LEGACY - The Voice from the Darkside

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Andreas Schiffmann (AS)

Andreas Schiffmann (AS)

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OSADA VIDA „Particles“

Wednesday, 09 July 2014 23:32 Published in Eigenproduktionen

Mit der Integration von Marek Majewski als Sänger haben OSADA VIDA einen kleinen Coup gelandet, gerade in Anbetracht der Prog-Szene ihres Landes, die im Zuge der Hochjubelei von Riverside nur noch Jammerlappen-Musik spielen zu wollen scheint. Nun sind auch diese Polen weder Spaßmacher noch Ausbünde an Härte, doch „Particles“ zeigt nicht nur eine entschlackte, sondern auch eine hörbar mit sich im Reinen stehende Band. Als Opener hat man das offensichtlich von Haruki Murakami inspirierte 'Hard-Boiled Wonderland' gewählt, mit dem bereits die letztjährige Live-DVD aufwartete, ein hinsichtlich seiner locker rockigen Rhythmik für den weiteren Verlauf maßgebliches Stück. Der Refrain verläuft klanglich in von kraftvoll warmen Riffs erwirkte Breite, wo das Arrangement an sich kompakt bleibt. Zwischendurch servieren OSADA VIDA jedoch keine leichte Kost: Trade-Offs zwischen Keyboards und Gitarre (Klampfer Bartek zitiert gekonnt John Scofields Gitarrenton, ohne die hochmütige Jazz-Nase zu rümpfen), swingende Grooves und verschmitzte Melodiemotive, wie sie Spock's Beard, als diese noch nicht von Christen-Unsinn zum Umdisponieren gezwungen wurden, an den Tag legten, halten den Hörer bei der Stange, ohne ihn anzustrengen, weil zuvorderst der Song statt Angeberei etwas gilt. Nicht umsonst gibt es vom Threshold-igen 'Mighty World' neben 'Those Days' jeweils einen sogenannten Radio Edit. Am Ende ist es immer wieder der Frontmann, dessen Stimme und wertvolle Lyrik „Particles“ zu einem aktuellen Muss für Freunde von zudringlichem Prog macht – auch angesichts des über Gebühr präsenten Stusses in unserem aktuellen Soundcheck ein Labsal.

OCEANS OF SLUMBER „Aetherial“


Wednesday, 09 July 2014 23:29 Published in Eigenproduktionen

Was auf dem Cover wie eine Verbindung aus Gothic-Schmand und einem standardisierten Tattoo-Logo aussieht, stellt sich als Kreuzung zwischen Post-Hardcore und Progressive Metal ('Blackest Cloud' zitiert quasi King Crimson) heraus, die trotz eher fließender als mathematischer Anmutung auch Djent-Fans munden dürfte. Drummer Bobber kommt von Insect Warfare, hält sich bei OCEANS OF SLUMBER jedoch im Zaum, um die ausgefeilten Kompositionen nicht zu torpedieren. Extrem geht es mitunter dennoch zu: In den psychedelisch treibenden Passagen des eröffnenden 'God In Skin' klingen die Australier Alchemist an, deren stilistische Unfassbarkeit diese Texaner teilen. 'Coffins Like Kite' tönt nach einer Mischung aus epischem Doom (das Titelstück forciert die Stilistik nachgerade) und dem rhythmischen Autismus von Mudvayne mit schwarzmetallischen Spitzen (höre dazu auch 'Primordial'), doch so verquer sich dies liest, so gut funktioniert es. Nicht dass die Combo simple und eingängige Stücke schreiben würde. „Aetherial“ mäandert, verliert sich aber nicht in überambitioniertem Kunst-Gebaren, sondern packt just durch seinen Wankelmut. 'Memoriam', ein gemischtgeschlechtliches Gesangsduett vor balladeskem Hintergrund, mutiert vorübergehend zu garstiger Dissonanz, und wenn OCEANS OF SLUMBER auch keine Studenten für sich begeistern mögen, weil sie sich zuallererst als Bühnentiere und weniger intellektuell verstehen, so stechen sie das Gros der Knurrhähne und Riff-Schrammler, die mit ihren drögen Endlos-Songs Mädchen zum Schmachten bringen, mit Virtuosität und einem Füllhorn an Ideen aus, das für die fünf nächsten Alben der selbstgefälligen Neurosis reicht. Fans von Alarum, Ne Obliviscaris oder Exivious – bestellen Sie jetzt! www.facebook.com/oceansofslumber.

MASK OF JUDAS „Axis“ MCD

Wednesday, 09 July 2014 00:06 Published in Eigenproduktionen

Vor allem die Briten springen momentan auf Djent oder Dubstep an, aber diese junge Band lässt ersteren nur im Ansatz erkennen und letzteren überhaupt nicht, wenngleich sie prinzipiell auf dieselbe Klientel abzielt. MASK OF JUDAS besitzen mit Sängerin Jo und ihrer kräftigen Stimme ein geringfügiges Alleinstellungsmerkmal, denn bemüht sie selbige nicht melodisch, tönt auf „Axis“ vieles nach DeathCore von der Stange: zerfahrene Song-Strukturen entschuldigen mangelndes Ausdrucks- und Kompositionsvermögen. Der kompakte Opener 'Crown The Sun' nimmt noch mit seiner orientalischen Motivik für sich ein, aber im folgenden 'Endeavour' herrscht einfallsloses Stakkato-Einerlei. Das gleiche Spiel auch im Titelstück, bloß eingedenk verschleppter Rhythmen und arg vorhersehbar platzierter Gesangs-Hooks. Berufen sich MASK OF JUDAS nicht auf von anderen kultivierte Manierismen, wissen sie der mutmaßlich modernsten aller Metal-Spielarten nichts weiter hinzuzufügen als verworrene 4-Minüter im konkurrenzfähigen Sound und mit ebensolchem Handwerk, aber das vordergründig dissonante 'The Ascension' bleibt genauso wie das zur Musik erhobene Gestolper mit System namens 'Should You Leave With Nothing' mehr Sound als Song, mehr Nachäffen als echte Emotion. Im Übrigen orientierte sich Amerika lange Zeit an Großbritannien, nicht umgekehrt. Quo vadis, Inselvolk? ww.myspace.com/mojudas.

OCEAN CHIEF „Sten“

Monday, 30 June 2014 21:43 Published in Dawn Of Doom

Innerhalb ihrer Stilistik haben sich diese Schweden im Laufe von einem Dutzend Jahren eine eigene Nische erspielt: OCEAN CHIEF machen es nicht unter zehn Minuten, sondern weit darüber hinaus, und insofern ist „Sten“ („Stein“) eine sinnvolle Klammer für vier zwischen 15 und 20 Minuten dauernde Songs. „Blei“ hätten die Musiker das Album auch nennen können, denn hinsichtlich seiner Schwere und Monotonie wird es in diesem Jahr allenthalben von irgendeiner dahergelaufenen Drone-Band übertrumpft werden. An dieses Subgenre grenzt die Gruppe ohnehin mit dem warm nach Orgel tönenden Bordun, den sie jeweils als Song verkauft. In 'Den Sanna Styrkan' bleiben die Grundzutaten strukturierter Musik gut bis zur Hälfte der Spielzeit leidlich strukturiert, ehe sich ein karg melodischer Wälzer daraus ergibt, in dem der Gesang höchstens die Rolle eines zusätzlichen Instruments annimmt. Zudem überraschen OCEAN CHIEF mit progressiven Anwandlungen (hibbelige Bassläufe, verspielte Drums) und einstweiligen Ausritten im Galopp, welche den Zähfluss hinterher noch zermürbender machen. Mit dem folgenden 'Slipsten' entwirft die Band ein stimmig dramatisches Konstrukt, ausgehend vom nahezu erzählerischen Beginn über epische Instrumentalteile bis hin zum psychedelischen, an Klangfülle nicht zu übertreffenden Finale. 'Stenhög' zitiert klassische SloMo-Riffs in Superzeitlupe, unterlegt mit subtilen Harmonien und umso härteren Vocals. Es ist das kürzeste Stück und am reichsten an Text vor dem dicken Ende 'Oden', das in allem reüssiert, woran Moss, Yob und wie sie alle heißen scheitern – dem Heraufbeschwören einer Untersee-Atmosphäre, die sich nicht nur auf den Alptraum des Ertrinkens beläuft sondern mannigfaltige Empfindungen vom Schweben bis zum Bestaunen der lichtlosen Umwelt nachzeichnet. Faszinierend.

(c) 2012 www.legacy.de

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