LEGACY - The Voice from the Darkside

Switch to desktop

Saturday, 28 April 2012 02:00

 

Weird Fate

Written by 
Rate this item
(1 Vote)

Nicht einmal das Nichts

Deutschem Black Metal haftet immer noch, hin und wieder, der Makel des Unterklassigen an: wenig Inspiration, aber dies im Überfluss. Dazu null Glaubwürdigkeit. WEIRD FATE, seit elf Jahren im Geschäft, sind die natürlichen Antagonisten des Qualitätsverfalls und haben mit „The Collapse Of All That Has Been“ ein bemerkenswertes Debüt vorgelegt.

Geklärt werden muss zunächst das Wesen der Band - auffällig sind die personellen Überschneidungen bei WEIRD FATE und Membaris, wobei letztere ungleich aktiver sind, was Veröffentlichungen angeht. „Wir versuchen, Musik zu erschaffen, die losgelöst von den Individuen, die sie machen, existiert. Im Prinzip spielt es daher keine Rolle, wer sie erschafft. Wir sind jedoch seit über zehn Jahren sehr gut mit Membaris befreundet und schätzen ihre Musik sehr. So kam es auch dazu, dass wir uns nach dem Fehlen eines Gitarristen bei Membaris und dem Ausscheiden des Bassisten von WEIRD FATE gegenseitig aushalfen. WEIRD FATE und Membaris prägt eine tiefe Verbundenheit, es sind aber auf jeden Fall beides eigenständige Bands.“ Pragmatisch gibt sich die Band nach allen Hindernissen vor Veröffentlichung des Albums; schließlich betont das Promoblatt, eigentlich sei „The Collapse Of All That Has Been“ schon Ende 2010 fertig gewesen. „Sicherlich ist es schade, dass wir das Album nicht zeitnah zur Fertigstellung veröffentlichen konnten. Wir selbst haben jedoch auch im Entstehungsprozess der Musik Zeit und Raum gegeben, um sie reifen zu lassen. Es ist nicht weiter tragisch, dass es mit dem physischen Release des Albums etwas gedauert hat. Nach der Label-Suche wollten wir eigentlich Anfang 2011 das Release bei Cold Dimensions machen, was aber aus verschiedenen Gründen leider nicht ganz geklappt hat. Wir sind froh, nun mit Cold Dimensions eine gelungene Zusammenarbeit gestartet zu haben, so dass es im Endeffekt auch keine Rolle mehr spielt, welche Jahreszahl dort steht.“

Oder was das Booklet sonst so hergibt. Minimalistisch gehalten, geht es WEIRD FATE offenbar eher um Atmosphäre als um Information. „Wenn du mit deiner Frage darauf anspielst, dass keine Personenfotos enthalten sind, können wir dir nur sagen, dass diese Musik mit dem Artwork für sich stehen soll – alles andere ist nebensächlich und lenkt nur von der Aussage ab. Der Titel „The Collapse Of All That Has Been“ steht für den ultimativen Zusammenbruch. Das Artwork ist minimalistisch, ästhetisch und beschwörend. Es zeigt das, was durch uns pulsiert, uns am Leben erhält und die Musik zum Leben erweckt. Der im Artwork zu sehende, entrinnende Strom von Lebenskraft geht in die Musik über und bringt das zu Hörende hervor.“ Zu hören ist Spannung aus einem Guss: Wirkt das Album im ersten Teil technisch, wird es nach hinten immer epischer und schleppender. Fast scheint es, als erzähle es eine Geschichte. Mit Neubeginn nach dem Kollaps? „Die Texte hängen zusammen und ergeben zusammen ein Ganzes, so wie sie im Booklet angeordnet sind, aber auch in der Reihenfolge, wie die Songs auf der CD zu hören sind. Eindrücke und Erlebnisse sind genau das, was wir weitergeben möchten. Dieser Kollaps hat keinen Neubeginn. Alles bricht zusammen! Wie kann man dann von einem Neuanfang sprechen oder sich diesen vorstellen, wenn als Grundlage noch nicht einmal die Vorstellung von Nichts und Alles existiert, geschweige denn überhaupt Begriffe an sich existieren?

Es gibt dann noch nicht mal das Nichts, weil es erstens von uns gedacht werden muss, und zweitens, weil ein Lebewesen, das zu komplexem Denken in der Lage ist und somit Vorstellungen und Worte, die das Etwas, das Sein an sich, das Nichts und das Alles auch nur im Ansatz und auf kläglichste Art beschreiben kann, nie eine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft gehabt hätte.“

Wer hier nicht mehr mitkommt: „Sein und Zeit“ von Heidegger liefert die Antwort. Auch mit Romantik haben WEIRD FATE nichts am Hut: sie „nichten“. „Der Zusammenbruch von Allem hat nichts mit Romantik zu tun… Der Versuch, sich den Moment des Zusammenbruchs vor das geistige Auge zu führen, lässt erschauern, denn es sind unfassbare Ausmaße der Vorstellung.“ Damit zur technischen Seite: Dass praktisch alle Songs Überlänge haben, könnte sich als Hindernis für Live-Aktivitäten erweisen. „Wir versuchen auch live, die Atmosphäre von Anfang bis Ende zu halten, um dem Hörer die Chance zu geben, in die Klangwelten einzutauchen - was durch wenige Pausen natürlich unterstützt wird.“ Vergleiche mit Bands wie Drautran und Nagelfar lassen WEIRD FATE kalt. „Interessant, dass dir gerade diese beiden Bands in den Sinn kommen. Das haben wir vorher nie so gesehen. Vergleiche sind unserer Meinung nach aber immer etwas schwierig. Es gibt sicher bei beiden Bands Elemente, die sich bei uns wiederfinden lassen. Genauso wird man aber Unterschiede finden, die unsere Musik klar von beiden Bands abgrenzen.“

Ebenso wenig vermag die Diskussion satanischer Weltbilder die Band zu kitzeln. „Wir wollen uns nicht über die Musik anderer auslassen – um es mal mit Andis Worten zu sagen: 'Musik machen und die Fresse halten'! Das Maul zerreißen und sich mit markigen Aussagen profilieren, kann jeder – tiefe und ergreifende Musik machen nicht. 'The collapse of all that has been' bezieht sich aber nicht auf Black Metal. Es ist die vertonte Erkenntnis des kleinen und des großen Scheiterns.“ Damit zur Zukunft - oder zum Ende, um bei WEIRD FATE zu bleiben. „Es ist einiges im Wandel, und wir zelebrieren den nächsten Schritt hinunter. Wir arbeiten intensiv an dem Material des nächsten Albums. Wann wir mit den Aufnahmen beginnen, ist schwer abzuschätzen. Auf jeden Fall sind wir selbst extrem gespannt, wie sich die Songs entwickeln. Wir wollen in der nächsten Zeit definitiv einige Konzerte spielen und das Album live präsentieren. Konkret geplant ist jedoch bisher nichts. Vielen Dank für das interessante Interview!“

Additional Info

More in this category: « Weverin Watain »

(c) 2012 www.legacy.de

Top Desktop version