LEGACY - The Voice from the Darkside

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Lee (9)

Friday, 22 August 2014 12:17

Mein Name ist Lee #121

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…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!

 

Nummer 121 meiner Liste: Habe versucht Konzerte zu veranstalten und dabei die Nerven verloren.

 

Jeder, wirklich jeder, der mal ernsthaft mit Metal oder Punk in Berührung gekommen ist, der wollte sich auch irgendwann mal prägend in die Szene einbringen. Da gibt es einige Möglichkeiten! Die populärste Möglichkeit ist, selber Musiker zu werden. Geil! Wenn es an musikalischem Talent mangelt, kann man auch ein Fan Mag auflegen oder ein Label gründen. Sollte man auch dazu nicht befähigt sein, dann organisiert man halt Konzerte!

Denkt über mich, was Ihr wollt! Ob es am mangelnden Talent oder an meinem Adult-ADHS liegt aber ich habe so ziemlich alles, was mit der Szene zu tun hat, schon einmal gemacht oder mache es noch!

Also auch Konzerte organisieren!

Mal abgesehen von kleineren Jugendzentrum-Shows Ende der 1980er, von denen ich leider nicht mehr allzu viel weiß, da ich mich dauernd von Mädchen und Alkohol habe ablenken lassen, habe ich erst 2008 wieder meine ersten Versuche gestartet, was auf die Beine zu stellen. Da es mir an Selbstbewusstsein nicht mangelt (oder vielleicht habe ich auch einfach einen weg) dachte ich, ich mache mal direkt 'ne große Nummer. Also mindestens einen 500er-Laden, und zum Einstieg mal eine der großen Thrash Metal-Bands aufm Buchungszettel. Aber der Reihe nach!

Die Release-Party für das erste Album meiner Band stand 2008 an. Ein Kumpel sagt „Ehhhh da musse wat ganz Großes draus machen! Ich hab da 'nen Kontakt zu einer superduper bekannten Band!“ (Nennen wir sie einfach mal Gomorra.)

Super Idee!!!! Kontakt wurde aufgenommen, Gage vereinbart und Termin festgelegt! Da hatte ich also einen Deal mit einer Band der Stufe 8 (auf einer Skala von 1-10… wobei Stufe 1 bedeutet, dass die Oma des Sängers die einzige CD der Band gekauft hat, und 10 bedeutet, dass man Wacken headlinen könnte).

Okay okay! Welche Location? Welche Location? Welche Location? Geht eigentlich nur im angesagtesten Club des Ruhrgebiets! Und los geht’s! Termin mit den Inhabern vereinbart, bei diesem wie ein kleiner Junge behandelt worden und trotz unverschämt hoher Miete einen Kontrakt unterzeichnet. Rider des Headliners aufmerksam gelesen, Backline wie gewünscht bei Captured Live geordert und Marketing angeschoben! Preis von VVK 12,- für ein Ticket festgelegt, dafür Lacher vom Vermieter der Location geerntet und von diesem mit der Prognose „da kommen maximal 200 Leutches“ nach Hause geschickt worden!

Catering organisiert, Plakate und Tickets in den Druck gegeben und bei Blick auf den Kontoauszug festgestellt, dass bereits ein hoher, vierstelliger Betrag ausgegeben wurde. Geärgert, schlecht geschlafen, daran gedacht, was der Clubbesitzer gesagt hat – und drauf geschissen.

Plakate aufgehängt, Flyer verteilt und 'ne Vorband per Pay-for-Play gesucht und gefunden!! (Genau richtig gelesen! PAYFORPLAY!) Puahhhhhhhhhhhhh!

Der Tag des Gigs war gekommen, und wir reisten frühzeitig an. Was wir bis dahin nicht wussten… wir waren schon eine Woche vor der Show ausverkauft! Knapp 600 Tickets! Gott sei Dank hatte die Pay-For-Play-Vorband ihre 20 Tickets noch, die sie für 8,- bekommen hatten. Vor der Tür haben sie diese 20 Tickets nämlich innerhalb von zehn Minuten für Preise von bis zu 25,- verkauft. (Ist doch schön, noch ca. 250,- Gage zu bekommen und vor vollem Haus zu spielen.)

Und wie war der Abend?

Der Abend war perfekt!!!!

Die Bands waren alle pünktlich und gut gelaunt da, das Catering war super lecker, der Laden platzte aus allen Nähten, der Sound war super, die Stimmung war sensationell (bis auf 4, 5 üblich verkackte Typen, die nur für die Hauptband gekommen sind und somit versucht haben, die Zeit, bis der Headliner spielt, an der Theke in ihren Kutten mit Bier saufen, Scheiße labern und Buhhh-Rufen rum zu bekommen). Bands waren glücklich, Fans waren glücklich, ich war glücklich, und die Party danach war der Hammer.

Ein perfekter Gig, viel viel mehr als die prognostizierten 200 Leute vor der Bühne, und die investierte Kohle (das kann sich jeder ausrechnen) hatte ich locker wieder drin.

Was sagt man dazu?

Anfängerglück?!

Kein Scherz… ja genau… Anfängerglück!

Das hätte richtig feste in die Buxe gehen können, ist aber gut gegangen! Von mir organisierte Konzerte sollten nie wieder so reibungslos laufen! Nie wieder.

Da sind zum Beispiel die Vor-Vor-Bands, deren einzige Anhänger die 3 Schmierbäuche sind, die ungefragt im Backstage die gesamten Bierreserven verputzen, noch bevor der Headliner überhaupt aufgetaucht ist. Oder die Vor-Vor-Bands, die quasi alleine mit dem Mischer vor leeren Reihen ihren Gig spielen, aber 10 Leute auf der Gästeliste haben wollen.

Oder die Vor-Bands, die, weil ihnen die Running Order nicht gefällt, einen Tag vor der Show aus „beruflichen Gründen“ absagen! Oder die Hauptband, die nicht mal ein einziges Bier mit den Vorbands trinkt…und das bei Clubshows! Oder die Hauptband der Kategorie 4-6, die ein riesiges Theater macht, weil man im ganz wichtigen Rider „Milky Way“ und „Mars“ geschrieben hat und wir nur Mars da hatten.

Oder die Bands, die einen Vegetarier laut Rider dabei haben, für den man natürlich ein vegetarisches Menü organisiert, von dem man aber dann erfährt, dass er schon lange nicht mehr in der Band spielt. Oder umgekehrt kein Veganer auf der Liste steht, aber plötzlich ein sehr hungriger Veganer vor einem steht, dem man schnell noch etwas organisieren muss.

Oder der dünnhäutige Mixer, der mit jedem zweiten Musiker fast 'ne Schlägerei anfängt, weil für ihn jede Frage eine doofe Frage ist. Oder sogar Bands, die einfach gar nicht auftauchen. Oder Equipment, das geklaut wird. Oder Stromausfälle! Oder… oder… oder!

Wie oft habe ich die verflucht!?

Wie oft habe ich Mobiliar zusammen getreten!?

Wie oft habe ich gesagt, dass ich nie nie nie wieder ein Konzert veranstalte!?

Und dafür muss ich mich entschuldigen!

Beklaut mich, belügt mich, oder führt Euch auf wie totale Rockstars! Ich werde das ertragen und die andere Wange auch noch hinhalten. Denn so lange ein unbekanntes Mädel unentgeltlich den ganzen Abend an der Kasse sitzt, so lange eine Mutter des Clubbesitzers lecker für alle kocht, so lange ein Moshpit auch zu viert Spaß macht, so lange Bands sich bedanken, dass sie dabei sein durften, so lange Headliner sagen, dass sie gerne da waren und sich super gut behandelt gefühlt haben… so lange werde ich Konzerte organisieren.

 

Und beim nächsten Mal:

Nummer 71 meiner Liste: Habe CD, MP3 und denn ganzen neuen Scheiß verteufelt!

 

 

…kennt Ihr vielleicht auch solche  Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!'

 

 

Nummer 119 meiner Liste:

Habe auf Labels und Konzertveranstalter geschimpft, von denen ich mich schlecht behandelt gefühlt habe.

 

 

Mein lieber Herr Gesangsverein!

Wer liebt die Hochphasen seines kreativen Schaffens nicht? Den Moment, in dem einem die tollen neuen Sachen für ein geniales Album einfallen. Musik, Cover, Intros… alles schwebt vor dem eigenen geistigen Auge herum und will nur noch sortiert und gebändigt werden. Es dauert nicht lange, und man hat die ersten Songs mit der Band komponiert, und die sind soooooo geil, dass man sich sagt: Jetzt verdammt nochmal klappt das endlich mit dem lang ersehnten Labeldeal!

Voller Motivation nimmt man diese „Hits“ auf seinem 16-Spur-Korg auf, baut das Promopaket im Kopieshop für die Labels zusammen, sammelt Geld für Porto und den ganze Klimbim bei seinen Bandmitgliedern ein, und ab geht die Luzie!

Eine Woche vergeht… die zweite Woche… drei  Wochen… ach und da kommt der erste Brief! Nuclear Blast schreibt wie immer (hier die kurze Version): „Sorry! Diesmal nicht! Sei aber bitte so lieb und reiche uns auch in Zukunft Dein Material ein! Schöne Grüße.“ Danke! Ich weiß das sehr zu schätzen!

Drei, vier Schreiben dieser Art folgen, und dann passiert einfach nichts mehr, obwohl man 40 Labels von Major bis Wohnzimmerbüro angeschrieben hat. Also gilt es, „nachzuemailen“! Jedes Label wird per E-Mail angeschrieben, ob das Demo angekommen ist und wie es denn so gefällt! Die Antworten lest Ihr hier:

(HINWEIS: alle Antworten im original Ton, original groß/klein Schreibung, original Zeichensetzung und Rechtschreibung)

10 % „Lieber Lee, Deine CD ist angekommen. Leider konnte ich Deine Anfrage bisher nicht bearbeiten. Ich komme aber sobald ich sie gehört habe auf  Dich zu! Viele Grüße Labelboss“
20 % „hallo lee, ich habe die cd gehört aber passt nicht zu unserem Label“
10 % „ cd da! melde mich“
10 % „gefällt nich“
10 % „welche band?“
40 % _ _ _ _ _ _ _ _

Dennoch findet man ein kleines Label, und los geht es mit dem Bemustern bei den Mags. Hier findet man dann doch noch viele Idealisten und 'ne Menge hochanständiger Leute, die, selbst wenn sie Deine CD nicht besprechen wollen, den Kontakt mit Bands und Szene pflegen.

Bei Konzert- und Festivalorganisatoren wird es dann schon wieder etwas komplizierter. Ich kann mir die fehlende Kommunikationsbereitschaft nur damit erklären, dass viele Veranstalter aus einem Internetcafé mit Münzeinwurf arbeiten… denn ca. 60% antworten gar nicht…. egal wie oft man nachfragt.

Trotzdem kommt man irgendwie an seine Gigs. Doch besser sieht es dann mit dem Umgang vor Ort oftmals auch nicht aus. Man freut sich, dass man den Support einer dollen Band an Land gezogen hat, hetzt dort hin, gibt auf der Bühne alles und bekommt abgelaufenes Bier + Salzstangen + 1 Tüte TIP-Chips für 15 Leute. Der Headliner genießt einen Raum weiter 3 warme Gänge + Nachtisch. Guten Appetit!

Es scheint, als wäre es irgendwie in dieser unserer Metal- und Punk-Branche für viele ein Volkssport geworden, die Bands (das Herzstück der Szene) und ihren Anhang wie die letzten Tütenbügler zu behandeln. Irgendwann hat es sich eingebürgert, dass viele, sobald sie mal einen Presse- oder Backstage-Ausweis eines Festivals mit mehr als 250 Besuchern um den Hals hängen haben, plötzlich die Arroganz eines J.R. Ewings an den Tag legen.

Was ist denn da nur passiert????

Ich habe immer gedacht, dass die Geschäftsleute dieser Szene AUCH DIESER SZENE  entsprungen sind. Beeindruckende Männer wie zum Beispiel Robert Kampf, der Century Media gegründet hat, weil er für seine Band Despair keinen qualitativen Plattenvertrag an Land ziehen konnte. Ich will nicht glauben, dass eine Vielzahl der „Macher“ dieser Branche irgendwelche ehemaligen Bankangestellten sind, deren historische Gewohnheit es ist, dass man ihnen für 'ne 1.000-Euro-Dispoerhöhung einen bläst!?

Ich habe mich wirklich tierisch über solche Leute aufgeregt, die unbekannte Bands wie Guantanamo-Häftlinge behandeln, aber sofort winselnd auf die Knie fallen, wenn der Headliner anreist.

Wie oft habe ich mit der Faust gegen die Wand geschlagen, wenn man E-Mails als Antwort auf seine Arbeit bekommt, die ein vier Jahre alter Büschelohrmaki hätte sauberer ausformulieren können.

Aber wie so oft habe ich mich zu früh aufgeregt und einfach die Sache falsch eingeschätzt.

Wieso solltet ihr euch mit jeder Band beschäftigen, die euch mit anständig aufbereitetem Material versorgt, wenn ihr ein „professionelles“ Label betreibt, dessen Grundidee und wirtschaftliche Grundlage es ist, Bands zu finden und deren Platten zu verkaufen? Wieso sollte man sich an allgemeines Geschäftsgebaren und an menschlichen Anstand halten, wenn man doch einen Label-Code besitzt und schon mit den letzten zehn Veröffentlichungen kumuliert 632 CDs an den Mann gebracht hat?

Ihr habt doch nun weiß Gott Besseres zu tun!!!

Wieso sollte man sich um die Mitglieder einer Vorgruppe bemühen, die eh 'nen Ständer haben, weil sie vor einer großen Band spielen dürfen? Wieso sollten die nicht mit ein paar geschmacksneutralen Flips in einer weißen Plastikschale auf einem Tisch, den selbst 'ne Cillit-Bang-Aktivschaumdusche kalt ließe, zufrieden sein!?!?

Ich habe das jetzt verstanden!

Das Business ist viel zu hart, man hat 'ne Menge zu tun, die Marge ist gering, für 'ne Sekretärin ist im 35-qm-Wohn/Schlaf/Küche/Büro-Apartment kein Platz, und die Pillemänner mit den Instrumenten sollen sich mal nicht so wichtig nehmen!!!

Sorry! Ich hoffe, ihr vergebt mir mein unkonstruktives Gemosere.

P.S.: An alle, die nicht so sind: Ich weiß, dass es so einige Labelinhaber und Konzertveranstalter gibt, die ganz große Klasse sind! Ich habe tolle Erfahrungen machen dürfen! Danke dafür und bleibt, wie ihr seid.

P.P.S.: An die, die nicht so große Klasse sind: Vielleicht seid ihr nur ungeschickt und gar nicht ignorant!? Vielleicht wisst ihr nicht, wie man eine Absage zumindest mit Hilfe von „Copy & Paste“ an die Leute schickt, damit die Band wenigstens weiß, dass ihr Zeugs angekommen ist!? Googelt es mal!!!! Vielleicht wisst ihr einfach nicht, wie man Bands preisgünstig und trotzdem gut bewirtet!?

Dann hier ein Beispiel! Gulaschsuppe mit Kartoffeln!! Hält lange warm, einfach zu machen und schmeckt fast jedem (bitte jetzt keine Vegetarierdiskussionen… ist ein Beispiel).

Gulasch Rind  1.500 g             =  € 12,87,- (Aldi Süd)
Zwiebeln 1.000 g                    =  €  1,99,-
Bio Kartoffeln 5 kg                  = €  7,18,-
Gewürze/Wein/Tomaten/Rest  = €  6,00,- pauschal

Gesamt Catering 15 Personen = € 28,04,-

Quelle: Chefkoch.de


 

12 

Zwiebel(n)

500 g

Rindfleisch

1 Liter

Fleischbrühe

100 g

Schweineschmalz

1 EL

Paprikapulver, scharf

2 EL

Paprikapulver, edelsüss

1 TL

Kümmel, zerstossen

1/2 TL

Majoran, gerebbelt

1 TL

Salz

Kartoffel(n), geschält und gewürfelt

Paprikaschote(n), grün, enthäutet, in Streifen geschnitten

Tomate(n), geschält und gewürfelt

1 Zehe/n

Knoblauch, gepresst

100 ml

Wein, rot

 

saure Sahne

Arbeitszeit: ca. 30 Min. Ruhezeit: ca. 1 Std. / Schwierigkeitsgrad: normal / Brennwert p. P.: keine Angabe

Die Zwiebel schälen und in Würfel schneiden. Das Fleisch in kleine Würfel schneiden und dabei alle Sehnen und Häutchen entfernen. Das Schmalz im Topf zerlassen und die Zwiebelwürfel darin von allen Seiten goldbraun anbraten. Die Fleischwürfel zugeben und 5 in. unter ständigem Umwenden im Fett rösten.

Das Paprikapulver, Kümmel, Majoran und das Salz zugeben, mit der Fleischbrühe auffüllen und alles 1 Std. zugedeckt bei milder Hitze garen. Die Kartoffelwürfel, die Paprikastreifen und die Tomatenwürfel mit dem Knoblauch in die Suppe rühren und weitere

25 Min. kochen lassen. Die Suppe vom Herd nehmen und den Rotwein darunter rühren. Mit einem Klecks saurer Sahne servieren.


 

Nächstes Mal:

Nummer 121 meiner Liste: Habe versucht, Konzerte zu veranstalten, und dabei die Nerven verloren.

…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!'

 

Nummer 118 meiner Liste: Habe auf mich auf einem Festival so voll laufen lassen, dass ich vergessen habe, meine Hände nach dem Pissen zu waschen.

 

Ach fuck, wie liebe ich die Festival-Saison!!! Sonnenschein, coole Musik, geile Leute und Tonnen von Alkohol! Was gibt es Schöneres!? Ein Festival, das jedes Jahr in meinem Kalender auftaucht, ist das Party.San Open Air. Das härteste in Deutschland und das geilste! Festival, wie es ein muss!

Treffpunkt Donnerstag morgens 10.00 Uhr: Mein Kumpel kommt mit seinem alten 1994-3er-Touring um die Ecke. Zelt rein, Kühlbox rein, Rucksack rein, und los geht es. Unterwegs sammeln wir noch zwei Kumpels ein, und im Quartett geht es ab nach Obermehler. Fünf Stunden Fahrt und eine Reifenpanne später kommen wir am Festivalgelände an. Unser Fahrer ist etwas angenervt, da wir drei anderen schön schon mal 6 x 0,5 Liter-Büchsen vorgelegt haben. Das Ganze wäre kein Problem, wenn das „Scheiße-Quatschen“ nicht mit jeder Dose zunehmen würde und für den Nichttrinker stetig unerträglicher würde.

Na ja, angekommen und überlebt! Jetzt los, 'ne Campingparzelle suchen. Gefunden! Dem Kumpel, der fürs Zelt zuständig ist, erstmal einen in die Magengrube schlagen. Das Zelt ist super, aber eher was für Halbwüchsige und nicht für Männer über 1,80. Dummerweise sind wir das, und das Zelt ist es so kurz, dass unsere Füße unten rausgucken. Hoffentlich regnet es nicht! Scheiß drauf… es ist Festivalwochenende!

So! Schnell noch ein schon leicht angewärmtes Bier, und schon geht es aufs Gelände. Die Aufregung ist groß, denn man trifft viele Leute, die man sonst nicht sieht. Erst mal zu Brutz & Brakel, 'nen Kurzen kippen. Bombs Of Hades starten und eröffnen das Party.San. Herrlich! Endlich laute Musik! Wir treffen Freunde, und schon läuft das Bier in Strömen!! Geil! Destroyer 666 laden zum ersten Moshpit ein, und ich lasse mich da nicht lange bitten. Nass geschwitzt wird das nächste Bier und der nächste Kurze gekippt.

Wow, der Hunger meldet sich. Es muss dringend ein Döner her! „Kann mal jemand Heaven Shall Burn ausmachen? Ich esse gerade!“

Ein Schnaps hinterher, und es wird plötzlich dunkel um mich! Das nächste, was ich mitbekomme, ist, wie mein Kumpel am nächsten Morgen versucht, meinen Fuß, der aus dem Zelt guckt, als unhaltbaren Elfmeter zu verwandeln. Ich schenke mir die Frage, ob ich mich in geistiger Umnachtung daneben benommen habe. Der Kopf dröhnt, aber das hört postwendend auf, als ich das Bier leer gezogen habe, das mein Kumpel mir um Punkt 10.13 vor die Nase hält. Der zweite Tag kann kommen! Ich freue mich wie verrückt auf Dr. Living Dead und will mir auf jeden Fall Dying Fetus angucken, da wir mit denen die Woche drauf in Oberhausen spielen. Es sei vorweg gesagt, dass mir das nicht gelungen ist. Nachdem wir kurz vor dem Zelt so gegen 21 Uhr pausiert haben, muss ich wohl ins Koma gefallen sein.

Dafür war ich dann am Samstag auch als Erster wach und stelle fest, dass ich Pizza und Pasta in meinen Hosentaschen habe. Außerdem wird mir sofort klar, dass ich auf keinen Fall den Schwur, erst zu Hause wieder zu kacken, halten kann. Das siebte Dixi, das ich finde, scheint mir akzeptabel. Wie gut das tut!!!

Alle pennen noch, und ich greife mir 'ne kalte Konterdose. Es schmeckt schon wieder! Muss ich mir Sorgen machen!?!? Bevor meine Kumpels aufstehen, habe ich schon das Dritte weg und bin bester Stimmung. So gut, dass mir ein verkaterter Freund „Haue“ anbietet für den Fall, dass ich nicht die Fresse halte! „Reg Dich ab!“

Heute mal ernsthaft Bands schauen! Ich muss mich zusammenreißen, denn heute stehen Desaster, Carcass und Venom auf dem Programm. Und das recht spät. Also ist Abstürzen keine Option! Ich befinde mich in guter Gesellschaft. Den Tag sitzen wir auf der Wiese, quatschen und trinken. Schön, Euch alle gesehen zu haben! Am Abend dann der Höhepunkt! Carcass ist unfuckingfassbar, geil und Cronos ist unfuckfassbar krumm und schief! Noch zwei bis drei Kurze und schnell versuchen, irgend 'ne Alte klar zu machen, und ab geht es ins Zelt!

…ooooooder

Donnerstag, Treffpunkt 10.00 Uhr: Geht leider nicht, weil wir beide keinen freien Tag bekommen haben, also ist Freitag, 10.00 Uhr, Treffpunkt! Dieser Termin kippt auch wegen familiärer Probleme, und somit düsen wir erst Samstag los. Ich sammle meinen Kumpel um 9 Uhr mit meinem gehobenen Mittelklassewagen auf, und wir halten noch kurz an der Tanke, um uns mit einem belegten Brötchen zu stärken. Vollgas! Knappe dreieinhalb Stunden brauchen wir für die 420 km, und dann landen wir auch schon in Mühlhausen. Das Navigationssystem führt uns durch ein paar enge Gassen, und Yeah, wir kriegen einen Parkplatz direkt vor der Pension bei der Marienkirche, die ich noch kurzfristig klarmachen konnte. Wir checken bei einer netten Dame ein, und sie fragt uns, ob wir auch Heavy Metal-Fans sind, wie süß!

Unser Zimmer ist in der zweiten Etage und behindertengerecht. Die Dusche ist ebenerdig, und die Toilettenschüssel hängt doppelt so hoch wie eine Normale. Ob das an unserem Alter liegt? Wir diskutieren, ob wir 'nen Rucksack mitnehmen sollen, und entscheiden uns dagegen!

Der Shuttlebus kommt in 30 Minuten! Taxi nehmen oder vorher noch ein Bier in der beschaulichen Altstadt trinken? Oh Mann! Schön in der Sonne sitzen und ein Eiskaltes! Ab zum Bus! Die Busfahrerin ist etwas rundlich, einfach gestrickt und hat tierischen Spaß, die Verrückten zu fahren. Im Bus wird geraucht, alle haben gute Laune, und diese steigt noch mal, als die Busfahrerin unter lautem Jubel einen Kreisverkehr 60x durchfährt. Angekommen auf dem Gelände geht es ab zum Akkreditierungsschalter. Vertan! Ist gar nicht für die Akkreditierten. Der ist auf der anderen Seite. Kacke! Wir also los. Zwischendurch an 'nem Bierstand halten, um uns zu stärken. Lecker!

Kacke! Der muss doch zu finden sein! Ein paar Typen befragt, die in ihrem Auto pennen. Die haben nicht nur ein Bier, sondern sogar 'ne Wegbeschreibung. Endlich! Wir haben unsere Pässe! Dummerweise dürfen wir damit nicht durch den Backstage-Bereich. Nicht VIP genug! Was heißt das? Nicht vom Schalter aus quer übers Gelände zum Eingang, sondern zurück zum anderen Eingang. Olé! Was soll's! Halten wir noch mal auf ein Bierchen bei den pennenden Typen.

Endlich da! Haaaaaaahhhh, Festivalluft! Das Wetter ist super klasse, und bevor wir durch das Tor zum Glück schreiten, noch ein paar Biere tanken. Fuck! Mich nervt es, dass ich kein Bändel für meinen VIP-Ausweis habe. Mal an den Ständen gucken, ob es was zu kaufen gibt. Sauber! 5,- später bin ich auch damit versorgt. Erstmal zu Brutz & Brakel rennen und ein paar Drinks nehmen, und dann ab in den VIP Bereich. Ach herrlich! Leckeres Bier, gute Laune und viele Freunde! Hallo hier und hallo da! Nach nur wenigen Minuten stehen wir mit einer super lustigen Truppe am Tisch und genießen ein paar viele Drinks. Der Hunger ruft! Schnell mal ein leckeres Würstchen genießen. Und ab zurück an den VIP-Tisch! „Howdy Martin, schön, dich zu sehen!“ Hier riecht es aber lecker nach Gulasch! Erst mal einen Teller holen. Köstlich!

„Grüß dich, Markus! Alles fit?“ Noch mal ein Paar Biere trinken!

Die Sonne geht langsam unter, und Carcass rücken näher. Jetzt bloß nicht abstürzen! Aber wie erkläre ich das meinem Kumpel, der schon etwas vor sich hin döst. Es geht los! Carcass liefern unvergleichlich ab! Mein Kumpel pennt im Stehen.

Zurück in den VIP-Bereich. Bieeerrr! Es bleibt noch etwas Zeit bis Venom.

Oh Mann, ich kack mir in die Hose… es geht los! Ich brauche genau sechs Minuten, um zu sehen, dass ich seit 1986 nichts verpasst habe. Cronos alleine reicht nicht ,um über das „Rumgerumpel“ hinweg zu täuschen. Da braucht es dann doch noch einen Mantas und Abaddon. Sorry! Na, dann mal zurück in den VIP-Bereich, denn jetzt kann man sich endlich besinnungslos saufen! Ups! Versucht da mein Kumpel, auf einem Stehtisch zu pennen!? Das geht nicht gut!

Ich setze ihn auf 'ne Bank und genieße mit ein paar Leuten die kühlen Bierchen.

3 Uhr: Kumpel wecken und ein Taxi entern! Wir fahren zur Pension… Taxi kostet knapp 30,-. Wir steigen aus der Karre. Vor der Kirchentür gegenüber der Pension sitzen vier Mädels, die uns mit der Frage „Hey ihr! Soll'n wir euch einen blosen?“ begrüßen! Wir freuen uns über die Gastfreundschaft, lehnen aber dankend ab und gehen in unser gemütliches Bett. Geiles Festival!

Wir stehen morgens zeitig auf und machen uns auf den Weg zurück, um noch was vom Tag zu haben.

Danke, Party.San!

Danke, ostdeutsche Autobahn!

Danke, Pension bei der Marienkirche! Sorry, dass mein Kumpel euer Klo verstopft hat! (Festivalschiss halt! Müsstet ihr eigentlich kennen!)

Danke Grüpies!

Die Frage ist, welche Geschichte entspricht jetzt der Realität? Eigentlich ist es egal, denn in beiden habe ich spätestens ab 21 Uhr aufgehört, mir die Hände nach dem Pissen zu waschen!

Und dafür möchte ich mich jetzt entschuldigen. Es ist unhygienisch und fies, sich die Hände nach dem Pissen nicht zu waschen, aber es war kein Papier mehr da, und ich verliere mit jedem Bier mehr auch mehr das Interesse am Händewaschen. Ich hoffe, Ihr nehmt meine Entschuldigung an!

Sorry!

 

Nächstes Mal:

Nummer 119 meiner Liste: Habe auf Labels und Konzertveranstalter geschimpft, von den ich mich schlecht behandelt gefühlt habe.

Saturday, 29 June 2013 00:26

Habe Heinos Idee, Rammstein zu covern, für witzig gehalten!

Published in Lee Written by

…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!

 

Nummer 112 meiner Liste: Habe Heinos Idee, Rammstein zu covern, für witzig gehalten!

 

…da gucke ich doch vor einem halben Jahr meine Lieblingsfernsehersendung „Exklusiv“ mit Frauke Ludowig. Oh schön…Gina Lisa lässt sich die Titten noch größer machen, Geizhals Dieter Bohlen hat sich eine komfortable und voll ausgestattete 22qm-Wohnung auf Mallorca gemietet, um dort einen zweiten Wohnsitz zu haben, und Franjo Pooth hat Investoren für seine neue Firma gefunden, welche ab sofort stylische VHS-Rekorder herstellt.

 

Aber was sehe ich da… den Held meiner kindlichen Albträume, den Mann, der bei jeder Party meiner Eltern mit seiner prägnanten Stimme durch die Wohnzimmerwand in mein Kinderzimmer eingedrungen ist, bis mir Blut aus der Nase lief. Den Mann, der mir jeglichen Spaß an Urlauben in der Heide und an Haselnüssen genommen hat.

HEINO!!!!!

Ist der nicht längst im Ruhestand? *grübel*

Nöööö!

Und zu meiner Verwunderung sogar fitter denn je, denn er hat ein neues Album rausgebracht… mit Coverversionen… mit Coverversionen von Rock-, Metal- und Pop-Songs! „Wie geil“, dachte ich mir! Klingt bestimmt witzig! Vor allem aber hätte ich nicht gedacht, dass der „alte Mann“ nach all der Schmach, die er in seinem langen Leben ertragen musste, noch einmal den Zahltag einläutet! Hat sich nicht jeder Penner, seitdem er auf der Erde wandelt, schon direkt oder indirekt über Heino lustig gemacht!? Die toten Hosen, Otto Waalkes, jede Hinterhof-Punk-Band in den 80ern etc.

Wie lustig, jetzt schlägt er mal zurück! Geil!

Reingehört… amüsant gefunden… rumgefragt und rumgegoogelt, was andere davon halten… Und schon ging es auch los in der toleranten Metal- und Punk Rock-Szene. Von „Frechheit“ über „den Wichser sollten die direkt verklagen“ bis hin zu „darf der alte Arsch das überhaupt so einfach“ war alles dabei.

Aber auch die Bands haben sich laut Presse geäußert. Von „das müssen wir rechtlich prüfen lassen“ (hört hört) bis „Heino hat einige Lieder in seinem Repertoire, die man durchaus als völkisch-verherrlichend bezeichnen kann…“ wurden nur wenige Anfeindungen ausgelassen.

Erst war ich geschockt, dass die ganzen ehemaligen Iroträger und Eyhastemalnekippe-Einkaufstraßen-Säufer sich so echauffieren. Was hat der Mann getan? Er hat doch nur ein paar Songs gecovert, ein paar Jungs auf die Schippe genommen und keine Mohammed-Karikatur angefertigt!? Jeder Punker oder Metaller, der jemals ein Band hatte, hat doch in seinem Leben schon mal Schlager gecovert (“Marmor, Stein und Eisen bricht“ - yeahhh), um sich über die „verkackten“ und „total uncoolen“ Schlagerfuzzis lustig zu machen. Jetzt kommt die seit Jahrzehnten auf Toleranz pochende Szene mit dem Echo nicht klar? …sogar eine Band, die von sich selber behauptet, sie halte der Gesellschaft mit ihren Songs den Spiegel vor's Gesicht (gähn)?!

Es dauerte gar nicht so lange, und ich war von dem Skandälchen tierisch amüsiert! Mal abgesehen davon, dass es zum Schießen ist, dass die „Punker“ nicht damit drohen, die Bude des Protagonisten abzufackeln, sondern dass sie ihn vor ein ordentliches deutsches Gericht zerren wollen (nach dem Motto „Fuck all Authority“ und „Anarchy in the BRD“ soll sich mal ein ordentlicher Jurist damit beschäftigen) verstehen offensichtlich auch nur noch die Wenigsten in der Unterhaltungsindustrie Spaß. Und auch in der Fachpresse reißen die entsetzten Leserbriefe nicht ab, weil der gute Mann auch noch interviewt wird. „Was hat der Typ in meinem Lieblings-Metalmagazin verloren?“, schreit da der brettharte Rocker und vergisst dabei, dass hier auf jedem zweiten Titel Steve Wilson (ja ja, nicht heulen… Steve ist ein Ausnahmetalent, Gitarrengott, Wunderheiler, Lagerfeld-Muse… doppelgähn) oder Michael Poulsen ist und die neue Die Ärzte-Platte auch hier besprochen wird.

Jungs, Jungs, Jungs, dachte ich mir. Wie kann man denn von so einem Scheiß so angepisst sein? Wann wurde denn die E-Gitarre gegen ein Gesetzbuch und Toleranz gegen Humorlosigkeit getauscht? Aber ich habe mich aufklären lassen und dann eingesehen, dass meine Einstellung falsch ist.

Hierbei geht es nicht um Spaß oder Humor, sondern um harte Währung, Kohle, Knete, Tattas, Pesenten, Papiergold etc. und vor allem um das Ego von Musikern. Und deshalb möchte ich mich hier und jetzt entschuldigen!

Es steht Herrn Heino einfach nicht zu, eure Songs zu verunglimpfen. Ihr habt Herzblut und Liebe rein gesteckt. Und jetzt kommt da so ein Schlageraffe und macht alles kaputt. Euer geistiges Eigentum sollte geschützt werden. Niemandem sollte es erlaubt sein, eure Songs nachzuspielen, und sollte ein Typ wie Heino das aus reiner Profitgier doch tun, dann sollte man ihn wie Julian Assange verfolgen und zur Strecke bringen.

Wenn das alles nicht hilft, sollte man ihm dann zumindest ein fingiertes Verbrechen anhängen oder seine Identität durch den hiesigen Geheimdienst löschen lassen!

 

Ich hoffe, ihr nehmt meine Entschuldigung an!?

 

P.S.: Herr Heino, wenn Sie das hier lesen… meine Songs können Sie jederzeit covern!

P.P.S.: Herr Heino, wer hätte das gedacht, dass Sie nach allein schon 30 Millionen verkauften Tonträgern vor meiner Geburt und gefühlten 2.800 unnützen Songs es doch nochmal schaffen, in Ihrem Leben richtig Staub aufzuwirbeln? Chapeau!

 

Nächstes Mal:

Nummer 118 meiner Liste: Habe auf mich auf einem Festival so voll laufen lassen, dass ich vergessen habe, meine Hände nach dem Pissen zu waschen.

 

…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer, wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!'

 

Nummer 666 meiner Liste: Habe von Zeit zu Zeit den Glauben an den Underground verloren

 

Sicher habe ich schon oft darüber philosophiert, dass es nicht in meinen Kopf will...

…wieso Bands wie Volbeat, die für mich auch nicht mehr oder weniger heavy als Coldplay sind, das Cover der Fachpresse zieren.

…warum böse Leute, die sich mit Blut besudeln und Corpsepaints tragen, mittlerweile Hollywood-Schauspielerinnen nageln und Wein anbauen.

…warum Mitglieder von Death Metal-Bands ungestraft sagen dürfen, dass sie froh sind, dass ihre Kinder noch zu klein sind, um mitzubekommen, wie Papa seine Brötchen verdient.

…wieso sich keiner dafür verantwortlich fühlt, dass Lieblingsbands ohne ihren Sänger touren müssen.

…warum Idole der harten Musik plötzlich in ihrer Bio schreiben, dass ihre Lieblingsband die Beatles sind und ihr Lieblingsgetränk Waldmeisterlimo ist.

 

Da fragt man sich doch oft, was da los ist! Oder? Aber vielleicht sehe ich das ja ganz alleine so?! Oder ich habe, wie man mir auf Facebook schon mal sagte, einfach nur 'ne große Fresse?!

Wer weiß das schon...

 

Am Wochenende war ich auf jeden Fall erst einmal wieder in einer Glaubenskrise! Viele wissen es nicht, aber wir (meine Band und ich) organisieren jedes Jahr ein Minifestival, welches sich „Noise gegen Armut“ nennt. Die Idee ist uns 2008 gekommen, als uns drei Dinge aufgefallen sind. 1.) Mit extremer Musik kann man selten was Zählbares verdienen. 2.) Wir spielen alle super gerne live. 3.) Manche Leute wissen nicht, wie sie an eine warme Mahlzeit kommen sollen. Gesagt, getan!

Die Begünstigte stand schnell fest… Es handelt sich dabei um Frau Andrea, die mit ihren fast 80 Lenzen jeden Tag in der Gelsenkirchener Armenspeisung Rappelkiste Menschen kostenlos bewirtet.

Also ging die Planung los! Für uns war schnell klar, dass wir alle zufrieden stellen wollen. Die Bands, die Fans und Rappelkiste! Also legten wir los und bewirteten unsere Bands und sorgten für Zuschauer! Die Zuschauer beglückten wir mit einem guten Ticket-Preis, tollen Bands und einem gratis Merchartikel für schlappe 9,- Euro! Die 9,- Euro sorgten für den Überschuss, der an Rappelkiste geflossen ist. Eine himmlisch runde Sache, wie wir meinten!

Die passende Location mit einem „Gott sei Dank“ idealistischen Inhaber, dem das Gelingen der Veranstaltung weit über den Profit geht, war auch bald gefunden, ebenso drei Bands, und schon ging 2009 die erste Sause mit Eat My Body, One Bullet Left und Yuppie-Club ab. Das Konzert war eine tolle Party, und es kam einiges für den guten Zweck zusammen.

Wir waren so motiviert von der tollen Stimmung, aber auch der Opferbereitschaft der Metaller und Punker, von denen manche selbst nicht immer genug für sich haben, dass wir uns sagten, dass diese Sache was ganz Großes werden muss. Und es schlug wunderbar ein! Ein Fest, an dem über 200 Leute Spaß hatten!

Die Sache hat sich schnell rumgesprochen, und wir konnten im Jahr darauf, 2010, das erste Mal mit 350 Leuten das Schild „ausverkauft“ draußen aufhängen.

Es hätte immer so weitergehen können, aber so ist es halt nur im Paradies. Im folgenden Jahr waren es nur noch 230 Fans, und vor wenigen Wochen wurde der historische Tiefstand mit gut 100 Besuchern erreicht.

Unsere Wut und Verzweiflung waren groß, und wir zermarterten uns den Kopf, woran das Ganze gescheitert ist. Falsche Bands? Zu wenig Promo? Schlechter Tag? Zu Viele Gegenveranstaltungen?

Woran liegt es wirklich, dass ein Death Feast nicht mehr stattfindet? Jeder, den ich kenne, der harte Musik mag, hat das Death Feast geliebt und geschätzt! Also warum mussten die Organisatoren aufgeben? Gottes Wille?

Liegt es an dem unsagbaren Überangebot oder daran, dass der Fan heutzutage genauso wie bei illegalen Downloads nur noch gierig seine Pranke nach allem, was umsonst oder fast geschenkt ist, aufreißt? Gibt es wirklich keine echten Fans und Idealisten mehr? Ist die Szene wirklich mausetot??

NEIN!!!!!

Und ich kann auch sagen, warum nicht!

Als wir beim letzten „Noise gegen Armut“ vor wenigen Wochen mit hängenden Köpfen die verkauften Tickets durchzählten, um das Ausmaß des Desasters zu ermitteln, und danach den Backstage-Bereich betraten, ging die Sonne auf. Da war eine Band mit jungen Burschen die nicht aufhörten, sich dafür zu bedanken, dass sie beim Noise gegen Armut spielen durften. Da waren Musiker, die viele Kilometer gefahren sind, um für 'nen Appel und ein Ei vor einer Handvoll Leute zu spielen. Da waren Männer, die sich an einem Samstagabend um Frau und Kind hätten kümmern können, anstatt nach Oberhausen zu fahren. Alle haben viel auf sich genommen, um dabei zu sein. Und das alles nur für die Musik und den guten Zweck! Nicht für den Erfolg, nicht für einen Plattendeal, nicht für Kohle… sondern für die Musik!

Alle tratschten, feierten, tranken Bier und tauschten sich aus! Selbst Prominente waren dabei! Keiner beschwerte sich bei uns, weil so wenig Leute da waren oder es keinen Schnaps gab! Und auch in der Halle unterhielten sich die Menschen noch bis in den späten Abend über die Shows der vier Bands und wie schön das doch alles war! Alles war harmonisch, und alle waren rundum zufrieden!

Wenn also so etwas möglich ist, dann lebt die Szene! Ich weiß nicht, wie groß sie ist… aber sie lebt! Und sie wird weiterleben…

…solange es noch ein Magazin gibt, das für solche Veranstaltungen Anzeigen zum Selbstkostenpreis raushaut.

…solange es noch eine Bands gibt, die für solche Veranstaltungen vom Arsch der Welt anreisen.

…solange es noch einen Menschen gibt, der seine Halle für Lulu zur Verfügung stellt.

…solange es noch einen Musiker gibt, der den halben Tag im Auto sitzt, um für 'nen kranken Kumpel einzuspringen.

…solange es noch einen Menschen gibt, der so etwas zu schätzen weiß.

…solange werde ich an die Szene glauben!

 

Bekomme ich von Euch ein Amen?

Jeder weiß, dass ich diese Kolumne schreibe, um mich zu entschuldigen. Und heute ich bin hier, um mich für meinen Frevel zu entschuldigen! Ich will verflucht sein, wenn ich noch einmal auf die Idee komme, dass die Szene tot sein könnte! Ihr wart die ganze Zeit da draußen, und jetzt konnte ich es endlich sehen! Danke!

 

P.S.: Und Gott ist mein Zeuge… mit Szene meine ich nicht den Wacken- und Rock am Ring-Campingurlauber!

 

Nächstes Mal: Nummer 112 meiner Liste: Habe Heinos Idee, Rammstein zu covern, für witzig gehalten!

Monday, 25 February 2013 23:03

Nummer 25 meiner Liste: Habe „Pay to Play“ befürwortet

Published in Lee Written by

…kennt Ihr vielleicht auch solche  Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen. Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!

Nummer 25 meiner Liste: Habe „Pay to Play“ befürwortet

Ich habe letztens in einem Fachmagazin für Heavy Metal einen Leserbrief bezüglich des so genannten „Pay-to-Play-Problems“ gelesen. Da hat sich jemand aufgeregt, dass er, wenn er mit seiner absolut unbekannten Band auf irgendeinem Festival spielen will, dem Veranstalter einige Tickets abnehmen muss, um diese zu verkaufen. Natürlich sind in diesen Jammerchor sofort 83.000 Leute eingestiegen und riefen wie aus einer Kehle „Ja, die kennen wir, die Konzerveranstalter-Penner-Kapitalistensäue, die nur ihre Kohle und Villa im Kopf haben!!!“

Wenn ich ehrlich sein will, habe ich mich in diesem Augenblick gefragt, wieso die sich eigentlich alle so aufregen. Mal abgesehen davon, dass es PAYFORPLAY schon immer gegeben hat, müssten sich doch eigentlich alle darüber im Klaren sein, warum das Ganze so überhand genommen hat. Jeder kann mal einen Blick auf sein CD-Regal werfen oder die Festplatte seines PCs checken, um sofort zu wissen, was läuft. Wenn man dort Musik findet, die man für lau geschossen hat, sollte man seinen achtseitigen Anschlussleserbrief zum Thema „Pay-to-Play“, in dem man mindestens 16 Veranstalter als Arschloch bezeichnet, als Backpapier nehmen und nie wieder jemanden mit dem Scheiß auf die Nüsse gehen .

Es scheint immer noch vielen Leuten wirklich nicht klar zu sein, in was für einem Teufelskreis sich die Szene befindet. „Fans“ brennen ihre CDs, anstatt sie zu kaufen. Bands können durch diesen Umstand ihren Lebensunterhalt nicht über CD-Verkäufe bestreiten. Musiker müssen sich entweder einen Nebenjob suchen oder nun öfter auf der Bühne stehen als sonst! Da diese CD-Lauschepper nicht nur einer Band, sondern unglaublich vielen Bands diese finanzielle Misere eingebrockt haben, spielen halt diese unglaublich vielen Bands unglaublich oft live. Die Folge ist ein Überangebot an Konzerten bei dennoch steigenden Gagen!

Und jetzt fragt sich zu allem Überfluss trotzdem noch Evil Thilo, (Frontmann einer beschränkt hoffnungsvollen Death Metal-Kapelle aus Heimbuchental) warum er nur vor sieben Leuten im Jugendzentrum um die Ecke spielt. Eigentlich gibt es da mit logischem Menschenverstand nur zwei Möglichkeiten! Entweder ist Evil Thilos Band totale Kacke, oder am gleichen Tag finden ungefähr 20 Konzerte mit gleicher Zielgruppe in einem Umkreis von 50km statt.

Vor zehn Leuten will Evil Thilo aber trotzdem nicht mehr spielen, denn immerhin hat er sein Demo an 30 Magazine geschickt, und zwei haben es sogar besprochen!!! Also schreibt er den Konzertveranstalter Rocking Ralf am ganz anderen Ende der Republik an! Das gut aufbereitete Promopaket wird eröffnet mit dem Satz „Alter, können wir nicht mit unserer brettharten Combo auch auf Eurem Konzert spielen?“

Rocking Ralf hat irgendwie das gleiche Problem wie alle anderen auch! Er muss den Laden voll machen, obwohl am gleichen Tag an jeder zweiten Steckdose 'ne Band spielt. Allerdings ist es nicht wie bei Thilo ein Egoproblem, wenn neben der Putzfrau nur noch zwei andere Leute da sind. Nein… er muss den ganzen Scheiß auch noch aus eigener Tasche zahlen, wenn es ein Misserfolg wird. Doch da bekommt er auch schon, während er voll in der Planung seines Events steckt, Evil Thilos in ein DIN-lang-Kuvert gefriemelte Unterlagen.

Der Veranstalter sagt sich (nachdem er zwei Stunden gegoogelt und keine nennenswerten Erfolge von von Evil Thilo und seiner Combo gefunden hat): „Na gut! Wenn die bei uns wirklich spielen wollen und vermutlich sowieso keine Sau für diese Band ein Ticket kauft, dann sollten die doch zumindest zehn Leute mitbringen. Wenn die am anderen Ende der Republik spielen wollen, werden die doch sicher zumindest so erfolgreich sein, dass es kein Problem ist, zehn Leute mitzubringen, oder!?!?“

 

So weit nachvollziehbar, denke ich mir! Wenn Rocking Ralf denen nämlich einen wertvollen Slot gibt und sich keiner für diese Band interessiert, dann kommen keine Leute zu seinem Konzert, und er geht pleite. Das versteht Thilo aber einfach nicht und bezeichnet diesen Konzertorganisator als einen Zerstörer der Musikkultur, dem es nur um die verdammte Kohle geht, und schreibt darüber einen Leserbrief. Ob Rocking Ralf, nachdem er fünf bis zehn solcher Konzertflops veranstaltet hat,  Rocking Ralf Junior aus der Kita nehmen muss, weil er keine Kohle mehr hat, interessiert Thilo nicht so sehr!

Aber noch einmal zum Ursprung: Alle brennen CDs, Bands spielen mehr Konzerte, und Konzertveranstalter sind unter Druck! Nachvollziehbar? Dachte ich!

Aber ich glaube, ich mache mir das manchmal zu einfach und gucke nicht weit genug hinter die Kulissen. Wieso sollte denn nicht jeder überall spielen können? Warum spielt Kohle in der Musik überhaupt 'ne Rolle? Wie soll Thilo zum Weltstar reifen, wenn er nicht die Chancen bekommt, überall zu spielen wo er möchte? Wieso gibt es nicht in allen Schulen Gratiskakao?

Also Thilo und Band… wenn ihr das hier lest: Geht doch bitte weiterhin den Konzertveranstaltern, die oftmals aus reinem Idealismus ihre private Kohle ins Risiko bringen, damit auf den Sack, dass ihr dort spielen wollt, ohne was dafür zu tun! Warum solltet ihr auch dem geldgeilen Clubbesitzer oder Veranstalter irgendwelche Karten abnehmen? Damit die sich noch ein Boot und noch 'ne Rolex kaufen? Never! Nicht mit eurer Kohle! Wie soll man auch Karten verkaufen, wenn man aus Heimbuchental kommt und in Berlin spielen möchte? Übers Internet etwa? Ne, ne! Das Internet ist für kostenfreie Musik/Filme, Facebook-Gelabere und Pornos da und nicht für irgendwelche mühseligen Ticketverkäufe! Es ist euer gutes Recht, mindestens einen Kasten Bier, frei fressen, frei pennen, die Anfahrtskosten und 25,- Euro pro Bandmitglied zu verlangen! Denn wenn euch auch bisher keiner in Berlin kennt, wird euch nach dieser geilen Show, die ihr abgeliefert habt, die ganze Welt kennen!

Ich sehe es mittlerweile ein!

Es wäre Schwachsinn, wenn es heutzutage noch erforderlich wäre, eine eigene Fanbase zu haben und/oder vorher die lokale Clubszene unsicher zu machen. Das kostet nur Zeit, und ihr seid gut genug für die ganz großen Bühnen. Ich hoffe, Ihr nehmt meine Entschuldigung an, und ich kann Euch von meiner Liste streichen!?

 

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Nummer 112 meiner Liste: Habe Heinos Idee, Rammstein zu covern, für witzig gehalten!

 

Wednesday, 09 January 2013 21:22

#17: Habe mich über den Growl-Workshop von Frau G. lustig gemacht

Published in Lee Written by

…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!

Nummer 17 meiner Liste: Habe mich über den Growl-Workshop von Frau G. lustig gemacht!!!

Vor nicht allzu langer Zeit gab es mal wieder eine DVD-Beilage in der aktuellen Ausgabe eines Fachmagazins für Heavy Metal. Lesen ist eh nicht mein Ding, also das Teil abgerissen, und rein mit der DVD in den Player.

Start… Interview mit Rob Zombie… Skip, Tourbericht Heaven Shall Burn… Skip, neues Video Hammerfall …Skip, uhhh, was ist das??? Eine hübsche Frau in einem Hörsaal???

Da ist also diese bildhübsche Blondine mit Pferdeschwanz, Nerd-Brille und Wohlfühlhoody im Bild, wie sie einigen Menschen in einem Hörsaal einer Uni etwas erläutert… und das auf einer Metal-DVD!!!!!

Das schaue ich mir mal näher an! Ton an und los geht es!

Man glaubt es kaum, aber diese Frau ist Sängerin einer Death Metal-Band (nennen wir sie mal Frau G.) und hält einen Growl-Workshop vor interessierten Musikstudenten, grünen Landtagsabgeordneten und Leuten mit einen Fetisch für Frauen, von denen man auch mal unverhofft was auf die Fresse kriegen kann.

Charmant führt sie durch das Programm und erläutert den Wissbegierigen, wie man mal so richtig sauer losbrüllen kann! Starten tut das Ganze mit einem Videoeinspieler von ihrer Death Metal-Band (nennen wir die Band der Einfachheit halber mal A.) mit einer so „bösen“ gekrächzten Ansage, dass nur Asiaten drauf abfeiern können. Weiter geht es dann mit der Erläuterung, dass man nur ordentlich rumschreien kann, wenn man dieses gewisse innere Feuer hat. Ein medizinischer Schnitt durch den menschlichen Rachen und durch die Lunge darf natürlich auch nicht fehlen, um zu erklären, wo die Nummer eigentlich anatomisch stattfindet.

Danach kommt das Atemübungsprogramm, und garniert wird die Veranstaltung mit plötzlichem Schreien und Brüllen der Dozentin. Das letzte Mal war ich so gefesselt, als die Wollnys ein verlängertes Wochenende in London gemacht haben! Aber das ging ja alles viel zu schnell… Also ein Bier holen und das Ganze noch einmal schauen.

Beim wiederholten Gucken habe ich dann wirklich alle Gefühlslagen durchlaufen! Stolz, Scham, Ekel… Es war wirklich alles dabei - doch am Ende blieb neben der zwei Tage andauernden Gänsehaut nur noch eine Frage im Raum stehen: „Was war das denn bitteschön?“ Für jemanden, der mit Napalm Death, Extreme Noise Terror, Kreator und Konsorten aufgewachsen ist, war das ein neuer Tiefpunkt in der Extrem-Metal-Welt. So eine Veranstaltung spielt in der gleichen Liga wie die verbalen Rechtfertigungsorgien vieler Pseudometaller gegenüber Nachbarschaft, Arbeitskollegen und Familie.

Einige Beispiel gefällig? „Das hört sich zwar nach Lärm an, aber der Typ an der Gitarre ist einer der Besten der Welt“ oder „Gute Musiker enden über kurz oder lang immer beim Jazz oder Metal! Das ist 'ne echte Herausforderung für jeden Könner“ oder „Die Band könnte eigentlich viel besser spielen, aber will nicht“ oder „Wusstest Du eigentlich, dass 27,3% der Wacken-Besucher einen akademischen Abschluss haben?“ NEIN NEIN NEIN! Metal, Punk & Grindcore ist in allererster Linie HERZ!

Ob dumm oder schlau, aus gutem oder schlechtem Hause, Australien oder Europa, Frau oder Mann. Aber gerade die extremsten Musikformen diese Genres sind aus Verzweiflung und Wut geboren und nicht aus Musikalität! Nichts, was einen musikalischen Anspruch hat oder hatte. Oder glaubt irgendwer, dass Napalm Death gehofft haben, mit „Scum“, einen Meilenstein im puncto musikalischer Anspruch zu setzen?

Schreien und Brüllen oder von mir aus auch Growlen ist kein Lehrberuf, sondern ein Gefühl! Wenn es, um diesen Gesang zu erklären, eines anatomischen Querschnitts bedarf, dann wäre es maximal der Querschnitt durch Gehirn oder Herz. Denn da spielt sich die Musik ab. Ich hoffe nicht, dass Lemmy demnächst noch ein Seminar darüber hält, wie man Metal atmet. Nachdem ich das alles verkraftet habe, konnte ich nicht anders, als allen Menschen, die ich kenne, zwei Wochen lang permanent mit meinen Witzen über diese Veranstaltung auf den Sender zu gehen!

Und genau das tut mir jetzt sehr leid, denn es war oberflächlich, unmodern, pubertär und engstirnig, sich für so ein fortschrittliches Projekt zu schämen oder sich sogar darüber lustig zu machen! Was soll daran schlimm sein, dem „Normalverbraucher“, der regelmäßig mit der Einstellung „das sind ja endlich mal richtige tolle Musiker, nicht so wie bei DSDS!“ auf seinem Sofa „The Voice Of Germany“ fachmännisch zelebriert und selbst Bands wie Judas Priest für unkontrollierten Lärm hält, das Growlen etwas näher zu bringen?

Haben wir nicht irgendwie alle was davon, wenn die gesamte deutsche Bevölkerung respektvoll vor einem den Hut zieht und sagt „Mein lieber Herr Scholli, da hat Ihr Sohnemann aber einige Schrei- und Growlstunden gehabt, dass er jetzt als Sänger so schön wütend klingt“!?

Was soll daran schlimm sein, wenn neben dem Iro-Hairstylisten und der Kutten-Änderungsschneiderei auch noch 'ne Growl-Gesangsschule aufmacht? Ist nicht der Respekt, den uns alle Menschen vom Postboten bis zur Bankangestellten für unsere Gesangsleistung entgegenbringen, der Treibstoff für unseren Einsatz?

Mittlerweile denke ich schon!!!

Liebe Frau G.! Ich hoffe, ich kann Sie von meiner Liste streichen!?

 

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Nummer 25 meiner Liste: Habe „Pay To Play“ befürwortet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Friday, 30 November 2012 07:05

#87: Habe im Backstagebereich geraucht

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…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer, wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, 'n besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!

Nummer 87 meiner Liste:
Habe im Backstagebereich geraucht

Ich weiß nicht, ob jeder von Euch schon mal im Backstagebereich einer Konzerthalle war!?!?!

Eins ist sicher…90% der Locations unter 1.000 Besucher haben den Charme der Kellerbar eines 85-Parteien-Hauses nach der Silvesterfeier! Verwanzte Sofas, volle Mülleimer, vollgekotzter Böden etc…!

Mich persönlich stört das nicht sonderlich! Rock'n'Roll!!! Aber das Drumherum, das sich mittlerweile in den Backstage-Areas abspielt, ist viel befremdlicher als die 123 Jahre alte Möblierung.

Fünf Stunden Autofahrt und endlich angekommen.

Du kommst rein und bist voller Adrenalin, weil du auf die Bühne darfst.

Schmeißt dein Zeugs in die Ecke, und knallst dich auf das Sofa. Nachdem der Nebel (der durchs Setzen aufs Sofa aufgewirbelt wurde) sich einigermaßen gelichtet hat, schnappst du dir deine erste kalte Flasche Entspannungsbier und zündest dir dabei ein Zigarettchen an. Ein erster tiefer Zug, und plötzlich tritt ein tättowierter, langhaariger Kerl aus dem Nebel hervor und sagt: „Eh Alter! Mach die Kippe aus! Hier is Rauchverbot!!!" Noch denkst du, er macht einen Scherz… Doch er sieht dich weiter ernst an und sagt „Echt Alter! Mit so vielen Leuten auf so engem Raum, da muss man auch mal Rücksicht nehmen können!“

Okay, denkst du dir… Doch das war erst der Anfang des 15-seitigen Regelkatalogs, den du danach verbal überreicht bekommst.

Neben „hier ist Rauchverbot“ gibt es beispielweise auch noch „sorry, das vegetarische Catering ist nur für die Jungs mit den bunten Shirts“, „kann mal jemand die Musik leiser machen“, „müsst ihr euch jetzt schon vor dem Gig den Arsch zulaufen lassen?“ und „kann mal jemand den besoffenen Typen, der auf dem Tisch tanzt, vor die Tür setzten??? Ich kann mich gar nicht konzentrieren!“

So oder so ähnlich werden einige Musikerkollegen es auch schon erlebt haben, und so oder so ähnlich wird es sicher auch bei der letzten Andrea Berg-Tour zugegangen sein! Nach dem Motto „Pssst! Noch 10 Minuten bis zum Auftritt! Die Künstlerin muss sich konzentrieren!“ geht der Stimmungszug im Backstage ab wie eine Polonaise bei der Jahreshauptversammlung der grauen Panther!!!!

Mal davon abgesehen, dass die Stimmung zum Kotzen ist, entwickelt sich auch gar kein Gefühl mehr dafür, dass es sich hier um ein Metal- oder Punk-Konzert handelt (außer der Tatsache, dass man in irgendeinem Keller sitzt, der an den letzten "Hostel"-Film erinnert). Heutzutage sind alle Musiker „Profis“!!!! Früher biste besoffen angereist und besoffen gefahren! Heute müssen die Growler ihre Stimme schonen und die Musiker etwas Ruhe vor dem Auftritt haben!

Da ist mir doch ein Martin van Drunen (wie ja viele wissen, ein echter Profi) beispielsweise 1.000.000 mal lieber!! Der reist mit seiner Band an, liefert 'ne Hammer-Show ab, und das, obwohl Hail Of Bullets im Backstage vorher und nachher gefeiert haben wie eine Horde Wikiniger!

Aber vielleicht machen Hail Of Bullets das genauso falsch und sollten sich auch mal in aller Professionalität an die „neuen“ Backstageregeln halten!?!??!

Wie auch immer… ich habe das jetzt verstanden und möchte mich für meine verständnislosen „geh mir doch bitte nicht auf den Sack“ Reaktionen auf die letzten 15 Zurechtweisungen im Backstage entschuldigen!

Ich weiß jetzt, dass auch jede noch so kleine Grindcore- und Death Metal-Band ihr Bestes geben will! Immerhin haben die 37 Konzertbesucher 6,- Euro berappen müssen, der Konzertveranstalter fünf Dosen Bier + Chilli con Carne rausgetan, und daher können auch alle 'ne professionelle Show erwarten.

Ich habe jetzt verstanden, dass Zigarettenrauch im Backstage nicht nur die Stimme angreift, sondern auch nervt und tötet.

Mir ist jetzt klar geworden, dass keiner Ramba Zamba im Backstagebereich braucht, denn wenn man Party machen will, kann man auch in die Düsseldorfer Altstadt gehen.

Zukünftig nehme ich einfach mehr Rücksicht, werde eine Duftkerze, die meine Fürze absorbiert, neben meinem Platz anzünden, vor der Tür rauchen, meine Bier auf dem Lokus trinken, Musik im Auto hören und bevor ich abhaue, nochmal kurz feucht durchwischen!

Es war niemals mein Anliegen, eure Professionalität einzuschränken und damit möglicherweise Eure Karriere zu gefährden.

Grindcore, Punk und Death Metal muss ja kein Spaß machen, sondern ist ein Job wie jeder andere auch!

Also… SORRY!

 

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Wednesday, 23 May 2012 20:25

Show No Mercy – Mein Name ist Lee

Published in Lee Written by

„Ach du liebe Güte“, werden jetzt einige rufen! Schon wieder 'ne Kolumne!

Als würde es nicht reichen, dass Fenriz oder Scott Ian neben zwei, drei Redakteuren Eurer Lieblingsmagazine Platz mit ihren persönlichen Meinungen und Werbebotschaften verseuchen. Fängt der jetzt auch noch damit an???

GENAU SO IST ES!

Ich werde mich jetzt Monat für Monat an dieser Stelle zur extremen Metal-Szene äußern! Und zwar über die „Szene“ von heute und über die Szene der Vergangenheit! Keine Angst, ich stimme nicht das alberne Lied „früher war alles besser“ an. Doch man kann auf jeden Fall sagen, dass alles etwas anders war.

Viele wissen es vielleicht nicht (weil sie einfach zu jung sind), aber extremer Metal oder Grindcore war damals noch nichts für RTL Exklusiv und Taff. Es wurde nicht im Frühstücksfernseher über Wacken berichtet, und mein Oberstudienrat hat auch keinen Metal gehört, geschweige denn, sich dazu bekannt! Metal war damals tatsächlich etwas, das die Gesellschaft abgelehnt hat, und wer Metal oder Punk gehört hat, galt als asozial. Die Menschen haben die Straßenseite gewechselt, wenn sie so einen Typen gesehen haben, und Väter haben (so lange sie noch stärker als ihre Kinder waren) versucht, sich mit aller Kraft dagegen zu stemmen, dass ihre Kids in diesen Sumpf abdriften.

Es war eine Randgruppe! Eine echte Randgruppe, die etwas ausdrücken wollte, die gerne ungeliebt war und niemals eine Wochenendbewegung, wie es heute vielfach der Fall ist.

Heute ist ja alles deutlich liberaler geworden. Metal, Grindcore und Co. haben volle Akzeptanz in jeder Bildungsschicht/Einkommensschicht erreicht und werden auch schon mal beizeiten in den Gymnasien der Republik von Schülern als Kunstform im Unterricht präsentiert. Ein Tattoo hat heute sowieso jeder, und es gehört zum guten Ton der Gesellschaft, dass jeder Teenie in der Pubertät auch mal eine Punk- oder Metal-Phase durchlebt, um seine Eltern zu schocken!

Ist es das, was alle wollten???
Ist es das, was Sid Vicious oder Tez Roberts wollten?

Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen!

Ich glaube nicht, dass Tom Angelripper sich damals erhofft hat, dass „Obsessed By Cruelty“ von irgendeinem sackhaarlosen Teenie als Schulprojekt im Musikunterricht besprochen wird. Na sicher ist das heute super, dass bei jedem Radiosender Metal läuft und Frauke Ludowig über wilde Festivals berichtet!

Aber machen wir uns doch alle nichts vor, im Ergebnis wird man heutzutage mit Metal genauso zugeschissen wie mit Schlagermusik! Das bittere Ende dieser Kommerzialisierung sieht man dann hinterher… denn dann wird der schlimmste Alptraum eines jeden „alten“ Fans wahr, und eine Band wie Volbeat wird Headliner auf dem Wacken Open Air. Und wisst Ihr, auf welcher Bühne Volbeat dann spielen werden??? Auf der TRUE METAL STAGE!!!!!

Glücklicher Weise nur ein schrecklicher Alptraum… oder doch nicht??
Schöne neue Welt!

Aber eigentlich ist der Zweck dieser Kolumne gar nicht, die ganze „Szene“ von heute in den Dreck zu ziehen! Ganz im Gegenteil! Ich habe mich viel zu oft und zu lange darüber beschwert, dass aus dem kleinen, extrem geilen Haufen der 80er/90er eine riesige Bewegung wurde, in der jeder Zweite nur deswegen dabei ist, weil er das Festival-Feeling so unbeschreiblich findet, oder nix anderes da war, als die Techno-Szene sich langsam aufgelöst hatte...

Und darum mache ich es jetzt wie Earl J. Hickey:
…kennt Ihr vielleicht auch solche Typen, die immer nur über Old School labern und sich dann fragen, wieso ihre Musikerkarriere beschissen läuft? Tja, genau so einer war ich auch. Immer, wenn mir mal was Gutes in der Metal-Szene passiert ist, ließ das böse Ende nicht lange auf sich warten: Karma! Da wurde mir klar, dass ich mich ändern musste. Also hab ich 'ne Liste mit all meinen üblen Lästereien und Gräueltaten gemacht, um sie dann, eine nach der anderen, wieder gut zu machen.

Ich versuche nur, ein besserer Mensch zu sein. Mein Name ist Lee!


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Nummer 87 meiner Liste: Habe im Backstage-Bereich geraucht!!!!

 

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