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DAT UNLAND FIER @ Roggentin bei Mirow, 28.-30. Mai 2026

Auf geht’s, bei strahlendem Sonnenschein, irgendwo ins Nirgendwo – genauer gesagt zum Dat Unland Fier. Eingerahmt von hohen Kiefern erwartet die Besucher auf diesem beschaulichen Gelände nicht nur eine megafreundliche Crew, sondern auch ein beeindruckendes Geschwader anhänglicher Mücken. Vor diesen wurde im Vorfeld bereits vom Veranstalter gewarnt, sodass das Gros der dunklen Meute gegen die Plagegeister gewappnet war. Natur pur halt. Zum vierten Mal öffnet Dat Unland Fier seine Pforten – beziehungsweise die schnuckelig gestaltete Holztür als imaginäre Grenze zwischen Campingground und Infield. Neben bunt bepflanzten Sitzgelegenheiten und Schaukeln gibt es die Möglichkeit, sich beim Tauziehen oder Badminton sportlich zu betätigen. Für betagte Metalfreunde stehen ein Seniorentisch mit Rollatoren und einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel sowie Pedal-Gokarts zur Fortbewegung bereit. Neben einer kleinen Shoppingmeile lockt dat Futterhus mit Hausmannskost und die Schenke mit leckeren Kaltgetränken.

DONNERSTAG, 28. MAI:

Am Donnerstagabend nehmen die Hamburger Tyrannen MESSTICATOR das Zepter in die Hand. Abwechslungsreicher, exzellenter und melodischer Death/Thrash, der bei den Anwesenden sofort in die Nackenmuskulatur geht. Bei einer Setlist von fünfzehn Songs toben sich die Jungs quer durch ihre Alben „Forthcoming Revelation“ und „Total Mastery“. Eine Warm-up-Party im wahrsten Sinne des Wortes.

Messticator R

Foto: MESSTICATOR

FREITAG, 29. MAI:

Nach einem reichhaltigen Sektfrühstück und Sonne satt kann der Freitag endlich beginnen. TERMINAL CARNAGE stehen als erste Combo auf der Running Order. Die Oberfranken locken mit ihrem kompromisslosen Old-School-Death-Metal à la Bolt Thrower einige Schaulustige vor die Bühne. Spätestens ab `Bereaved Cry´ wird klar, dass nicht nur der digitale Backdrop in Flammen steht. TERMINAL CARNAGE verpacken Tod und Zerstörung gekonnt in groovige, schwermütige Songs, wie `Land Of The Iron Breed´ oder `Chaos The New World Order´. Ein gelungener Auftakt mit viel Applaus. Lederkutten, verschmiertes Corpsepaint, ne Menge Nebel und `Born In Total War´ - so kündigen sich NAIL BY NAIL in der Nachmittagssonne an, um einige Ohrenschmäuschen, wie `Crooked Nails´ oder `The Frozen Tomb´ aus ihrem Debütalbum „Embraced By Darkness“ zu präsentieren. Trotz der kuscheligen Temperaturen sorgen neben den atmosphärischen Passagen vor allem die tief schneidende Stimme des Sängers Philipp für Gänsehaut.

NailByNail RR

Foto: NAIL BY NAIL

Auch für die Herren von PIOŁUN wird der Auftritt zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Davon lässt sich das polnische Trio jedoch nicht beirren und serviert dem Publikum kompromisslosen, eiskalten Black Metal. Für Tieftöner-Fans sind FLESHLESS genau das Richtige. Seit über 30 Jahren treiben die Tschechen ihr Unwesen auf den Bühnen dieser Welt und wirken dabei kein bisschen müde. Lässig growlt sich Sänger Vladimir Prokos durch die Discographie der Band, ohne dabei die neuesten Werke `Voluntary Lobotomy´ und `Crippled Souls´ auszulassen. Langsam kommt die Meute vor der Bühne in Wallung: Hier und da werden die ersten Mähnen geschwungen und Fäuste in die Höhe gereckt. Nun startet endlich die energiegeladene Show von MASTIC SCUM. Die Jungs hatten am Flughafen Startprobleme und kamen dadurch mit einiger Verspätung auf die Bühne. Mit ihrer Mischung aus Death Metal und Hardcore machen die spielfreudigen Österreicher den Anwesenden ordentlich Feuer unterm Hintern, wodurch der Bewegungsdrang im Infield zusehends zunimmt.

MasticScum RR

Foto: MASTIC SCUM

Den Abschluss im Ü30-Jahre-Bandgeschichte-Dreiergespann bilden FINAL BREATH. Unglaublich gut gelaunt, mit schicker Bühnendeko in Form von Skeletten und Gevatter Tod, lassen die Franken mit `Strong Pain´ gleich zu Beginn ordentlich Druck aus den Kesseln. Die Jungs überzeugen mit einer starken Bühnenpräsenz, während sie sich von `Mind Explosion´ bis `Agonized, Zombiefied, Necrotized´ durch ihr Repertoire der letzten Alben spielen. Eigentlich wäre es inzwischen doch höchste Zeit für neues Material, oder? Donnergrollen, dunkler Himmel und zack – pechschwarze Nacht. Endlich erklingen die düsteren Töne von SERVANT, die mit `Litany´, die mittlerweile beträchtliche Menge vor der Bühne in ihren Bann ziehen. Als hätte der Songtitel das Wetter angekündigt: nach `Empire Of Madness´ brach der Wahnsinn los. Regen! Keine Mückenpipi oder ein paar Tröpfchen - nein, heftig prasselnder Regen! Die Hartgesottenen harrten vor der Bühne aus, um den Herren aus Niedersachsen ihren verdienten Tribut zu zollen, der Rest verkrümelte sich unter die vorhandenen Überdachungen auf dem Gelände. Trotz der widrigen Bedingungen liefern SERVANT eine starke Performance, lassen ihren Ohrwurm `Temple ´ erklingen und verabschieden sich mit `Negate The I´.

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Foto: SERVANT

Obwohl der anhaltende Regen und die bereits späte Stunde den Platz zunehmend ausdünnen lassen, genießen doch einige Anhänger die experimentellen und atmosphärischen Klänge von SECRET OF THE MOON. Auch Herr von Meilenwald darf sich mit seinem Projekt RUIN OF BEVERAST über einen treuen, laut jubelnden Fankern freuen. Die düsteren Klänge hallen noch bis tief in die Nacht über den Campingplatz und durch die umliegenden Wälder rund um Roggentin.

SAMSTAG, 30. MAI:

Am Samstagvormittag wird das Sektfrühstück bei einigen Besuchern eher zu einem Katerfrühstück. Währenddessen spielen andere auf dem Campingplatz bereits Flunkyball oder gönnen sich ein Reparaturbier. Wer der `edlen Kunst der Verwüstung´ des heutigen Openers THE GREAT SEA lauschen möchte, sollte sich schleunigst zur Bühne bewegen. Das Musikprojekt von Janosch Rathmer und Stefan Hackländer überzeugt mit melancholischem, landschaftsmalerischen Black Metal, der stimmlich perfekt von SECRET OF THE MOON-Sänger Phil Jonas über das Gelände getragen wird. THE GREAT SEA eröffnen die melodische Reise mit `Upright In Nothing´, ernten nach `No Peace Among Men´ frenetischen Applaus – obwohl, oder vielleicht gerade weil, der Song aktueller denn je ist – und verabschieden sich mit dem ergreifenden Achtminüter `Walking At The Edge Of Death´. Wer glaubt, sich von diesem Schwermut erholen zu können, irrt. Mit HANGATYR kommen zu dem depressiven Flair noch deutsche Poesie und eine weitere Portion Gänsehautmomente hinzu. Trotz Spielfreude seitens der Band vermitteln die Songs eine so emotionale Zerrissenheit, wodurch der Kloss im Hals, besonders bei `Entferntes Ich´, immer dicker wird. Es ist schon faszinierend, in welchen dunklen Gefilden sich die Stimme des Fronters Silvio bewegt. Egal, ob mit `Sumpf der Fäule´ oder `Fatales Gedeih´, die Musik von HANGATYR geht einfach durch Mark und Bein.

 Hangatyr RR

Foto: HANGANTYR

Wenn es um deutsche Poesie geht, machen ANHEIM ebenfalls keine halben Sachen. Mit Weihrauchfass und blutverschmiertem Körper betritt Sänger Andergrout die Bühne und kündigt die Bayern eindrucksvoll an. Es folgt feiner, handgemachter Black Metal, der sowohl musikalisch als auch lyrisch überzeugt, unter die Haut geht und vom Publikum jubelnd gefeiert wird. Nach so viel sanftem Kopfwiegen wird es Zeit für etwas mehr Bewegung auf dem Feld. Dafür sind die Tschechen CRIPPLED FINGERS mit ihrem groovigen Old-School-Hardcore ein absoluter Garant. Und ja, so einige Damen und Herren kommen vor der Bühne ordentlich in Schwung.

ANHEIM RR

Foto: ANHEIM

Weiter geht’s mit den Melodic-Death-Metal-Veteranen NIGHT IN GALES, die seit 1995 nicht nur neun Alben und zahlreiche EPs vorweisen können. Sie sind, abgesehen vom Drummer, noch in Originalbesetzung unterwegs, was heutzutage äußerst selten ist. Gleich zu Beginn dreht die Truppe aus NRW mit `Bleed Afresh´ und `Sylphlike´ die Zeit zurück, auch wenn beide Titel 2025 noch einmal eine Wiedergeburt erlebten. NIGHT IN GALES haben nichts von ihrer Explosivität verloren und preschen kompromisslos durch ihre Plattenkiste, schlagen mit `Into The Evergrey´ auch ruhigere Töne an und animieren das Publikum zum Schluss, mit der aktuellen EP `Iron Maiden´ zum fröhlichen Mitsingen. Wer Lust auf eine Prise Folklore, eine Messerspitze Gothic, ein Tröpfchen Theatralik hat, alles gemixt mit griechischem Black Metal, ist bei YOTH IRIA genau richtig. Die griechische Combo um Ex-Rotting Christ – Basser Jim Mutilator nutzen gekonnt die Bühne des Unland Fiers, um ihr neues Album `Gone With The Devil´ vorzustellen. Den Anfang macht der folkig-rhythmische Titel `Dare To Rebel´. Wie wildgewordene schwarze Hengste sprintet das Saitenzupfer-Trio um den in einen schwarzen Mantel gekleideten Sänger He über die Bühne und liefert allen Anwesenden eine geballte Ladung Hörgenuss. Egal ob `Blazing Inferno´ oder `I, Totem´, jeder Song ist eine Klasse für sich, auch wenn der Klargesang stellenweise etwas ungewöhnlich wirkt. Live eben, da klingt nicht alles wie auf Platte. Den Höhepunkt des Gigs bildet `The Blind Eye Of Antichrist´ das auf ein serbisch-orthodoxes Kirchenlied basiert und selbstverständlich Beifallssturm hervorruft. Obwohl das Infield ausreichend Platz bietet, quetschen sich bei der nächsten Band, meist die Herren der Schöpfung in die erste Reihe.

Night in Gales RR

Foto: NIGHT IN GALES

ASAGRAUM – das weibliche Trio aus den Niederlanden, diesmal mit männlicher Unterstützung am Bass, wickelt seine Anhänger mit eiskalten, bösartigen Black Metal rasch um den Finger. Sängerin und Mitbegründerin Obscura, alias Hanna van den Berg, keift ins Mikro, was das Zeug hält, während die Blastbeats unaufhörlich aus den Boxen hämmern und die Gitarren immer wieder atmosphärische Passagen einflechten. Insgesamt erinnert das Zusammenspiel von ASAGRAUM stark an den gnadenlosen, rohen Black Metal der Neunziger. Episch-progressiv geht es nun mit THORMESIS weiter. Leider stehen die Jungs aus Rothenburg an der Tauber heute nur zu dritt auf der Bühne, da ihr Gitarrist aus persönlichen Gründen nicht dabei sein kann. Schade! Trotz alledem springt der Funke der Verzweiflung bei `The Morbid Drunken Ways´ sofort über. Zwischen Screams, Growls und Klargesang, wildem, melodischem Black Metal-Geschrubbe und rockigen Passagen, wie in `Sonnen´, treffen vor allem die mit Traurigkeit und Wut gespickten deutschen Texte mitten ins `Sterbend Herz´. Grandioser Auftritt! Grandios trinkfest zeigen sich die beiden Brüder Ask und Bior Kjetilson von UBUREN. Mittags noch beim Flunkyball, stehen sie abends auf der Showbühne, genau dort, wo die norwegischen Energiebündel auch hingehören. Neben einem bunten Lichtspektakel und viel Nebel setzt das Trio auf leichte Kriegerklamotte und entsprechende Bemalung.

Asagraum RR

Foto: ASAGRAUM

UBUREN liefern total cool und ohne viel Firlefanz mit `Usurp The Throne´ oder `Defiance Towards Futility´ ein richtig fettes Brett ab, wobei besonders die ständig wechselnden, markanten Kreischvocals der Brüder im Ohr bleiben. Leider neigt sich das wunderbare Unland Fier-Festival dem Ende zu. Den krönenden Abschluss bildet das dänische Ein-Mann-Projekt AFSKY - passender könnte es kaum sein. Poetisch, atmosphärisch, symphonisch, episch und todtraurig spiegelt die Musik genau die Stimmung vieler Besucher wider, bei denen die ein oder andere Träne über die Wange läuft.

Uburen 2 RR

Foto: UBUREN

Schön war es wieder irgendwo im Nirgendwo, mitten in der Natur, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Die Macher des Dat Unland Fier sind auf einem guten Weg: Das Festival soll sich Schritt für Schritt entwickeln, verbessern und erweitern. Viel Herzblut und Liebe zum Detail sind deutlich spürbar. Super Line-up, nette Crew, faire Preise, ein abwechslungsreiches, teils selbst gekochtes, Essensangebot, eine Eisbar sowie ein Planschbecken zur Abkühlung der Füße runden das Ganze ab. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt allerdings, und das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau: Manche Gerichte hätten etwas heißer und würziger sein dürfen. Ansonsten bitte für das nächste Jahr fett in den Kalender eintragen: DAT UNLAND FIER 27.05.-29.05.2027 Roggentin bei Mirow

Text & Fotos: Manon Tolg

DatUnlandFier Flyer