LEGACY - The Voice from the Darkside

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Dominik Irtenkauf (DOI)

Dominik Irtenkauf (DOI)

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„Dethroned And Uncrowned“ stellt den Versuch der Schweden dar, das ziemlich erfolgreiche E-Gitarren-Album „Dead End Kings“ komplett neu in Akustik zu arrangieren. Bereits letzten Herbst erschien das Album und wird bei den Fans der Band längst einen besonderen Platz im Regal zu Hause ergattert haben.

Im Mai kommen KATATONIA für drei Exklusivkonzerte nach Deutschland: Bochum, München und Berlin. Die evangelische Christuskirche in Bochum füllt sich bis in die hinteren Reihen – ihr Interieur wirkt eher spartanisch: Backsteinbau und ein schwarzes Kreuz hinter der Bühne. Die schwedischen Meister des melancholischen Rocks mit Metal-Versatzstücken präsentieren in Bochum ein einstündiges Set mit Marksteinen ihrer Laufbahn: ‚Teargas‘, ‚Idle Blood‘, ‚Tonight’s Music‘, ‚Sleeper‘, ‚Ambitions‘, ‚Lethean‘. Entsprechend der Verzweiflung, die in Jonas Renkses Texten schimmert, stets oszilliert, ist der Auftritt in Kerzenlicht getaucht und wird von sehr spärlichem Einsatz von blauen Scheinwerfern wie auch Leuchtdioden in Form von Blasen im Hintergrund begleitet. Ein Drumset sucht man vergeblich – Aushilfsschlagzeuger JP Asplund bedient die Rassel und Bongos, um zu den zwei Akustikgitarren, dem Akustikbass wie auch der E-Gitarre des Sängers die nötige rhythmische Basis zu schaffen. Sicher, Puristen könnten den Einsatz der Elektrischen rügen, wie auch die Unterstützung durch Atmosphären auf dem Laptop. Der eindrücklichen Stimmung an diesem Abend tut dies keinen Abbruch. Daniel Liljekvist verließ die Band im April, da er sich für Familie und einen Brotjob entschied. Die Entscheidung fiel ihm alles andere als leicht, doch Asplund arbeitete sich gut in die Songs ein. Renkse entsann sich zudem seiner Kooperation mit Bruce Soord von der britischen Modern Prog-Combo The Pineapple Thief und rekrutierte diesen an der Gitarre und für Background-Vocals.

Hatten Alternative Rock-Bands bereits in den Neunzigern bei MTV-Unplugged den Weg ins Akustische gewagt, satteln einstige Extreme Metal-Bands erst nach und nach um. KATATONIA haben den Pfad des Black/Doom Metal längst hinter sich gelassen. Einzige Spur noch die weiße Schminke im Gesicht von Renske. Der vorsichtige, dadurch sehr eckig-kantige Übergang von der Metal-Phase in die Gothic Rock-Zukunft geschah mit der im Schaffen der Band ziemlich isoliert dastehenden Scheibe „Discouraged Ones“; dass sie ‚Gone‘ von eben dort in Akustik-Arrangement präsentieren, beweist das längst errungene Selbstbewusstsein der Band. Frenetischer Zwischenapplaus bestätigt die Ausnahmesituation dieses Konzerts.

Was die Supportcombo MESSENGER mit ödem Retro-Rock, Lockenpracht und 70er-Jahre-Lookalike-Bartwuchs in einer solchen Ortslage zu suchen hat, entzieht sich dem Verständnis des Rezensenten. KATATONIA an diesem Abend hätten vollkommen ausgereicht, denn bei solchen Locations spielt das Setting ja eine bedeutende Rolle. Ablenkung stört dabei nur. Zudem der Support definitiv nicht akustisch spielte.

Text: Dominik Irtenkauf

Fotos: Alina Strzempa

GRIFT „Fyra elegier“ MCD

Wednesday, 30 April 2014 21:09 Published in A-Z

Ein ruppiger Charakter zeichnet dieses Minialbum des schwedischen Duos aus. „Fyra elegier“ besteht, wie es der schwedische Name bereits impliziert, aus vier Elegien. Elegien werden von der Band nicht unbedingt musikalisch verstanden, sondern vor allem auch lyrisch, da die Texte von Dichtern wie Johannes Edfelt, Pär Lagerkvist und Dan Andersson inspiriert sind. Es geht um Reflexionen zum Tod und was dem Todeskandidaten so alles durch den Kopf gehen kann, bevor der Schnitter zum letzten Tanz auffordert. Die vier Elegien sind rau, und die Drums flattern zuweilen, so bewusst(?) schlecht wurde die Produktion gehalten. Es ist zu vermuten, dass das Duo diese Produktion absichtlich in einer so schäbigen Qualität belassen hat. Da es um Tod geht, soll der Sound auch zerfallen und vor sich hin modern. Leider wirken manche der Stücke, so z.B. ‚Den fångne‘, eher uninspiriert als besonders wüst-innovativ. Gruppen wie Gorgoroth bringen es ja fertig, eine rasende Wutkampagne in einem schädelrasierenden Sound hinzulegen, aber GRIFT haben zu sehr an der Depressive Suicidal Black Metal-Klebeflasche gerochen, sind ganz betört von dieser Hoffnungslosigkeit, jedoch nicht zum Vorteil ihrer Musik, muss man leider sagen. Die Songs ziehen sich über stets wiederholte Riffs lange hin, und auch wenn sie nur knapp sechs Minuten lang sind, kommt es einem beim Hören so vor, als wären es gute 15 Minuten. Das Konzept mit der schwedischen Poesie, die in zwei Stücken auch rezitiert wird, ist eine sehr lohnende Idee, leider überzeugt die musikalische Umsetzung nicht ganz. Der Gesang krächzt, und die Drums holen nicht wirklich das Potenzial raus, das auch bei räudigem Black Metal möglich wäre. Schade.

E-MUSIKGRUPPE LUX OHR „Kometenbahn“ LP

Tuesday, 29 April 2014 19:26 Published in A-Z

Finnen können ab und zu schon ziemlich verrückt sein oder aber: Sie wollen deutscher als deutsch sein. Die E-MUSIKGRUPPE LUX OHR (Was für ein Name!) widmet sich dem Weltraum und Kometen. Einer davon ist erst vor ein paar Tagen im März gesichtet worden, der andere beendet das Jahr im Dezember. Die Finnen polen sich auf die kosmischen Phänomene ein, und die Kundigen unter den Lesern werden bereits vermuten, in welche Richtung der Sound der E-MUSIKGRUPPE LUX OHR geht - genau: Ambient wie von Tangerine Dream oder auch elektronischer Krautrock kommt einem in den Sinn. „Kometenbahn“ lädt zur Tagträumerei ein, versetzt den Hörer in die Siebziger zurück – aber Obacht: diesmal keine Okkult-Rock-Retro-Schiene und so, sondern verträumter Space Rock, der sich stellenweise auf Gitarren und E-Bow, meist aber auf Synthesizern ausspricht. Klar ist, dass diese Art Musik stark von der Atmosphäre lebt. Bereits der ‚Prolog im Himmel‘ führt in die Weiten des Kosmos: Eine vom Vocoder verfremdete Stimme erzählt auf Deutsch vom Einstieg in kosmische Sphären. Weiter geht’s mit Melodien, die einem irgendwie verdächtig bekannt vorkommen, die jedoch so gut aufbereitet werden, dass es von wenig Bedeutung ist, ob dies nun Tangerine Dream auch schon geschrieben haben. Vorsicht: Dies soll nicht als Entschuldigung für ein Plagiat dienen, sondern vielmehr die Klasse der E-MUSIKGRUPPE LUX OHR zeigen. Ein Nachteil von „Kometenbahn“ ist sicherlich, dass die Musik recht speziell ist und nicht für jede Gelegenheit passend. Die Band tritt häufig bei Filmvorführungen und in Museen auf. Genau dort wird die Musik ihre Wirkung voll entfalten können. Da sie sehr elegisch und episch klingt, füllt sie den ganzen Raum mit Klangfläche aus. Bis auf die durch den Effektfilter gesandte Stimme bleibt die „Kometenbahn“ komplett instrumental. Dass es sich bei der E-MUSIKGRUPPE LUX OHR um ein Liebhaberprojekt handelt, sieht man nicht nur an der Veröffentlichungsart auf Vinyl, sondern auch an den verschiedenen Mitgliedern, von denen eigentlich nur der Gitarrist Kimi Kärki einen Metal-Hintergrund bei Reverend Bizarre und Lord Vicar besitzt. Zumindest auf einem Metal-Label wie Svart Records gibt es nur wenig Kosmische Musik, und für bezaubernd schöne Titel wie ‚Nachtgeist‘, ‚Durch den kosmischen Dunst‘, ‚Sonnenwind‘ und ‚Mythos‘ sollte es noch Extrapunkte geben. Das ist schon ziemlich verrückt schön, was die Finnen hier verbrochen haben.

Köln, Bürgerhaus Stollwerck

Datum: 14.03.2014

Besucher: ca. 200-300 Besucher

 

The one and only NSK-Collective aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana macht Station in Köln. Zeitgleich findet im großen Saal des Stollwercks eine Kabarettvorstellung statt. Parallelen sind zu erkennen – stehen doch LAIBACH vor allem für eine exorbitante Überidentifikation mit totalitären Regimen. Entsprechend stößt man im Publikum auf uniformierte Menschen – nicht unweit des anwesenden Rezensenten steht ein Skin und neben ihm ein junger Adlatus mit stilgerechtem Seitenscheitel, so ganz im 30er-Jahre-Chic. Weiter hinten wippt ein Metaller mit patchübersäter Lederkutte zu den Electronica-Stücken LAIBACHs mit. Eine Frau in Gothic-Korsage ist genauso anwesend wie ein Männerausflugsteam Mitte 50. Was bieten LAIBACH auf der Bühne in Köln, dass all diese Zuschauer voll zufrieden nach jedem Song stark klatschen?

Zunächst vor allem neue Stücke ihrer neuen Platte „Spectre“ – Mina Špiler sorgt durch ihren Gesang für eine Soundtransfusion der Jahrzehnte. LAIBACH erscheinen in Köln als eine seltsame, aber deshalb nicht weniger hippe Electro-Pop-Combo aus - sagen wir mal - London, die vor allem durch den Synthesizer und Soundmodulationen eine leichte Form der musikalischen Unterhaltung bieten. Sicher – Sänger Milan Fras raunt wie eh und je seinen Sprechgesang durch die Halle, sein scharfer Akzent in der englischen Aussprache hat sich keinen Deut geändert. Er steht für LAIBACH. Ohne den Keyboarder auf der rechten Seite der Bühne wäre der Auftritt der Slowenen zahnlos gewesen, denn er beeindruckt durch virtuoses Spiel, während im Hintergrund ein „Analog-Drummer“ für den nötigen rhythmischen Druck sorgt. Hinter diesem wiederum spielen die neuen slowenischen Künstler eine beeindruckende Videoshow ab. Viel marschierendes Stiefelwerk, tanzende Paare, Szenen aus der biologischen und zivilisatorischen Evolution, aber auch Symbole aus den Totalitarismen sind zu sehen. Im Verbund mit den präsentierten Stücken entsteht in dem Club eine Atmosphäre, die selbst durch wankende Väter um die 50 nicht gestört werden kann. Im Takt des Tanzes verschwimmen die Differenzen, und alle werden in der Überidentifikation vereint. Die Lautsprecher dröhnen keineswegs zu laut. Knapp zwei Stunden bieten LAIBACH beste Unterhaltung. In der Zugabe ziehen sie auch alte Kalauer wie ‚Tanz mit Laibach‘ heraus. Die beiden Tracks, die im Nazi-Trash-Film „Iron Sky“ aus Finnland zur Verwendung kamen, bringen sie selbstverständlich inklusive Filmaufnahmen auf der Leinwand auch. Hier zeigt sich das immer noch vorhandene Gespür der Band für eingängige Melodien – alle vier Mitglieder (ohne den Drummer) singen im Chor den Refrain.

Ein Konzert mit LAIBACH ist nie nur eine Musikveranstaltung – das künstlerische Konzept thront stets im Hintergrund, weil die Slowenen die Musik nicht allein des Sounds wegen auf die Bühne bringen. Sie verfolgen weitere Absichten. Über die Jahre nutzte sich diese Mission zumindest auf der Bühne ab. Die Ansagen – wie zum Beispiel „You are a fantastic audience!“ kommen von Band – LAIBACH machen sich über das Band-Zuschauer-Verhältnis auf eine Art und Weise lustig, die für die Gruppe einnimmt. Atmosphärisch war der Auftritt besonders dicht und das Künstlerkollektiv bzw. seine musikalische Ausformung ist nach wie vor eine Kraft, mit der man rechnen sollte als wäre sie ein Wintersturm, eine Feuersbrunst oder aber ein Hagelgewitter.

Text: Dominik Irtenkauf

Fotos: Nadine Segschneider

(c) 2012 www.legacy.de

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