LEGACY - The Voice from the Darkside

Switch to desktop

Thursday, 22 March 2012 07:18

 

Formloff

Written by 
Rate this item
(1 Vote)

Formloff - Der beste Ausdruck von Angst und Seelenpein

Aus den Abwässern Norwegens wieder aufgetaucht: Marius Sjøli und Bernt Karsten Sannerud, sie formieren unter FORMLOFF. Ja, nomen est omen oder Zufallsgenerator Black Metal, der aus einem wilden Mix für das Debüt „Adjø Silo“ (auf Audio Savant) „surrealen Black Metal“ produzierte. Marius stillte unsere Neugier, wie sich denn surrealer Black Metal anhört.

„Unser erstes Album von 2005 konnte so bezeichnet werden. Auf dieser Scheibe haben wir dem Black Metal alles Mögliche zugefügt, was wir finden konnten. Die progressiven Song-Strukturen wurden mit verschiedenen Synthesizer-Parts und Samples vermischt. Wir nahmen zum Beispiel Hundegebell auf und benutzten es als Solo. Doch im Gegensatz zu unserem Debüt wollten wir diesmal ein deutlich reduziertes Album konstruieren, welches Gefühle von Angst und Seelenqual transportieren sollte. Letztlich nahmen wir ein völlig unterschiedliches Album zum Debüt auf.“ Auf „Spyhorelandet“ lassen sich auch deutliche Noise Rock-Elemente in dem traditionellen Black Metal ausmachen, wobei dieser Black Metal nicht ganz so orthodox ist. Er ist nicht unterproduziert, aber auch nicht so pappdicht wie zeitgenössische Modern Metal-Releases. Es scheint also, dass Marius und Bernt Karsten bewusst diese Produktion gewählt haben. „Ja, nichts wird dem Zufall überlassen. Da wir zeitgleich an den Texten gefeilt und die Songs geschrieben und produziert haben, konnten wir sehr gut die Ästhetik und die Bedeutung der Lyrics mit der Aufnahme zusammenlaufen lassen. Ein Großteil des lyrischen Konzepts verlangt nach einer Produktion, die entsprechende Akzente bei der Gesangsaufnahme setzt. Da Bernt Karsten ein Soundtechniker ist und wir beide die letzten Jahre stark mit Musikproduktionen beschäftigt waren, konnten wir unsere Erfahrungen in unsere Vorstellungen vom Sound für dieses Album ziemlich exakt einsetzen.“

Auf die Noise Rock-Elemente, die der Legacy-Schreiber auf dem zweiten Album wahrnimmt, angesprochen, stimmt Marius Sjøli bedingt zu: „Dass das neue Album Noise Rock-Elemente besitzt, war keine Absicht. Absicht steckte allein dahinter, dass wir die Geräusche (Noise) bei der Aufnahme unverändert in unsere Produktion übernahmen. Sowohl die Geräusche der Gitarren-Abnehmer als auch der Verstärker und der Hammondorgel fügten dem Album eine raue Kante zu. Da das Thema des Album kein steriles ist, fragten wir uns, warum wir den Sound clean halten sollten. Wenn wir Musik kreieren, haben Genre-Überlegungen überhaupt keinen Platz bei der Komposition. Uns interessiert nur der musikalische Ausdruck, der unserem Konzept und was wir kommunizieren wollen, am besten dient. Wir haben für das neue Album die Elemente aus unserer musikalischen Erfahrung ausgewählt, die für uns am besten die Gefühle von Angst und Seelenqual darstellen. Wenn wir nun letztlich Noise Rock-Elemente in unserer Musik haben, dann ist dies allein unserem Konzept zu verdanken."

Was hat es dann mit dem Abtauchen der FORMLOFF-Mitglieder in die Abwässer Oslos auf sich? War es notwendig, in diesen „verunreinigten Gewässern“ (die Band spricht von „infested waters“) abzusteigen, um Material für das nun auf Eisenwald erscheinende Album zu sammeln? „Ein Großteil der Texte auf dem neuen Album basiert auf Bernt Karstens und meinen Lebensverhältnissen zu dieser Zeit. Wir lebten in europäischen Großstädten. Und wie jeder weiß, nimmt die Dichte der Tragödien mit der Fläche der Stadt zu. Und sie häufen sich mehr als in den ländlichen Gegenden, in denen wir aufwuchsen. In unseren Texten wurde Oslo zum Symbol dieses Elends und Leidens. Auf eine Weise können diese Städte einen ehrlichen Eindruck hinterlassen, weil viel von dem Leid für jeden sichtbar ist. Jedoch regt man nur in sehr seltenen Fällen überhaupt einen Finger. Ich denke, dass jeder Mensch mit einem Quäntchen Gewissen das unterstreichen wird. Es geht um das Elend, das wir sehen können. Wir haben diese Eindrücke als Inspiration für unsere Lyrics genommen. Zudem verarbeiteten wir lokale Geschichten. Einige der groteskeren Vocals auf dem Album erzählen diese Geschichten und wir haben sie gesanglich im Studio interpretiert.“

Damit verbindet sich auch die Entscheidung der Band, in ihrer Muttersprache Norwegisch zu singen. Im Black Metal ist das ja keine Novität, doch bei FORMLOFF scheint sich alles der Form unterordnen zu müssen. Marius führt die Motivation hinter der Muttersprache aus: „Da sich ein Großteil der Themen auf dem neuen Album um unsere Gesellschaft drehen und sich mit den Gesprächen beschäftigen, deren zufälliger Zeuge wir wurden oder die uns persönlich oder aus zweiter Hand erzählt wurden, war es für uns ein logischer Schritt, die Message in unserer Landessprache zu formulieren. Das mag für Menschen, die kein Norwegisch verstehen, nicht so klar sein, aber es hat uns in unserer Darbietung sehr geholfen, da wir uns leichter in die Bedeutung hinter jedem Wort versetzen konnten. Es kommt letztlich auf die Ästhetik hinter der Gesangsdarbietung an und wie sie am besten mit den Texten in Verbindung gebracht wird, um eine überzeugende Leistung zu erhalten.“ Entsprechend ist es auch alles andere als überraschend, dass für Marius die Herausforderung des Extreme Metal in der Weiterentwicklung liegt: „Meiner Meinung nach würden wir stillstehen und die Musik generell langweiliger werden, wenn niemand den Drang verspürte, neue Musik zu erforschen oder musikalische Formen zu verbinden. Obwohl ich nicht denke, dass wir uns darüber Sorgen machen müssen. Es wird immer Musiker geben, die immer wieder den alten Song  aufgreifen, und andere eben, die neue musikalische Gebiete erforschen. Und für beide ist genug Platz. Es geht mir letztlich bei unserer Musik nur darum, was ich ausdrücken möchte.“

Additional Info

(c) 2012 www.legacy.de

Top Desktop version