LEGACY - The Voice from the Darkside

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Andreas Schiffmann (AS)

Andreas Schiffmann (AS)

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DIRTY SHIRT „Freakshow“

Sunday, 12 October 2014 20:09 Published in Eigenproduktionen

Diese Franzosen sind schon fast 20 Jahre lang im Geschäft und gerade für die sozialen Brennpunkte ihres Landes typische Grenzgänger zwischen den Stilen: DIRTY SHIRT verschmelzen Industrial mit der Folklore verschiedener Kulturkreise und den Prinzipien der Popmusik. Aberwitzig wird dieses Unterfangen in Form der Metal-Polka 'Bad Apples' oder während 'Never Say Never', swingendem Stoner Rock, aber sozusagen mit USB-Anschluss. 'Freak Show' kombiniert Soulfly-Gehüpfe mit einer Melodieführung ähnlich jener von System Of A Down, 'Trust Me' oder 'This Is The Day' die Stumpfheit von Rammstein mit dem Flair der Landsleute Treponem Pal. Entsprechend tanzbar fallen einige Kompositionen ('The Business Of Life', 'Extreme Funky Disco') naheliegenderweise aus, weshalb DIRTY SHIRT ein wenig zwischen den Stühlen sitzen. Politische Sprengkraft besitzt „Freakshow“ zu keiner Sekunde, doch das Chart-Potenzial insbesondere finnischer Crossover-Spezialisten, an welche die Combo aufgrund ihrer Schrulligkeit erinnert, besitzt die Scheibe auch nicht. Der Gesang von Männlein und Weiblein gleichermaßen hätte vom Produzenten natürlicher eingefangen werden können, denn beide klingen stets verfremdet oder verzerrt im allseitig blechernen Sound-Korsett. Der treibende Hit 'Rise' steht dem episch getragenen 'Away' gegenüber, und diese beiden darf man sich als Freund des Abwegigen (Carnival In Coal, Turmion Kätilöt) bei Interesse anhören. www.dirty-shirt.com.

VENTURA „Ultima Necat“

Sunday, 12 October 2014 20:04 Published in Pressure Zone

Diese Schweizer sind seit rund zehn Jahren aktiv, gehen mit ihrem Stil jedoch noch eine Dekade weiter zurück in der Entwicklung der Gitarrenmusik: VENTURA huldigen ohne viel Aufregung Neunziger-Quertreibern wie Big Black oder Drive Like Jehu. Das Trio arbeitet mit tatsächlich songdienlichen Drone-Passagen wie im eröffnenden 'About To Despair', schrammelt hypnotisch gleich den Wegbereitern des Post-Rock ('Intruder') und streut natürlich jene verzückenden Dissonanzen ein, welche die Urheber noch heute so interessant und positiv unbequem machen. Gitarrist Philippe mag etwas blass klingen (in den besten Momenten nach Aydo Abay, und Blackmail sind ebenfalls ein gutes Stichwort im Zusammenhang mit der Band), aber instrumental geschieht genug auf „Ultima Necat“, um der Band ein musikalisches Ausrufezeichen zu attestieren. Das tragische 'Body Language' verfügt neben einem bemerkenswerten Text dank seiner versonnenen Melodien über das größte Mehrheitspotenzial aller Stücke, wohingegen das 12-minütige 'Amputee' die verblichenen Slint am hoffentlich weiten Horizont des Hörers vorbeiziehen lässt. Sicherlich ist Musik, wie sie VENTURA spielen, nicht mehr so visionär wie zu Pionierzeiten, allerdings fürwahr schön wie selten zugleich und darob auch 2013 wichtig: Also Eintreten für den Artenschutz der Spezies Noise Rock und Grunge, wie er ursprünglich gemeint war, indem man „Ultima Necat“ ersteht.

THE HAVERBROOK DISASTER „Weather The World“

Sunday, 12 October 2014 19:40 Published in Pressure Zone

Vorab gab es die Vinyl-Single „The Chosen Few“, jetzt steht das zweite Album dieser Gruppe aus dem Karlsruher Raum zur Debatte. THE HAVERBROOK DISASTER repräsentieren den urtümlichen Hardcore an der Schwelle zu musikalischem Anspruch und inhaltlicher Differenziertheit. Sänger Andreas Villhauer hat nicht nur hörbares Sendungsbewusstsein, sondern auch eine charismatische Stimme ('04 264' eignet sich ebenso wie 'Mother Sun' als Singalong), was in diesem Genre doch recht selten vorkommt. Die Instrumentalisten – zwei Klampfer dienen nicht nur dem noch lauteren Krachschlagen – verstehen auch ein wenig von Harmonien, statt unentwegt Riffs auf die Zwölf zu geben, wie sie vor allem im apokalyptischen 'Tightrope Walkers' beweisen. Am anderen Ende der Härteskala steht das garstige Breakdown-Gewitter 'Rich Hart I', ein Highlight, genauso wie das zwischen Wehmut und Kampfansage schlingernde 'Epitaphs Become Meaningless'. Das Gute daran? Trotz eines Titels wie 'The Chosen Few' (Text lesen!) erheben THE HAVERBROOK DISTASTER weder elitäre Anspruch, noch halten sie viel vom blauäugigen „Wir haben uns alle lieb“ der Szene. Melodische Gang-Chöre wie im Abschluss 'Know The Ropes' schließt dies dennoch nicht aus, weshalb man die Band gut und gerne als Vereinigung von alter und neuer Schule betrachten kann. „Weather The World“ ist im Rahmen der Stilistik originell und kompositorisch überdurchschnittlich ausgefallen sowie ein weiterer Beweis dafür, dass man längst nicht mehr in den vermeintlichen Ghettos von US-Großstädten stöbern muss, um auf stimmigen Hardcore zu stoßen.

THE FIFTH ALLIANCE „Unrevealed Secrets Of Ruin“

Sunday, 12 October 2014 19:36 Published in Pressure Zone

Nach zwei Kurzformaten hat sich der Schwerpunkt von THE FIFTH ALLIANCE trotz weiterziehender Band-Mitglieder nicht verschoben: Ihr Debüt steht im Geiste des Post-Hardcore mit allem Für (Epik, Endzeit-Atmosphäre) und Wider (Langatmigkeit, Austauschbarkeit). Aushängeschild und Alleinstellungsmerkmal der Niederländer ist indes Sängerin Silvias sich überschlagendes Organ, hinter dem die vier Instrumentalisten weitgehend verblassen. Das Schlimmste kommt dabei zuerst, nämlich der zehnminütige Opener 'Hollow', mit dem die Gruppe ohne viele Zutaten Spannung erzeugen möchte, aber auf ihren Doom-Riffs hocken bleibt, wobei Gitarrist Ivos eingestreute Grunts der Abwechslung nicht auf die Sprünge helfen. Am Ende verpufft das Stück ohne rechten Abschluss. Der Titeltrack macht dies im Anschluss wieder wett, bricht zuerst auf rhythmischen Umwegen Knochen und zermalmt selbige zuletzt wonnig langsam in der Sludge-Mühle. Im handlichen Format von vier Minuten fungieren 'Reminiscing' und 'Standing Tall' – kreischte die Frontfrau drei Oktaven tiefer, würden Crowbar mit dem Marterpfahl winken – als Anspieltipp mit unverhofftem Uptempo-Finale. Math- beziehungsweise Hardcore (Coalesce werden als Einfluss genannt) findet dennoch zu selten statt auf „Unrevealed Secrets Of Ruin“ (eben auch im zweiten Highlight, dem Dreiminüter und Wutbatzen 'Analgesia'), doch zur Stimmungsmache genügen sachte Zwischenspiele wie das selbstredende 'Intermezzo' auch nicht, 'Seven Seven Eyes' greift den Faden des Openers auf und tut Buße für die vormalige Unterlassungssünde mit Hinblick auf ein stimmiges Ende. Ergo: kürzere Songs schreiben und der Aggression freien Lauf lassen, statt versonnen zu schrammeln. Intelligenz findet auch in Tatkraft Ausdruck, nicht bloß im Grübeln.

(c) 2012 www.legacy.de

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