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OBSCENE EXTREME

Zum Zeitpunkt des Interviews widmete sich Curby gerade dem Buchen der letzten paar Bands für die 2017er Ausgabe des traditionsreichen Festivals in der Tschechischen Republik. Wie bereits im Artikel im Heft angeklungen, hat das OBSCENE EXTREME im Laufe der Jahre zwar nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren, mittlerweile wirkt die Veranstaltung allerdings professioneller organisiert als noch zu Anfangszeiten. Und während in der Vergangenheit Brutalo-Death Metal respektive Grindcore nahezu das alleinige Maß der Dinge waren, hat man sich im Laufe der letzten Jahre stilistisch zumindest leicht „geöffnet“ und auch Bands aus anderen Bereichen des extremen Metals Zugang zum Festival gewährt wie beispielsweise Sodom, Holy Moses, Razor, Doom, Gehennah, Bulldozer oder Discharge. „Nun, ich wuchs mit Thrash Metal auf, deswegen war es nur eine Frage der Zeit bis ich eine meiner Lieblingsbands wie Sodom oder so einladen und sie auf mein Angebot eingehen würde. Manchmal dauert das halt etwas wie beispielsweise bei Napalm Death, einer meiner absoluten Lieblingsgruppen, die erst nach zehn langen Jahren auf dem OEF spielten! Wie dem auch sei, jedes Jahr versuche ich mein Bestes zu geben und das bestmögliche Billing zusammenzustellen! Natürlich gibt’s einige Formationen, die bis dato noch nie bei uns aufgetreten sind und die uns Jahr für Jahr aus den unterschiedlichsten Gründen eine Absage erteilen: Aber vielleicht gelingt es mir ja bei unserem 20-jährigen Jubiläumsfestival im Juli 2018, mein absolutes Traum-Billing zusammenzustellen, haha! – Jedenfalls hoffe ich das!“

Unglaublich viel Spaß

Jedes Festival scheint seine „Stammbands“ zu haben, sprich Gruppen, die öfter mal dort auftreten und mit denen die Veranstalter mittlerweile Freundschaften geschlossen haben. „Bis dato spielten bei allen „Obscene Extreme Festivals“ mehr als 800 Formationen und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die meisten davon zu meinen Freunde zählen! An dieser Stelle möchte ich allerdings meinen Helden aus Teenager-Tagen Danny Lilker besonders erwähnen, denn er ist solch eine großartige Persönlichkeit, ein Freund sowie ein herausragender Musiker! Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich ihn mal regelmäßig daheim in Rochester besuchen würde! Dasselbe gilt für Shane Embury: Das ist ein so aktiver Typ, dass es nahezu unmöglich ist, all seine musikalischen Aktivitäten und Bands im Blickfeld zu haben! Für mich ist er eine wahre LEGENDE und jetzt sind wir Freunde…das ist absolut genial! Und dann wären da noch die Jungs von Gruppen wie Exhumed, Haemorrhage, Municipal Waste, Napalm Death, Brutal Truth, Venomous Concept, Blood Duster, Rotten Sound usw., mit denen ich manchmal auf Tour gehe, wenn sie gerade in solch besonderen Ländern wie beispielsweise Japan oder Australien unterwegs sind: Das ist immer eine sehr geile Zeit, wir haben immer unglaublich viel Spaß dabei!“ Schlechte Erfahrungen mit verhinderten Rockstars hatte Curby in all den Jahren OBSCENE EXTREME bis dato noch nie machen müssen: „Ich mag diese Einstellung einfach nicht! Das macht überhaupt keinen Sinn, denn wir sind eine extreme Familie und beim OEF machen wir solche Spielchen nicht mit! Die Leute dürfen auf die Bühne springen und ihren Lieblingsgitarristen die Hand schütteln, scheiß doch drauf! So ist das einfach: Es gibt keine Grenzen zwischen Fans und Bands: Die Musiker verkaufen ihr Merchandise selbst und laufen auf dem normalen „Publikums-Schlachtfeld“ einfach so rum. Das ist wirklich immer ein absolut entspanntes Wochenende! Wir mögen das so und wollen diesen Vibe für immer am Leben erhalten!!!“

Wirklich heiße Nachrichten

Und so ist Curby im Laufe der 19 Jahre OBSCENE EXTREME auch nie mal an einen Punkt angelangt, wo er auch nur im Entferntesten darüber nachgedacht hätte, das Festival zu Grabe zu tragen. „Nein, denn glaube mir, dass meine Motivation immer noch dieselbe ist wie vor vielen, vielen Jahren: Das ist einfach meine große Leidenschaft! Ich höre mir zehn bis 15 Stunden am Tag Musik an, und das nahezu jeden Tag - außer wenn ich Fußball spiele, haha! Nach wie vor liebe ich es, meinen Lieblings-Bands und Freunden zu helfen! Ich bin so überglücklich, dass ich mein Hobby zu meinem „Job“ gemacht habe und kann nur jedem wünschen, dass ihm das auch passiert, denn das macht einen glücklich und man ist dann bereit, viel Zeit und Kraft in Extrasachen zu stecken, eben weil man das was man tut mag!“ Etwas Pech hatten Curby & Co. in der Vergangenheit allerdings immer hinsichtlich der geplanten Verpflichtung von Repulsion: „Ich bin mit allen Musikern dieser Band befreundet, wir kennen uns bereits seit einer sehr langen Zeit und im Laufe der letzten Dekade habe ich sie wirklich jedes verdammte Jahr eingeladen, aber irgendwie liegt da immer etwas anderes in der Luft, das das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Glaub mir, das ist für mich ziemlich frustrierend - aber so leicht werde ich definitiv nicht aufgeben!“

Angebote von Bands oder Promotern, die seitens der OBSCENE EXTREME-Macher niedergeschlagen werden mussten, weil die betroffene Gruppe zu groß für das Festival war oder schlichtweg musikalisch nicht wirklich dorthin passte, gab es in der Vergangenheit allerdings keine. „Jeder weiß, dass Korn nicht beim OEF auftreten können und damit hat sich das, haha!“ Gedanken darüber, das OBSCENE EXTREME größer aufzuziehen, hat sich Curby indes auch noch nie welche gemacht: „Ich versuche schlicht und einfach, das beste extreme Underground-Festival der Welt zu organisieren – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ich erinnere mich an die Anfänge unserer Szene mit dem ganzen Stage-Diving, den Moshpits, ohne Handy-Aufnahmen und genau das möchte ich auch der neuen Generation vermitteln. Ich will bei meinem Festival Spaß haben und es so gut es nur geht genießen können! – Ich habe keine Ambitionen, das größer als „Wacken“ aufzuziehen…!“ Mit Ausnahme des Legacy und einiger anderer Gazetten herrscht scheinbar nicht allzu viel Interesse seitens der Medienlandschaft am OBSCENE EXTREME, TV-Teams fanden sich jedenfalls noch keine auf dem Festivalgelände ein: „Das ist komisch, wo wir doch einen perfekten Namen für wirklich heiße Nachrichten haben, haha!“

Ein weiteres Familienmitglied

Fans aus der ganzen Welt besuchen das OBSCENE EXTREME, so ist es nicht ungewöhnlich, dort Kiwis aus Neuseeland, Leute aus Australien, Südafrika, Japan, Korea, Mexiko oder natürlich den USA sowie aus ganz Europa anzutreffen. Ein logischer Schritt war demzufolge irgendwann einmal, den Berg zum Propheten zu transportieren, sprich, in anderen Ländern auf anderen Kontinente wie Asien, Australien oder Amerika Festivals zu veranstalten, was Curby, wie im Interview in Ausgabe #108 bereits angeklungen, eine gewisse Zeit lang gemacht hatte: „Nun, das ist jetzt mittlerweile zwar Geschichte, aber es war hervorragend! Speziell die OBSCENE EXTREME-Festivals in Japan und Australien waren geil, denn in diesen Ländern gibt es viele großartige Bands! Ich selbst habe immer alle Gruppen für sämtliche OEF-Veranstaltungen in der ganzen Welt gebucht und bin auch finanziell dafür aufgekommen. Ich habe bei niemandem Schulden, demnach war das schon ein erfolgreiches Unterfangen, wie ich finde! Ich wage es gar zu behaupten, dass diese Erfahrung mein Leben verändert hat!!!“

Wenngleich sich das OBSCENE EXTREME wohl eher als Festival ohne einer direkten politischen Ideologie im Hintergrund versteht, ist klar, dass Anarcho-Bands eher auf Gegenliebe stoßen als Kandidaten aus der entgegengesetzten Richtung… Wenn Festivalbesucher Shirts von Burzum oder Graveland tragen stellt das für Curby selbst jetzt nicht unbedingt ein Problem dar, glaubt der Tscheche doch an die Freiheit des Einzelnen, das tun und lassen zu können, was er / sie mag. Diese Freiheit hört allerdings dort auf wo die Freiheit des anderen anfängt bzw. wo sich Trouble ankündigt: „Früher hatten wir schon mal kleinere Probleme mit rechten Leuten, aber die konnten behoben werden - wir haben keinen noch so kleinen Platz für braune Scheiße! Diese Leute sind beim OEF absolut nicht willkommen! Ich glaube, dass jeder weiß, wie zurückgeblieben und blind Count Grishnackh ist, weswegen die einzige Aussage, dass man ein Burzum-Shirt trägt die ist, dass man das nur aus Gründen der Provokation tut und um zu zeigen, dass man „Eier“ hat, aber letzten Endes bedeutet es nur, dass man ein verfickter, dummer Verlierer ist…!“

Curby hofft, dass man sich zwischen dem 5. und dem 9. Juli 2017 auf dem „Schlachtfeld“ OBSCENE EXTREME über den Weg laufen wird. Dieses Jahr sind die erklärten Ziele, ein nahezu perfektes Festival auf die Beine zu stellen und sich dann auf das zwanzigjährige Jubiläum 2018 vorzubereiten, damit dieses „mit Charme“ zelebriert werden kann. „Und dann möchte ich noch zwanzig Jahre so weitermachen – kein Witz, haha!!! Ich habe wirklich von Beginn an jedes Festival genossen: Früher schlief ich während der gesamten Dauer des „Obscene Extremes“ etwa sechs Stunden, mittlerweile ist das viel besser geworden und ich kann mir fast jede Band ankucken und jede Nacht mindestens vier bis sechs Stunden pennen, und das ist schon ein großer Unterschied, haha! Das OEF ist für meine Familie mit sehr vielen Emotionen verbunden, alle meine Kinder weilen auf dem Festivalgelände: Die vier jüngsten haben es seit ihrer Geburt sogar jedes Jahr besucht! Als mein ältester Sohn Nathan zur Bühne kam, um mit seinen 3 Jahren zusammen mit mir ein paar Songs zu genießen, war das wirklich etwas ganz Besonderes!!! Dasselbe gilt natürlich für die anderen Kids…für meine ganze Familie stellt das OEF ein weiteres Familienmitglied dar und meine Kinder können`s kaum erwarten, jedes Jahr aufs OBSCENE EXTREME zu gehen!!!“

www.obsceneextreme.cz