LEGACY - The Voice from the Darkside

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Christian Wachter (CW)

Christian Wachter (CW)

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Text:  Christian Wachter & Markus Wiesmüller

Tag 1: Endlich ein weiteres Kapitel des Hammer Of Doom Festivals, das sich mittlerweile zu einem festen Standard etabliert hat und angeblich um die 1.000 zahlende Gäste erwartet. Gut so! Dem Freitagabendverkehr sowie einem etwas verfrühten Beginn „sei Dank“, bekommt die Legacy-Delegation leider nur noch die zweite Sethälfte der Griechen DOLOROUS SHOCK mit. Auch währenddessen ist es leider noch nicht recht voll vor der Bühne. Die Hellenen wirken noch etwas schüchtern und unsicher, die Spielfreude ist ihnen aber trotzdem anzumerken. Das Epic Metal-Brett 'Dolorous Shock' zum Showende bleibt dennoch positiv hängen.

Ehe die Briten DESOLATION ANGELS die Bretter entern, hat sich die Posthalle schon angenehm gefüllt. Eilt der seit 1981 aktiven Band, die später nach L.A. umgesiedelt ist, doch auch ein gewisser Kultstatus voraus. Dies unterstreicht, dass die Show vom Sensenmann persönlich angesagt wird. Sehr negativ fällt der junge Drummer auf. Sehr oft verspielt er sich und spielt recht hüftsteif und alles andere als groovy. Es wirkt, als fühle er sich bei dieser Art von Musik nicht wohl. Gesang und Gitarrenarbeit der beiden Ur-Mitglieder können hingegen voll überzeugen. Immer wieder lassen tolle Soli aufhorchen. Als Highlight kristallisieren sich heute 'Evil Possessor', 'Only Time Will Tell' und 'Spirit Of The Deep' heraus.

DARK AT DAWN wollen eigentlich nicht so recht ins Billing des Freitagabends passen: Die meisten Anwesenden sind eher auf zutiefst traditionelle, epische, zuweilen auch etwas progressivere Momente eingestellt, weswegen der melodische, düstere Power Metal der kürzlich erst neu formierten Formation da nicht so recht ins Bild passen will. Dementsprechend mager fällt auch der Zuspruch des Publikums aus, die Reihen lichten sich doch merklich. Dies mag wohl ebenso daran liegen, dass DARK AT DAWNs Musik an und für sich wenig spektakulär daherkommt. Den mehr oder weniger eigenständigen Ansatz der Gruppe in allen Ehren, aber rein musikalisch gesehen bekommt man lediglich Standardkost geboten. Wie dem auch sei: Nach Veröffentlichung der "Noneternal"-EP im Herbst dieses Jahres soll 2013 ein neues Album der Jungs aus dem Harz erscheinen.

 

Bei DARK QUARTERER füllt sich der Platz vor der Bühne dann wieder zusehends, und das trotz der Tatsache, dass die Italiener Musik präsentieren, die zuweilen reichlich kopflastig daherkommt. Dafür finden sich jedoch immer epische Höhepunkte im Sound der Südeuropäer, die bei den Anwesenden für Begeisterungsstürme sorgen. Aufgrund einer zwar wenig agilen, aber technisch einwandfreien Performance zählen DARK QUARTERER zweifelsohne zu den Gewinnern des Abends.

Die Band, auf die die meisten Besucher des "Epic Fridays" sehnsüchtig gewartet haben, entert mit einer Killer-Setlist die Bühne: DEMON zocken zuhauf Klassiker, was angesichts der Hitdichte im Backkatalog der Briten keineswegs verwunderlich ist. Natürlich feierten die Jungs um Ausnahmesänger Dave Hill einst im Zuge der New Wave Of British Heavy Metal ihre größten Erfolge. Dennoch ist der Sound DEMONs natürlich weitaus vielschichtiger und wildert auch mal gerne in melodischen (Hard) Rock-Gefilden. Auch vor dem Einsatz von Synthesizerklängen schrecken die Engländer nicht zurück. Das Apple-Notebook, das auf dem protzigen Keyboard angebracht ist, bewirkt bei manchem traditionellen Fan eher Befremden. Dennoch können DEMON ihre Fans zufriedenstellen und beschließen den Vorabend des Hammer Of Doom standesgemäß mit Mitsinghymnen der Marke 'Night Of The Demon', 'Standing On The Edge' und 'Don't Break The Circle'.

Bei Klassikern von Mercyful Fate und King Diamond feiern anschließend im kleinen Immerhin-Club im selben Gebäude noch einige Leute die dänische Coverband MERCYFUL DIAMOND heißblütig ab, bevor sich über diese Nacht die alkoholgeschwängerten Nebel der Vergessenheit legen.

 

Tag 2: Vielen steckt die geile Aftershow-Party mit der Mercyful Fate-Coverband inklusive einiger Biere noch in den Knochen. Kaffee und Aspirin statt Bier ist angesagt. Insofern ist die entspannte, mit Orgel und 70s-Rock gepickte Musik der deutschen Newcomer ORCHUS CHYLDE eine angenehme Hintergrundkulisse. Nicht mehr, nicht weniger! Was schon auf Konserve zu dröge war, funktioniert leider auch für einige Besucher auf der Bühne nicht so recht. Speziell in längeren Jam-Passagen wird das Potential der jungen Musiker aber dennoch sichtbar.

Danach wird es cool as fuck! Der Sänger der Ur-Doomer COVEN aus Detroit nimmt die Sonnenbrille während der ganzen Show nicht ab. Es ist ganz schön was los vor der Bühne für diese Tageszeit. Und irgendwie ist es der spröde Charme, diese kühle, bewegungsarme Art, die stimmig zur Musik passt. Gerade bei den langsamsten, etwas an Black Sabbath erinnernden Songs wie 'Frost Giants' entstehen ein paar magische Momente

Dass die Münsteraner ZODIAC zuletzt eine geile Platte gemacht haben und live gern abräumen, ist ja bereits bekannt. Was die Band aber heute abliefert, ist ganz großes Rock'n'Roll-Kino und soll neben den Headlinern als eines der Festival-Highlights durchgehen. Die Jungs freuen sich, wenn wir ihre Mucke laut im Auto hören. Gute Idee! Fronter Nick van Delft hat so viel dreckigen Mississippi-Blues und Feeling in der Stimme, dass man sich mit geschlossenen Augen durchaus einen Schwarzen vorstellen könnte. 'Carnival' , 'Coming Home' oder 'Assembly Line', die schon auf Platte enorm zünden, sind heute live eine wahre Macht. Es ist schön mit anzusehen, wie die Band von Song zu Song immer mehr Leute in ihren Bann zieht. Das ZZ Top-Cover 'Blue Jean Blues' kommt dermaßen geil, dass es sogar das Original in den Schatten stellt und für reichlich Gänsehaut sorgt.

HORISONT aus Schweden kommen, sehen und siegen. Astreiner Classic Rock mit Vintage-Sound, dargeboten mit viel Spielfreude, Energie und Hummeln im Arsch. Das weiß von der ersten Minute an zu fesseln und lässt die Show wie im Nu vorübergehen. Der Sound ist erste Sahne, und irgendwie verschwimmen die einzelnen Songs bei fortgeschrittenem Bierkonsum für viele zu einem großen, stimmigen Ganzen.

NAEVUS hielten einst in den 90ern, als Doom Metal keine Sau interessierte, die Flagge dieses Subgenres hierzulande eisern hoch. Dafür gebührt den Baden-Württembergern Respekt. Ob die Welt nunmehr eine Reunion der Truppe wirklich dringend braucht, sei dahingestellt. Jedenfalls vermögen die Jungs zumindest live in Würzburg zu überzeugen. Geboten wird ein gelungener Querschnitt aus den bisherigen Veröffentlichungen der Doomer.

Während NAEVUS eher die Traditionalisten zufrieden stellen, wirken NECROS CHRISTOS auf dem Billing des Slow-Mo-Festivals etwas deplatziert. Gut, der düstere Death Metal der Berliner kommt auch des Öfteren mit allerlei doomigen Elementen sowie lavagleichen, zähflüssigen Riffs daher. Man zeigt sich redlich bemüht, die Atmosphäre, die auf den Alben vorherrscht, zu rekapitulieren, auch die Performance wirkt zwar intensiv, aber nicht bis in letzter Konsequenz so stimmig wie auf den Studiowerken. Trotz der Tatsache, dass ein Gros des Publikums eher auf Doom ausgerichtet ist, schaffen es NECROS CHRISTOS, auch im Rahmen dieser Veranstaltung zu bestehen und für begeisterte Reaktionen zu sorgen.

Etwas zwiespältig werden hingegen SOLSTICE aufgenommen: Die Erwartungshaltung seitens der Fans wurde im Vorfeld bereits, unter anderem auch durch Gitarrist Rich Walkers exzentrisches Gebaren, in schwindelerregende Höhen geschraubt. Dass Sänger Paul Thomas Kearns dann stimmlich leider nicht immer voll auf der Höhe ist und manches Mal sogar im Timing hinterherhinkt, ist enttäuschend. Leider musizieren zuweilen auch seine Mitstreiter an den Instrumenten etwas aneinander vorbei. Trotzdem liefern SOLSTICE alles in allem einen mitreißenden Gig ab. Schade allerdings auch hier, dass die Studiowerke im Vergleich zum livehaftigen Auftritt regelrecht göttergleicher Natur sind und dass auf der Bühne diese unvergleichliche Aura nicht reproduziert werden kann.

THE SKULL hatten beim Auftritt auf dem diesjährigen Hells Pleasure Open Air unmittelbar nach dem Feuerwerk, das Midnight kurz zuvor heraufbeschwörten, keinen leichten Stand. Das Hammer Of Doom passt da rein musikalisch gesehen schon eher. Endlich steht Eric Wagner auf der Bühne dieser Veranstaltung, um alte Trouble-Songs zum Besten zu geben. In der Vergangenheit war er ja bereits mal mit Death Row zugegen, um Pentagram-Klassiker zu intonieren. Und Trouble selbst sorgten einst mit Warrior Soul-Fronter Kory Clarke für reichlich gespaltene Meinungen. An diesem Abend jedoch sind sich alle einig, einer besonderen Show beizuwohnen: Kein Wunder, zelebrieren THE SKULL doch alte Trouble-Songs, dass es eine wahre Freude ist! Die Chicagoer sind schlichtweg der perfekte Co-Headliner für eine absolute Legende namens PENTAGRAM.

Diese sind und bleiben unbestritten die aktuellen Könige der alten Doom-Garde. Leider dürfen wir heute den vermutlich letzten Gig inklusive Saitenhexer Victor Griffin erleben. Warum, ist rätselhaft, sollte doch Bobby mittlerweile clean und leichter zu handeln als früher sein. Wie auch immer, Griffin performt heute, als ginge es um sein Leben. Cool as fuck bearbeitet er seine Les Paul mit einer Energie, Aggression und Hingabe, die vielen die Kinnlade nach unten kippen lässt. Und dieses Feeling in den Fingern! Mehr als sonst ist heute irgendwie er, nicht Bobby Liebling, der primäre Hingucker. Natürlich lieben wir seine schrillen Outfits, das Züngeln, die Grimassen und wenn er sich mal am Boden wälzt. Es wird schwer sein, jemanden zu finden, der dieses Charisma-Duo ähnlich gut verkörpern kann. Zu PENTAGRAM ist es so voll vor der Bühne, dass sich viele mit Ellenbogen Luft erkämpfen müssen und die Hälfte ihrer Getränke dabei verschütten. Egal! Von Teenie bis Opa, von Biker bis Kutten-Metaller, von Rocker bis Doom-Jünger, die Posthalle kocht und frisst den Amis aus der Hand. Heute bringen die vielen Stücke von „Relentless“ und der 70s-Phase am meisten zum Ausflippen.

Eine der geilsten Shows des gesamten Jahres 2012 lässt ein geniales Hammer Of Doom Festival einmal mehr absolut würdig und magisch zu Ende gehen. So soll es weitergehen. Wir freuen uns auf die nächste Runde! (CW und MWM)

 

 

 

Silver Horses

Tuesday, 30 October 2012 00:00 Published in Aktuelle Interviews

 

SILVER HORSES besteht aus diversen italienischen Musikern sowie dem Ex-Black-Sabbath-Sänger Tony Martin am Gesang. Schon lange spukte im Kopf unseres Gesprächspartners Gianluca Galli (Gitarre) die Idee herum, eine Band ins Leben zu rufen, die sich voll und ganz den 70er Jahren verschreiben sollte. “Ich fing mit einigen meiner Kollegen an, eigene Songs zu schreiben und zu proben. Innerhalb eines Jahres standen letztendlich 15 bis 18 Tracks zu Buche.” Elf davon fanden ihren Weg auf das dieser Tage erscheinende, selbstbetitelte Debütalbum von SILVER HORSES. Auch der Bandname entsprang der Inspiration Gianlucas, wie dieser bekräftigt: “Die Worte “Silver Horses” tauchen in Creams Song 'White Room' auf, darüber hinaus trägt ein Badlands-Stück diesen Titel. Ich verehre die Badlands, und speziell Gitarrist Jake E. Lee sowie Sänger Ray Gillen sind zwei meiner Lieblingsmusiker. Darüber hinaus schätze ich mich glücklich, Jake E. Lees Les Paul zu besitzen, und zwar genau jene, die er für die Aufnahmen zu Ozzy Osbournes “Bark At The Moon”-Album benutzte! Ich spielte damit einige SILVER HORSES-Songs ein, die Axt inspirierte mich wirklich sehr! Unser Bandname klingt auch sehr nach den 70ern, sehr alt sozusagen.”

 

Dabei möchte Gianluca SILVER HORSES auch definitiv als Band im ursprünglichen Sinne verstanden wissen. “Wahrscheinlich waren wir zu Beginn noch eher eine Art Projekt, aber als unsere Zusammenarbeit fortschritt und nach der ganzen Zeit, die wir zusammen verbrachten, kann man uns als wirkliche Rock-Band bezeichnen! Bereits im Juni traten wir miteinander auf, und unser Management plant, im kommenden Frühjahr/Sommer ein paar Gigs zu organisieren.” Was auffällt, ist die Tatsache, dass Tony Martin nach seiner Zusammenarbeit mit Dario Mollo nunmehr in diesem Jahr mit SILVER HORSES bereits die zweite Kollaboration mit italienischstämmigen Musikern auf die Beine gestellt hat. “Es hat durchaus den Anschein, als ob Tony über eine spezielle Bindung zu Italien verfügt! Wir kamen auch durch unseren Freund Dario Mollo in Kontakt mit ihm. Vor zwei Jahren trafen wir uns in London und unterhielten uns über das Projekt. Das Feeling war von Anfang an da, und er fing an, Texte als auch Gesangsharmonien auszuarbeiten. Tony veränderte einige Songstrukturen, um sie an seine Vocals und seine Art zu singen anzupassen. Das war schon ein langer, harter, aber durchaus kreativer Arbeitsprozess! Manchmal glaubten wir, dass das Stück schon fertig sei, aber dann hatte Tony doch noch eine neue Idee oder meinte, dass man diverse Parts noch verändern könne. Daraufhin mussten wir entweder das Ganze neu aufnehmen oder gleich von Grund auf umstrukturieren.”

 

Gianluca erwähnte bereits, dass SILVER HORSES eine Band sei, die sich ganz der Rockmusik der 70er Jahre verschrieben habe. Dies ist einerseits richtig, da Sounds dieser spezifischen Ära aus der Feder von Helden wie Led Zeppelin oder Van Halen durchaus das Grundgerüst der Musik der Formation bilden. Allerdings schaffen es SILVER HORSES, diese Einflüsse in ein modernes Korsett zu zwängen, das durchweg zeitgemäß ist. “Wir beabsichtigten, die Stimmung und Atmosphäre der 70er einzufangen und neu zu erwecken – Led Zeppelin über alles! Es war eine interessante Herausforderung für Tony, bluesiger zu singen. Für mich persönlich hört sich unser Debüt sehr nach Led Zeppelin an, aber ich habe schon viele Leute gehört, die meinten, dass wir sehr modern klingen würden, dass wir durchaus über ein eigenes Gesicht verfügen würden. Ich finde das sehr komisch, da ich glaubte, dass SILVER HORSES lediglich eine Art Led Zeppelin-Klon sei... aber vielleicht ist das nur eine fixe Idee von mir?!” Eigenständig sind die “Silberpferde” auf jeden Fall – und enorm produktiv, haben die Jungs doch schon wieder vier neue Songs fertig geschrieben.

www.silver-horses.com

CAN "The Lost Tapes" 3-CD Re-Release

Wednesday, 12 September 2012 00:00 Published in Elektrolurch

CAN zählen neben Megasellern wie den Scorpions, Kraftwerk und nicht zuletzt auch Rammstein zu den vor allen Dingen im Ausland bekanntesten und einflussreichsten deutschen Bands. Ursprünglich anno 1968 von Stockhausen-Schülern unter der Prämisse, experimentelle Musik bar jeglicher Grenzen zu schreiben, ins Leben gerufen, steckten Journalisten wie Fans die Formation kurzerhand in die damals gerade zeitgemäße Schublade Krautrock. Dass man zwar die Außenwirkung als Rockgruppe besaß, letzten Endes jedoch nie dieser einengenden Stilbeschreibung entsprach, steht auf einem anderen Blatt. Der Einsatz elektronischer Elemente im Bandsound führte dazu, dass man CAN gemeinhin als Vorreiter eines Genres sah, das von Gruppen wie den erwähnten Kraftwerk, Neu! oder Tangerine Dream konsequent weitergeführt und –entwickelt wurde. Auch Künstler wie David Bowie, Brian Eno beziehungsweise Formationen wie Radiohead, Joy Division, Siouxsie And The Banshees, The Mars Volta, Sonic Youth oder Portishead nannten CAN als prägenden Einfluss auf ihre Musik. Insbesondere das Doppelalbum „Tago Mago“ aus dem Jahr 1971 gilt als Meilenstein. Das Rock N Pop Museum erwarb das ehemalige Tonstudio der Vabd, das einst den Namen Inner Space trug und sich im nordrhein-westfälischen Weilerswist befand, um es in Gronau wiederaufzubauen. Der Kauf der Immobilie stellte sich im Nachhinein als echter Glücksgriff für die Musikwelt heraus, denn während der Abbauarbeiten fand man in einem alten Archiv-Schrank eine Vielzahl an unbeschrifteten Master-Bänder. Diese beinhalteten mehr als 30 Stunden bis dato nie veröffentlichtes Material. 30 Songs auf drei randvollen CDs aufgeteilt hat man im Rahmen der "Lost Tapes" so zusammengetragen, die sowohl für Insider als auch für Neueinsteiger in das komplexe, variantenreiche Schaffen der Band interessant sein dürften. Die Aufnahmen entstammen der „klassischen“ CAN-Zeit, als Holger Czukay (Bass, Sound-Engineer, Elektronik), Michael Karoli (Gitarre, Gesang, Violine), Jaki Liebezeit (Schlagzeug, Percussion) und Irmin Schmidt (Keyboards, Gesang) das Grundgerüst der Truppe bildeten. Als Frontmänner agierten bei den meisten Aufnahmen der „Lost Tapes“ sowohl Malcolm Mooney als auch dessen Nachfolger Damo Suzuki. CAN bewegen sich einmal mehr im Spannungsfeld zwischen Avantgarde, Psychedelic, Rock 'n' Roll, Weltmusik, Electro und Minimal Music. Angesichts der Entstehungszeit der einzelnen Songs ist es mehr als verblüffend, wie vielfältig und frisch das gebotene Werk auch heutzutage noch klingt. Für die zahlreichen Fans ist die vorliegende Zusammenstellung ein absolutes Muss, da der 3-CD-Box nicht zuletzt auch noch ein 28-seitiges 10-Inch-Booklet mit ausführlichen Linernotes von Irmin Schmidt und einem Essay von Ian Harrison beiliegt. 

 

 

 

ATOMWINTER "Atomic Death Metal"

Wednesday, 12 September 2012 00:00 Published in Eigenproduktionen

Alle reden über den Atomausstieg, aber fünf Herren im vorwiegend gesetzteren Alter haben sich unter dem Namen ATOMWINTER zusammengefunden, um ihrer Vorliebe für rabiaten, traditionellen Death Metal zu frönen. „Atomic Death Metal“ stellt nach einer selbstbetitelten EP das zweite Lebenszeichen der Jungs aus Göttingen dar. Die Bandinfo führt als Vergleichsmöglichkeiten Pioniere wie Asphyx, Unleashed oder Bolt Thrower ins Feld. Es ist generell schön zu sehen, dass altehrwürdiges Todesblei wieder die Beachtung findet, die er verdient hat. Dass es im Wust der Neuveröffentlichungen auch einige Bands gibt, die qualitativ eher in der zweiten oder dritten Liga operieren, liegt in der Natur der Sache: Das war Anfang der Neunziger zur großen Death Metal-Explosion schließlich nicht anders. ATOMWINTER bieten zunächst einmal ein Cover-Artwork mit Underground-Charme, das sicherlich keineswegs zu den stimmungsvollsten Vertretern seiner Zunft zählt. Diese eher abträgliche Verpackung beiseite gelassen finden sich auf „Atomic Death Metal“ neun Songs, die in Genre-Klischees wildern, was alleine schon anhand von Titeln wie 'Sentinels Of Doom And Horror', 'The Crypt Is Calling' oder 'Desecration Of Dead Bodies' mehr als offensichtlich ist. Leider operiert man musikalisch jedoch viel zu sehr im Mittelmaß des einheimischen Underground, denn irgendwie plätschern die Stücke einfach so am Hörer vorbei, ohne wirklich für innige Gefühle zu sorgen. Derartige Belanglosigkeit hat es bereits in damals oft genug gegeben, sodass wohl kaum mehr ein Hörer eine Scheibe wie „Atomic Death Metal“ braucht, wenn bereits die Originale in der Plattensammlung stehen. Bei ATOMWINTER fehlt darüber hinaus die Frische. Das Album wirkt wie eine Underground-Veröffentlichung von einst, was an sich gar nicht so schlecht sein muss, aber: An Höhepunkten und einem eigenen Charakter arme Longplayer wie diese sind selbst in der Vergangenheit bereits zu Recht untergegangen. Das schmälert natürlich nicht die Tatsache, dass das Quintett trotz allem annehmbare Songs schreiben kann. Interessenten können sich dieses nicht schlechte, aber auch nicht wirklich gute Album bestellen, indem sie kurzerhand mit der Band in Kontakt treten: www.facebook.com/Atomwinter.

 

 

 

 

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