Live

ROCK'N'ROLL WRESTLING BASH @ Gruenspan, Hamburg, 21.02.2017

Trash Dorado is in da house! Donald Trump nun auch, aber bleiben wir bei erstklassigem Müll: Januar im Jahre 2017 befindet sich das vermeintliche, sagenumwobene „Müll-Land“ direkt an der Hamburger Reeperbahn und zieht zuhauf Spaß- und Abenteuersuchende an. Im Gruenspan wird es laut, hart, flüssig und latent erotisch. Auf pure Party-Unterhaltung ausgelegt, hat der ROCK ‘N’ ROLL WRESTLING BASH von Initiator Carlos "Howling Mad" Martinez seit 2003 einen beachtlichen Siegeszug hingelegt. Die in Köln entstandene Lucha-Libre-Show (Mexican Wrestling) wurde mittlerweile in die Staaten gebracht und von dortiger Metal-Prominenz (Gary Holt von Slayer) tatkräftig unterstützt. Weitere Siege in Sicht … aber lassen wir die Fäuste, Masken, Gitarren und Popos für sich sprechen, oder das T-Shirt eines Beteiligten: Wrestling, Bier und Titten.

"We are CROSSPLANE and we play Rock 'n' Roll". Genau so sieht es aus und die Mannen aus Essen erweisen sich als perfekter Anheizer für ein derartiges Event. Ohne Schnick und ohne Schnack wird losgepoltert, Rock 'n' Roll in feinster Motörhead-Manier ohne billige Abklatschanschuldigungen. Sänger "Celli" – auch Gitarrist bei Onkel Tom (Angelripper von Sodom) – erweist sich als große Stärke der Band; kräftige Reibeisen-Stimme, sympathische Präsenz und souveräner Umgang mit dem begeisterten Publikum. "Seid ihr gut drauf?" Jaaaaaa! Und das wird sich am heutigen Abend auch nicht mehr ändern. Fast eine Stunde hauen sie Material ihres aktuellen Albums „Masturboned“ raus, natürlich werden auch „Class Of Hellhound High“ und die Debüt-EP „High Speed Operation“ angesägt. Laut dröhnender Party-Spaß mit Vollgas-Garantie. 'Celli' sagt: "Wir sind CROSSPLANE … aber IHR seid Rock 'n' Roll!"

Der Gruenspan mal anders. Mittig vor der Bühne wartet der Wrestlingring auf Schweiß und Blut, vorher werden Räucherstäbchen in den Ecken platziert und die ausgelassene Menge sichert sich den erforderlichen Alkoholvorrat. Das EL BRUJO GORE-CHESTRA entert im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne plus Ring und ledert erst mal zwei harte Nummern ab, die in der Form ebenso von Kvelertak stammen könnten. Alle Zeichen stehen auf Sturm. Die Augenzeugen sind umgehend mitgerissen und kriegen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Anschließend stellt EL BRUJO aka Initiator Carlos Martinez den "Laudator" vor: der Charles Bukowski entliehene Charakter des "Dirty Old Man". Ähnlichkeit zu Captain Spaulding aus den Rob-Zombie-Filmen ist unübersehbar und höchstwahrscheinlich beabsichtigt. Generell kommt man sich vor, als sei man im "Haus der 1000 Leichen" gelandet. Der Dirty Old Man in rot-schwarz-gestreifter Hose, Hemd, Hosenträgern und Hut weist uns ein. Das Tour-Motto sei Trash, Trash und nochmal Trash, Trash Dorado, und offensichtlich Spaß am Leben zu haben. Ganz Hamburch stimmt johlend zu. Auf in den Kampf …

Die maskierten Helden der Galactic Trash Wrestling Alliance, kurz G.T.W.A., werden mit abstrusen Hintergrundgeschichten angekündigt: wir haben hier Luchadores (Wrestler), die zu Anbeginn der Welt aus Sternenstaub entstanden sind (Stargazer); Hillbilly-Mutterficker aus abartigen Inzest-Familien (The Hillbilly Bruiser inkl. Kettensäge); einen Antihelden, der Rache an der gesamten Menschheit schwor, nachdem seine Familie bei einem Fabrikbrand ums Leben kam (Fireball); psychopathische, blutverschmierte Metzger, die 1867(!) in Wladiwostock geboren wurden (Boris The Butcher) und weitere Irre, dessen Mütter unter anderem „als Gestank auf dem Fischmarkt arbeiten“.

Die wilden Matches, untermalt mit harter, extra an die durchchoreografierten Kämpfe angepasster Musik vom GORE-CHESTRA, sind derart stark und comichaft überzeichnet, dass nichts anderes übrig bleibt, als diesen absoluten Wahnwitz augenzwinkerisch, teils ungläubig und lauthals lachend zu genießen. Hier ein Beispiel: Sexy Steve ist der homoerotische Referee im ersten Kampf, mit zu knappem Silber-Höschen und Weichei-Charakter, der zwischendurch eins auf die warme Nuss bekommt, da er nicht die Finger von Stargazers Hintern lassen kann. Später wechselt Sexy Steve die Rolle und betritt als El Epileptico den Ring, in einem Triple-Conclusion-Match, in dem er gegen zwei Kontrahenten antreten muss und tatsächlich einen finalen Doppel-Pin hinlegt, nachdem er kurz vorm Finishing-Move einen epileptischen Anfall bekommt und zappelnd innehaltend (rein zufällig) auf beide Gegner rauffällt. 1, 2, 3. Sieg El Epileptico. Die Hütte ist außer Rand und Band. Frenetisch wird auf den Ringboden gekloppt, gestampft und an den Ringseilen gezerrt. Geschürt wird dieses Spektakel durch die zwischen den Kämpfen platzierten Rock-’n’-Roll-Nummern von EL BRUJOS’ GORE-CHESTRA und den tanzenden Damen, die im Verlauf der Nacht ihren Bekleidungsgrad konstant dezimieren, dabei ordentlich Jack Daniels in die heiseren Kehlen am Ringrand schütten. Das volle Gruenspan ist unfassbar begeistert. Die mitgebrachten Hulk-Hogan-Masken und aufblasbaren Sexpuppen im Sado-Maso-Lucha-Libre-Style zeichnen ein eindeutiges Bild, stumpfe Auf-die-Fresse-Chöre geben den Ton an. Das für heute ausgeschlossene Niveau liegt unter dem Ring begraben, während die Wrestler tollkühne Flüge aus den Ecken absolvieren. Vorsätzlich zwischen höchst dilettantisch und höchst professionell. Eine Art brutales, skurriles Musical des schlechten Geschmacks. Unterhaltungsfaktor: 100+!

Nach dem letzten Kampf, in dem alle Luchadores des Abends erneut in den Ring steigen und entartetes Chaos herrscht, spielt das GORE-CHESTRA als Lemmy-Tribut ‚Bomber‘ und ‚Ace of Spades‘, während die nicht immer bestens vorbereiteten Mädels ihre Silikonberge etwas unbeholfen mit Wasser bespritzen. Moshpits umkreisen den Ring, eine letzte Zugabe noch: Iron Maidens ‚The Trooper‘ und die Stimmung reißt einfach nicht ab. Absoluter Hammer!

Das war der Tourabschluss und Hamburch „ruled"! Die vermischten Elemente aus Wrestling, Rock ’n’ Roll, Comedy und billigem Sex – alles grob durch den Trash-Wolf gedreht – hinterlassen Eindrücke voller Wahnsinn und Absurdität und liefern somit eine astreine Show der Superlative - Over the top! Aber lassen wir die Veranstalter nach getaner Arbeit selbst zu Wort kommen: „Danke Hamburg! Verdammt nochmal. Danke! Großartig!“

Alle Fotos von www.konzertfotografie.hamburg, © Jan Termath

P. Lugosi

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