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BURDEN OF GRIEF

Wir haben es im Printheft bereits angedeutet, dass sich BURDEN OF GRIEF schon lange nicht mehr als die typische Melodic Death Metal-Band sehen. Überhaupt scheint dieser Terminus durch die kommerzielle Ausschlachtung Mitte bis Ende der 90er Jahre und dann durch die unsäglichen Pop Metal-Bands in den 00er Jahren fast ein Schimpfwort geworden zu sein.

Gut, dass seit einigen Jahren Bands wie My Cold Embrace, jüngst Yardfield Colony oder Sublevel dem Genre seine Härte und Virtuosität zurückgeben. BURDEN OF GRIEF emanzipieren sich nun endgültig vom Kastendecken. „Ich selber sehe uns nicht als Melodic Death Metal-Band im eigentlichen Sinne und denke auch nicht darüber nach, welche Elemente wir nun erfüllen müssen, um in diesen Stil zu passen. Es ist offensichtlich, dass viele Hörer die Musik von Bands in erster Linie nach dem Gesang beurteilen. Der Gesang von Mike ist nun mal so, wie er ist, und gibt uns immer wieder den Stempel ‚Melodic Death Metal‘, natürlich in Verbindung mit unseren vielen Gitarrenmelodien. Aber es gibt so viel mehr Bands, die ganz offensichtlich nach Schweden und insbesondere nach Göteborg klingen wollen, zu denen diese Schublade viel besser passt als zu uns. Gerade die Songs, die aus meiner Feder stammen, halte ich für viel mehr Thrash-beeinflusst. Natürlich sprechen wir hier nicht von 80er-Jahre-Stretchhosen-Thrash, wobei gerade für mich immer schon „Master Of Puppets“ die perfekte Symbiose aus Härte und Melodien war. Aber für mich haben z.B. die letzten Alben von Testament und Machine Head einen viel größeren Einfluss als alles, was aus Schweden kommt. Um somit auf deine Frage zurückzukommen: Wenn man von einer Art Befreiungsschlag sprechen kann, dann sehe ich persönlich das in der Tat am ehesten als eine Befreiung vom Etikett ‚Melodic Death Metal‘. Ich bin überzeugt, dass unsere Musik so viel mehr zu bieten hat. Aber das ist halt das Problem mit den Schubladen. Für Thrash Metal-Fans sind wir nicht genug Thrash Metal, für Death Metal-Fans sind wir zu wenig Death Metal, und für Melodic Death Metal-Anhänger sind wir auch zu untypisch. Viele andere Bands scheinen erfolgreicher damit zu sein, die Ansprüche ihrer Stilrichtung entsprechend auszufüllen. Wir saßen immer schon etwas zwischen diesen ganzen Stühlen. Ob sich das mit dem neuen Album ändern wird, bleibt abzuwarten. Den Stempel, den wir seit vielen Jahren haben, werden wir sicherlich nicht los. Aber wie du schon sagst, haben wir uns nie einer Musikrichtung oder Trend angebiedert.“

Trotzdem finden sich auch Hits auf „Eye Of The Storm“: ,Broken‘ ist so ein Kandidat. Da stellt sich die Frage, ob die Band hier eingängige Fixpunkte setzen wollte. „Wir halten diesen Song auch für einen der stärksten des Albums, aber erfahrungsgemäß gehen auch hier die Meinungen der Hörer oft auseinander. Unser Songwriting war immer schon recht klassisch, d.h. wir haben immer schon großen Wert auf prägnante Refrains gelegt. Das ist natürlich oftmals nicht so leicht, wie man es sich wünscht. Aber auch hier konnten wir uns, meiner Meinung nach, beim neuen und auch schon beim vorherigen Album deutlich steigern im Vergleich zu unseren alten Alben. Ich denke, hier unterscheiden wir uns auch von vielen anderen Death- und Thrash Metal-Bands, für die Eingängigkeit und klassische Songstrukturen ja oftmals eher ein No-Go sind. Hier kommt halt, vor allem bei meinen Songs, ganz deutlich meine Vorliebe für klassische Metal-Bands wie Iron Maiden und Judas Priest zum Vorschein. Ein Refrain sollte eindeutig auch als solcher zu erkennen sein und eine deutliche Steigerung zur Strophe sein. Hier versuchen wir uns schon sehr bewusst von gängigen Death Metal-Strukturen abzuheben.“

Überhaupt scheint es, dass BURDEN OF GRIEF diesmal wirklich nichts dem Zufall überlassen haben, so steht ebenfalls in der Mitte der Scheibe ‚Wolf Moon‘, ein kompaktes Brett, das skandinavische Virtuosität mit Angriffslust paart. Zwei Stücke, mitten drin im „Eye Of The Storm“. „Es gibt durchaus einige Punkte, die wir bei der Tracklist beachtet haben. Aber diese sind weitaus weniger gewichtig, als man vielleicht annehmen kann. Natürlich wollten wir die unserer Meinung nach stärksten Songs am Anfang der Platte haben. Aber gleichzeitig sollte das Album auch mit einem besonderen Song schließen. Ansonsten haben wir besonderen Wert darauf gelegt, dass sich immer ein Song von mir mit einem Song von Joe abwechselt. Während früher noch viele Songs gemeinschaftlich im Proberaum entstanden sind, arbeiten wir diese heute fast ausnahmslos zu Hause aus. Das führte somit immer mehr dazu, dass es Songs komplett aus meiner Feder gab und auf der anderen Seite Songs, die komplett von Joe stammen. Da sich unsere Handschrift beim Songwriting durchaus unterscheidet, halten wir es für das Hörvergnügen für dynamischer, wenn sich auf dem Album unsere Songs abwechseln. So haben es beim letzten Album „Unchained“ auch schon gehandhabt. Wir haben zwar vor dem Mastering verschiedene Tracklists diskutiert, dabei aber gemerkt, dass wir die Qualität der Songs durchweg für so gut hielten, dass das Album auch mit anderen Songreihenfolgen gut funktioniert hätte. Von einer bestimmten Dramaturgie kann man also nicht unbedingt sprechen. Neu für uns war lediglich noch die Tatsache, dass wir zum ersten Mal eine Vinylversion des Albums veröffentlichen werden. D.h. bei der Songreihenfolge mussten die beiden LP-Seiten berücksichtigt werden. Das war es aber auch schon.“

Einen sehr ernsten Hintergrund hat das dunkel-epische Finale des Albums in Form von ‚The Funeral Cortege‘. Philipp erläutert: „Dieser Song ist ganz klar der persönlichste Song des ganzen Albums, vielleicht sogar der persönlichste Song von BURDEN OF GRIEF überhaupt. Unser Sänger Mike verarbeitet darin den Tod seiner Mutter, und vor allem das krankheitsbedingte Leiden vor dem Tod, sowohl das seiner Mutter selber als auch das von den nahen Familienmitgliedern. Jeder, der solch eine Situation selber schon einmal miterleben musste, wird sich in diesem Text wiederfinden können. Vor diesem Hintergrund hat dieser Song für uns natürlich eine ganz andere Bedeutung, als wenn er nur einen fiktiven Text hätte. Daher sollte dieser Song auch einen besonderen Platz auf dem Album bekommen.“



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