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PERZONAL WAR - Und täglich grüßt der Underground

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Seit nicht weniger als 16 Jahren mischen PERZONAL WAR nun schon lautstark die Underground-Szene auf, haben mit „Captive Breeding“ dieser Tage ihre siebte LP in den Startlöchern und bringen eigentlich alles mit, was man als Band für den finalen Schritt aus dem Schatten großer Genre-Flaggschiffe benötigt: eine treue Anhängerschaft, von Kritikern und Fans gleichermaßen viel gelobte Releases und ein über die Jahre, zumindest verhältnismäßig, stabiles Line-Up. Obwohl der Befreiungsschlag bis heute dennoch ausblieb, ist von Unzufriedenheit bei Shouter und Gitarrero Metti weit und breit keine Spur.

Es ist nicht nur alles eine Frage der Perspektive, sondern es kommt auch immer auf die Betonung an. Während die beliebte Feststellung, PERZONAL WAR seien so etwas wie die ewige Underground-Band, fast schon mit einem Hauch des Bedauerns daherkommt, sieht Matthias Zimmer es positiv: „Hey, immerhin s-i-n-d wir die ewige Underground-Band. Das schafft heute bei Weitem auch nicht mehr jeder!“ Und tatsächlich, von der Hand zu weisen ist diese, wenn auch mit einem Lächeln auf den Lippen, aufgestellte These nicht. Es ist schwer geworden, im Music-Business Fuß zu fassen, davon, mit Musik allein den Lebensunterhalt zu bestreiten, ganz zu schweigen. Viele, auch außerordentlich talentierte Bands, kommen heuer über den Proberaumstatus gar nicht mehr hinaus. „Wir hatten Glück, dass wir PERZONAL WAR gegründet haben, als wir noch jung waren und sehr viel Zeit für ein solches Projekt mitbrachten. So konnten wir uns unseren Status langfristig erarbeiten. Wenn wir heute, in unserem Alter, noch mal bei Null anfangen müssten, wäre das Ganze wohl komplett zum Scheitern verurteilt, und niemand würde auch nur Notiz von uns nehmen. Im Prinzip ist die Band ein Hobby wie jedes andere auch, nur der Anteil an Herzblut ist möglicherweise ein wenig größer.“ Damals, als Metti und seine Gefährten nach eigener Aussage noch jung und knackig waren, hätten sie einiges dafür gegeben, mit ihrer Musik den großen Wurf zu landen. Heute überwiegt die Freude darüber, sich nicht verbiegen zu müssen und das eigene Ding durchziehen zu können. „Klar, Unterstützung, etwa durch dein Label, brauchst du so oder so, aber ein Unterfangen wie PERZONAL WAR bedeutet auch viel Freiheit, da uns eben keine millionen von Leuten auf die Finger schauen und jede Note im Munde umdrehen“, bilanziert Matthias.

Selbstbestimmung hat folglich ihren Preis, ebenso wie die Befreiung aus dem latent festgefahrenen Untergrund, denn: Der Weg aus der Krise, die eigentlich keine ist, wäre auf dem Papier denkbar einfach, das weiß auch Metti. „Man müsste einfach mal eine Tour mit einer richtig großen Band machen. Leute kennen wir genug, an den Connections scheitert es nicht. Häufig ist es auch so, dass du die Zusage für eine solche Zusammenarbeit schon in der Tasche hast. Bestand hat diese allerdings nur solange, bis eine andere Band daherkommt, die sagt, sie will auch auf den Zug aufspringen und als kleines Bonbon noch 10.000 Euro Trinkgeld auf den Tisch legt!“ An dieser Stelle ziehen PERZONAL WAR den Kürzeren, denn für ein nebenberufliches Unterfangen kann keines der Member mal eben einen dicken Batzen Kohle auf den Grill werfen. Dafür fehlen einfach die finanziellen Mittel. Die Frage, die sich eine Band vom Status der Westfalen zwangsweise des Öfteren stellt, ist nämlich nicht, wie viel Geld mit dem musikalischen Hobby verdient wird, sondern ob überhaupt am Ende schwarze Zahlen auf dem Papier zu verbuchen sind.

Chemical Romance

Zum Ponyhof geht es also unwiderruflich in die andere Richtung, aber sich über die Situation zu beklagen, ist definitiv nicht Mettis Art. „Wir haben nach wie vor unheimlich viel Spaß an der Sache. Das ist nur möglich, wenn du ein solches Ding mit Freunden aufziehst. Ich könnte mir im Leben nicht vorstellen, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann, nur der Musik und des davon erhofften Profits wegen!“ Dass es kurz vor Release von „Captive Breeding“ einen Line-Up-Wechsel zu vermelden gab, widerspricht dieser Aussage nicht im Geringsten. Der langjährige Gitarrist der Band Daniel Düring ging, um sich voll auf seinen Job als Lehrer konzentrieren zu können, und Andreas Ballnus, der für PERZONAL WAR kein Unbekannter war, kam. „Ganz klar, wir hätten uns gewünscht, dass Daniel bei uns bleibt. Dass man irgendwann andere Prioritäten setzt, ist allerdings nur verständlich und vollkommen nachvollziehbar. „Captive Breeding“ hat er noch eingespielt, und wenn du mich fragst, klingt es mörderisch gut.“ Da das neue Album bereits im Kasten war, schmerzt Daniels Weggang wenigstens nicht doppelt, und der neue Saitenzupfer Andreas hat noch genug Gelegenheit, sich in die Materie einzuspielen. Dass Vorgänger und Nachfolger bereits gemeinsam in einer Band spielten, war bei der Suche nach einem Ersatzmann mehr als ausschlaggebend. „Wir alle kannten Andreas bereits lange vorher und wussten, dass er ein netter Kerl ist und die Chemie zwischen uns stimmt. Deswegen haben wir uns gar nicht anderweitig umgesehen, sondern ihn direkt gefragt, ob er bei uns einsteigen möchte. Das wollte er glücklicherweise, und nun sind wir guten Mutes, in dieser Konstellation auch wieder langfristig nach vorne planen zu können“, beschreibt Metti den für eine Band niemals einfachen Stellungswechsel.

Stilsicher ohne Zielgruppe

Der Blick nach vorne geschieht bei PERZONAL WAR also mit einem Lächeln auf den Lippen, die Veröffentlichung von „Captive Breeding“ wird gleichermaßen ent- und gespannt erlebt. „Obwohl sich der Markt verändert hat und zunehmend auch jüngere Gesichter auf unseren Konzerten zu entdecken sind, ändert das nichts an unserer Strategie. Eine solche haben wir nämlich gar nicht. Sicher, Social Media wie Facebook etc. gehört heute einfach dazu, aber dass wir gezielt Wege einschlagen, um ein jüngeres Publikum zu akquirieren, ist einfach nicht unser Ding.“ Ohnehin sieht Metti das Interesse der heranwachsenden Generation nicht unbedingt im Erwerb von auf CD gepresster Musik: „Es gibt so viel, wofür die Kids heute ihr Geld ausgeben können, man hat noch mehr als früher die Qual der Wahl. Junge Leute davon zu überzeugen, dass es unheimlich cool ist, ihr Taschengeld ausgerechnet für unseren Silberling und nicht etwa eine von unzähligen Blu-rays auszugeben, ist da nicht die leichteste Aufgabe.“ Zumal es PERZONAL WAR nicht gerade leicht fällt, eine konkrete Zielgruppe für ihr Schaffen auszumachen. Die Hauptsache ist ohnehin, irgendwem gefällt die neue Scheibe, wem, ist da erst einmal zweitrangig. Metti jedenfalls ist zufrieden mit seinem jüngsten Werk. „Wir hatten Lust darauf, sehr technisch zu Werke zu gehen und konnten mit Daniel, der einfach unglaublich gut ist bei dem, was er macht, so richtig die Sau an den Saiten rauslassen. Sein Spiel hat uns alle unglaublich motiviert. Es gibt dir ordentlich Antrieb, wenn du einen Gitarristen in der Band hast, der dich selbst gleich fünf Mal in Grund und Boden spielt. Ich glaube, „Captive Breeding“ hat eine gute Langzeitwirkung, denn die Scheibe ist zwar einerseits schön heavy geworden, andererseits haben wir sehr viele starke Melodiebögen eingespielt, die das Ganze zu einer ausgewogenen Geschichte machen.“

Die in jüngerer Vergangenheit von den Kritikern gelobte Emanzipation des ganz eigenen PERZONAL WAR-Stils war bei Entstehung des Albums kein von außen auferlegtes Druckmittel, denn auch hier greift wieder das Thema der Freiheit. „Wir haben unsere Einflüsse, damals wie heute, Musik die wir selbst gut finden und die uns deshalb inspiriert. Wie wir selbst konkret klingen und mit wem sich das vergleichen ließe? Das kann ich selbst nach angestrengtem Nachdenken kaum sagen. Wir sind zufrieden mit dem Album und hoffen, dass es nicht nur uns selbst gefällt. Alles andere ist nebensächlich.“ Schlecht wäre es also nicht, so sich der eine oder andere Abnehmer für die neue Scheibe der Power-Thrasher aus Nordrhein-Westfalen fände, denn nachdem man auf „Captive Breeding“ stolze vier Jahre hat warten müssen, gibt es in naher Zukunft eine definitiv höhere Dosis PERZONAL WAR für Fans und diejenigen, die es noch werden wollen. „Zunächst peilen wir mit befreundeten Bands einen Tourstart im Herbst an, wobei noch keine konkreten Namen feststehen. Allerdings“, verrät Metti, „haben sich inzwischen bereits so viele neue Ideen gesammelt, dass, vorausgesetzt alles läuft gut, wir bereits im kommenden Januar zurück ins Studio gehen und mit den Aufnahmen für das nächste Album beginnen.“ Kapitulation sieht definitiv anders auch. Ob die Reise nun in den Olymp der geballten Metal-Größen geht, oder ob eine weitere Ehrenrunde im musikalischen Untergrund bevorsteht, PERZONAL WAR sind guter Laune und gewappnet für alles, was da kommt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt und unsere Motivation stimmt“, fasst Metti zusammen. Und sollte auch morgen wieder das Murmeltier grüßen, so nimmt auch das der Band nicht den Spaß an der Sache. Im Gegenteil, schließlich SIND PERZONAL WAR die ewige Underground-Band. So und nicht anders, soll’s sein!

 

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