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ENDSEEKER - Studiobericht

Im Chameleon Studio wartete niemand Geringeres als Eike, weiland Mastermind der inzwischen verschiedenen Dark Age und heute nicht nur Betreiber des Studios – sondern eben auch Intimus von Kai Hansen und Mitmusikant bei eben dessen Freunden. Im Keller-Kabäuschen musizierten und feierten bereits Orgien: Karel Gott („Maaaaajaaaaaa“), Heino, Udo Lindenberg, die Les Humphries Singers, Tina Turner sowie Deep Purple und Die Apokalyptischen Reiter gerade erst. Das alles erzählte Eike während einer Polonaise Barmbekaise vorbei an kleinen und großen Studios und Mischpulten, Paadykellern und Billardtischen, bis alle in Studio drei ankamen und sich auf Sofa, Stühle und Boden lümmelten, um den zehn Songs zu lauschen.

Und jetzt eben ENDSEEKER. Noch gespannter als die Gäste sind die Boys selber, denn auch sie hatten die Ergebnisse ihres Tuns noch nicht gehört. Um es vorwegzunehmen: Der 90%-Mix war amtlich, auf Nachfrage macht Produzent Eike auch ein wenig lauter. Derweil erklärt Gitarrist Jury blumig die Musik, Sänger Lenny die Texte, Drummer André hat keinen Kummer und freut sich, Gitarrist Ben holt Bier, und Basser Torsten trinkt’s zusammen mit den Schreibern. So hat jeder seine Aufgabe, so war es auch schon beim Einspielen des Albums. Die Hamburger als deutsche Dismember zu bezeichnen, wird keinem gerecht. Denn zum einen sind noch viel mehr Einflüsse zu hören, und zum anderen machen hier fünf Fans einfach die Musik, die ihnen etwas bedeutet: Death Metal!

1. Flesh Hammer Prophecy

„Oh, Kacke, jetzt müssen wir wohl ein Album machen“, wunderte sich die Band laut Jury nach der 2015er-EP „Corrosive Revelation“ und deren guten Kritiken. Er redet auch von einem der punkigeren Songs – meint aber damit wohl eher, dass der Song mächtig geradeaus geht. Schweden-Death der dismemberanischen Art. Rummst mit Melodie. Guter Auftakt, wenn er es denn wäre, denn die Reihenfolge der Songs stand zum Zeitpunkt der Session noch nicht fest.

2. Shredding Your Graven Image

Als „Götzenbild gegen die Religion“ bezeichnet Lenny den Song bzw. die Intention hinter demselben. Wie auch immer, so wettert der Vokalist mit verständlichen Worten gegen religiöse Parasiten, während seine Kollegen Tempo zugunsten Walze rausnehmen. Der Song entstand als letzter, ist abwechslungsreich (Groove, Doublebass, alles) und ein echter „Destroyer!“

3. Worshipping The Bloodthirsty

Lenny nu wieder. Mit verschmitztem Lächeln scheint er die Anwesenden zu veräppeln, wenn er schildert, worum es geht: Inspiriert von einer Fernseh-Doku redet er von einem südamerikanischen Bluttempel und dem letzten Gang zu Opferstelle. Der Midtempo-Banger groovt und macht Spaß und weckt eine geile Assoziation nach der anderen: Bolt Thrower in hoch, Postmortem in Death Metal, Amon Amarth, als sie noch geil waren... Und alles ohne Happy End!

4. Demonspawn

Absolute Experten erkannten sofort: Den hamse schon ma live gespielt. Tumbere Kollegen (wie ich) wunderten sich noch über fehlenden Konsens. Kollege Lenny bezeichnet den Song über die Besessenheit von sieben Milliarden Seelen als typischen ENDSEEKER-Stoff, Jury meint was „von unser erster Morgoth-Song“. Vielleicht ist das aber auch dasselbe. Egal, denn das Tempo ist hoch, die Atmosphäre schwedisch, das Leben schön. Ben holt noch ein Bier. Und tanzt. Ein bisschen.

5. Black Star Rising

Kurz und dick. Metal-Glück. Der Song ist schnell wie die wilde Wutz, brachial sozusagen und Marc Grewe singt. Sozusagen ein echter Morgoth-Song. Und die Idee dahinter ist klar wie Kloßbrühe: Ein EBM-Gothic-Depri-Song inklusive textlicher Aussage. „Die Welt ist negativ, das wollen wir glorifizieren. Ich bin von Star Wars besessen, das darf Disne aber nicht wissen“, - ja, ne, is klar, Lenny, ich kauf dir ‘nen Aluhut. Beim Bangen aber absetzen!

6. Powder Burns

Hmm. Klingt irgendwie nach Bolt Thrower. Was daran liegen könnte, dass der Song ein Cover ist. Dank (oder wegen?) Lenny klingt der Song tatsächlich anders, macht aber nix. Die Söldner singen: „No Compromise“ und dem ist nichts hinzuzufügen.

7. Feasting On The Decomposed

Lennys großer Auftritt: Denn es geht darum, wie man sich an einem verwesten Menschen laben kann. Und um ein Mutter/Kind-Verhältnis. Und um Jürgen Drews, wie er Muttermilch trinkt. Aber nicht aus einem megagroßen Brustimplantat, sondern direkt aus dem Leichnam. Tja, dass vor lauter Ekel auch noch der zweitschnellste Song rauskommt, der Chaos und Riffmassaker mit vielen Varianten bietet, das macht so richtig Appetit auf... na jedenfalls keine Muttermilch.

8. Possessed By The Flame

Endlich Entombed. Der Linkshänder-Weg ist in der Tat sehr gegenwärtig, wenn Lenny zum „Birthday Barbecue“ lädt und damit sicherlich keins für Veganer meint. Dass dieser „Doom“-Song das Intro aufgreift, hätte ich schon wieder vergessen, aber gut, dass Jury das erzählt hat und ich es aufschrieb. Ganz persönlich erinnert mich der Song und vor allem der prägnante Bass an Maiden. Macht ja nüscht, oder?

9. Malicious Instinct

Als „Magenschließer“ kommt ein schneller Titel mit, der aber auch langsame Phasen in sich trägt – genau wie Blastbeats. Der coole Refrain ist – ähem – cool, der Song fast ein wenig progressiv und erinnert gleichermaßen an Cannibal Corpse und finnische Death-Metal-Helden. Ja, die gibt’s auch. Genau wie einheimische.

Fazit:

Polonaise Blankenese war gestern - heute ist Hamburg Old School Death Metal. ENDSEEKER sind nicht so dreckig wie viele Bands aus Schweden, aber mindestens genauso HM-2. Die neue Scheibe macht mächtig Spaß und tritt Dir auch ins Gesicht. Aber mit viel Herz. Ehrlich!

Fotos: Band/Peter Kupfer