LEGACY - The Voice from the Darkside

Switch to desktop

Andreas Schiffmann (AS)

Andreas Schiffmann (AS)

Website URL:

SUPURATION - “Reveries”

Monday, 13 April 2015 12:40 Published in News

Diese fragwürdige Geschichtsstunde als neues Album zu bezeichnen, ist vermessen, zumal SUPURATION schon lange nichts wirklich Neues mehr gemacht haben, sondern Altes in “aufgefrischter” Form wiederkäuen. “Reveries” bietet nun frühe Demo-Stücke in neu aufgenommenen Fassungen, die den schnöden Death Metal-Hintergrund der später recht wagemutigen Franzosen hervorheben. Man muss die frühen 1990er zu schätzen wissen, um Tracks wie ‘Avoid The Contamination’ oder ‘Tales From The Crematory’ mit ihren Allerwelts-Riffs, dem vordergründigen Midtempo und willkürlichem Grunzen zu mögen. Melodischer Schmiss findet sich auch in den Updates nur mit der Lupe, und insgesamt herrscht experimentierfreie Zone, weshalb sich Fans der neueren SUPURATION hier enttäuscht zeigen dürften. Wenig Mehrwert bei dieser zwielichtigen Sache: Covers von Twisted Sisters’ ‘The Beast’, Anthrax’ ‘Among The Living’ und Paradise Losts ‘Shattered’, das der frühen Stilistik der Band (höre insbesondere den Doom Deather ‘Ephemeral Paradise’) am ehesten gerecht wird. Braucht man nicht. (AS)

SEREMONIA - “Kristalliarkki”

Monday, 13 April 2015 12:39 Published in A-Z

Wer glaubt, die Finnen würden mit ihrem dritten Album leichter verdauliche oder schneller in eine Schublade schiebbare Musik spielen, irrt gewaltig. Immer noch pendeln sich SEREMONIA nur schwerlich zwischen Doom, Garage Rock und kauzigem Psych ein, ohne augenscheinliche Vergleichspunkte zuzulassen, doch zumindest verzeichnet “Kristalliarkki” gegenüber seinem monochromen Vorgänger etwas buntere und vor allem generell mehr sofort zündende Stücke. Dazu zählen auch das rhythmisch Hakenschlagende ‘Tee Mitä Tahdot’, demgegenüber der umso schneller zugängliche Antreiber ‘Lusiferin Lapset’ sowie das erhaben orgelnde ‘Jokainen Askel’. Mit dem viertelstündigen Titelstück reicht die Gruppe zudem waschechten Kraut Prog mit Holzgebläse ein, der Freaks mit den Ohren schlackern lässt. Sicher, man muss mit dem widerborstigen, irgendwie schrägen Gesang von Noora Federley klarkommen, um SEREMONIA zur Gänze schätzen zu können, aber hat man sich daran gewöhnt, kann diese Band beziehungsweise dieses Album süchtig machen – gerade bei allzu viel glattem Zeug unter den Bannern “female fronted”, “occult” und “retro”. (AS)

Der Erfolg von STEVEN WILSONs aktuellem Album in den weltweiten Charts erinnert wieder an mehrerlei: Ja, Tonträger werden noch gekauft (und überteuerte Shirts wie heute an der Merch-Theke), und immer mehr Musiker müssen sich einen geschrumpften Kuchen teilen. Von den im Vergleich zu den goldenen Jahren des Business eben nicht gigantischen Absatzzahlen allein hält sich der Prog-Gott wider Willen nicht über Wasser, und wer weiß, inwieweit sich Tourneen selbst vor ausverkaufter Halle wie heute mit so toller Videoshow, 5.1-Sound sowie einer Spitzenband wie dieser monetär lohnen? Nein, der Brite begründet seine Existenz längst aus mehreren Standbeinen, etwa der Arbeit mit Kscope und als Produzent – vor allem aber natürlich durch einen über die Jahre gereiften Stil, den man live trotz monströser Artrocker (das verstörende ‘Index’) in der Tat über große Melodien (‘Harmony Korine’, ‘The Raven That Refused To Sing’) und Emotionen statt durch verkopfte Kälte definiert. Dafür steht der Bandleader selbst, der barfuß mit schulterlangem Haar und Brille immer noch auf seine Gitarre eindrischt wie ein zu spät gekommener Grunger, genauso wie seine Truppe – der stille Gitarrenvirtuose Guthrie Govan mit seinem gleichsam ungekünstelten Pendant Adam Holzman an den Synthesizern, Bassist und Stickist Nick Beggs, der nebenbei singt, als gehe es um sein Leben, und Drummer Marco Minnemann, an dessen Spiel auch Gehörlose erkennen, dass ihm jeder einzelne Schlag diebische Freude bereitet. Passend zum XTC-Shirt lautet sein O-Ton (nicht nur) heute dann auch sinngemäß: “Man bringt mich gemeinhin mit der Musik der Sechziger und Siebziger in Verbindung, aber ich bin ein Kind der Achtziger.”

WILSON bringt selbstverständlich viel von “Hand. Cannot. Erase.”, quasi die verdichtete Essenz des Konzepts in Begleitung stimmungsvoller Bilder, die nie zur großspurigen Stadionrock-Farce ausarten wie zum Beispiel trotz aller Liebe bei den Säulenheiligen Rush; dies verwebt er jedoch geschickt mit thematisch passendem Stoff aus dem Backkatalog von Porcupine Tree (‘Lazarus’) und den älteren Solowerken (‘Insurgentes’, ‘Sleep Together). Das Ganze dauert rund zwei kurzweilige Stunden, klingt atemberaubend, sieht klasse aus und bereitet vom jungen Opeth-Fan bis zum alten Proggie im Anzug jedem Spaß. Wer noch nicht erkannt hat, das STEVEN WILSON kein Held für eine elitäre Masse ist, der immerzu revolutionieren und erneuern muss, hat im Moment wahrscheinlich die beste Gelegenheit dazu, dies nachzuholen. Gut zu wissen, dass es Musik mit Herz und Anspruch auch heute noch schafft, ihre Zeitlosigkeit dank Massentauglichkeit zu zementieren – darum ist dieser Künstler gerade mit Recht in aller Munde und ungeheuer wichtig.

 

Setlist

First Regret/3 Years Older

Hand Cannot Erase

Perfect Life

Routine

Index

Home Invasion

Lazarus

Harmony Korine

Insurgentes

Ancestral

Happy Returns

---

The Watchmaker

Sleep Together

Sectarian

---

 

The Raven That Refused To Sing

IN THE NAME OF THE SON – SPRICH DEIN GEBET

Friday, 20 March 2015 17:37 Published in Multimedia-News

Wohin heitere Religionskritik in Bildern führen kann, hat man in Frankreich jüngst allzu schmerzlich erfahren, und auch wenn der Belgier Vincent Lannoo (“Vampires”) mit seiner derben Satire IN THE NAME OF THE SON, die zu Hause siebenfach für die Filmauszeichnung Magritte nominiert wurde, ausschließlich auf den Katholizismus abzielt, bleibt dem Zuschauer das Lachen mitunter im Halse stecken, und das ist wohl durchaus so beabsichtigt.

(c) 2012 www.legacy.de

Top Desktop version