LEGACY - The Voice from the Darkside

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Saturday, 28 April 2012 02:00

 

Weverin

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Mit „The Skeletons Of Fallen Angels” veröffentlicht die New Yorker Black-/Death-Formation WEVERIN ihr viertes Album, das ganz in der Tradition früher Mayhem und Tormentor steht. Amerika gilt nicht nur als Land der unbegrenzten Möglichkeiten (die in der Realität aber schnell Restriktionen erfahren), sondern auch der großen Weite und mithin Entfernungen. Dass eine Band, deren Mitglieder allesamt tausende Kilometer entfernt leben, trotzdem funktioniert, beweisen WEVERIN, deren Kopf Harp (Gitarre und Bass) sich mittlerweile in New York niedergelassen hat. Sänger Buer, der auch als Frontmann von Gorlock und Biochaos fungiert, residiert in Florida, während das dritte Band-Mitglied, Drummer Lord Sxuperion, im sonnigen Kalifornien den dunklen musikalischen Obsessionen frönt. Trotz der unzähligen Meilen spielte das Trio seit der Gründung 2005 vier Longplayer und zwei EPs ein. Musikalisch oft als Black/Death Metal klassifiziert, spielen WEVERIN einen beklemmenden Sound, der an frühe Mayhem oder Tormentor (Ungarn) erinnert. Roh und unterkühlt, mit stellenweise bewusst unterdrückter Aggression, die jedoch latent durch die Boxen wabert. Fanden sich auf dem zweiten Album „Artery Chapter“ (2006) noch Songs, die zwischen Nihilismus, Leere und Todessehnsucht schwebten, gehen die Stücke der letzten Jahre deutlicher in Richtung Teufelsanbetung und der süßen Lust am Bösen. Sänger Buer, der für Lyrics und inhaltliche Konzepte verantwortlich ist, empfiehlt als Grundvoraussetzung für Adepten okkulter Praktiken durchaus die Kenntnis der Werke des Königsberger Philosophen Immanuel Kant, dreht aber einen Videoclip zum Song ‚Praise Murder‘ aus dem aktuellen Album, das die rituelle Folterung und Abschlachtung eines Mannes zeigt. Die Frage, ob das satanische Image der Band Netz und doppelten Boden aufweist, mithin allegorisch verstanden werden kann, verneint Harp: „Den Teufel anzubeten, hat keinen metaphorischen Aspekt. Es geht um keine Form von Gesellschaftskritik. Satanismus bedeutet Freiheit. Die ungezügelte Befreiung ist ohne Frage das Chaos respektive das Böse in seiner reinsten Form.“

Wobei auf die Frage, wie es sich dann mit dem vermeintlichen Gegenpart, der Religion, verhält, durchaus eine gesellschaftspolitische Komponente ins Spiel kommt. „Grundsätzlich scheiße ich darauf, was jemand glaubt. Religionen und Institutionen, die Menschen zu kontrollieren versuchen: wunderbar! Lass sie dummen Schafe unterjochen, wenn diese es wollen. Was mich aber wirklich aufregt, ist, wenn Anhänger einer Religion anderen Menschen, die damit nichts anfangen können, vorschreiben, wie diese zu leben haben“, empört sich Harp. „Allerdings passiert das ja auch umgekehrt. Die Säkularisierten machen die Gläubigen fertig. Beide Gruppen sollten aufhören, andere zu bekehren und sich um ihren eigenen Kram kümmern.“ Harp versteht sich als Anhänger der klaren Worte. Für die musikalische Kultur seiner Heimat New York hat er nur Verachtung übrig. Er verweigert sich der hiesigen Metal-Szene komplett. „Hier gibt es nur einen Haufen Flachzangen, die die Jeans ihrer kleinen Schwestern tragen. Dazu am besten die grässlichen Kunstleder-Westen, auf denen sie stolz Aufnäher spazieren führen, die ihre Schlampen da angebracht haben, weil sie selbst zu hirntot dafür sind. Auch die ganzen Bands sind schrecklich, kopieren noch immer New Metal-Bands oder klingen wie In Flames-Epigonen. IchhasseNewYork!Übrigens ist Conneticut keinen Deut besser. Die dortigen Bands ahmen auch nur diese verfluchten MetalCore-Combos nach. Vollkommen langweilig.“

Konsequenterweise spielten WEVERIN nie in der Ostküstenmetropole, sondern traten bisher nur in Los Angeles auf. Die Entfernung zwischen den einzelnen Band-Mitgliedern stellt nicht den einzigen Aspekt dar, der Live-Gigs erschwert. „Ich gehe zwei Jobs nach, um zu überlegen, und studiere zusätzlich noch“, stöhnt Harp. Da bleibt nicht mal mehr Zeit für das zünftige Teufelsanbeten. „Glaub mir, die einzige Freizeitbeschäftigung, der ich mit Leidenschaft nachgehe, ist Schlafen.“

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