Live

JESS AND THE ANCIENT ONES, CARONTE, ANOMALIE @ p.m.k, Innsbruck (AT), 12.12.2017

In einer alles anderen als lauschigen österreichischen Winternacht riefen die okkulten Kräfte aus aller Herren Länder nach willigen Metalheads, Hard-RockerInnen und SpiritualistInnen, um der Rise Of The Cosmic Fire-Tour im p.m.k, einem kleinen Club nahe des Innsbrucker Bahnhofs, beizuwohnen. Die Psychedelic-RockerInnen JESS AND THE ANCIENT ONES aus Finnland fungieren als Headliner und werden dabei von den italienischen Doomstern CARONTE und den österreichischen Blackies ANOMALIE unterstützt.

Anomalie @ Sunvemetal

Credits: Sunvemetal

Um 20:30 Uhr stürmen sage und schreibe sechs Österreicher (drei Gitarristen, ein Bassist, ein Sänger und ein Drummer) die kleine Bühne des Innsbrucker Clubs und legen mit ,Vision I: Towards The Sun‘, dem Opener ihres aktuellen Albums „Visions“ (2017 via Art of Propaganda erschienen), los. Dabei fällt nicht nur auf, dass es die vielen Musiker doch etwas eng auf der Bühne haben, sondern auch, dass sich die Veranstalter von Quantheon Touring besondere Mühe gegeben haben, um der Band sowie der gesamten Tour ein spezielles Flair zu verpassen. Die Bühne ist mit zwei Fackeln verziert (die im Laufe des Konzertabends ein paar Probleme verursachen werden), in der Konzerthalle selbst hängen Äste, Blätter und Knochen und der Weihrauch-Duft haut einen förmlich um, wenn man den Club betritt. Eine ideale Atmosphäre also, um dem melodischen Post-Black Metal der Österreicher zu lauschen. Diese machen auch eine gute Figur, posen so gut man auf kleinem Platz eben kann und vor allem Sänger Marrok gestikuliert theatralisch und schafft es, sowohl den Kreischgesang wie auch die cleanen Vocals gut rüberzubringen. Über den Sound im p.m.k kann man wie immer diskutieren, aber dank der drei Gitarristen kommt die Melodieführung gut rüber und es gibt in der Musik der Österreicher einige Details zu bewundern. Abgesehen vom kleinen Bandklassiker ,Untouched Walls‘, welcher den Abschluss des Gigs bildet, spielen die Österreicher noch drei weitere Songs vom neuen Album. Obwohl die Konzerthalle nur mäßig gefüllt ist, haben ANOMALIE mit diesem Gig sicher ein paar Leute von sich überzeugt. Und übrigens: Hat man da etwa Thorsten von Agrypnie im Live-Line-Up der Truppe entdeckt? Also doch nur fünf Österreicher?

In der knapp 20-minütigen Umbauphase hat man Zeit, sich am Merchstand, der ebenfalls liebevoll dekoriert und gestaltet ist, zu bedienen und festzustellen, dass vor allem ANOMALIE eine große Auswahl an T-Shirts mitgebracht haben. Freunde von Vinyl-Scheiben kommen ebenfalls auf ihre Kosten sowie Fans von obskuren Patches, die nahezu jede Jacke verschönern.

Caronte @ Sunvemetal

Credits: Sunvemetal

Aber zurück zum eigentlich Wichtigen: der Musik. Bevor CARONTE aus Italien ihren Gig beginnen, segnet Frontmann Dorian Bones (auch bei Whiskey Ritual aktiv) erstmal die Bühne in alle vier Himmelsrichtungen und bereitet sich darauf vor, eine Mischung aus Black Sabbath und Electric Wizard zu präsentieren. Verhältnismäßig langsam, aber mit viel Wumms geht es zu, als die vier Italiener auf der Bühne stehen. Vor allem Bassist Henry Bones zeigt dankenswerterweise wie wichtig ein guter Bass im Doom-Bereich ist, und auch wenn der Sound zu Beginn nicht übertrieben gnädig mit dem Klargesang von Dorian Bones ist, kommt schnell Stimmung auf. CARONTE gelingt es gut, die langsamen und gemächlichen Parts immer wieder mit Rock’n’Roll-Einlagen zu unterbrechen und der Show damit eine eigene Dynamik zu verpassen. Natürlich, die Musik von CARONTE ist nicht unbedingt Massenware, aber wer mit okkultem Doom etwas anfangen kann, der findet hier nicht nur etwas für die Ohren, sondern dank des Posing der vier Herren auch für die Augen. Besonders gelungen das rockige und zum Tanzen einladende ,Wakan Tanka Rider‘ sowie die eigenwillige Cover-Version von ,Somebody To Love‘. Aber auch mit ,Abraxas‘, dem Opener der aktuellen Scheibe „YONI“ macht man nichts verkehrt. Schöner Gig, der sich nach ungefähr 50 Minuten dem Ende zuneigt.

 

Jess @ Sunvemetal

Credits: Sunvemetal

JESS AND THE ANCIENT ONES ziehen definitiv am meisten Leute von der Bar an die Konzertfront, was nach den ersten Klängen zu verstehen ist. Nicht nur merkt man der Finnin und ihrer Band das Aufeinander-eingespielt-Sein an, sondern sowohl die Vocals als auch die tanzbaren und manchmal schon fast karnevalesken Rhythmen gehen einem durch Mark und Bein. Dass Sängerin Jess die Verbindung zu den chthonischen Kräften dieser Erde auch dadurch Ausdruck verleiht, dass sie vor dem Gig auf der Bühne noch die Schuhe auszieht und das Konzert barfuß bestreitet, macht die Band noch einmal sympathischer und glaubwürdiger. Überhaupt funktioniert die Mischung aus Black Sabbath, Mercyful Fate und The Devil’s Blood, die sich auch nicht davor zurückschreckt, immer wieder Pop-Elemente in den Sound aufzunehmen, vorbildlich. Und wenn man dazu Frontfrau Jess mit dem Schellenring wie ein Derwisch auf der Bühne tänzeln sieht und daneben ein Hüne von einem Metal-Gitarristen psychedelische Riffs in die Menge schießt, funktioniert dies schlicht großartig. 14 Songs haben JESS AND THE ANCIENT ONES dabei, darunter ,The Devil‘ vom Debütalbum, ,The Lovers‘ vom Zweitwerk „Second Psychedelic Coming: The Aquarius Tapes“ sowie ,Death Is The Doors‘ vom neuesten Werk „The Horse And Other Weird Tales“, das dieses Jahr via Svart Records erschienen ist. Fans dürfen also zu Tracks von allen Alben abrocken, aber auch Neulinge dürften sich hier wohl fühlen, gibt es doch einen gelungenen Querschnitt aus der Bandgeschichte zu hören.

Ob sich im Laufe dieser Nacht tatsächlich die Türen in eine (oder mehrere) andere Dimension(en) geöffnet haben, ist schwer zu sagen. Tatsache ist allerdings, dass Quantheon Touring und die Bands sich größte Mühe gegeben haben, hier tatsächlich ein Konzerterlebnis zu erschaffen, das sich vom traditionellen Metal-Besäufnis unterscheidet. Man muss natürlich auf den (manchmal etwas pathetischen) okkulten und esoterischen Zugang zur Kunst stehen, aber die Bands richten sich auch spezifisch an diese Zielgruppe. Insofern: Es wird noch eine Weile dauern, bis der Weihrauchduft aus der Kleidung der KonzertbesucherInnen verschwunden ist. Und das ist auch gut so!

Am 14. Dezember kann man das Package übrigens noch in Olten (Schweiz) und in Weinheim (Deutschland) bewundern – etwas das man nicht verpassen sollte, wenn man auch nur irgendwas mit okkultem Rock anfangen kann.

 

Setliste ANOMALIE:

01. Vision I: Towards the Sun

02. Vision II: The Wanderer

03. Vision III: A Monument

04. Vision IV: Illumination

05. Untouched Walls

 

Setliste CARONTE:

01. Ode To Lucifer

02. Wakan Tanka Rider

03. Abraxas

04. Somebody To Love

05. Shamanic Meditation Of The Bright Star

06. The Moonchild

07. Black Gold

 

Setliste JESS AND THE ANCIENT ONES:

01. The Equinox Death Trip

02. In Levitating Secret Dreams

03. Death Is The Doors

04. Samhain 

05. Shining

06. The Devil

07. The Lovers

08. Anyway The Minds Flow

09. Prayer For Death And Fire

10. Minotaure

11. Astral Sabbath

12. Return To Hallucinate

13. Castaneda

14. You And Eyes

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