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Darkthrone

Das für den Schreiberling auch nach Jahren noch wichtigste DARKTHRONE-Album respektive das, mit dem er persönlich am meisten verbindet, ist und bleibt “Panzerfaust”, wenngleich es hart ist, eine spezielle Platte aus dem Oeuvre von Nocturno Culto und Fenriz herauszugreifen. Richtig schlechte Scheiben gibt’s in der Diskografie DARKTHRONEs ja überhaupt nicht auszumachen. „Ich mag mein Songwriting auf “Total Death” nicht sonderlich und der Sound dieser Scheibe war auch nicht gerade der Beste. Wenn ich wählen müsste, würde ich wohl „Under A Funeral Moon“ als meine Lieblingsplatte auswählen, aber als ich alle unsere Platten analysieren und bewerten musste, um Songs zu finden, die wir für die Dreifach-LP mit Buch – Box „Black Death And Beyond“ von vor ein paar Jahren verwenden konnten, fand ich heraus, dass rein statistisch gesehen „The Cult Is Alive“ unser bestes Album war, haha!“

Generell ist Fenriz mit dem aktuellen Status Quo durchaus zufrieden, macht jedoch eine kleine Einschränkung: „Ich hatte jetzt 15 Jahre DARKTHRONE in der Form und ich mag`s so wie das ist. Doch irgendwie vermisse ich jene Tage, als wir noch eine richtige Band waren und nahe beieinander in der Gegend um Kolbotn lebten.“ Fenriz ist indes niemand, der ständig an neuen Songs arbeitet: „Zur Hölle nein! Ich bin damit ausgelastet, mir die Musik anderer Leute anzuhören!“ Wenden wir uns nunmehr ehemaligen Nebentätigkeiten des Norwegers zu: Bereits seit 2000 hat Fenriz nicht mehr mit den Jungs von Valhall zusammen gespielt. „Und als ich damals 1995 bei Neptune Towers den Stecker zog, war dies eine unwiederbringliche, definitive Aktion. An Isengard denke ich oft, aber ich kann es mir nicht leisten, so ausgebrannt wie damals 1996 zu werden, deswegen friere ich diesbezügliche Pläne lieber ein. Dennoch erscheint bald eine Isengard-Single mit zwei Songs von 1989 und 1992, die ich all die Jahre unter Verschluss gehalten hatte.“

Eingedenk der Tatsache, dass DARKTHRONE seit Urzeiten bei Peaceville Records unter Vertrag stehen, ist anzunehmen, dass sich daran zukünftig auch nichts mehr ändern dürfte… „Ja, wir haben eine großartige, symbiotische Beziehung! Es geht dabei nicht nur um Peaceville, sondern um ihre Chefs Snapper, die Publishing-Belegschaft bei Imagem sowie die Merch-Firma Razamataz: Das ist einfach eine Einheit! Ihr Deutschen wärt sicherlich stolz auf diese hohe Kunst der Organisation und wie ehrlich und astrein das alles abläuft!“ Allzu viele Tipps für neue, hoffnungsvolle Bands hat Fenriz dieses Mal jedoch leider nicht auf der Pfanne: „Früher gab´s davon viel mehr, heutzutage wird alles sofort veröffentlicht, aber Black Viper sind phänomenal!“ Die Szene seiner Heimatstadt Kolbotn ist indes unermesslich reich an hoffnungsvollen Underground-Formationen: „Ja, man denke nur mal an Flight, Gouge, Condor, die erwähnten Black Viper, Nekromantheon, Obliteration, Lamented Souls, Infernö etc.“

Einige Leute beschweren sich darüber, dass die gegenwärtige Szene/das Business viel zu kurzlebig ist: Überflüssige Bands werden in den Himmel gehoben, Fans werden immer oberflächlicher und immer mehr „fremdgesteuert“ etc. In gewisser Hinsicht war das schon immer so, sogar schon vor der „Prä-Internet“-Ära. Fest steht jedoch, dass sich die Szene gewandelt hat, im Laufe der letzten zirka zehn Jahre wurden sogar Teile des Undergrounds mehr und mehr „professionalisiert“, um nicht zu sagen „kommerzialisiert“. „Das erste was ich dachte als ich die erste Zeile Deiner Ausführungen las war: „Aber das war doch schon immer so!“ Darüber hinaus hat an mich bislang noch nie jemand derartige Beschwerden herangetragen. Die gesamte Metal-Welt ist zu so etwas Riesigem angewachsen, dass es Raum für alle Arten von Stilen und Bands gibt und jeder sollte schlichtweg versuchen, das besser zu machen und es gibt immer vielerlei Möglichkeiten, dies zu erreichen. Meine ist beispielsweise mein Radio Fenriz. Seit etwa den frühen 2000ern war es wegen des Internets leichter, für sich selbst neue wie alte Bands sämtlicher Genres anzutesten, weswegen man nicht sein ganzes sauer verdientes Geld für irgendeinen Scheiß und einige wenige gute Alben mehr ausgeben musste. Jetzt konnten die Leute die Sachen erst mal anchecken und dann das erst kaufen was sie mochten. Die Vorgehensweise des Musik-Business, zu versuchen, die Geschmäcker der Menschen sozusagen in Wellen zu kontrollieren, war nunmehr durchbrochen. Die Leute hörten sich jetzt einfach das an was auch immer sie wollten und fingen an, ebenfalls das was auch immer sie wollten zu kaufen. Genauso lief das beispielsweise auch in der Modewelt, es gibt keine großartigen Wellen, keine Trends mehr: Die Menschen fingen an, was auch immer sie wollten zu tragen und ich glaube, dass die Szene besser denn je zuvor ist! Aber natürlich ist die Obskurität von einst für immer verschwunden, das ist klar.“ Fragt sich nur, ob Fenriz abschließend eigentlich von der Metal- oder der Modeszene sprach…?