LEGACY - The Voice from the Darkside

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Dominik Irtenkauf (DOI)

Dominik Irtenkauf (DOI)

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Ticketpreis: VVK: 20,- Euro zzgl. Gebühren; AK: 24,- Euro

Besucher: ca. 60-80 Besucher

 

Der Club füllt sich am Wochenanfang kaum. Als die Briten AWOOGA aus Sheffield mit einem leicht an den Headliner erinnernden Progressive Post Metal beginnen, stehen ein paar Fans nahe der Bühne, wahren jedoch einen Sicherheitsabstand. Die Musik von AWOOGA ist magnetisch, leider ist der Gesang ein wenig zu leise abgemischt. Das Trio auf der Bühne lässt sich davon und von der kleinen Zuschauerschar nicht abhalten, ihr Set von einer knappen halben Stunde souverän zu spielen. Das Trio rückt sich nicht unnötig in den Vordergrund, sondern lässt die Wall of Sound sprechen. Immer wieder blitzen Melodien aus dem Rhythmusgerüst hervor.

Bei der zweiten Supportband an diesem Abend – KNIFEWORLD aus Greater London – sammelt sich das Publikum schon zahlreicher vor der kleinen Bühne. Die Kleine Freiheit hat den Vorzug, eine intime Wohnzimmer-Atmosphäre zu bieten, in der der progressive Art Rock einer Gruppe wie KNIFEWORLD besser funktioniert als in einer unübersichtlichen Halle. Die Musik ist sehr verspielt, erinnert stellenweise an Genesis in der Peter-Gabriel-Ära, als die Brit Prog-Legende noch tief im Märchen des Artrocks verstrickt gewesen ist. Frontmann Kavus Torabi vereinigt in seiner Person eindeutig das Charisma der Band, sein Outfit erinnert an einen viktorianischen Bohemien, der eine schön gestaltete E-Gitarre zur Intonation seiner verrückten Balladen benutzt. Mit der Dauer wird es für nicht genuin Retro-Prog-Affine etwas anstrengend, die vielen Tempo- und Stimmungswechsel in der Musik live nachzuvollziehen. Schade auch, dass die Sängerin Melanie Woods etwas verloren wirkt, da sie nicht immer mit ausdrucksstarker Stimme die Stimmung einzufangen vermag.

Diesem Problem sieht sich auch AMPLIFIER-Frontmann Sel Belamir gegenüber. Zunächst kommt seine eher feine Stimme nicht gegen die Gitarrengewalt an. THE AMPLIFIER beginnen bereits mit einem Sturm aus Gitarren und Drums. Der Groove der Brit-Rocker ist unwiderstehlich, und sie mäandern zwischen Metal und anspruchsvollem Rock. In jedem Song taucht dieser unmissverständliche AMPLIFIER-Groove auf. Das Quartett spielt souverän, doch manche Ansage kann die Enttäuschung über das spärliche Publikum an diesem Abend nur schlecht verbergen. Die Briten lassen sich hiervon nicht beirren. Es macht Spaß, dieser Band auch in einem kleinen Club zuzuschauen. Besonders der Drummer brilliert durch stete Bewegung über die Toms und die Becken. Alle Bewegung ist jedoch dem übergeordneten Groove gewidmet. So fällt der Bassist durch ein weiches Spiel auf, also alles andere als zackige Hooks, wie man es von Prong kennt. AMPLIFIER bringen alte wie auch neue Stücke. ‚O Fortuna‘ vom zweiten Album „Insider“ wird ebenso gespielt wie ‚Crystal Mountain‘ vom neusten „Mystoria“. Sie spielen knapp eine Stunde. Frenetischer Applaus bringt die Band erneut für eine Zugabe auf die Bühne.

Text: Dominik Irtenkauf

Fotos: Christoph M. Labaj

Besucher: ca. 500

„Dethroned And Uncrowned“ stellt den Versuch der Schweden dar, das ziemlich erfolgreiche E-Gitarren-Album „Dead End Kings“ komplett neu in Akustik zu arrangieren. Bereits letzten Herbst erschien das Album und wird bei den Fans der Band längst einen besonderen Platz im Regal zu Hause ergattert haben.

Im Mai kommen KATATONIA für drei Exklusivkonzerte nach Deutschland: Bochum, München und Berlin. Die evangelische Christuskirche in Bochum füllt sich bis in die hinteren Reihen – ihr Interieur wirkt eher spartanisch: Backsteinbau und ein schwarzes Kreuz hinter der Bühne. Die schwedischen Meister des melancholischen Rocks mit Metal-Versatzstücken präsentieren in Bochum ein einstündiges Set mit Marksteinen ihrer Laufbahn: ‚Teargas‘, ‚Idle Blood‘, ‚Tonight’s Music‘, ‚Sleeper‘, ‚Ambitions‘, ‚Lethean‘. Entsprechend der Verzweiflung, die in Jonas Renkses Texten schimmert, stets oszilliert, ist der Auftritt in Kerzenlicht getaucht und wird von sehr spärlichem Einsatz von blauen Scheinwerfern wie auch Leuchtdioden in Form von Blasen im Hintergrund begleitet. Ein Drumset sucht man vergeblich – Aushilfsschlagzeuger JP Asplund bedient die Rassel und Bongos, um zu den zwei Akustikgitarren, dem Akustikbass wie auch der E-Gitarre des Sängers die nötige rhythmische Basis zu schaffen. Sicher, Puristen könnten den Einsatz der Elektrischen rügen, wie auch die Unterstützung durch Atmosphären auf dem Laptop. Der eindrücklichen Stimmung an diesem Abend tut dies keinen Abbruch. Daniel Liljekvist verließ die Band im April, da er sich für Familie und einen Brotjob entschied. Die Entscheidung fiel ihm alles andere als leicht, doch Asplund arbeitete sich gut in die Songs ein. Renkse entsann sich zudem seiner Kooperation mit Bruce Soord von der britischen Modern Prog-Combo The Pineapple Thief und rekrutierte diesen an der Gitarre und für Background-Vocals.

Hatten Alternative Rock-Bands bereits in den Neunzigern bei MTV-Unplugged den Weg ins Akustische gewagt, satteln einstige Extreme Metal-Bands erst nach und nach um. KATATONIA haben den Pfad des Black/Doom Metal längst hinter sich gelassen. Einzige Spur noch die weiße Schminke im Gesicht von Renske. Der vorsichtige, dadurch sehr eckig-kantige Übergang von der Metal-Phase in die Gothic Rock-Zukunft geschah mit der im Schaffen der Band ziemlich isoliert dastehenden Scheibe „Discouraged Ones“; dass sie ‚Gone‘ von eben dort in Akustik-Arrangement präsentieren, beweist das längst errungene Selbstbewusstsein der Band. Frenetischer Zwischenapplaus bestätigt die Ausnahmesituation dieses Konzerts.

Was die Supportcombo MESSENGER mit ödem Retro-Rock, Lockenpracht und 70er-Jahre-Lookalike-Bartwuchs in einer solchen Ortslage zu suchen hat, entzieht sich dem Verständnis des Rezensenten. KATATONIA an diesem Abend hätten vollkommen ausgereicht, denn bei solchen Locations spielt das Setting ja eine bedeutende Rolle. Ablenkung stört dabei nur. Zudem der Support definitiv nicht akustisch spielte.

Text: Dominik Irtenkauf

Fotos: Alina Strzempa

GRIFT „Fyra elegier“ MCD

Wednesday, 30 April 2014 21:09 Published in A-Z

Ein ruppiger Charakter zeichnet dieses Minialbum des schwedischen Duos aus. „Fyra elegier“ besteht, wie es der schwedische Name bereits impliziert, aus vier Elegien. Elegien werden von der Band nicht unbedingt musikalisch verstanden, sondern vor allem auch lyrisch, da die Texte von Dichtern wie Johannes Edfelt, Pär Lagerkvist und Dan Andersson inspiriert sind. Es geht um Reflexionen zum Tod und was dem Todeskandidaten so alles durch den Kopf gehen kann, bevor der Schnitter zum letzten Tanz auffordert. Die vier Elegien sind rau, und die Drums flattern zuweilen, so bewusst(?) schlecht wurde die Produktion gehalten. Es ist zu vermuten, dass das Duo diese Produktion absichtlich in einer so schäbigen Qualität belassen hat. Da es um Tod geht, soll der Sound auch zerfallen und vor sich hin modern. Leider wirken manche der Stücke, so z.B. ‚Den fångne‘, eher uninspiriert als besonders wüst-innovativ. Gruppen wie Gorgoroth bringen es ja fertig, eine rasende Wutkampagne in einem schädelrasierenden Sound hinzulegen, aber GRIFT haben zu sehr an der Depressive Suicidal Black Metal-Klebeflasche gerochen, sind ganz betört von dieser Hoffnungslosigkeit, jedoch nicht zum Vorteil ihrer Musik, muss man leider sagen. Die Songs ziehen sich über stets wiederholte Riffs lange hin, und auch wenn sie nur knapp sechs Minuten lang sind, kommt es einem beim Hören so vor, als wären es gute 15 Minuten. Das Konzept mit der schwedischen Poesie, die in zwei Stücken auch rezitiert wird, ist eine sehr lohnende Idee, leider überzeugt die musikalische Umsetzung nicht ganz. Der Gesang krächzt, und die Drums holen nicht wirklich das Potenzial raus, das auch bei räudigem Black Metal möglich wäre. Schade.

E-MUSIKGRUPPE LUX OHR „Kometenbahn“ LP

Tuesday, 29 April 2014 19:26 Published in A-Z

Finnen können ab und zu schon ziemlich verrückt sein oder aber: Sie wollen deutscher als deutsch sein. Die E-MUSIKGRUPPE LUX OHR (Was für ein Name!) widmet sich dem Weltraum und Kometen. Einer davon ist erst vor ein paar Tagen im März gesichtet worden, der andere beendet das Jahr im Dezember. Die Finnen polen sich auf die kosmischen Phänomene ein, und die Kundigen unter den Lesern werden bereits vermuten, in welche Richtung der Sound der E-MUSIKGRUPPE LUX OHR geht - genau: Ambient wie von Tangerine Dream oder auch elektronischer Krautrock kommt einem in den Sinn. „Kometenbahn“ lädt zur Tagträumerei ein, versetzt den Hörer in die Siebziger zurück – aber Obacht: diesmal keine Okkult-Rock-Retro-Schiene und so, sondern verträumter Space Rock, der sich stellenweise auf Gitarren und E-Bow, meist aber auf Synthesizern ausspricht. Klar ist, dass diese Art Musik stark von der Atmosphäre lebt. Bereits der ‚Prolog im Himmel‘ führt in die Weiten des Kosmos: Eine vom Vocoder verfremdete Stimme erzählt auf Deutsch vom Einstieg in kosmische Sphären. Weiter geht’s mit Melodien, die einem irgendwie verdächtig bekannt vorkommen, die jedoch so gut aufbereitet werden, dass es von wenig Bedeutung ist, ob dies nun Tangerine Dream auch schon geschrieben haben. Vorsicht: Dies soll nicht als Entschuldigung für ein Plagiat dienen, sondern vielmehr die Klasse der E-MUSIKGRUPPE LUX OHR zeigen. Ein Nachteil von „Kometenbahn“ ist sicherlich, dass die Musik recht speziell ist und nicht für jede Gelegenheit passend. Die Band tritt häufig bei Filmvorführungen und in Museen auf. Genau dort wird die Musik ihre Wirkung voll entfalten können. Da sie sehr elegisch und episch klingt, füllt sie den ganzen Raum mit Klangfläche aus. Bis auf die durch den Effektfilter gesandte Stimme bleibt die „Kometenbahn“ komplett instrumental. Dass es sich bei der E-MUSIKGRUPPE LUX OHR um ein Liebhaberprojekt handelt, sieht man nicht nur an der Veröffentlichungsart auf Vinyl, sondern auch an den verschiedenen Mitgliedern, von denen eigentlich nur der Gitarrist Kimi Kärki einen Metal-Hintergrund bei Reverend Bizarre und Lord Vicar besitzt. Zumindest auf einem Metal-Label wie Svart Records gibt es nur wenig Kosmische Musik, und für bezaubernd schöne Titel wie ‚Nachtgeist‘, ‚Durch den kosmischen Dunst‘, ‚Sonnenwind‘ und ‚Mythos‘ sollte es noch Extrapunkte geben. Das ist schon ziemlich verrückt schön, was die Finnen hier verbrochen haben.

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