LEGACY - The Voice from the Darkside

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TESTAMENT

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Der Boden der Tatsachen

Die Thrash-Veteranen TESTAMENT zeigen Vertrauen in die Erde und benennen ihre neueste Produktion nach dem, worauf wir gehen und stehen. Für Chuck Billy ist „Dark Roots Of Earth“ mehr als nur ein musikalisches Konzept. Es stellt die Suche nach sich selbst dar, und für den kräftigen Sänger begann diese bei der Urbevölkerung Amerikas.

 

Nach vielen Jahren im Zeichen des Thrash Metal wollen TESTAMENT wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren. Passend dazu soll mit „Dark Roots Of Earth“ ein bodenständiges Album veröffentlicht werden. Der mächtige Vorgänger „Formation Of Damnation“ schraubte seit 2008 die Erwartungshaltungen dafür gewaltig nach oben. Sänger Chuck Billy verspricht deshalb ein geradliniges Album, das vom Zusammenhalt der Bandmitglieder getragen wird. „Die Zusammenstellung und das Fine-Tuning des Albums haben ein gutes Jahr gedauert. Es handelt sich definitiv um ein Album, das uns als Freunde und Bandmitglieder zusammen schweißt. Alex, Greg, Eric und ich stellen fast wieder das originale Line-Up dar.“ Ein Line-Up in dieser Form bildet den Grundstein für Konsens und Vertrauen in die Gruppe. „Ich glaube, wir haben einen guten Punkt gefunden, wo wir uns alle wohlfühlen mit dem, was wir spielen. Auf einigen letzten Alben, die wir gemacht haben, hatten wir noch nicht das Selbstvertrauen oder die Eier, eine Ballade oder so was zu schreiben. Dieses Jahr gab‘s da keine Überlegungen. Es fühlte sich einfach gut an, die Songs zu spielen, also machen wir‘s doch.“ Dass TESTAMENT schon immer ihr Ding durchgezogen haben, dafür spricht das jahrelange Bestehen der Band. Während dieser Bandgeschichte musste sich die Combo jedoch mit zahlreichen Besetzungswechseln abfinden, und auch diesmal ging es in Sachen Line-Up nicht unproblematisch zu. „Bostaph (Paul, ehem. Drummer - Anm. d. Verf.) hatte sich vor etwa einem halben Jahr verletzt. Wir wussten nicht, was nun passieren würde, und als es ihm dann besser ging, entschied er, dass er nicht zu TESTAMENT zurückkehren würde. Er startete sein eigenes Projekt. Zu dieser Zeit hatten wir schon die meisten Songs ausgearbeitet, und dann haben wir einfach ein paar Drummer angerufen. Wir meldeten uns bei Dave Lombardo, Gene Hoglan, und auch Chris Alder war ein Name, der uns durch den Kopf gegangen ist. Gene kam schließlich zu uns, probte eine Woche lang, und in etwa 18 Tagen vervollständigte er das komplette Album. Ein Profi eben.” Auch gesundheitliche Tiefschläge einiger Mitglieder führten nicht zur Stagnation der Band. Alles muss sich weiterdrehen und fortentwickeln. Stillstand oder sich auf Lorbeeren vergangener Tage auszuruhen, kommt für Billy nicht in Frage. „Wir haben bestimmt kein zweites “Formation Of Damnation” gemacht. Ich glaube, bei TESTAMENT ging’s immer schon darum, die Dinge anders zu machen. Bei der Produktion der neuen Scheibe haben wir zum Beispiel verschiedene Gesang-Mixings ausprobiert. In der Vergangenheit wirkten viele Effekte auf meine Stimme, und für dieses Album wollten wir davon ein bisschen Abstand nehmen. Ich glaube, man hört jetzt mehr von dem, was ich singe und versteht die Wörter besser als früher. Diese gesangliche Klarheit unterstützt auch die Gitarren und den Sound. Alles darauf hört sich einfach gewaltig an.“ Nicht nur die musikalische Umsetzung, auch die Lyrics und Themen der Songs sind gut durchdacht. So ist beispielsweise ‚True American Hate‘ an die Folgen des 11. Septembers angelehnt und erzählt über Zustände, mit denen sich der Sänger nicht einfach so abfinden möchte. „Nach 9/11 haben wir übers Fernsehen und die Nachrichten Bilder von Kindern in anderen Ländern bekommen, die auf offener Straße Gewehre tragen, in die Luft schießen und dabei amerikanische Flaggen verbrennen. Das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Wie können Eltern ihren Jüngsten nur so viel Hass beibringen? Ich habe mich gefragt, wie die Kinder meiner Enkel so eine Welt wahrnehmen werden. Genau hier setzt ‚True American Hate‘ an.“ Auf Probleme aufmerksam zu machen und Missstände aufzuzeigen, ist also ein Anliegen der Band. Unterhaltung und Bewusstseinsförderung können dabei Hand in Hand gehen, und die Mitglieder von TESTAMENT haben einiges, worüber sie gern sprechen würden. Der ausdrucksstarke Titel „Dark Roots Of Earth“ vermittelt dabei das lebhafte Bild eines ersehnten Urzustandes. In diesem Zusammenhang denkt der Sänger viel über die eigene Herkunftsgeschichte nach. “Für mich ist es, als ob wir zu unseren Wurzeln zurückkehren würden. Viel von dem, worüber wir sprechen, handelt von unserem Planeten, der Erde und was darauf so abgeht. Ich bin ein Ureinwohner, und als ich 2001 krank wurde, wollte ich zu meinen Wurzeln zurückfinden. Und die Ureinwohner stellten dann meine Kultur dar und halfen mir, mich physisch und mental von der Krebserkrankung zu erholen. Ich habe einige Techniken gelernt, um mich selbst wieder auf den Boden zu bringen, zur Erde zu finden und zu versuchen, meinen Tumor zu verkleinern. Es geht sehr um den Glauben daran, dass Dinge passieren und funktionieren. Also schien es passend, als Eric den Titel „Dark Roots Of Earth“ vorschlug. Die Erde ist etwas, das mir sehr geholfen hat, und es ist etwas, woran ich glaube.“ Auch das erste Video des Albums handelt von dieser Thematik. Dementsprechend begeistert zeigt sich Billy vom Videodreh zu ‚Native Blood‘. Der Clip wurde in einem Reservat im Norden Kaliforniens abgedreht. “Wir hatten uramerikansiche Tänzer und Leute, die Zeremonien durchführten. Um das Video zu machen, haben wir die ganze Community, Teile des Stammesrats und die Kinder zusammengebracht. Die Feuerwehr, die Polizeiwache, einfach jeder hat uns geholfen. Es war großartig, und für den Song ‚Native Blood‘ passte es perfekt.“ Auch textlich und inhaltlich dreht sich hier alles um die einheimische Bevölkerung. „Die Geschichte dreht sich um ein indianisches Kind, das nicht viel spricht, aber die Umgebung um sich genau wahrnimmt. Schließlich, wenn das Kind älter wird, traut es sich, lauter zu werden, und erkennt, dass es etwas zu sagen hat. Ich mag die ganze Story irgendwie.“ Die Zusammenarbeit sowie der Erfolg der Band zeigt sich im Konsens über persönliche Themen. Mit Zuversicht und Selbstvertrauen begeben sich die Thrasher nun zu ihren gemeinsamen Wurzeln zurück. Chuck Billy, der gerade seinen 50. Geburtstag feiern durfte, blickt der näheren Zukunft, und vor allem der Bühne, freudig entgegen. „Wir haben ein gutes Gefühl, was das Album angeht. Wir warten nur noch darauf, unsere Sachen zu packen und auf Tour zu gehen.“

 

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