LEGACY - The Voice from the Darkside

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28 Feb

FRANK SCHÄFER „Talking Metal“

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Sascha Paeth (unter anderem Kamelot, Epica, Angra, Rhapsody) nennt keine Namen bei der Frage, welche Bands ihn nicht nur als Produzenten, sondern wegen der eigenen Unfähigkeit auch als Studiomusiker benötigten. Nuclear Blast-A&R Markus Wosgien untermauert seine eigene Feststellung, Newcomer ohne eigenes Engagement seien die Pest; nicht mit Beispielen aus seiner Arbeit bei Blast oder zuvor AFM und Last Episode. Coverkünstler Axel Hermann (unter anderem Asphyx, Iced Earth) erzählt nicht, welche Bands ihm mit ständigen Änderungswünschen ins Handwerk pfuschten. Ist der  Untertitel “Die Szene packt aus“ also viel zu hoch gegriffen? Nein! Frank Schäfer, gestandener Metaller, Ex-Mucker bei Salem’s Law, Doktor der Philosophie und Teil des Metal-Satire-Trios Read Èm All, kitzelt tatsächlich sehr viel mehr als nur Plattitüden und tausendmal Gehörtes/Gelesenes aus seinen Gesprächspartnern heraus. Manchmal holt er weit aus, oft stellt er aber nur kurze, prägnante Fragen und animiert seine Gegenüber, aus dem Nähkästchen zu plaudern. „Talking Metal“ ist letztlich ein Fanzine in gebundener Form, ein reiner Interview-Band im Frage-Antwort-Stil. Schäfers Gespräche sind zum einen bestens vorbereitet, zum anderen lässt er sich auf die Gedankengänge der Interviewten ein, statt ein Programm runterzuspulen. Man spürt einfach: Der Typ ist zwar seit über einem Vierteljahrhundert Bestandteil der Metal-Szene und hat dementsprechend ein enormes Wissen – aber er ist immer noch neugierig. Die 14 Interviewten sind keine Musiker (oder nicht vordergründig als solche befragt), sondern in anderen relevanten Funktionen tätig: als Roadie, Musikwissenschaftler, Radiomann, Festival-Veranstalter (Thomas Jensen, Wacken Open Air) oder Logozeichner (Christophe Szpajdel). Viele sind auch selbst musikjournalistisch tätig: Rock Hard-Chefredakteur Götz Kühnemund, der in den 1980ern bei beinahe allen Metal-Postillen schrieb und in Teutonenland unangefochten der populärste Metal-Schreiber ist, der Archivar und Onliner Björn von Öttingen (Metalglory; zudem bei der Promofirma CMM tätig), Radiomann Jakob Kranz (Metal Hammer; hält unter dem entschärften Titel Soundgarden die „Stahlwerk“- bzw. „Tendenz Hard bis Heavy“-Tradition in Berlin hoch) oder I.P.-Verlagsmann Matthias Mader, vielen als Sachbuchautor und vom 2000 eingestellten Iron Pages-Magazin bekannt. Sie alle und einige weitere erzählen von ihren verschiedenen persönlichen Zugängen zum Metal, den Gründen ihrer höchstwahrscheinlich lebenslangen Sucht und geben darüber hinaus viele Einblicke in ihr Tätigkeitsfeld. Neben geballten Informationen kommen dabei die Anekdoten nicht zu kurz. Frank Schäfer wäre nicht Frank Schäfer, wenn er nicht wenigstens als letztes Kapitel (selbst-)ironisch würde: Hier interviewt sich der Autor von Pflichtlektüren wie „111 Gründe, Heavy Metal zu lieben“ mehr oder minder selbst zum Sinn und Zweck dieses Buchs. Im Gegensatz zu „Letzte Ausfahrt Germania“ eines anderen Schreiberkollegen fand sogar das für seine spitze Feder berühmte Satireblatt Titanic lobende Worte dafür. (BTJ)

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