verzichten dabei auf zu viel Firlefanz und konzentrieren sich auf das Stück an sich, welches immer schön nachvollziehbar rüberkommt. Derartige Mucke ist natürlich wie gemacht für einen Spätnachmittag eines Sommer-Open-Airs! Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Skandinavier gut abgefeiert werden. Selbst so mancher beinharte Traditions-Metaller kann sich mit der Mucke anfreunden, zumal hier das rockige Element klar im Vordergrund steht. Allzu sehr unterscheidet sich das was HÄLLAS bieten nicht von Genrekollegen wie Witchcraft, Graveyard oder Kadavar, letzten Endes präsentieren die Jungs allerdings doch eine mehr als solide Show!

DEMILICH ausschließlich auf ihre kruden, wirren Songtitel und Texte reduzieren zu wollen würde der Band keinesfalls gerecht werden. Die Finnen werden immer als eine der ersten Formationen genannt, wenn es um qualitativ hochwertigen Todesblei der frühen 90er Jahre aus ihrem Heimatland geht, und das Debüt „Nespithe“ ist in der Vergangenheit zu recht hoch gelobt worden. Folglich setzt sich ein Großteil des Sets beim CHAOS DESCENDS aus Stücken eben jener Klassikerscheibe zusammen. Egal ob ´The Sixteenth Six-Tooth Son Of Fourteen Four-Regional Dimensions (Still Unnamed)´, ´The Putrefying Road In The Nineteenth Extremity (...Somewhere Inside The Bowels Of Endlessness...)´ oder ´The Planet That Once Used To Absorb Flesh In Order To Achieve Divinity And Immortality (Suffocated To The Flesh That It Desired...)´ (immer noch einer meiner absoluten Lieblings-Songtitel): DEMILICH reißen eine coole, abgezockte Show runter! Die Jungs packen zwischendrin dann sogar noch ´And The Slimy Flying Creatures Reproduce in Your Brains´ vom 1991er Demo „The Four Instructive Tales… Of Decomposition” sowie ´Emptiness Of Vanishing´ von den „Vanishing”-Sessions aus.

Die von vielen Seiten hochgepriesenen PALLBEARER sorgen zwischen DEMILICH und NIFELHEIM für eine Verschnaufpause: Die Amis zocken gemächlichen Doom Metal mit Hang zu epischer Düsternis. Die letzte Scheibe „Heartless“ kam ziemlich gut an und konnte, da via Nuclear Blast veröffentlicht, den Bekanntheitsgrad der vier Jungs aus Arkansas immens vergrößern. Was sich auf Platte gut anhört, ohne wirklich überragend zu sein, erweist sich livehaftig dann jedoch als ziemlich mau: Die Instrumental-Fraktion schafft es zumindest, das Flair der Studiosongs zu rekapitulieren, allein Brett Campbells Gesang wirkt irgendwie saft- und kraftlos. Der Herr vermag nicht der Klasse der eigenen Songs gerecht zu werden. So plätschert dieser Auftritt letzten Endes vor sich hin, ohne wirklich Eindruck zu schinden. Gut, als Ruhepol zwischen zwei Hammer-Auftritten der beiden oben erwähnten Prügelknaben mag das gar nicht mal so schlecht sein. Zumindest kann man sich in der Zwischenzeit mit reichlich Flüssignahrung versorgen, ohne wirklich etwas zu verpassen.

Als nach der Einschlafhilfe PALLBEARER die durchgeknallten NIFELHEIM die Bretter des CHAOS DESCENDS-Festivals stürmen, gibt es für die anwesende Bangerschar kein Halten mehr: Kein Wunder in Anbetracht solcher Hammergranaten wie ´Black Evil´, ´Storm Of Satan's Fire´, ´Evil Blasphemies´, ´Satanic Sacrifice´, ´Possessed By Evil´, ´Storm Of The Reaper´ oder dem unvermeidlichen ´Sodomizer´! Die Jungs um die Gebrüder Tyrant und Hellbutcher waren bereits tags zuvor am Bierstand gesichtet worden sowie an vorderster Front bei TORMENTOR, um ihnen ihre Aufwartung zu machen. Zudem zockt bei der Legende aus dem Magyarenreich ja auch NIFELHEIM-Gitarrist Satamás aka Tamás Buday. Zusammen mit Savage Aggressor alias Felipe Plaza von Procession sorgen die beiden Sechssaitenhexer im Vergleich zu ihren Vorgängern aus dem Necrophobic-Lager für einen treibenderen, dreckigeren Gesamteindruck, welcher wie die Faust aufs Auge zur Mucke passt. Besser kann man bestialischen Extrem-Metal nicht mehr zelebrieren, das ist einfach immer wieder ein unvergleichliches Erlebnis!

Um das nach dem Tod von Ursänger Terry Jones posthum veröffentlichte Album „The Room Of Shadows“ gebührend live vorzustellen, absolvierten PAGAN ALTAR im vergangenen Jahr zunächst zwei Auftritte unter der Bezeichnung Time Lord. Mittlerweile hat das britische Urgestein wieder seinen alten Namen angenommen und spielt 2018 anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Formation ausgewählte Konzerte. Eines davon findet nun beim CHAOS DESCENDS statt. Von der erwähnten letzten Scheibe geben PAGAN ALTAR heute ´Dance Of The Vampires´ und ´Rising Of The Dead´ zum Besten. Letztgenanntes Stück leitet die „…Of The Dead“-Trilogie zum Schluss des Auftritts ein, dem folgen ´March Of The Dead´ und das abgefeierte ´Judgement Of The Dead´. Bereits der Einstieg ins Set hat`s in sich, zelebrieren die Engländer mit der Bandhymne ´Pagan Altar´, ´In The Wake Of Armadeus´ und ´The Black Mass´ doch gleich drei Klassiker für die Ewigkeit. ´Sentinels Of Hate´ und der Titeltrack von „Lords Of Hypocrisy“ sowie ´Daemoni Na Hoiche (Demons of the night)´ von „Mythical & Magical” vervollständigen noch einen stimmungsvollen Auftritt, der allen Unkenrufen zum Trotz erstaunlich überzeugt! Denn natürlich ist klar, dass man einen charismatischen Frontmann wie Terry Jones nicht so ohne weiteres ersetzen kann. Auch wenn das Brendan Radigan (u.a. Magic Circle, Battering Ram, Stone Dagger) in letzter Konsequenz nicht vollends schafft, gebührt dem US-Amerikaner doch erheblicher Respekt für eine mehr als kompetente Leistung! Alan Jones, das letzte verbliebene Originalmitglied bei PAGAN ALTAR und Sohn von Ex-Sänger Terry, brilliert einmal mehr als absolut feinfühliger, genialer Leadgitarrist. Der Brite spielt wie ein junger Gott und zeigt trotz fortgeschrittenen Alters sämtlichen anwesenden Musikern, wie eine nahezu fehlerfreie Darbietung auszusehen hat!

Bereits vor dem Festival wurde die Besetzung des Headlinerposten des Samstags mit WOVENHAND diskutiert: Traditionalisten können nicht richtig nachvollziehen, weshalb eine Band, die so rein gar nichts mit Metal oder Hardrock am Hut hat, dafür verpflichtet wurde. Natürlich hatte das CHAOS DESCENDS in den vergangenen Jahren bereits Künstlern wie Arthur Brown, Swans oder Sunn O))) ein Podium geboten, die ebenfalls weitab der „reinen Lehre“ bzw. in ganz eigenen musikalischen Sphären operieren. Zumindest einen Versuch war es dann wohl doch wert, WOVENHAND zu verpflichten, die mit ihrer bedächtigen Mischung aus (Alternative) Country, Americana, Folk und Rootsmusik zumindest bei scheuklappenlosen Zuschauern gut ankommen. Über allem schwebt ein düsterer Touch, der nicht selten auch in wavige Richtungen zeigt. Ursprünglich als Nebenprojekt des 16-Horsepower-Sängers David Eugene Edwards ins Leben gerufen, haben WOVENHAND bekanntlich mittlerweile ein autarkes Eigenleben entwickelt. Vom letzten Album „Star Treatment“ aus dem Jahr 2016 gibt Edwards an diesem Abend gleich mehrere Songs zum Besten. Aber auch Stücke der vielgepriesenen Scheiben „Mosaic“ und „Refractory Obdurate“ dürfen nicht fehlen. Selbst nach dem Auftritt vermag der Schreiberling jedoch nicht vollends nachzuvollziehen, was an WOVENHAND, abgesehen von den sehr gelungenen, von zahlreichen Metaphern durchsetzten Texten, nun so besonders und außergewöhnlich sein soll. Im Bereich des Alternative Country gibt es zahlreiche mindestens ebenbürtige Songwriter und bessere Sänger sowieso! Insofern lassen einen Edwards & Co. etwas ratlos zurück.

WOVENHAND, die bei einigen ein großes Fragezeichen im Gesicht und einen seltsamen Beigeschmack hinterlassen, sollten den Festivalabschluss bilden. Wären da nicht WOLVENNEST, die eigentlich für den Vortag vorgesehen waren. In der Umbaupause werden ein Altar und viele, viele Kerzen aufgebaut. Räucherwerk steigt in die Nachtluft, und was dann folgt, ist geradezu magisch. Die ganze Performance von WOLVENNEST wird nur von den Kerzen und den Projektionen auf der Bühnenrückwand erleuchtet, was perfekt zu den Gitarrenloops, psychedelisch-meditativen Synths und rituellen Sounds passt. Frontfrau Shazzula begeistert mit ihrer dunklen Stimmfarbe und ihrem Theremin-Spiel. Nach dem Intro kann man sich in ´Silure´ und ´Ritual Lovers´ vom neuen Album "Void" fallen lassen, das anschließende ´Unreal´ stammt wie das sehr repetitiv gehaltene ´Out Of Darkness Deep´ vom ersten Longplayer, der unter Mitwirkung von Der Blutharsch And The Infinite Church Of The Leading Hand entstand. Zwischen diesen beiden Tracks setzen WOLVENNEST wirkungsvoll den Titeltrack des neuen Albums; die ganze Performance erscheint wie aus einem Guss und wird zu einem einzigen düsteren Trip, der viel zu schnell vorbei ist. WOLVENNEST schaffen es mühelos, auch zu fortgeschrittener Uhrzeit eine große Menge vor der Bühne zu fesseln, und auch für uns hätte es dieses Jahr keinen besseren Abschluss geben können!

2018 unterstreichen die Macher des CHAOS DESCENDS einmal mehr, dass dieses Festival etwas Besonderes ist. Die Location, die Bandauswahl, die ganze Atmosphäre findet sich in diesem Zusammenspiel auf keinem anderen Festival. Wir danken der CHAOS DESCENDS-Crew aus tiefstem Herzen und freuen uns schon auf das nächste Jahr!

Christian Wachter und Endrew Stepan

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