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BLACK MESSIAH

Zagan übernimmt und führt die Höhen und Tiefen, durch die man als Metal-Band so muss, weiter aus: „Du musst dir echt den Arsch abspielen, das mussten wir damals schon. Du spielst an jeder Laterne und tingelst durch Jugendheime, wo 30 Mann drin sind, von denen dich 20 nicht sehen wollen. Das ist wohl noch wie früher. Ich meine, das war auch eine schöne Zeit, aber es kostet Kraft und Nerven. Dann kommst du vielleicht irgendwann an den Punkt, wo dir Verträge unter die Nase gehalten werden, von denen du 90% nicht unterschreiben solltest, weil dich eh jeder abziehen will. Den Fehler habe ich auch gemacht. Dann geht es darum, dein Demo zu Plattenfirmen zu bringen. Da sitzt dann ein armer Typ, der in der Woche 300 davon auf den Tisch geknallt bekommt. Wenn der dann deines überhaupt hört, ist das ja fast schon wie ein Lottogewinn. Wenn du aber Pech hast, ist der Vogel entweder 75 und eigentlich der Hausmeister von dem Laden und mag nur Johnny Cash, oder der 14-jährige Praktikant, für den der Chef keine andere Verwendung hat, weil der selbst zum Kaffee-Umkippen zu doof ist, und der kennt dann nichts anderes als Miley Cyrus oder Bruno Mars. Dann stehst du da mit deinem Black Metal-Demo und bist trotzdem der Gelackmeierte… Noch mal anfangen? Heute? Scheiße, ja, natürlich würde ich es versuchen. Das ist ein großer Teil meines Leben, haha. Das ist jetzt alles überspitzt dargestellt, aber du glaubst gar nicht, was wir schon alles erlebt haben. Da könnte man einen geilen Film von drehen!“

Auf „Walls Of Vanaheim“ findet sich diesmal kein bierseliger Song, was dem Konzept guttut, oder einfach der Tatsache geschuldet ist, dass BLACK MESSIAH schon drei solcher Standards live berücksichtigen müssen. „Das hatte eigentlich zwei Gründe. Zum einen das von dir genannte Konzeptionelle. Das hätte einfach nicht dazu gepasst. Und zweitens musst du einen solchen Song erst mal schreiben. Musikalisch sind diese Songs wirklich simpel, aber sie sind sehr schwer zu schreiben. Da muss die richtige Idee da sein, und das lässt sich nicht erzwingen. Ich denke, irgendwann wird es auch wieder so einen Song von uns geben, aber halt nicht auf „Walls Of Vanaheim“. Live sind wir aber trotzdem immer dafür zu haben, denn die Party mit dem Publikum ist durch nichts zu ersetzen.“

Zagan hat am Metalheart-Online-Kongress teilgenommen. Um was es dabei ging, soll er am besten gleich selbst erklären. „Ja, Stefan Zabel hat mich angesprochen, ob ich Lust hätte, da mitzumachen. Es geht darum, Leuten, die anfangen wollen, den Weg des Musikers in dieser Szene einzuschlagen, einige Tipps zu geben, wie man starten kann und was man vielleicht besser lassen sollte. Außerdem ging es dabei um die Leidenschaft, die man dabei hat. Ich fand das eine gute Sache, und deshalb habe ich mich da zur Verfügung gestellt. Warum sollte man seine Erfahrungen nicht teilen? Vielleicht hätte ich in der Vergangenheit auch die eine oder andere Entscheidung anders getroffen, wenn mir mal jemand einen Rat gegeben hätte.“

Zurück zum neuen Album, das sich nicht nur durch die musikalische wie auch visuelle Güte, sondern besonders durch die Produktion vom Vorgänger unterscheidet. Aber es galt auch technische Tücken zu meistern. „Zunächst einmal musste nach „Heimweh“ was passieren. Wenn wir so weitergemacht hätten, dann wären wir wahrscheinlich langsam, aber sicher verendet. Auch der Sound auf „Heimweh“ hat uns nicht gefallen. Wir haben lange überlegt, mit wem wir diesmal zusammenarbeiten wollen, und haben uns für Dennis Köhne entschieden, der ja auch schon das letzte Sodom-Album gemacht hat. Dieser glasklare, aggressive und doch jederzeit lebendige Sound hat uns heißgemacht. Glücklicherweise hat Dennis zugesagt. Ich denke zwar, dass er sich dafür im Nachhinein ab und zu selber in den Arsch gebissen hat, aber das Endergebnis ist wirklich grandios. Wir haben es ihm sicher nicht leicht gemacht und wirklich jede Kleinigkeit noch mal an ihn herangetragen, wenn irgendwo irgendein Geräusch noch nicht so war, wie wir es haben wollten. Seine Arbeit war immens, aber sie hat sich gelohnt, und im Endeffekt hat er schon wieder davon gesprochen, was wir beim nächsten Album alles anders machen sollten… Er hat sich also erholt und keine bleibenden Schäden von unserer Penetranz davon getragen. Das mit den technischen Problemen stimmt. Das hat uns im Endeffekt fast ein dreiviertel Jahr gekostet. Es ging dabei um irgendwelche Programme, die miteinander kollidierten und nicht gemeinsam arbeiten konnten. Ich bin kein Informatiker, ich kann dazu nicht allzu viel sagen. Ich habe nur gemerkt, wie nervig es war, nicht voranzukommen.“

Trotz aller Dramatik, Epik und toller Arrangements sind die neuen Stücke alle live reproduzierbar. War das auch ein wichtiger Aspekt? „Nicht während des Schreibens und auch nicht während der Aufnahmen. Es ist bei uns immer so, dass wir zunächst einfach drauflos schreiben und uns auch im Studio selber noch keine allzu großen Gedanken machen, ob das alles so zu 100% live zu spielen ist. Ist. Meist ist es das nicht, und das wird auch mit der neuen Scheibe so sein. Da wir normalerweise sehr viel Wert auf orchestrale Stimmen und Chöre setzen, was unsere Alben angeht, muss man für die Live-Version schon etwas abspecken. Wenn du all diese Sounds live haben möchtest, mit denen du auch im Studio arbeitest, hast du eigentlich nur drei Möglichkeiten. Erstens: Du beschäftigst dauerhaft die Wiener Philharmoniker und die Fischerchöre, was aber wahrscheinlich aus finanzieller Sicht unmöglich ist, denn viele Veranstalter sind heute schon nicht bereit, mehr als 300 Euro für einen Auftritt zu zahlen. (Und außerdem wäre es schlecht für den Ruf in unserer Szene, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der Gotthilf heißt). Zweitens: Wir stellen noch vier oder fünf Keyboarder und Synthie-Spieler ein, wovon ich aber auch nicht besonders viel halte. Oder drittens: Wir fangen an, auf der Bühne mit einem PC zu arbeiten, was einem aber sehr viel Freiheit bei den Auftritten nimmt, und davon bin ich auch kein Freund. Deshalb denke ich, werden wir es einfach machen wie bisher und live ein wenig anders klingen als auf dem Album.“

Text: Dirk Zimmermann

Foto: Tom Row - Frontrow Images