LEGACY - The Voice from the Darkside

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Andreas Schiffmann (AS)

Andreas Schiffmann (AS)

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Was ist besser als ein Abend voller Metal-Nostalgie zu Ostern, denkt man sich im Vorfeld und muss sich tatsächlich vom Headliner enttäuscht sehen, aber greifen wir der Dinge nicht vor…

 

Als man sich bei mildem Wetter und vertretbaren Eintritt- wie Merchandise-Preisen im coolsten Club des Großherzogtums einfindet, füllt sich der Saal zügig, und bald legen ohne viel Federlesen POEM los. Ihr aktuelles Album und Label-Debüt “Skein Syndrome” genießt vor dem selbst finanzierten “The Great Secret Show”-Einstand der Gruppe Priorität, doch in ihrem bisherigen Katalog nimmt kein Stück dem anderen sonderlich viel: Die Griechen rollen recht originell auf der neuen Prog-Welle mit und haben mit Gitarrist George einen Frontmann in ihren Reihen, der vom einfühlsamen Opener ‘Passive Observer’ an um sein Leben zu singen scheint und bisweilen zwar fast übermotiviert anmutet, aber wie auch der Rest seiner Mannschaft vollends überzeugt. Das gebotene Material ist komplex und im Falle des Vorzeigestücks ‘Fragments’ regelrecht entrückt, aber dennoch nicht uneingängig, und dürfte der Band dank zwingender Performance einige neue Fans beschert haben, als sie nach dem irren Trip ‘Remission Of Breath’ die Bühne verlässt.

TEXTURES müssen dann ohne ihren krankheitsbedingt aussetzenden Sänger Daniel antreten, der sich vor dem Auftritt entschuldigt, und spielen ein gekürztes Set – aber was für eins! Die Handvoll Songs wird mit ‘Drive’ eröffnet und verzeichnet in puncto Energie keinerlei Einbrüche: ‘Regenesis’ und ‘Shaping A Single Grain Of Sand’ führen schließlich zu ‘Singularity’ und dem Abschluss ‘Laments Of An Icarus’, wobei erstaunlich viele Zuschauer textsicher sind. Dank des anständigen Sounds hört man sie mitsingen, was für Gänsehaut sorgt und den Niederländern, die in der Modern Prog/Djent-Richtung als packende Live-Band mit weitem Abstand vorne liegen (Stef Broks, ein sagenhafter Schlagzeuger), ein breites Grinsen in die Gesichter zaubert. Als Aktivpol der verboten tight aufspielenden Truppe erweist sich Bassist Remko Tielemans, der keine Sekunde lang stillstehen kann… was sich auf das ganz allgemein leicht zu begeisternde Publikum niederschlägt.

An dessen Enthusiasmus mag es auch liegen, dass Finnlands internationale Metal-Vorreiter schlechthin besser ankommen als sie es eigentlich verdient haben. AMORPHIS’ neues Album “Under The Red Cloud” ist ungeachtet guter Kritiken und Fan-Resonanzen nur Herunterspielen auf gehobenem Niveau, womit sich die Band auch heute Abend über die Runden rettet. Die alten Hasen Tomi und Esa an den Gitarren scheinen dem Einschlafen stets nahe zu sein, die Rhythmusgruppe bleibt ähnlich gesichtslos, und Tomi Joutsen muss es alleine richten. Ganz ehrlich: Hätten die Instrumentalisten diesen Mann nach Pasi Koskinens Abgang 2005 nicht eingespannt, wären sie – “Far From The Sun” als Maßstab genommen – vermutlich in der Versenkung verschwunden, und so besteht das Programm auch vornehmlich aus Stücken seit “Eclipse”. Dies enttäuscht insofern, als neben zwei “Elegy”-Liedern nur noch ein Klassiker (‘Drowned Maid’) gezückt und sogar auf ‘Black Winter Day’ verzichtet wird. Das ist zwar mutig, doch so artet das Ganze bei Schunkel-Stimmung zu einer Art Santiano im halbwegs metallischen Gewand aus. So behäbig zu sein – ihren Sänger außen vor gelassen –, schickt sich für eine Combo von solchem Format nicht, Grandseigneurs hin oder her. Da schlackert nicht einmal der Osterhase mit den Ohren. 

SANZU “Heavy Over The Home”

Sunday, 17 April 2016 11:40 Published in Aktuell

Genre: moderner Death Metal
Die australischen Newcomer SANZU spielen eine Mischung aus Mathcore und Death Metal, aber keinen Metalcore, sondern verschränken Morbid Angel-artige Riffs mit verqueren Beats und einer Stimme, welche an jene von October Files Ben Hollyer erinnert. Die Gruppe spielt ihre Trümpfe vor allem dann aus, wenn sie auf Rhythmik Marke Meshuggah setzt wie in ‘Defamer’, dem besten weil griffigsten Stück auf “Heavy Over The Home”, das nicht wenige schleppende Songs bietet. ‘Ubiety’ oder ‘Heavy Over Home’ gelingen den glaubwürdig wütenden Musikern am besten, doch ihr größtes Manko besteht darin, dass insgesamt eine recht einheitliche (einseitige?) Klangkulisse auf der Scheibe dominiert, der es trotz des walzenden Charakters der meisten Kompositionen an Dynamik fehlt. Spannung sollen geräuschvolle Zwischenspiele erzeugen, wirken aber eher langatmig als auflockernd, zumal dieses akustische Bollwerk in puncto Melodien eher auf Sand gebaut ist – anders als bei Gojira, mit denen SANZU verglichen werden möchten. Das Gütesiegel “Derbheit von Down Under” lässt sich dem Album also im Guten wie im Schlechten aufprägen: Prog-Ambitionen hier führen bei mäßigem Songwriting zu einem Nischenpublikum dort. Mal sehen, ob diese Typen bei so viel Wachstumspotenzial in Zukunft noch reifen; das hier bleibt vorerst grün. (AS)
7 Punkte

DER BUNKER

Wednesday, 20 January 2016 17:15 Published in Multimedia-News

Regie-Debütant Nikias Chryssos hat DER BUNKER als reine Independent-Produktion aufgezogen und wie nebenbei ein frühes Highlight des Jahres 2016 vorgelegt, wenn es um Filmkunst der bizarren Art mit Mehrwert hinter der scheinbaren Groteske geht. Dank ausgesuchter Schauspieler und minimalistischer Kulisse entstand nichts weniger als ein Kammerspiel par excellence.

GOD LOVES THE FIGHTER

Monday, 16 November 2015 11:01 Published in Multimedia-News

Kriminalität in einer Vorhölle aus Armut und Gewalt: GOD LOVES THE FIGHTER zeigt ungeschönt das raue Leben in Laventille, einem Teil von Port of Spain, und leistet dabei Pionierarbeit. Das Gangsterdrama veröffentlicht Mad Dimension nun in Deutschland als DVD-Premiere.

Kinder der 1980er, ihr seid wieder gefragt: Wer seinerzeit aufwuchs, kam nicht an der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie von Regisseur Robert Zemeckis vorbei, die bis zum Übergang ins Folgejahrzehnt zu einem der Kassenschlager schlechthin in den Kinos avancierte und darüber hinaus bis heute nicht nur in den USA zum allgemeinen Kulturgut geworden ist. Von den Cartoons, die das Erfolgsteam um Macher Bob Gale im Anschluss produzierte, weiß dann aber insbesondere hierzulande vielleicht nur noch ein Bruchteil des Filmpublikums.

NACHTGESCHREI “Staub und Schatten”

Thursday, 27 August 2015 16:17 Published in A-Z

Die Trumpfkarte von NACHTGESCHREI bleibt weiterhin Frontmann Martin LeMar (Mekong Delta), der den konventionellen Dudelsack-Metal der Band mit seiner ausdrucksvollen Stimme aufwertet, zumal auch die deutschen Texte zum Besten zählen, was nicht nur dieses Genre, wo sich besonders viele Pseudo-Poeten tummeln, zu bieten hat. Musikalisch herrscht edel produzierte Tagesordnung: Die Songs von “Staub und Schatten” sind Refrain-fokussiert und folgen gängigen Rock-Mustern, sodass man vieles vorhersehen kann, aber dadurch rücken die Lyrics umso weiter in den Vordergrund, was keine Schande ist. Gleichzeitig rücken dadurch einige potenzielle Hits in den Vordergrund, beispielsweise ‚Die wilde Jagd‘ oder die null kitschige Ballade ‚Lunas Lied‘. Dass die Melodie-Instrumente anders als bei NACHTGESCHREIs vielen Mitbewerbern nie penetrant das Geschehen dominieren, ist ein Vorzug dieser Gruppe, der sie in gewisser Weise einem breiteren Publikum zugänglich machen könnte. Neuerungen finden auf “Staub und Schatten” nicht statt, aber für jene, die in diesem Bereich die konservative Schiene schätzen (also ohne elektronischen Popanz oder prollige Härte), ist “Staub und Schatten” Pflichtstoff.

Albin Julius hat sich bis zuletzt nicht mehr in die Stilkarten schauen lassen, was mit dem famosen “The Story Of The Digging Of The Hole” begann, sich mit “The End Of The Beginning” fortsetzte und soweit in “The Cosmic Trigger” endete. “Joyride” stellt nun Gefährtin Marthynna, die schon lange zur Stammbesetzung von DBATICOTLH gehört, als alleinige Sängerin ins Schlaglicht, während die Musik einen starken Hang zu krautigem Electro bezeugt. Das Album klingt mit Fokus auf flächigen Synthesizer-Soundscapes bisweilen wie eine Hommage an den verstorbenen Edgar Froese (‘Mighty Might’), bloß eben mit schrulligem Frauengesang. Julius steckt das Feld innerhalb dieses Rahmens allerdings weit ab, angefangen bei andeutungsweise hypnotischem Space Rock (‘Sea Of Love’) über noisige Momente wie in ‘Falling Out Of Time’ und ‘Innocent’ hinweg zum schlichten Drone von ‘Resume!’. Das Kollektiv zeigt sich zudem epischer als zuletzt wie im achtminütigen Abschlussstück, das alle Charakteristika des Albums klammert, oder in Form des nach dem Mittleren Osten klingenden Percussion-/Gitarren-Psych ‘Cold Freedom’, dem eingängigen Höhepunkt des Albums, bei dem Siebens Matt Howden Geige spielt. Konsens ist dabei freilich auch diesmal nicht herausgekommen, aber die Basis weiß Bescheid; der Rest schiebt Blumenkind Albin vermutlich weiterhin fälschlicherweise in die martialische, braun angehauchte Ecke und verpasst etwas.

Strange Blood

Thursday, 11 June 2015 17:24 Published in Multimedia-News

Ein leicht durchgeknallter Wissenschaftler erschafft in seinem Privatlabor eine Lebensform, die das Allheilmittel für die Menschheit enthalten soll. STRANGE BLOOD spielt mit bekannten Genrekonventionen und wagt sich dabei aber auch über Genregrenzen hinaus. Tiberius Film veröffentlicht den Arthouse-Horror am 4. Juni erstmals auf DVD und Blu-ray.

Perfide

Saturday, 30 May 2015 13:08 Published in Multimedia-News

Südamerika wurde lange für seine bestenfalls schrill blutigen Amateurbeiträge zum internationalen Film belächelt. Doch im Lauf der letzten zehn Jahre hat sich einiges getan, wovon auch Lucio A. Rojas’ (“Zombie Dawn”) neustes Werk PERFIDE Zeugnis ablegt, das als Kammerspiel der düsteren Art auf Festivals abräumte und sich ohne Weiteres mit dem Arthouse-Horror vor allem östlicher Regisseure messen darf. Nun liegt sein Horrorthriller im Verleih von Maritim Pictures auf DVD und Blu-ray vor.

Cannabis Kids

Friday, 22 May 2015 09:34 Published in Multimedia-News

Mit seinem jüngsten Streifen nimmt sich John Stockwell, Drehbuchautor von Mark Wahlbergs zweifelhaftem Musikfilm „Rock Star“, erneut mehr oder weniger wahrer Begebenheiten an, diesmal allerdings als Regisseur. CANNABIS KID wurde durch einen 2005er-Artikel im amerikanischen Rolling Stone inspiriert, und Lighthouse Home Entertainment veröffentlicht die hochkarätig besetzte Komödie nun im Heimkino.

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