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ABYSMAL GRIEF

Im Interview mit Gitarrist Regen Graves in “Legacy”-Ausgabe #113 erwähnt dieser zum Schluss kurz das Schlagwort “Konzeptualisierung”. Entgegen der Vermutung des Autors dieser Zeilen liegt dem neuen ABYSMAL GRIEF-Werk “Blasphema Secta” jedoch keine zusammenhängende Storyline zugrunde. Um diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen und um noch auf einige Aspekte mehr einzugehen, gibt´s nun einen Nachschlag zum Interview in oben erwähntem Heft.

Setzen wir uns also zunächst mal eingehender mit den Texten hinter dem fünften Album der Italiener auseinander. “Ich versuche immer, unsere Veröffentlichungen nicht als “Konzeptscheiben” zu bezeichnen, weil das heutzutage jeder tut, um mehr “intellektuelle Relevanz” zu erreichen und cooler zu wirken. Aber ich vermag nicht zu leugnen, dass “Blasphema Secta” das worüber ich bereits auf “Strange Rites Of Evil” schrieb auf äußerst extreme und blasphemische Art erweitert. Im Speziellen geht es um jenen spöttischen Antagonismus gegenüber Religion sowie um die vollkommene Hinwendung zu den schwarzen Künsten. “Blasphema Secta” ist mit Sicherheit unser blasphemischstes und “satanischstes” Album überhaupt! Ich lasse mich komplett in das fallen was ich fühle, was mein persönlicher Pfad im Okkulten ist. Ich muss zugeben, dass es ein bisschen mehr ist als das was ich für gewöhnlich über Spiritismus und das Leben nach dem Tode von mir gebe, aber so bin ich heutzutage nun mal!” Und so verfügen die Texte ABYSMAL GRIEFs nicht nur über eine fiktionale Dimension. “Richtig, denn es gibt IMMER Verbindungen zur Realität, es gibt Zusammenhänge und Metaphern, die sich auf Dinge beziehen, die wir in der Vergangenheit praktizierten. Wir nehmen das Ganze sehr ernst, wenngleich wir`s heute eher etwas nüchterner sehen als damals als wir noch jünger waren. Wenn ich mir heute einige meiner Texte durchlese, die ich vor 10 oder 15 Jahren schrieb, muss ich unweigerlich etwas grinsen, aber ich denke, dass dies einfach eine ganz normale Sache ist, die das Älterwerden so mit sich bringt.”

Absolute Gleichgültigkeit gegenüber Trends

Eine Besonderheit der momentanen Besetzung ABYSMAL GRIEFs ist die Tatsache, dass sämtliche Musiker bereits im Gründungsjahr 1996 mit von der Partie waren. Sänger / Keyboarder Labes C. Necrothythus und Regen sind dabei diejenigen, die ununterbrochen die Band am Leben hielten. Insofern könnte man meinen, dass die beiden die musikalische wie textliche Marschroute vorgeben. “Ich komponiere die Musik und verfasse sämtliche Texte zuhause und dann arbeiten Labes und ich am Hauptteil der Keyboard-Arrangements. Erst wenn die Struktur eines Songs endlich fertiggestellt ist, zeigen wir sie den anderen und proben gemeinsam. Im Laufe all der Jahre hat sich dies als die einzig für uns mögliche Arbeitsweise erwiesen und das klappt ziemlich gut, wie ich finde!”

Eingeschworene Underground-Maniacs verehren ABYSMAL GRIEF bereits schon seit geraumer Zeit. Trotz des derzeit allerortens grassierenden Okkult-Metal/Rock-Booms hat die breite Öffentlichkeit jedoch noch nicht wirklich Notiz von den Italienern genommen. Ein weiterer Beweis dafür, dass im heutigen Musik-Business viel mehr oberflächliche Nonsens-Faktoren als qualitativ hochwertige, eigenständige Sounds zählen. Insofern findet auch Regen selbst, dass ABYSMAL GRIEF wohl “ewige Underdogs” bleiben werden, die einfach gnadenlos ihr Ding durchziehen und auf schnelllebige Trends pfeifen. “Ja, definitiv, und ich versuche immer noch herauszufinden, ob das für uns nun gut oder schlecht ist, haha! Ich denke, dass beispielsweise nach 21 Jahren absoluter Gleichgültigkeit gegenüber Trends sowie der gewöhnlichen Major-orientierten Einstellung die Wahrscheinlichkeit, uns beim Wacken Open Air oder Hellfest zu sehen, nicht sehr groß ist. Und ich kann ganz ehrlich sein und sagen, dass wir so etwas in der Art in der Vergangenheit auch nie erwarteten oder anstrebten. Wir haben weder ein Facebook-Profil, noch nutzen wir andere soziale Netzwerke, um unsere Musik zu promoten. Die meisten Leute kennen uns immer noch nicht oder interessieren sich nicht für uns. Aber genau derlei Reaktionen sollte unsere Musik von Beginn an hervorrufen. Wenn ich jedoch ehrlich bin, so regt es mich manchmal schon etwas auf, wenn ich sehe, wie einige Bands heutzutage in relativ kurzer Zeit “groß” werden, was ausschließlich (oder zumindest zumeist) auf Facebook oder ein paar ach so coole Videos bei Youtube zurückzuführen ist. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob diese Gruppen richtig vorbereitet sind oder die Stärke haben, die Hochs und Tiefs des Mainstreams zu überstehen.”

Tiefe esoterische Attitüde

Ein Umstand, welcher so einige extreme/düstere italienische Metal-Bands wie beispielsweise Death SS, Bulldozer oder Necrodeath eint, ist die Tatsache, dass sie nördlich der Alpen nie allzu oft aufgetreten sind. Bei ABYSMAL GRIEF war das während der ersten 15 Jahre Bandgeschichte ähnlich, aber im Laufe der letzten Zeit hat sich die diesbezügliche Situation etwas geändert, bestritten die Italiener doch in jüngster Vergangenheit mitunter auch die eine oder andere Tour, die sie u.a. auch nach Deutschland führte. “Zu Beginn wollten wir noch etwas “hinter den Kulissen” verweilen, denn uns schien dies mit der tiefen esoterischen Attitüde dieses musikalischen Projektes stimmiger einherzugehen. Deswegen fragten wir auch bei niemanden an, ob wir Konzerte bestreiten könnten. Abgesehen davon gab`s hinsichtlich 'unserer' Shows viele Jahre lang Probleme, weil insbesondere hier in Italien nicht allzu viele Clubs und Promoter gewollt waren, diverse Sachen wie lebendige Würmer und andere gestohlene Sachen, die wir auf der Bühne verwendeten, zu akzeptieren. Aber seit 2013 schafften wir es, unsere Besetzung zu stabilisieren und europäische Promoter scheinen ABYSMAL GRIEF nun endlich entdeckt zu haben.”

Das erste und einzige Mal, dass es dem Schreiberling vergönnt war, die Italiener live zu sehen, war beim 2010er “Hell`s Pleasure”-Openair. “Oh Gott, ja, das “Hell`s Pleasure”: Damals stand ich komplett unter dem Einfluss starker medizinischer Psychopharmaka und ich erinnere mich an absolut gar nichts was die Tage dort und unseren Auftritt im Speziellen betrifft. Aber es war ein cooles Festival und wir zogen diese Show nach lediglich zwei Wochen Proben mit unserem neuen Schlagzeuger durch. Das war ziemlich verrückt und riskant, wenn man sich das heute so überlegt. Zudem war der Kerl eigentlich unser Roadie und nicht mal ein echter Drummer!” 2018 wird es dann wieder eine Europatour von ABYSMAL GRIEF geben, um “Blasphema Secta” gebührend zu promoten. “Diese wird in zwei Kapitel (Mai und Oktober) unterteilt sein. Wir werden also definitiv nach Deutschland kommen, selbst wenn wir bis dato noch keinerlei Anfragen von Festivals erhalten haben!”

Morbider Aberglaube

Neben ABYSMAL GRIEF ist Regen Graves auch noch bei der Band seines Kumpels Tony Tears eingestiegen. Auf deren letztem Longplayer “Follow The Signs Of The Times” war er zum ersten Mal zu hören gewesen. “Bereits seit 1999 verbindet Tony und mich eine sehr enge Freundschaft. Wir unterstützten unsere Projekte immer gegenseitig und teilten unsere persönlichen “Erfahrungen”, weswegen es ziemlich natürlich für mich war, sein Angebot zu akzeptieren, als er mich fragte, ob ich seine Alben nicht aufnehmen und abmischen wollte. Darüber hinaus sollte ich darauf auch noch einige Parts selber einspielen. Im Februar 2018 wird ebenfalls sein neues Album “Demons Crawl At Your Side” veröffentlicht werden und ich kümmerte mich um Produktion, Bass und Schlagzeug, genauso wie auch wie bei der vorangegangenen “Follow The Signs Of The Times”-Scheibe. Hört Euch die Platte mal an!”

Kommen wir abschließend noch mal auf die im Heft-Interview bereits erwähnte lange Tradition italienischer Okkult-Metal/Rock-Acts zu sprechen. Gruppen wie Death SS, Paul Chain, Black Hole, Zess, Antonius Rex/Jacula, Mortuary Drape und eben auch ABYSMAL GRIEF ist ein gewisses einzigartiges, morbides Feeling zueigen, was dafür sorgt, dass die Musik schlecht mit Gruppen ähnlicher Genres aus anderen Ländern verglichen werden kann. Eine Wurzel dieses Alleinstellungsmerkmals könnte sein, dass Leben und Tod in Teilen der italienischen Kultur oftmals untrennbar miteinander verbunden sind. Ein Beispiel von vielen dürfte das sizilianische Palermo sein: Inmitten von sonnendurchfluteten Gassen trieb die Mafia einst ihr Unwesen, darüber hinaus stellt eine Sehenswürdigkeit der Stadt die weltberühmte Kapuzinergruft dar, in der hunderte mumifizierter Leichen einen makabren Kontrast zum “Dolce Vita” in den unzähligen Cafés abgeben. “Wo der Einfluss monotheistischer Religionen tief ist, findet man immer einen starken Mystizimus, welcher sich zumeist darin äußert, dass Konzepte, die Angst, Verderben, Bestrafung und Tod implizieren, verwendet werden. Diese Dinge beeinflussen jegliche Kunstform, einschließlich der Musik. Glücklicherweise ist Italien keineswegs nur das Land der Sonne, des guten Essens und der Glückseligkeit, wie uns das die Tradition und Reiseagenturen glaubhaft machen wollen. Religiöse Italiener sind krankhaft sowie auf morbide Art und Weise abergläubisch und die netten Katakomben von Palermo sind ein gutes Beispiel dafür was ich auszudrücken versuche. Der einzige positive Aspekt derart tiefer Religiosität ist die natürliche Geburt einer gleich starken Form des Antagonismus...”

 

Foto: http://www.abysmalgrief.com/band.htm

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