LEGACY - The Voice from the Darkside

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Christian Wachter (CW)

Christian Wachter (CW)

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OFFICIUM TRISTE "Mors Viri"

Monday, 30 June 2014 21:45 Published in Dawn Of Doom

OFFICIUM TRISTE sind eine wundervolle Konstante in der internationalen Death/Doom-Szene: Spätestens seit ihrem Debüt „Ne Vivam“ waren die Niederländer eigentlich immer da und begleiteten einen durch schwere Zeiten für derlei Musik. Mittlerweile erlebt zumindest klassischer Doom sowie jegliche Art von 70er-Rock einen regelrechten Hype. Doch leider (oder vielmehr glücklicherweise!) geht auch dieser Trend am atmosphärischen Death/Doom, wie ihn OFFICIUM TRISTE zelebrieren, weitestgehend vorbei. Trotzdem wird derlei Musik heutzutage wieder mehr beachtet und honoriert, was die Achtungserfolge von Formationen wie beispielsweise Esoteric oder Mourning Beloveth belegen. Die Niederländer gehen dabei allerdings weitaus variabler und abwechslungsreicher zu Werke als die Briten und haben musikalisch wohl am ehesten was mit den genannten Iren am Hut. Denn auch bei OFFICIUM TRISTE übernimmt oftmals Klargesang das Zepter. Dabei prallen sozusagen Welten aufeinander: Harsche Death-Growls sowie schwere Riffs wechseln sich mit elysisch-wundervollen Gitarrenharmonien ab. Die Niederländer schaffen es auch heute noch, dem Hörer einen Gänsehautschauer nach dem anderen über den Rücken zu jagen. Jener schwelgerische, epische Charakter der einzelnen Tracks ist in dieser Intensität definitiv beeindruckend und regt zum Träumen an... Sicherlich ist die Grundstimmung der Scheibe eher melancholischer Natur, dennoch ist inmitten von Trauer, Verzweiflung und Weltschmerz ebenso viel Raum für lichte Momente der Hoffnung. Wohl auch aus diesem Grund ist „Mors Viri“ ein solch leicht zugängliches Werk geworden. Andererseits mangelt es dem Album jedoch keineswegs an Tiefe, und auch nach vielen, vielen weiteren Hördurchgängen lassen sich noch zuhauf kleine Details entdecken. Der fast schon sakrale, weihe- und würdevolle Charakter der Musik OFFICIUM TRISTEs macht aus dieser Band nach wie vor etwas Besonderes. Schön, dass es solch verlässliche Konstanten in einer immer schnelllebigeren Szene gibt!

HORRID "Sacrilegious Fornication"

Wednesday, 11 June 2014 18:04 Published in A-Z

Nach den ebenfalls an dieser Stelle besprochenen Fingernails folgt nun eine weitere Formation aus dem sonnigen Italien, die bereits seit Ewigkeiten im Underground operiert, aber nie Aufmerksamkeit im großen Stil erheischte. Das Echo auf das bisherige Schaffen der Südeuropäer fiel selbst für eine Band aus dem Land von Pizza, Pasta und Piccolo äußerst verhalten aus. Vielleicht haben sich bis dato viele potentielle Hörer aufgrund des unansehnlichen Logos von einem Kauf abschrecken lassen? Kann aber auch sein, dass HORRID selbst in der Vergangenheit eben keine allzu überzeugende Arbeit ablieferten. „Sacrilegious Fornication“ stellt nach satten 25 Jahren Band-Geschichte gerade mal das dritte Album dar. Selbiges widmet sich sowohl in Sachen Cover-Gestaltung als auch Texten ausschließlich Thematiken düsterer, blasphemischer Natur. Fotos des Trios erinnern indes etwas an neuere Shootings einer Legende wie Deicide. Und dieser Vergleich ist gar nicht mal so weit hergeholt: Die acht Eigengewächse auf „Sacrilegious Fornication“ erinnern allesamt an die US-Todesblei-Recken um Front-Deibel Glen Benton. Dass HORRID aber auch von Bands beeinflusst ist, deren musikalische Zeugnisse weiter in der Zeit zurückliegen, davon kündet die finale Coverversion des Hellhammer-Klassikers 'Massacra'. Wieder einmal reisten die Italiener für die Produktion der Scheibe gen Schweden, genauer gesagt ins legendäre Sunlight Studio, um unter der Ägide von Tomas Skogsberg ihre dritte Langrille einzuspielen. Bei der Gelegenheit stieß auch Johan Jansson von Interment hinzu, der gleich etwas Gastgesang beisteuerte. „Sacrilegious Fornication“ ist keine schlechte Scheibe, orientiert sich jedoch etwas zu sehr an den Vorbildern Deicide. (CW)
9 Punkte

FAITH "Decades Of Despair"

Tuesday, 03 June 2014 22:43 Published in Dawn Of Doom

Es ist richtig, dass FAITH zusammen mit Legenden wie Candlemass und Count Raven Teil der zweiten Welle an schwedischen Doom Metal-Bands waren. Allerdings schafften es die Schweden nie, den Erfolg der beiden genannten Formationen auch nur annähernd zu erreichen. Es mag vielerlei Gründe dafür gegeben haben, wieso FAITH nicht allzu große Aufmerksamkeit erheischen konnten. Einer davon war wohl auch die Tatsache, dass man anders als Candlemass und Count Raven musikalisch nichts wirklich Überragendes ablieferte. Auch „Decades Of Despair“ krankt leider an diesem Manko. Doch der Reihe nach: Die Schweden liefern hier vier Jahre nach „Blessed“ ihr drittes Album ab und demonstrieren einerseits, dass sie wunderbar melancholische, tieftraurige, aber auch kraftvolle Stimmungen erschaffen können. Allein es fehlt irgendwie die Kompaktheit des Songwritings, das Mitreißende in den einzelnen Riffs. Die meisten Stücke werden in epische Längen bis zu sagenhaften 15 Minuten (`Codex Dei`) ausgewalzt – da hätte man auch mehr straffen können… Leider schaffen es FAITH nicht, den Hörer bei der Stange zu halten: Die einzelnen Songs, die stilistisch irgendwo zwischen Candlemass, Morgana Lefay und mitunter gar While Heaven Wept rangieren, zeichnen sich in erster Linie durch zu langatmige Arrangements aus. Ein Stilmerkmal der Schweden dürfte ein gewisser Hang zur Variabilität sein: Davon künden unter anderem die beschwingte Ziehharmonika-Nummer `BoEves Psalm`, das von melancholischen Streicherklängen durchwebte `Stums Polska` sowie die abschließende Coverversion von Louis Armstrongs Welthit `What A Wonderful World`. Letztere jedoch vermag keineswegs gegen beispielsweise Ministrys eigenwillige Interpretation dieses Stückes anzustinken. Ein gutes Cover zeichnet sich durch Nähe zum Original sowie eine eigene Note aus. Diese fehlt bei FAITHs Interpretation nahezu vollends, man orientiert sich nahe an der Ursprungsversion. Schade, aber verständlich dann auch, dass Vokalist Christer Nilsson natürlich nicht mit dem unvergleichlichen Gesangsorgan eines Louis Armstrong konkurrieren kann. Summa summarum ist „Decades Of Despair“ keine schlechte, aber trotzdem zu langatmige Angelegenheit, bei der schlichtweg der rote Faden fehlt.

COUGH & WINDHAND "Reflection Of The Negative"

Tuesday, 03 June 2014 22:39 Published in Dawn Of Doom

Vollmundig wird die vorliegende Veröffentlichung von Seiten der Plattenfirma als das Genre-Split-Album des Jahres abgefeiert. Nun, zumindest haben COUGH sowie WINDHAND, die beide aus Richmond, Virginia, stammen, mit „Reflection Of The Negative“ diesbezüglich ein verdammt heißes Eisen im Feuer. COUGH liefern mit `Athame` einen überlangen, fast 19-minütigen Song ab, während WINDHAND mit zwei epischen Stücken aufwarten, die insgesamt auf die gleiche Spielzeit wie der Song ihrer Split-Partner kommen. Wenden wir uns indes zuerst den düsteren Drone-Sounds von COUGH zu: `Athame` wurde auf die grundlegenden Elemente pechschwarzer SlowMo-Sounds zurückgefahren. Lavagleich fließen mächtige Doom-Riffs aus den Boxen, eine alles zermalmende Rhythmussektion sorgt dabei für den trotz aller Langsamkeit enorm groovigen Unterbau. Erinnerungen an die Überväter Black Sabbath werden wach, aber auch Sludge-Größen wie Eyehategod, Grief und vor allen Dingen Electric Wizard dürften einen großen Einfluss auf COUGH ausgeübt haben. Es ist ein regelrechtes Kunststück, wenn es eine Formation schafft, einen Track trotz Überlänge unterhaltsam zu gestalten, so dass der Hörer selbst nach 18 Minuten noch voll bei der Sache ist. Das Quartett aus Richmond hat dies auf `Athame` geschafft. WINDHAND schlagen in eine ähnliche stilistische Kerbe, wenngleich die beiden Stücke `Amaranth` (siebeneinhalb Minuten Spielzeit) und `Shepherd`s Crook` (fast elf Minuten Spielzeit) vergleichsweise „kompakter“ daherkommen. Während COUGH bereits vor allen Dingen in Form des superben Relapse-Einstandes „Ritual Abuse“ auf sich aufmerksam machen konnten, stehen WINDHAND noch ziemlich am Anfang einer vermutlich verheißungsvollen Karriere: Intensive Stimmungen, erhebende Sound-Landschaften bedrückender Heavyness werden von diesem Quintett beschworen. Eher fast schon unmerklich, im Hintergrund agiert Sängerin Dorthia Cottrell, die nicht immer genau die Töne trifft respektive deren Stimme kaum über das nötige Charisma verfügt, um den einzelnen Songs einen ureigenen Stempel aufzudrücken. Das ist aber dann auch schon der einzige Kritikpunkt. Insgesamt gesehen ist die vorliegende Split-Veröffentlichung ein absolutes Muss für Genrefans, allein schon wegen des mächtigen COUGH-Über-Songs!

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