LEGACY - The Voice from the Darkside

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Dominik Irtenkauf (DOI)

Dominik Irtenkauf (DOI)

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Ticketpreis: 29,-

Besucher: ca. 6.000

 

Die DONOTS werden 20, und was wäre da angemessener, als diesen runden Geburtstag in Münster zu feiern, die quasi die nächstgrößere Stadt zur eigentlichen DONOTS-Homebase Ibbenbüren ist? Die Stimmung ist eine ausgesprochen gute, denn wenn es etwas zu feiern gibt, dann wissen die Pop-Punker durchaus mitzureißen.

Wegen anderer Termine konnte leider der Auftritt von CJ RAMONE, einem verbliebenen Ramones-Mitglied, kurz nach halb acht nicht verfolgt werden. Doch Mister RAMONE soll später eine andere Rolle an diesem Abend spielen...

Zunächst treten die Briten THE SUBWAYS auf. Das Power-Trio fackelt ein beeindruckendes Feuerwerk ab. Die Verweise auf den Rock’n’Roll tauchen nicht nur in den Lyrics auf, sondern die zwei Herren und die Dame an Bass und Gesang personifizieren den Rock’n’Roll auch auf der Bühne. Da sie eigentlich das ganze Jahr über unterwegs sind, fällt es ihnen nicht schwer, auch in Münster einwandfreies Live-Entertainment zu bieten. THE SUBWAYS spielen knapp fünfzig Minuten, bringen Stücke wie ‚Oh Yeah’ oder ‚Rock & Roll Queen’, aber auch brandneue Titel aus dem nächsten Album „The Subways“ wie ‚My Heart Is Pumping To A Brand New Beat’.

Die DONOTS haben ganz sicher einen Heimvorteil. Die anwesenden Fans sind daher übelst gut gelaunt, und alle Altersklassen sind vertreten: vom Schüler bis zum Greis. Klar nimmt sich auch die Gästeliste ziemlich umfangreich aus, denn die DONOTS hatten viele Weggefährten durch die 20 Jahre. Zu Beginn stehen die Musiker hinter einer hauchdünnen Wand, nur Schattenbilder sind zu sehen, während das Intro abläuft. Dann fällt die Wand, und die Band legt mit ‚Changes‘ vom „A Long Way Home“-Album an. Und der Weg wird diesen Abend ein langer, aber sehr kurzweiliger sein, denn Sänger Ingo Brinkmann kündigt es bereits zu Beginn an: Sie werden zwei Stunden spielen! Immer wieder versichert er sich der aktuellen Stimmung des Publikums. Aktionen wie Leuchtstäbchen verteilen, Torte für ein Geburtstagskind oder ganz am Schluss Lametta durch Kanonenrohre aufs Publikum zu schießen, heben die Laune der Anwesenden deutlich.

Der erste Teil des Auftritts besteht zum großen Teil aus den poppigen Rockstücken, nach einer kleinen Pause legen sie im zweiten Teil dann mit den Punk-Krachern los. Es wird aufs Gaspedal gedrückt. Die Band lässt es sich nicht nehmen, Special Guest CJ RAMONE für ein Ramones-Cover (‚Pet Sematary‘) auf die Bühne zu bitten. Die Old-Schooler unter den Gästen gehen gut ab. Im Frühjahr werden die Westfalen in mittelgroßen Clubs spielen, so dass der heutige Abend in einer großen Mehrzweckhalle ein besonderer ist. Da die Band derzeit nicht auf Tour ist, wirken die Musiker auch besonders motiviert und ja, auch ausgeruht. Wenn diese Vokabel auch ein wenig schief ist, denn wer die DONOTS bereits auf der Bühne gesehen hat, weiß, wie stark die Show im Vordergrund steht. An Stücken spielen sie eine breite Palette aus ihrem Schaffen, auch ältere kommen zu Ehren: unter anderem aus dem Album “Pocketrock” die Singles ‘Today’ und ‘Whatever Happened To The 80s’ oder auch eine Coverversion des Twisted Sister-Songs ‘We’re Not Gonna Take It’.

Die Mischung aus eingängigen Melodien und schmissigen Riffs zündet am Samstag vor dem 3. Advent beeindruckend gut. Kurz vor Mitternacht kommt der Grand Münster Slam dann zum Ende, und nicht wenige Besucher schwärmen noch in die Nachtlokalitäten der Stadt. Nicht von ungefähr – denn die DONOTS spielten von ihrer nächsten, komplett deutsch gesungenen Scheibe „Karacho“ ein Stück, das eben den Hansaring zum Thema hat. Ein beliebtes Wohnviertel in Münster für Studenten oder „Alternative“ und Heimat mehrerer Kneipen.

Zu guter Letzt bildet sich im Publikum ein Kreis, Sänger und Gitarrist steigen herab und spielen ein paar Stücke akustisch inmitten der Fans. Die Jungs haben heute so ziemlich alles rausgeholt. Das verdient Applaus.

Ticketpreis: VVK: 20,- Euro zzgl. Gebühren; AK: 24,- Euro

Besucher: ca. 60-80 Besucher

 

Der Club füllt sich am Wochenanfang kaum. Als die Briten AWOOGA aus Sheffield mit einem leicht an den Headliner erinnernden Progressive Post Metal beginnen, stehen ein paar Fans nahe der Bühne, wahren jedoch einen Sicherheitsabstand. Die Musik von AWOOGA ist magnetisch, leider ist der Gesang ein wenig zu leise abgemischt. Das Trio auf der Bühne lässt sich davon und von der kleinen Zuschauerschar nicht abhalten, ihr Set von einer knappen halben Stunde souverän zu spielen. Das Trio rückt sich nicht unnötig in den Vordergrund, sondern lässt die Wall of Sound sprechen. Immer wieder blitzen Melodien aus dem Rhythmusgerüst hervor.

Bei der zweiten Supportband an diesem Abend – KNIFEWORLD aus Greater London – sammelt sich das Publikum schon zahlreicher vor der kleinen Bühne. Die Kleine Freiheit hat den Vorzug, eine intime Wohnzimmer-Atmosphäre zu bieten, in der der progressive Art Rock einer Gruppe wie KNIFEWORLD besser funktioniert als in einer unübersichtlichen Halle. Die Musik ist sehr verspielt, erinnert stellenweise an Genesis in der Peter-Gabriel-Ära, als die Brit Prog-Legende noch tief im Märchen des Artrocks verstrickt gewesen ist. Frontmann Kavus Torabi vereinigt in seiner Person eindeutig das Charisma der Band, sein Outfit erinnert an einen viktorianischen Bohemien, der eine schön gestaltete E-Gitarre zur Intonation seiner verrückten Balladen benutzt. Mit der Dauer wird es für nicht genuin Retro-Prog-Affine etwas anstrengend, die vielen Tempo- und Stimmungswechsel in der Musik live nachzuvollziehen. Schade auch, dass die Sängerin Melanie Woods etwas verloren wirkt, da sie nicht immer mit ausdrucksstarker Stimme die Stimmung einzufangen vermag.

Diesem Problem sieht sich auch AMPLIFIER-Frontmann Sel Belamir gegenüber. Zunächst kommt seine eher feine Stimme nicht gegen die Gitarrengewalt an. THE AMPLIFIER beginnen bereits mit einem Sturm aus Gitarren und Drums. Der Groove der Brit-Rocker ist unwiderstehlich, und sie mäandern zwischen Metal und anspruchsvollem Rock. In jedem Song taucht dieser unmissverständliche AMPLIFIER-Groove auf. Das Quartett spielt souverän, doch manche Ansage kann die Enttäuschung über das spärliche Publikum an diesem Abend nur schlecht verbergen. Die Briten lassen sich hiervon nicht beirren. Es macht Spaß, dieser Band auch in einem kleinen Club zuzuschauen. Besonders der Drummer brilliert durch stete Bewegung über die Toms und die Becken. Alle Bewegung ist jedoch dem übergeordneten Groove gewidmet. So fällt der Bassist durch ein weiches Spiel auf, also alles andere als zackige Hooks, wie man es von Prong kennt. AMPLIFIER bringen alte wie auch neue Stücke. ‚O Fortuna‘ vom zweiten Album „Insider“ wird ebenso gespielt wie ‚Crystal Mountain‘ vom neusten „Mystoria“. Sie spielen knapp eine Stunde. Frenetischer Applaus bringt die Band erneut für eine Zugabe auf die Bühne.

Text: Dominik Irtenkauf

Fotos: Christoph M. Labaj

Besucher: ca. 500

„Dethroned And Uncrowned“ stellt den Versuch der Schweden dar, das ziemlich erfolgreiche E-Gitarren-Album „Dead End Kings“ komplett neu in Akustik zu arrangieren. Bereits letzten Herbst erschien das Album und wird bei den Fans der Band längst einen besonderen Platz im Regal zu Hause ergattert haben.

Im Mai kommen KATATONIA für drei Exklusivkonzerte nach Deutschland: Bochum, München und Berlin. Die evangelische Christuskirche in Bochum füllt sich bis in die hinteren Reihen – ihr Interieur wirkt eher spartanisch: Backsteinbau und ein schwarzes Kreuz hinter der Bühne. Die schwedischen Meister des melancholischen Rocks mit Metal-Versatzstücken präsentieren in Bochum ein einstündiges Set mit Marksteinen ihrer Laufbahn: ‚Teargas‘, ‚Idle Blood‘, ‚Tonight’s Music‘, ‚Sleeper‘, ‚Ambitions‘, ‚Lethean‘. Entsprechend der Verzweiflung, die in Jonas Renkses Texten schimmert, stets oszilliert, ist der Auftritt in Kerzenlicht getaucht und wird von sehr spärlichem Einsatz von blauen Scheinwerfern wie auch Leuchtdioden in Form von Blasen im Hintergrund begleitet. Ein Drumset sucht man vergeblich – Aushilfsschlagzeuger JP Asplund bedient die Rassel und Bongos, um zu den zwei Akustikgitarren, dem Akustikbass wie auch der E-Gitarre des Sängers die nötige rhythmische Basis zu schaffen. Sicher, Puristen könnten den Einsatz der Elektrischen rügen, wie auch die Unterstützung durch Atmosphären auf dem Laptop. Der eindrücklichen Stimmung an diesem Abend tut dies keinen Abbruch. Daniel Liljekvist verließ die Band im April, da er sich für Familie und einen Brotjob entschied. Die Entscheidung fiel ihm alles andere als leicht, doch Asplund arbeitete sich gut in die Songs ein. Renkse entsann sich zudem seiner Kooperation mit Bruce Soord von der britischen Modern Prog-Combo The Pineapple Thief und rekrutierte diesen an der Gitarre und für Background-Vocals.

Hatten Alternative Rock-Bands bereits in den Neunzigern bei MTV-Unplugged den Weg ins Akustische gewagt, satteln einstige Extreme Metal-Bands erst nach und nach um. KATATONIA haben den Pfad des Black/Doom Metal längst hinter sich gelassen. Einzige Spur noch die weiße Schminke im Gesicht von Renske. Der vorsichtige, dadurch sehr eckig-kantige Übergang von der Metal-Phase in die Gothic Rock-Zukunft geschah mit der im Schaffen der Band ziemlich isoliert dastehenden Scheibe „Discouraged Ones“; dass sie ‚Gone‘ von eben dort in Akustik-Arrangement präsentieren, beweist das längst errungene Selbstbewusstsein der Band. Frenetischer Zwischenapplaus bestätigt die Ausnahmesituation dieses Konzerts.

Was die Supportcombo MESSENGER mit ödem Retro-Rock, Lockenpracht und 70er-Jahre-Lookalike-Bartwuchs in einer solchen Ortslage zu suchen hat, entzieht sich dem Verständnis des Rezensenten. KATATONIA an diesem Abend hätten vollkommen ausgereicht, denn bei solchen Locations spielt das Setting ja eine bedeutende Rolle. Ablenkung stört dabei nur. Zudem der Support definitiv nicht akustisch spielte.

Text: Dominik Irtenkauf

Fotos: Alina Strzempa

GRIFT „Fyra elegier“ MCD

Wednesday, 30 April 2014 21:09 Published in A-Z

Ein ruppiger Charakter zeichnet dieses Minialbum des schwedischen Duos aus. „Fyra elegier“ besteht, wie es der schwedische Name bereits impliziert, aus vier Elegien. Elegien werden von der Band nicht unbedingt musikalisch verstanden, sondern vor allem auch lyrisch, da die Texte von Dichtern wie Johannes Edfelt, Pär Lagerkvist und Dan Andersson inspiriert sind. Es geht um Reflexionen zum Tod und was dem Todeskandidaten so alles durch den Kopf gehen kann, bevor der Schnitter zum letzten Tanz auffordert. Die vier Elegien sind rau, und die Drums flattern zuweilen, so bewusst(?) schlecht wurde die Produktion gehalten. Es ist zu vermuten, dass das Duo diese Produktion absichtlich in einer so schäbigen Qualität belassen hat. Da es um Tod geht, soll der Sound auch zerfallen und vor sich hin modern. Leider wirken manche der Stücke, so z.B. ‚Den fångne‘, eher uninspiriert als besonders wüst-innovativ. Gruppen wie Gorgoroth bringen es ja fertig, eine rasende Wutkampagne in einem schädelrasierenden Sound hinzulegen, aber GRIFT haben zu sehr an der Depressive Suicidal Black Metal-Klebeflasche gerochen, sind ganz betört von dieser Hoffnungslosigkeit, jedoch nicht zum Vorteil ihrer Musik, muss man leider sagen. Die Songs ziehen sich über stets wiederholte Riffs lange hin, und auch wenn sie nur knapp sechs Minuten lang sind, kommt es einem beim Hören so vor, als wären es gute 15 Minuten. Das Konzept mit der schwedischen Poesie, die in zwei Stücken auch rezitiert wird, ist eine sehr lohnende Idee, leider überzeugt die musikalische Umsetzung nicht ganz. Der Gesang krächzt, und die Drums holen nicht wirklich das Potenzial raus, das auch bei räudigem Black Metal möglich wäre. Schade.

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