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FARSOT

Die Abstände zwischen den Studioaufenthalten vergrößern sich von Tonträger zu Tonträger: Aus drei Jahren wurden vier, dann jetzt fünf. Das hat laut 3818.w mannigfaltige Gründe. „Nach dem Album-Release folgt die Zeit der Live-Darbietungen, der Werbe- und Pressearbeit sowie des Auslebens all der Mühen, welche das Schreiben, Aufnehmen und Gestalten in Anspruch genommen haben. Davon abgesehen braucht jeder dann auch seinen persönlichen Abstand zur Sache, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Auch werden wir immer erzkonservativ an das Thema ,Songwriting‘ herangehen.Das heißt, die Songs entstehen zwar zeitintensiv, dafür aber mit einem steten Reifeprozess im Proberaum. Ebenso akribisch gestaltet sich auch der Aufwand für die unmittelbare Zeit vor dem Studio. Eine vernünftige Vorproduktion – wir haben da mit unserem Bassisten einen tollen Tontechniker an Bord – macht einem später das Leben wirklich leichter.“

Ausschlag für die Rückkehr zu V. Santura als Produzent gaben mehrere Überlegungen. 3818.w konkretisiert diese: „Allem voran ist seine Arbeit mit Triptykon unfassbar gut. Auch stehen die Produktionen von Dark Fortress, Pestilence oder Obscura dem in nichts nach. Dass die Gebilde Woodshed/Santura und FARSOT sehr gut harmonieren, zeigte uns zudem unser Debüt, welches für die damaligen Begleitumstände wirklich stark geworden ist.

Für „FAIL·LURE“ haben wir - denke ich - die richtige Wahl getroffen. Die Zukunft können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht berücksichtigen, da wir einfach nicht wissen, wohin die musikalische Reise gehen wird. Wir leben erst einmal zu einhundert Prozent im Hier und Jetzt. Wir haben sowohl bei Markus Stock als auch bei Victor in recht gemütlichen, ja fast wohnlichen Umgebungen aufnehmen dürfen. Keine Stahl-Glas-Kunststoff-Tristesse. Nein… Couch, Teppich und Vorhang in kleiner und warmer Räumlichkeit waren treue Begleiter, die einem Wohlfühlen vermittelte und größere Anlaufzeiten überflüssig machte. Beide Studios zeichnet die ländlich umgebende Idylle aus. Auch bei Victor konnte und hat jeder diesen Freiraum nutzen können. Allerdings hatten wir kaum die Zeit, gemeinschaftlich loszuwandern. So beschränkte sich die Aktivitätenlage auf gemeinschaftliches Kochen und Gesprächs-, Spiel- oder Filmrunden am Abend. Immer war ein leckeres niederbayrisches Bier dabei.“

Die Aufgabe des Studiobetreibers war dabei klar definiert. „Er war in erster Linie Tontechniker. Er hat mit uns an den Reglern gedreht, und die Instrumentensounds gefunden. Songstrukturen wurden im Studio nicht verändert. Sein geschultes Ohr war immer voll dabei, so dass er helfend hinsichtlich Einspieldynamik und A/B-Entscheidungswegen auftreten konnte. Gerade bei den Vocal-Mixings und den synthetischen Spielereien konnte er uns noch ein gutes Stück pushen.“

Der Einsatz von cleanen/akustischen Gitarren ist auffallend – beruhen die Songs letztlich auf einem solchen Gerippe, komponieren FARSOT eher unplugged als mit den Reglern auf elf? „Das unbestimmte Wechselspiel von verzerrten und akustischen Gitarren ist seit jeher ein typischer Bestandteil des Band-Sounds. Es ergibt sich in der Tat einfach so“, bekräftigt.3818.w.

„Manche Riffs klingen einfach verzerrt nicht oder müssen zumindest akustisch vorbereitet werden. An anderer Stelle keimt einfach der Drang nach einem Ruhepol im Klanggerüst auf. Das Heim-Komponieren findet sowohl mit der Akustikgitarre als auch mit Amp-Verzerrung statt – spontan im Einklang mit der persönlichen Stimmungslage.“

Das Album wurde in zwei Sessions aufgenommen. „Das hat keine wirklich außergewöhnlichen Gründe. „Insects“ haben wir auch in zwei Sessions aufgenommen“, bemerkt 10.XIXt. „Klar ist es auf der einen Seite super, wenn man alles in einem Ritt aufnehmen kann, allerdings sind wir in der Band fast alle berufstätig und haben somit ein bestimmtes Kontingent an Jahresurlaub. Zudem haben wir durchaus positive Energie daraus gezogen, mit frischen Köpfen – und obendrein ein paar neuen Ideen – in das Studio zurückkehren zu können, um die Platte fertigzustellen.“

Michael Zech, Kompagnon bei vielen V. Santura Produktionen, ist nicht involviert gewesen. 3818.w bekräftigt: „Wir haben das Album autark ohne Gästebegleitungen eingespielt. Lediglich bei einem Feature der Bonus-CD wird es einen Gastbeitrag von Georg Börner, ColdWorld, zu hören geben.“

Sein Bandgenosse sekundiert „Kurioserweise sind wir eine der wenigen Bands, welche kaum überschüssige Songs in der Hinterhand hat. Wir schreiben die Songs bis zur vollen Zufriedenheit. Wenn wir nicht 100 % mit einem Riff zufrieden sind, wird es verworfen. Somit haben wir zwar einige gute Riffs on hold, aber eben keine fertigen – und schon gar nicht im Studio aufgenommenen – Songs. Von „FAIL·LURE“ wird es, wie es bei Prophecy üblich ist, wieder eine kleine, aber feine Auswahl an verschiedensten Tonträgern geben. Für den Enthusiasten und Sammler wird auch etwas dabei sein.“

Einst haben FARSOT für einen Tribute-Sampler ‚I Break‘ von Katatonia aufgenommen, mit dem Keifen als Tribut an die „alten“ Katatonia. 10.XIXt erläutert: „Wir halten nicht viel davon, Songs einfach nur zu covern beziehungsweise geradlinig nachgespielte Cover-Songs dann auch aufzunehmen und zu veröffentlichen. Wenn ich einen Song hören möchte, der klingt wie das Original, höre ich mir einfach das Original an. Deshalb haben wir vor nunmehr zehn Jahren (!) mit ‚I Break‘ versucht, unsere eigene Note hereinzubringen. Gerade der Gesang sticht dabei heraus, da abseits der anderen Stimmlage die Betonungen der Strophen vom Original abweichen. Manchen gefällt es, dass man derart eigenen kreativen Input leistet, andere hingegen haben große Probleme damit. Wir würden jedenfalls wieder ähnlich herangehen, egal ob es nun ein sogenannter Klassiker wäre oder ein recht neuer Song.“

Dass es dazu kommt, ist aber eher unwahrscheinlich, betont 3818.w. „Mittlerweile ist uns schlichtweg die Zeit zu schade, um sie für die Aufarbeitung von Cover-Versionen zu verbrauchen. Da wir als komplettes Kollektiv nicht übermäßig häufig im Proberaum zusammenkommen, dies aber gerade bei so einem Vorhaben nötig ist, sind wir von dieser Geschichte eigentlich fast vollständig abgekommen.“

 

Text: BTJ

Foto: www.facebook.com/farsot.official