LEGACY - The Voice from the Darkside

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Christian Wachter (CW)

Christian Wachter (CW)

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HERZLOS "Zweipunktnull"

Monday, 18 August 2014 09:45 Published in Pressure Zone

Deutsch(punk)rock hat dieser Tage nicht zuletzt wegen Größen wie Frei.Wild und Konsorten Hochkonjunktur: Überall sprießen neue Bands aus dem Boden und firmieren unter Namen wie Unherz, Kärbholz, Kneipenterroristen, Unantastbar, Wilde Jungs und Krawallbrüder. Zwar wird sich beständig auf die eigentlichen Wurzeln dieser Formationen berufen, die eher in der Punk-, Rock’n‘Roll- und/oder Oi-Szene zu finden sein sollen, letzten Endes drängt sich einem jedoch der Eindruck auf, dass ziemlich viele der Vertreter dieses Genres in der Vergangenheit ziemlich viel Böhse Onkelz konsumiert haben müssen. Eigene Ansätze sucht man oftmals vergeblich, die Originalität wird im Keim erstickt. Auch HERZLOS aus der Pfalz stoßen lauthals in jenes Horn: Wohl als reine Cover-Band gestartet, gibt man auch heutzutage auf Konzerten noch Hits von den Vorbildern der Marke Frei.Wild, Kärbholz oder Wilde Jungs zum Besten. Erst vor kurzem erschien mit „Volldampf voraus“ das randvoll mit eigenen Songs gepackte Debüt-Album. Nunmehr meinen HERZLOS scheinbar, dass es an der Zeit ist, diesem Werk sogleich einen weiteren Longplayer nachfolgen lassen zu müssen. Vielleicht hätte sich die Band mehr Zeit nehmen sollen, um definitiv einen eigenen Charakter in ihrem Sound herauszuarbeiten? Ich vermute allerdings, dass genau dies auch nicht gerade im Sinne der Herren Musikschaffenden ist… Zu sehr bleibt man den eigenen Inspirationsquellen verhaftet. Man mag zu den Onkelz, Frei.Wild & Co. stehen wie man will: Fest steht, dass aus den Unmengen an Kopien, die dieser Tage die Szene unsicher machen, nur ein Bruchteil überhaupt versucht, zumindest ansatzweise abseits der Wege zu operieren. HERZLOS tun das nicht und zocken vorhersehbare Songs, die einerseits eingängig und unterhaltsam daherkommen. Andererseits krankt die Scheibe an einer drucklosen Produktion, nichtssagenden Riffs sowie an (fast schon genreüblichen) Fremdschäm-Texten.

HELLDORADO "Bones In The Closet"

Monday, 18 August 2014 09:38 Published in Pressure Zone

Beim Genuss von HELLDORADOs Musik tauchen im Hörer unvermittelt Landschaften auf: Man befindet sich dann augenblicklich irgendwo im äußersten Süden der Vereinigten Staaten von Amerika oder in der Einöde der mexikanischen Wüste. Outlaw-Romantik zwischen düsterer Tristesse und südländischer Leichtigkeit, zwischen Todesahnung und feuchtfröhlichen Nächten. Die Texte drehen sich um zentrale Dinge im menschlichen Dasein wie um Extremsituationen: Da wären die Porträts von Menschen, die vom rechten Weg abgefallen sind, die ihre letzten Sekunden auf diesem Erdenrund durchleben und dabei bereitwillig eine Retrospektive ihres Schaffens, ihres Schicksals zulassen. Dann wäre da noch die unerfüllte große Liebe, wie bei `Johnny`s Song` besungen. Dazwischen Profanes wie die Leidenschaft für die „Königin der Highways“, einem `69er-Camaro im gleichnamigen Song `69 Camaro`. Begleitet werden die oft narrativen, unterhaltsamen wie leichtverständlichen Texte von Musik, die einen guten Soundtrack zu einem Tarantino-Streifen hätte abgeben können. Natürlich fallen einem ob dieses Vergleichs unumwunden Tito & Tarantula ein, und zu dieser Formation gibt`s auf „Bones In The Closet“ einige Parallelen zu entdecken. Dezente Rockmusik mit Ausflügen in Folk, Alternative Country und Americana, dazu tönen lauthals Mariachi-Trompeten: HELLDORADO verstehen es, wenngleich die Formation aus dem kalten Norwegen stammt, dezentes TexMex-Feeling aufkommen zu lassen. Wenn im Booklet Ennio Morricone für seine Inspiration gedankt wird, kommt das ebenfalls nicht von ungefähr. „Bones In The Closet“ ist ein verdammt unterhaltsames, kurzweiliges Album geworden, das sich zwar dann und wann recht vertraut anhört, letzten Endes jedoch mit ausgewogenen Songs zu überzeugen vermag. Die musikalische wie ideologische Größe der Idole Johnny Cash, Bob Dylan, Tom Waits und Stan Ridgeway vermögen HELLDORADO zwar keineswegs zu erreichen. Wohl aber ist „Bones In The Closet“ dennoch ein Muss für Liebhaber wirklich gut inszenierter TexMex-Mucke.

CHUCKAMUCK "Jiles"


Sunday, 17 August 2014 20:30 Published in Pressure Zone

Aus einer Schüler-Band sind CHUCKAMUCK hervorgegangen: Spuren dieser Vergangenheit lassen sich im Sound der Band auch heute immer noch erahnen. Allerdings haben die Jungs ihren Sound auf „Jiles“ auf ein neues Level gehoben: Indie-/Alternative-Rock mit deutschen Texten heißt die Devise. Die Produktion ist dabei passend rudimentär ausgefallen und versprüht zusammen mit dem Artwork einen Hauch DIY. Eine krude, ungewöhnliche Mischung aus alternativem Rock, schwelgerischen Indie-Klängen und etwas Punk Rock prägt die Musik CHUCKAMUCKs. Vor allen Dingen die Ramones scheinen einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Band ausgeübt zu haben. Dies passt zum leichten, poppigen Pathos der zwölf auf „Jiles“ enthaltenen Stücke. Diese kommen unumwunden auf den Punkt, lassen kaum Raum für Experimentelles. Dafür sollen die Texte für Tiefgründigkeit sorgen, was mal mehr, mal weniger gelingt. Hervorzuheben ist CHUCKAMUCKs fast schon kindliches Spiel mit der Sprache: Der Weg ist dabei das Ziel, der lautmalerische Ausdruck manches Mal wichtiger als der textliche Gehalt. Etwas orientiert man sich dabei an einer Größe wie Rio Reiser, wenngleich man musikalisch natürlich andere Wege beschreitet. Der Sound der Jungs ist kaum greifbar, bedient sich verschiedenster Ausdrucksformen. Dies führt dazu, dass CHUCKAMUCK eigentlich nicht auf einen bestimmten Stil festzunageln sind. „Jiles“ klingt alles andere als homogen, ja zuweilen regelrecht zerfasert. Oft schimmert noch, wie eingangs bereits erwähnt, das Niveau einer Schüler-Band durch, selbst wenn manch einer gerade dies positiv als jugendliche Unbekümmertheit wertet. Sicherlich gibt es im Bereich des Independent hierzulande weitaus schlechtere Scheiben. Allerdings wird „Jiles“ auch keineswegs die deutsche (alternative) Rockmusiklandschaft revolutionieren, weswegen die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Veröffentlichung durchaus gerechtfertigt ist. Anhänger zuweilen abstruser Musikmischungen alternativer Art können hier aber trotzdem mal reinhören – ohne Gewähr…

WOLVESPIRIT "Dreamcatcher"

Thursday, 07 August 2014 17:34 Published in Eigenproduktionen

Unverständlich: Da nehmen große Plattenfirmen die 235.454ste schlechte Coven-Kopie unter Vertrag und wirklich hoffnungsvolle Newcomer müssen ihre Scheiben als Eigenproduktion unters Volk werfen! Nun gut, vielleicht haben WOLVESPIRIT einen entscheidenden Makel: Sie kommen nicht aus Schweden... Darüber hinaus versucht man nicht, sich ein möglichst düster-okkultes Image zu verpassen. Eher im Gegenteil: Der Digipack von „Dreamcatcher“ erstrahlt in herrlich psychedelischen Farben! Auch Texte wie bandeigene Kommentare im Booklet künden eher von lebensfrohen, positiv gestimmten Zeitgenossen. Man darf jedoch an dieser Stelle nicht den Fehler machen und haschischgeschwängerte Hippiemucke oder abgespactes Improvisationsgedudel erwarten. WOLVESPIRIT sind handwerklich sehr beschlagen, das steht außer Frage. Allerdings steht der Song an sich klar im Mittelpunkt des Interesses. Wahnsinn, welch intensive, treibende wie verträumte Musik das Quartett hier zu erschaffen vermag! `Gipsy Queen` beispielsweise erinnert total an einen Übersong wie `Kill The King` von Rainbow. Das unmittelbar darauffolgende ´Raven` geht dagegen bedächtig zu Werke und entwickelt eine ganz ureigene Stimmung. Überhaupt springen einem die Songs von „Dreamcatcher“ nicht unmittelbar direkt an, sondern entwickeln durch gekonnte Harmonieführung sowie ausgebufftes Songwriting eine Eigendynamik, der man sich schwer entziehen kann und die dafür sorgt, dass man an diesem Album länger Spaß hat als dass man es nach nur einem Hördurchgang ins CD-Regal stellt. Und das Beste: Mit Debbie Koye hat man eine hammermäßige Sängerin in den Reihen, die sämtliche Okkult-Rock-Trällerelsen locker in die Tasche steckt! Debbies Vocals passen sich der spezifischen Stimmung des jeweiligen Songs nahezu perfekt an: Ob nun hart, aggressiv, mächtig, bedrohlich oder aber fragil, leidenschaftlich, geheimnisvoll. Nie wirkt das, was Frau Koyes Kehle entfleucht, aufgesetzt respektive unecht. Ist Debbie vielleicht gar eine Inkarnation von Ronnie James Dio? Gut, über unschlagbare Weltklasse verfügen weder die Frontdame noch WOLVESPIRIT: Noch nicht... Dass Michael Wagener (u.a. Ozzy Osbourne, Metallica, Lordi, Dokken und Janet Jackson) „Dreamcatcher“ abgemischt hat, ist eine nette Randnotiz, angesichts der Klasse der Scheibe allerdings zweifelsohne nicht mehr ganz so wichtig... http://band.wolvespirit.de.

(c) 2012 www.legacy.de

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