LEGACY - The Voice from the Darkside

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Andreas Schiffmann (AS)

Andreas Schiffmann (AS)

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MAMMOTH WEED WIZARD BASTARDS “Y Proffwyd Dwyll”

Tuesday, 30 August 2016 17:53 Published in A-Z

Genre: Sludge Doom
Das Einzige, was an diesen Walisern originell ist, sind ihre muttersprachlichen Texte, aber das ist nicht schlimm. Die Band, deren Name alle Doom- und Stoner-Klischees in sich vereint, schwimmt einerseits recht eigenständig im Fahrwasser der Lava-Szene, streut aber andererseits richtiges Salz in die Suppe, und zwar vor dieser Kulisse befremdliche Grunge-Spurenelemente. Diese lassen sich auf das absichtlich knorrig ungelenke Gitarrenspiel und die über allem schwebende Frauenstimme zurückführen. MAMMOTH WEED WIZARD BASTARDS’ zweites Album verzeichnet in stets langen Kompositionen zahlreiche Melodien, deren Herkunft glatt Hole oder Nirvana und vor allem Winters heißen könnte. Letztgenannte schottischen Nachbarn des Quartetts muten ebenso unbequem kantig an, wohingegen hier noch dank sporadisch eingesetzter Synthesizer eine Space Rock-Note hinzukommt, die “Y Proffwyd Dwyll” für Freunde des kurios Neuen endgültig unerlässlich macht. Einziger Pferdefuß: Trotz einiger bemühter Hooks bleibt (noch) zu wenig hängen, aber an alle Spürnasen mit Hang zum Schwerfälligen: husch, husch, hingehört! (AS)
9 Punkte

EVE: Valkyrie

Monday, 27 June 2016 17:28 Published in Comics

Young Adult-Literatur meets kunstfertige Weltraumschlachten

Die Veröffentlichung des Videospiels EVE: VALKYRIE als Ableger des MMORPG „Eve Online“ wirft ihre Schatten voraus. Was läge da näher für die Urheber, als das Ganze mit einem Comic zu flankieren? Immerhin birgt das Medium seit je Crossover-Potenzial – und das Ergebnis, das Cross Cult in Deutschland veröffentlicht, gibt den Machern Recht.

 

Man hat nichts anbrennen lassen, sondern mit Brian Wood („Northlanders“, „Wildstorm“, „Channel Zero“) gleich eine Ikone im Bereich niveauvoller Comics fürs Storytelling engagiert. Er durchleuchtet die Ursprünge der Valkyrie als brandgefährlicher wie legendärer Raumflieger-Einheit: Innerhalb des EVE-Universums zeichnet sich die Truppe dadurch aus, dass sich das Wesen ihrer Mitglieder dank der Möglichkeit des genetischen Klonens auf neue Körper übertragen lässt, falls sie sterben, und zwar immer wieder. Gegründet wurden die praktisch unsterblichen und deshalb furchtlosen Valkyrie, die mit sagenhaften Fertigkeiten ausgestattet und niemandem außer sich selbst ergeben sind, von Pilotin Rán, deren Vita Wood mit EVE: VALKYRIE aufarbeitet. Cross Cult hat das vier Titel umfassende US-Original vom Verlag Dark Horse auf 128 Seiten kompiliert, die sich verschlingen lassen wie nichts und im Grunde als Prequel zum Plot des Videospiels dienen.

Gleichwohl, beim hastigen Lesen könnte einem der zeitgenössisch aufgepeppte Science-Fiction-Zeichenstil der alten Schule entgehen, den Eduardo Francisco („Infinite Crisis“) bemüht: großäugig und kantig im Manga-Stil, fast Cyberpunk und futuristisch schroff, aber nicht abweisend – und definitiv eine Augenweide. Die Farbgebung seitens Michael Atiyeh (betreut auch „Star Wars“-Titel wie „Knights Of The Old Republic“ und „Empire“) stellt einen leisen Kontrast dar, da sie der Wirklichkeit einigermaßen verhaftet bleibt, soweit man das im fantastischen Bereich behaupten darf. In jedem Fall schließt der Comic jene Wissenslücken, die man der Dramaturgie wegen offen ließ, nämlich vieles über Ráns Jugend und Beweggründe, sich dem Militär anzuschließen.

Dafür dass EVE: VALKYRIE logischerweise nur einen winzigen Ausschnitt aus dem riesigen Kosmos der Online-Saga wiedergeben kann, wollte das Produktionsteam viel und wurde seinen Ambitionen auch weitgehend gerecht. Gestaltung und Handlung wirken so authentisch, wie es sich Fans des Spiels vorstellen, zumal bis in die Gestaltung der Space Fighter hinein. Leichte Längen auf narrativer Ebene lassen sich verschmerzen, ja im Nachhinein sogar rechtfertigen, denn die vielen Konzentration erfordernden Rückblenden – Rán verändert sich optisch nicht allzu drastisch im Laufe ihres Lebens – müssen erst durchschaut und eingeordnet werden. Dann darf man eine recht spannende Story mit epischem Charakter genießen, die einen interessanten Spagat beschreibt: Es handelt sich um nichts weniger als eine Mischung aus Young-Adult-Literatur, typischen Weltraumschlachten (mit denen sich Wood nicht zuletzt dank „Krieg der Sterne“ auskennt) und programmatischem Outlaw-Stoff Marke „Minderheit gegen ein Großimperium“, wobei das Ende nicht allzu deutlich absehbar ist – abgesehen davon vielleicht, dass sich die Protagonistin wie so oft im Fantasy-Genre gegen alle Widrigkeiten durchsetzt und emporstrebt.

Sie, die von jeher Talent und Leidenschaft mitbrachte, um Kommandantin zu werden, erhält bald endlich die Gelegenheit, sich zu bewähren und Geschichte zu schreiben. Als Kind mangelte es Rán an nichts, doch das ändert sich schlagartig, nachdem ihre Familie von der Raumstation verbannt wird. Nun steht sie den Valkyrie vor, die sich neuerdings von einem mysteriösen Feind gebeutelt und in ihrer Existenz bedroht sehen. Die Anführerin ist drauf und dran, hinter ein unangenehmes Geheimnis zu kommen…

Das federführende Trio schafft es, Kunstfertigkeit und Massengeschmack miteinander vereinbaren, und wirft tatsächlich ernste Fragen mit Bezug auf den Wert von Menschenleben auf, womit EVE: VALKYRIE eindeutig die Handschrift eines Comicautors trägt, dem solche Themen nicht erst seit gestern am Herzen liegen. Ob das Spiel letztlich auch so viel Tiefgang bieten kann? Das steht wohl zu bezweifeln.

Andreas Schiffmann

PRODUKT-INFO:

Titel: EVE: VALKYRIE

Autor/Zeichner: Brian Wood, Eduardo Francisco, Michael Atiyeh

Verlag: Cross Cult

Erscheinungsform/Seitenzahl: Softcover, 128 Seiten

Verkaufsstart: 23. Juni

DRUKNROLL „In The Game“

Monday, 13 June 2016 09:01 Published in Aktuell

Genre: Thrash Metal
Verzerrte Wahrnehmung? Getrübtes Selbstbild? Maßlose Überschätzung der eigenen Kapazitäten? Man weiß nicht, worunter die Russen DRUKNROLL leiden, wenn sie ihr viertes Album in den Kontext von Soilwork und Children Of Bodom stellen bzw. „progressiven“ Thrash Metal spielen möchten. „In The Game“ ist mit Keyboards verbrämtes Gebrüll vor einer Kulisse aus hundsgewöhnlichen Aggro-Riffs mit einer Handvoll schmissiger Melodien und wirklich guten Gitarrensolos, was sich schon nach zwei Songs abgenutzt hat. Die synthetischen Klangelemente passen genauso wenig zur Grundausrichtung wie die paar ruhigen Momente ('Monomakh'), zu denen sich das Kernduo, das hinter dem Namen steckt, hinreißen lässt. Der bemüht gefühlvolle Gesang transportiert dazu kaum Emotionen. Die Songstrukturen wirken unbesonnen festgelegt, weshalb ein Eindruck von kompositorischer Willkür entsteht. Würde das Schlagzeug (Computer?) jetzt noch besser klingen und wäre die Stimme wegzudenken, könnte man von einem annehmbaren Instrumentalalbum sprechen; so ist es unterdurchschnittliches Wut-Geschrammel. 

BLACK MOON CIRCLE „Sea Of Clouds“

Monday, 13 June 2016 08:59 Published in Aktuell

Genre: Psych/Space Rock
Vier Songs, 40 Minuten Spielzeit, abstrakt buntes Cover und den Mond sowie Wolken im Bandnamen/Plattentitel… Man schließt auf Space Rock und liegt goldrichtig, falls man BLACK MOON CIRCLE nicht bereits von ihren drei bisherigen Alben kennt. Die Norweger fahren einen Stil, der die verhaltenen Pink Floyd der Endsechziger mit der Härte später aufkommender Bands anreichert, aber zu keiner Sekunde von der seinerzeit durch die Briten und vor allem deren Nachbarn Hawkwind aufgestellten Formel abweicht. Das Lied-Quartett trägt improvisatorische Züge, doch die Gruppe kriegt jeweils früh genug die Kurve, ehe die Strukturen ausfransen, auch wenn am Ende nicht viel hängenbleibt. Es handelt sich wie so oft um Konzertmusik zum Schwelgen vor bzw. auf der Bühne, wo sich die angezielte Dynamik vermutlich auch besser auf den Empfänger überträgt als auf einem Studioalbum. Letzten Endes weist „Sea Of Clouds“ keinerlei Patzer auf, wirkt aber in Ermanglung von Hooks und Originalität weitgehend austauschbar und sei damit nur beinharten Astronauten ans Herz gelegt. 

DILBERT: DIE KOMPLETTE SERIE

Tuesday, 07 June 2016 23:10 Published in Movies

Geschichten, die das Arbeitsleben schreibt

Scott Adams, der für DILBERT aus seiner eigenen Erfahrung als Bürohengst schöpfte, hat sich auch dank findiger Marketingkampagnen zu den erfolgreichsten Cartoonisten der Welt aufgeschwungen und seine Strips über den liebenswürdigen Titelhelden auch in einer Animationsserie verewigt, die nun dank Polyband als Gesamtwerk auf DVD und Blu-ray vorliegt. Dabei stellt sich die um die Jahrtausendwende erschienene Serie als verblüffend abriebfest heraus.

Ungeachtet des Kontexts sind einige der in “Dilbert” angeschnittenen Themen nämlich nichts weniger als zeitlos, gerade für in Angestelltenverhältnissen arbeitende Zuschauer. In den insgesamt lediglich zwei Staffeln à 13 bzw. 17 Folgen der hierzulande von Premiere und Tele 5 ausgestrahlten Serie geht es um achtlose Vorgesetzte, die hemdsärmelig und unzuverlässig führen, um Stagnation im Berufsleben und den Sinn von Produktentwicklung.

So arbeitet die Hauptfigur als Programmierer und hat in ihrem Betrieb keinerlei Perspektiven zum Weiterkommen. Mit Dilberts Fähigkeiten wirft er regelrecht Perlen vor die Säue, während er in seinem persönlichen Leben als gescheiterte Existenz durchgeht, die nicht zu Beziehungen fähig ist, weil sie schlichtweg ein zu trockenes Wesen an den Tag legt. Dennoch findet er Halt in seiner Familie, nicht zuletzt durch seine Antworten auf alles wissende Mom und Hund Dogbert. Tiere spielen im Übrigen eine tragende Rolle in “Dilbert”: Catbert, Dinosaurier Bob oder Ratbert sind mit oft allzu menschlichen Zügen und Fehlern ausgestattet, was dem generell mit Archetypen arbeitenden Schöpfer und seiner Co-Produktion mit Drehbuchautor/Comedian Larry Charles entspricht.

So bleibt etwa auch die genaue Tätigkeit von Dilberts Unternehmen vage, aber fest steht, dass die Qualität ihrer Erzeugnisse zu wünschen übriglässt. Demzufolge und in Anbetracht der Tatsache, dass der Hauptcharakter neben einigen anderen Angestellten über einen hohen Sachverstand verfügt, wälzen die Macher den schlechten Ruf der Firma auf ihre Führungsriege ab. Gerade diese Reihung von Klischees – auch im Sinne der Charakterdarstellung – zeichnet die Serie aus und macht sie gegenwartsrelevant. Schließlich ist z.B. auch das fiktive Elbonien in Osteuropa als scherzhaft kritischer Fantasiestaat mit Bezug auf die Auslagerung ganzer Produktionsbereiche von Großunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen am Ende gar nicht so weit hergeholt, und wer kennt sie nicht, die zänkischen, latent unzufriedenen Kolleginnen im Büro?

So wurde “Dilbert” zu einem bunten Sittenbild der Arbeitswelt, wie wir sie kennen und eigentlich nicht haben wollen. Unabhängig davon lässt das Label nichts anbrennen, indem es die beiden Silberscheiben mit ansprechendem Bild und Sound bedacht hat; Letzteres ist umso schöner, weil Hollywood-Komponistenikone Danny Elfmans („Desperate Housewives“ etc.) Score zur Serie alles andere als Makulatur darstellt.

Andreas Schiffmann

The Returned - Season 1

Saturday, 14 May 2016 12:53 Published in Movies
In Zusammenarbeit mit Universum Film verlosen wir 2 DVDs und 2 Blu-rays der Serie. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, sendet einfach eine Mail mit Betreff „Returned“ an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.. Viel Glück!
 

Auferstanden von den Toten

Mit THE RETURNED versuchte sich der US-Sender A&E an einem Remake der 2012er-Erfolgsserie „Les Revenants” aus Frankreich. Während die europäische Fernsehadaption mit Preisen bedacht wurde, kann sich auch das amerikanische Pendant, das Universum Film nun im Heimkino veröffentlicht, in jeder Hinsicht sehen lassen.

Das Setting wurde natürlich in die Vereinigten Staaten transferiert, wobei die Rezeptur des Teams von Drehbuchautor und Produzent Carlton Cuse (“Bates Motel”), ein Langformat fürs häusliche Anschauen in Häppchen aufzubereiten, nicht neu ist, wie aktuell etwa auch “From Dusk Till Dawn” beweist. Bei THE RETURNED handelt es sich definitiv um eine stärkere Serienadaption, die nicht zuletzt von den beteiligten Schauspielern lebt. Immerhin wartet die relativ hochkarätige Mannschaft mit Namen wie u.a. Jeremy Sisto (“Six Feet Under”), Mark Pellegrino (“Lost”) sowie Raelle Tucker und Kevin Alejandro (“True Blood”) auf. Diese das Episodenhafte gewohnten Akteure machen es dem Zuschauer allerdings nicht leicht, was an der per se vertrackten Handlung in zahlreichen Strängen liegt.

In der verschlafenen Kleinstadt Caldwell wird es zusehends unheimlicher, als mehr oder weniger lange Verstorbene wieder auftauchen als sei nichts geschehen und sich an nichts erinnern können. Unabhängig davon, wie mit ihnen umgegangen wird, nehmen ihre zweiten Leben mitsamt jener ihrer Angehörigen einen unheilvollen Lauf, denn wie sich herausstellt, hat so ziemlich jeder Betroffene mindestens mitteldicken Dreck am Stecken.

Da wäre etwa Lena Winship, die sich vier Jahre zuvor krank stellte, um die Schule zu schwänzen, was sie vor einem Busunfall bewahrte, bei dem ihre Schwester Camille umkam. Diese ist nun zurückgekehrt und wird von ihrer Mutter zunächst so behandelt als sei nichts gewesen, doch langfristig gelingt das genauso wenig wie dieser oder jener Versuch an anderer Stelle, mit den Wiedergängern klarzukommen. Der auferstandene Simon wiederum stellt fest, dass seine frühere Verlobte einen Neuen hat, was im Verlauf der Serie weitere Tote fordert, und auch sonst nimmt Liebe bzw. Eifersucht eine wichtige Rolle in THE RETURNED ein, denn natürlich erweisen sich viele zu Beginn vermeintlich zusammenhanglose Plots dank mehrerer Dreiecksbeziehungen als überaus stark miteinander verzweigt.

Hiervon zehrt die Serie in gleichem Maße wie von ihrem mysteriösen Moment, denn davon abgesehen dass man sowieso alle zehn Folgen mindestens noch einmal schauen müsste, weil sich manche Verweise erst im Nachhinein erschließen, haben nicht wenige der eindrucksvollen Bilder einen hohen symbolischen Gehalt, und letzten Endes bleibt einiges unaufgeklärt, gleichwohl ohne den Zuschauer zu frustrieren. Die Natur als quasi Menschliches widerspiegelnde Instanz einzubauen ist ein großer Coup, den das französische Original in dieser Form nicht geleistet hat (“Suizid” begehende Hirsche, ein Dammbruch als Art Leitmotiv). Umso bedauernswerter deshalb, dass die Amerikaner nur diese eine Staffel drehten und die Produktion wegen mangelnder Resonanzen einstellten. Fehlten den Leuten da etwa die Zombies?

Die Themen sind letztlich so geläufig wie frisch aufbereitet, was der Serie großes Breitenpotenzial beschert, sodass man hoffen darf, dass sich speziell die deutsche Klientel, die das Original vielleicht schon kennt, dennoch darauf einlässt. Die Mischung aus Geheimniskrämerei, übersinnlichem Flair (Visionen, Rückblenden) und dem guten, alten Prinzip, von einer finsteren Vergangenheit eingeholt zu werden, wurde in jedem Fall auf bestechende Art umgesetzt – angenehm unaufgeregt und dank der ästhetischen Inszenierung vor sehr passender, düsterer Kulisse nicht einmal nur für ein Fastfood-Serienpublikum. Man darf sich Zeit für THE RETURNED nehmen, und sie zu investieren lohnt definitiv.

Andreas Schiffmann

Titel: THE RETURNED – Staffel 1

Label: Universum

Land/Jahr: USA 2015

FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 420 Min.

Verkaufsstart: 13. Mai

The Interceptor

Saturday, 14 May 2016 11:50 Published in Movies

Keine Macht den Drogen

Gelangweilt und ernüchtert vom Alltag in der Drogenfahndung in Englands Hauptstadt schwingt sich Zollfahnder Markus “Ash” Ashton auf, die dicken Verbrecherfische an Land zu ziehen. Für die Spezialeinheit UNIT eingespannt zu werden – quasi als Strafe dafür, dass ein Kollege bei einem von ihm angeführten Einsatz verletzt wurde –, kommt ihm da gerade recht, da sie sich der gezielten Jagd der gefährlichsten Männer der Unterwelt im Land widmet… als THE INTERCEPTOR eben.

Mit der bis auf Weiteres ersten und letzten Staffel des Titels haben Serien-Experte Tony Saint (“Strike Back”) und Farren Blackburn (“Daredevil”, “Tag des Grauens”) eine neue Reihe ersonnen, die mit halbwegs realistischem Anspruch von einem markigen Agenten im Kampf gegen einen Drogenring erzählt. Als Ash (Olatunde Fagbenle aus “Looking”) von der britischen Steuerbehörde HM Revenue and Customs zum Sonderkommando avanciert, muss er sich auf einige Neuerungen einstellen, die seinem eigenen Wesen oftmals zuwiderlaufen.  Traumatisiert, nachdem er als Kind mitansehen musste, wie sein Vater einen Drogenabhängigen niederschoss, tut er sich heute schwer damit, sein Temperament betreffs der Zustände zu zügeln, weil er nicht schnell lernt, zwischen Arbeit und inneren Antrieben zu unterscheiden. Dementsprechend impulsiv geht es mitunter zu. Das Produktionsteam von BBC One – also die Macher von “Dr. Who” und “Luther” – griff um der Authentizität willen auf den wirklichen Agenten Cameron Addicott zurück, um sich bei der Inszenierung beratschlagen zu lassen, doch die rasante Abfolge von Ereignissen entspricht sicherlich bewusst nicht der Wirklichkeit. Zahlreiche Verfolgungsjagden reihen sich aneinander, während sorgfältig durchleuchtete Charaktere insbesondere auf der Seite der “Bösen” einen eher tiefgründigen Gegenpol zum Tempo bilden. Nicht zuletzt mit dem Soundtrack (Beiträge von Arctic Monkeys und Alt-J) dürfte man verstärkt auf ein junges Publikum abzielen, das sich von der hohen Schlagzahl der Action-Events im Laufe der Handlung vereinnahmen lassen dürfte.

Im Gegenzug birgt die Serie großes Potenzial zur Weiterentwicklung, gleichwohl es vorerst bei dieser einen Staffel blieb – wieder einmal aufgrund lauer Zuschauerresonanzen. Der anfänglich dezente Witz könnte im weiteren Verlauf stärker zum Tragen kommen, da Ash in der Einheit viel cooler auftritt als bei seiner nüchternen Arbeit für die Grenzkontrolle. Seilschaften und Beziehungen zwischen den Verbrechern werden allenthalben angedeutet und lassen Raum zur Spekulation, wobei man jedoch nicht sonderlich viel investieren muss, um sich als Krimi-Fan rasch wohlzufühlen. Hinzu kommt ein leichtes Dokumentations-Flair, das die Serie allerdings nicht in ungebührlicher Weise intellektualisiert, sodass sie recht vorhersehbar anmutet, aber gut unterhält.

Apropos Unterhaltungen: Selbige fallen mal minimalistisch, mal ausufernd aus, was für eine interessante Dynamik und Atempausen sorgt, in jedem Fall aber Ash als leidenschaftlichem Heißsporn guttut, der mit absoluter Überzeugung bei der Sache ist. Eben daraus schöpft die Serie ihre Kraft, denn Action mit Fokus auf realistischen Umständen gibt es wie Sand am Meer, doch die emotionale Komponente verhindert, dass THE INTERCEPTOR allzu trocken ausfällt, woran man sich als Konsument schnell sattsehen würden.

Er muss sich daran gewöhnen, verdeckt zu ermitteln, und sein Ego deshalb zurückzuhalten, scheut sich aber weder vor smarten Tricks noch unkonventionellen Methoden zum Stellen der Täter, wobei er es mit Recht und Gesetz wie zu erwarten nicht allzu genau nimmt. Zuweilen agiert er aber nachgerade fahrlässig und riskiert damit sein Leben, also ist für Spannung gesorgt. Man kann nur darüber spekulieren, weshalb die acht Folgen mehr oder weniger floppten und leider regelrecht verheizt wurden, doch dank Polyband, die diese eine Staffel würdevoll mit kleineren Bonusfeatures sowie einem längeren aufbereiten, das hinter die Kulissen des Formates blickt, gerät THE INTERCEPTOR als überdurchschnittliches Crime-Drama billigerweise nicht in Vergessenheit.

Andreas Schiffmann

 

 

Was ist besser als ein Abend voller Metal-Nostalgie zu Ostern, denkt man sich im Vorfeld und muss sich tatsächlich vom Headliner enttäuscht sehen, aber greifen wir der Dinge nicht vor…

 

Als man sich bei mildem Wetter und vertretbaren Eintritt- wie Merchandise-Preisen im coolsten Club des Großherzogtums einfindet, füllt sich der Saal zügig, und bald legen ohne viel Federlesen POEM los. Ihr aktuelles Album und Label-Debüt “Skein Syndrome” genießt vor dem selbst finanzierten “The Great Secret Show”-Einstand der Gruppe Priorität, doch in ihrem bisherigen Katalog nimmt kein Stück dem anderen sonderlich viel: Die Griechen rollen recht originell auf der neuen Prog-Welle mit und haben mit Gitarrist George einen Frontmann in ihren Reihen, der vom einfühlsamen Opener ‘Passive Observer’ an um sein Leben zu singen scheint und bisweilen zwar fast übermotiviert anmutet, aber wie auch der Rest seiner Mannschaft vollends überzeugt. Das gebotene Material ist komplex und im Falle des Vorzeigestücks ‘Fragments’ regelrecht entrückt, aber dennoch nicht uneingängig, und dürfte der Band dank zwingender Performance einige neue Fans beschert haben, als sie nach dem irren Trip ‘Remission Of Breath’ die Bühne verlässt.

TEXTURES müssen dann ohne ihren krankheitsbedingt aussetzenden Sänger Daniel antreten, der sich vor dem Auftritt entschuldigt, und spielen ein gekürztes Set – aber was für eins! Die Handvoll Songs wird mit ‘Drive’ eröffnet und verzeichnet in puncto Energie keinerlei Einbrüche: ‘Regenesis’ und ‘Shaping A Single Grain Of Sand’ führen schließlich zu ‘Singularity’ und dem Abschluss ‘Laments Of An Icarus’, wobei erstaunlich viele Zuschauer textsicher sind. Dank des anständigen Sounds hört man sie mitsingen, was für Gänsehaut sorgt und den Niederländern, die in der Modern Prog/Djent-Richtung als packende Live-Band mit weitem Abstand vorne liegen (Stef Broks, ein sagenhafter Schlagzeuger), ein breites Grinsen in die Gesichter zaubert. Als Aktivpol der verboten tight aufspielenden Truppe erweist sich Bassist Remko Tielemans, der keine Sekunde lang stillstehen kann… was sich auf das ganz allgemein leicht zu begeisternde Publikum niederschlägt.

An dessen Enthusiasmus mag es auch liegen, dass Finnlands internationale Metal-Vorreiter schlechthin besser ankommen als sie es eigentlich verdient haben. AMORPHIS’ neues Album “Under The Red Cloud” ist ungeachtet guter Kritiken und Fan-Resonanzen nur Herunterspielen auf gehobenem Niveau, womit sich die Band auch heute Abend über die Runden rettet. Die alten Hasen Tomi und Esa an den Gitarren scheinen dem Einschlafen stets nahe zu sein, die Rhythmusgruppe bleibt ähnlich gesichtslos, und Tomi Joutsen muss es alleine richten. Ganz ehrlich: Hätten die Instrumentalisten diesen Mann nach Pasi Koskinens Abgang 2005 nicht eingespannt, wären sie – “Far From The Sun” als Maßstab genommen – vermutlich in der Versenkung verschwunden, und so besteht das Programm auch vornehmlich aus Stücken seit “Eclipse”. Dies enttäuscht insofern, als neben zwei “Elegy”-Liedern nur noch ein Klassiker (‘Drowned Maid’) gezückt und sogar auf ‘Black Winter Day’ verzichtet wird. Das ist zwar mutig, doch so artet das Ganze bei Schunkel-Stimmung zu einer Art Santiano im halbwegs metallischen Gewand aus. So behäbig zu sein – ihren Sänger außen vor gelassen –, schickt sich für eine Combo von solchem Format nicht, Grandseigneurs hin oder her. Da schlackert nicht einmal der Osterhase mit den Ohren. 

SANZU “Heavy Over The Home”

Sunday, 17 April 2016 11:40 Published in Aktuell

Genre: moderner Death Metal
Die australischen Newcomer SANZU spielen eine Mischung aus Mathcore und Death Metal, aber keinen Metalcore, sondern verschränken Morbid Angel-artige Riffs mit verqueren Beats und einer Stimme, welche an jene von October Files Ben Hollyer erinnert. Die Gruppe spielt ihre Trümpfe vor allem dann aus, wenn sie auf Rhythmik Marke Meshuggah setzt wie in ‘Defamer’, dem besten weil griffigsten Stück auf “Heavy Over The Home”, das nicht wenige schleppende Songs bietet. ‘Ubiety’ oder ‘Heavy Over Home’ gelingen den glaubwürdig wütenden Musikern am besten, doch ihr größtes Manko besteht darin, dass insgesamt eine recht einheitliche (einseitige?) Klangkulisse auf der Scheibe dominiert, der es trotz des walzenden Charakters der meisten Kompositionen an Dynamik fehlt. Spannung sollen geräuschvolle Zwischenspiele erzeugen, wirken aber eher langatmig als auflockernd, zumal dieses akustische Bollwerk in puncto Melodien eher auf Sand gebaut ist – anders als bei Gojira, mit denen SANZU verglichen werden möchten. Das Gütesiegel “Derbheit von Down Under” lässt sich dem Album also im Guten wie im Schlechten aufprägen: Prog-Ambitionen hier führen bei mäßigem Songwriting zu einem Nischenpublikum dort. Mal sehen, ob diese Typen bei so viel Wachstumspotenzial in Zukunft noch reifen; das hier bleibt vorerst grün. (AS)
7 Punkte

DER BUNKER

Wednesday, 20 January 2016 17:15 Published in Multimedia-News

Regie-Debütant Nikias Chryssos hat DER BUNKER als reine Independent-Produktion aufgezogen und wie nebenbei ein frühes Highlight des Jahres 2016 vorgelegt, wenn es um Filmkunst der bizarren Art mit Mehrwert hinter der scheinbaren Groteske geht. Dank ausgesuchter Schauspieler und minimalistischer Kulisse entstand nichts weniger als ein Kammerspiel par excellence.

(c) 2012 www.legacy.de

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