LEGACY - The Voice from the Darkside

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Christian Wachter (CW)

Christian Wachter (CW)

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Dass ein Gros der an diesem Donnerstagabend im Nürnberger Löwensaal anwesenden Fans in erster Linie für „Uns Udo“ Dirkschneider gekommen ist, dürfte angesichts der Begleitumstände kaum verwunderlich sein, bietet der „German Tank“ im Rahmen der umfangreichen „Back To The Roots“-Tour doch zum letzten Mal überhaupt ein Potpourri aus alten Accept-Klassikern. Für das Rahmenprogramm sorgen VICIOUS RUMOURS und TRANCE.

Letztgenannte existieren bereits seit 1977, die in den 80ern veröffentlichten Alben „Break Out“, „Power Infusion“ und „Victory“ präsentierten damals eine Band, die sich klassisch teutonischem Edelstahl widmete. Der große Durchbruch gelang indes nie, aber zumindest sind die Jungs jetzt wieder zurück am Start: Mit Leadgitarrist Markus Berger und Bassist Thomas Klein treten lediglich noch zwei Originalmitglieder dort in Erscheinung. Ergänzt werden die Beiden von Gitarrist Eddie St. James und Schlagzeuger Jens Gellner (u.a. Masters Of Disguise). Am Mikro operiert mittlerweile ein gewisser Joe Strubel, der sein Fach beherrscht und eine handwerklich von Grund auf solide Leistung abliefert. Allerdings würde das Timbre des neuen Frontmannes eher zu einer Band wie beispielsweise Helloween oder Hammerfall passen denn zu altehrwürdigem deutschen Heavy Metal. Da war Ursänger Lothar Antoni damals eine weitaus bessere Wahl! Rein musikalisch gesehen machen TRANCE ihre Arbeit jedoch gut. Derzeit arbeiten die Rheinland-Pfälzer übrigens an einem neuen Album namens „The Loser Strikes Back“. Gute Laune ist an diesem noch recht jungen Abend auf der Bühne angesagt, selbst wenn anfangs noch nicht allzu viele Leute vor Ort sind und das Publikum erst im Laufe des TRANCE-Sets tröpfchenweise in den Saal strömt.

Dieser ist dann allerdings bei VICIOUS RUMORS bereits nahezu zum Bersten gefüllt: Wie oft der Rezensent die Kalifornier bis dato bereits live gesehen hat, vermag er kaum mehr stichhaltig zu benennen, waren die Amis um Ur-Gitarrist Geoff Thorpe im Laufe der letzten paar Jahrzehnte doch in schöner Regelmäßigkeit immer wieder mal im Schlepptau größerer Headliner unterwegs gewesen. Während man den Jungs rein musikalisch gesehen kein X für ein U vormachen kann, vermag das Songmaterial, insofern man nicht vollkommen US-Metal-affin ist, nicht immer vollends zu überzeugen. Zu kopflastig, zu verquer wirkt dabei so mancher Song, trotz der reichlich vorhandenen guten Ideen. Als der einschlägige Szene-Veteran James Rivera (u.a. Helstar, Malice) vor zirka zehn Jahren als Frontmann bei VICIOUS RUMORS auftrat, verlieh dieser der Band seine unvergleichliche Aura sowie nicht zuletzt auch Vocals, die trotz aller melodischen Ansätze immer noch aggressiv und düster daherkamen.

Das ist nunmehr bei Neu-Sänger Nick Holleman komplett anders: Der Jungspund verfügt über ein glasklares Gesangsorgan, der Stimmumfang umfasst locker mehrere Oktaven. Leider lässt Herr Holleman trotz aller Professionalität irgendwie die dennoch nötige Prise Aggressivität und Dreck missen. Dieses Manko versucht Nick jedoch mit einer engagierten, kraftvollen Show wieder wettzumachen: Wie ein Derwisch wirbelt der junge Amerikaner über die Bühne, generell merkt man der Gruppe die langjährige Bühnenerfahrung zu jeder Sekunde an. In der Setlist stehen Songs neueren Datums vom aktuellen Album „Concussion Protocol“ ('Circle Of Secrets') sowie natürlich alte Klassiker wie 'Abandoned' oder der Titeltrack der Debütscheibe „Soldiers Of The Night“ aus dem Jahr 1985. Eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass Frontmann Nick Holleman damals bei Erscheinen des Albums scheinbar ja noch nicht mal im Entferntesten geplant war, erblickte er doch erst sieben Jahre später das Licht der Welt! Rein vom Spielerischen her ist der Auftritt von VICIOUS RUMORS sicherlich erste Sahne, allein es fehlt das gewisse Etwas sowie Komponenten wie Spontaneität sowie eine kleine Ladung Dreck und Düsternis.

Wenig Überraschungen, dafür eine ungemein intensive, herrliche Sause mit allerfeinsten Heavy-Klassikern teutonischer Prägung darf man dann danach vom Headliner erwarten: Die Setlist des Abends ist in etwa mit dem Konzertmitschnitt identisch, welcher unlängst in Form des Doppel-Livealbums „Live – Back To The Roots“ unters Volk gebracht wurde. Im regulären Teil reiht sich also bereits eine unsterbliche Hymne an die andere: 'Starlight', 'Living For Tonite', 'Flash Rockin' Man', 'London Leatherboys', 'Midnight Mover', 'Breaker', 'Head Over Heels', 'Neon Nights', 'Restless And Wild', 'Son Of A Bitch', 'Up To The Limit', 'Wrong Is Right', 'Screaming For A Love-Bite', 'Monsterman', 'T.V. War', 'Losers And Winners' oder der Party-Kracher 'Midnight Highway'. Gut zweieinhalb Stunden stehen DIRKSCHNEIDER, also Udo Dirkschneider mitsamt seinen U.D.O.-Mannen, auf der Bühne und zelebrieren eine unvergleichliche Huldigung an Accept. Dabei legen die Jungs keine Eile an den Tag, sondern lassen immer mal wieder diverse Solo-Spielereien zwischen den Songs durchschimmern. Zu jeder Sekunde ist erkennbar, dass insbesondere die beiden Gitarristen Andrey Smirnov und Kasperi Heikkinen ungemein viel Spaß daran haben, die Songs der Ex-Band ihres Bosses zu zocken. Auch U.D.O.-Urgestein Fitty Wienhold kann es sich nicht verkneifen, dem Publikum seine Künste am E-Bass zu demonstrieren. Allerdings konzentriert sich der sympathische Viersaitenquäler eher darauf, die Fans zu animieren, nach seinen Tönen mitzugrölen. Eine sichere Bank ist Udos Sohn Sven Dirkschneider hinter dem Schlagzeug: Unglaublich, wie ausdauernd der Jungspund trotz der langen Spielzeit eine überaus treibende, coole Rhythmusarbeit abliefert!

Wie gesagt lassen sich DIRKSCHNEIDER an dem Abend genügend Zeit: 'Princess Of The Dawn' beispielsweise wird mit Mitsingparts versehen scheinbar endlos ausgeweitet. Schauer jagen einem in schöner Regelmäßigkeit über den Rücken, beispielsweise wenn die Fans Sprechchöre wie die eben besagten intonieren oder vor dem Zugabenblock den Mittelteil von 'Balls To The Wall' lautstark gröhlen. Apropos: Nicht weniger als gleich fünf Songs gibt's noch mal obendrauf, darunter absolute Hymnen wie 'Metal Heart', 'I'm A Rebel', 'Fast As A Shark', 'Balls To The Wall' und das abschließende 'Burning'. Der Schalk sitzt Udo im Nacken, als er das hinlänglich bekannte 'Balls To The Wall' als neuen Song ankündigt, den die Band noch nie zuvor live gezockt hat. Natürlich kann man überall Haare in der Suppe finden: So mancher Hit wurde nicht gespielt ('Run If You Can' wäre da zum Beispiel einer meiner Favoriten gewesen), aber so ist das nun mal bei einer einigermaßen „begrenzten“ Spielzeit: Nach Ende des Abends hat man als Fan den Eindruck, dass man irgendwie trotzdem eine mehr als amtliche Vollbedienung in Sachen Accept bekommen hat. Während sich bei so mancher Band halbstündige Auftritte ewig in die Länge ziehen, ist sämtliche Müdigkeit beim DIRKSCHNEIDER-Konzert wie verflogen: Von Anfang bis Ende feiert das Publikum lautstark mit und ist dankbar für jede einzelne Note. Im Nu sind die zweieinhalb Stunden Spielzeit vorüber. Auch die Musiker selbst sind immer wieder überwältigt von den frenetischen Reaktionen der Fans, so dass spontan auch mal noch eine weitere Strophe von 'Balls To The Wall' beispielsweise gezockt wird. Und über die unvergleichliche Präsenz Udos sowie seine charismatische Reibeisenstimme braucht man ohnehin keine Worte zu verlieren. Natürlich gibt's Nörgler, die sich fragen, ob es heutzutage nötig ist, zwei Bands zu haben, die die alten Accept-Sachen spielen, und ja, natürlich ist bei DIRKSCHNEIDER in Form von Udo nur ein einziges Original-Mitglied mit von der Partie. Doch die restlichen Musiker sind nicht irgendwer, sondern langjährige Wegbegleiter des Frontmanns. Und, mit Verlaub gesagt, Dirkschneider war und ist DIE Stimme von Accept! – Natürlich darf man seinen kompetenten wie sympathischen Nachfolger Mark Tornillo nicht in Misskredit bringen, dafür macht er seine Arbeit bei den Accept der Gegenwart einfach zu gut. Die alten Klassiker der Band verbindet man indes nach wie vor natürlich mit dem Gesang des Udo Dirkschneider.

Beim ruhigen 'Winterdreams' im normalen Set läuft einem ein Gänsehautschauer über den Rücken, kommt in solchen Momenten doch Wehmut auf, Udo zum letzten Mal mit ausschließlich Accept-Songs im Gepäck zu sehen. Dieses Gefühl eines Abschiedes wird dann beim Sinatra-Klassiker 'My Way', das zum Ende des Zugabenblocks aus der Konserve ertönt, während sich die Band verabschiedet, noch intensiver: Komisches Gefühl, so etwas in der Form zukünftig nie mehr live erleben zu dürfen: Aber immerhin hat sich der „German Tank“ mit einer absoluten Killershow verabschiedet, die keinerlei Wünsche offen ließ! – Man kann es gar nicht oft genug sagen: Vielen Dank, Udo, für all die geilen Konzerte und für die Unmengen an zeitlosen Metal-Klassikern! - Auf bald!!!

 

 

 

Am Abend des schweren Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt strömen ganz im Süden der Republik Tausende von Menschen zu MANFRED MANN´S EARTH BAND, was insofern verwundert, als dass Montags-Shows eigentlich tendenziell eher weniger gut besucht sind. Nicht so hier: Die Muffathalle platzt aus allen Nähten, selbst schon beim Opener XANDER AND THE PEACE PIRATES. Bereits vor Veröffentlichung ihres Debütalbums „11:11“ im November dieses Jahres vermochten die fünf Liverpooler auf sich aufmerksam zu machen: Henry Juszkiewicz, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von Gibson Brands, entdeckte die beiden namensgebenden Brüder Keith und Stu Xander auf YouTube, Auftritte mit Größen wie Joe Bonamassa, Joe Satriani, Robben Ford und Bernie Marsden folgten.

An diesem Abend stimmt das Quintett das Publikum nun also auch noch auf MANFRED MANN´S EARTH BAND ein. Dabei vermögen die Engländer mit ihrer an und für sich schwer definierbaren Mischung aus Soul, Blues und Rock durchaus zu gefallen. Selbst wenn XANDER AND THE PEACE PIRATES das Rad nicht neu erfinden, macht die sympathische Performance der Briten dieses kleine Manko allemal wett. Als Blickfänger fungieren natürlich in erster Linie die beiden Xander-Brüder: Keith besticht mit ausdrucksstarker Stimme und verblüfft vor allen Dingen aufgrund der Tatsache, dass er an der rechten Hand eine Prothese trägt und trotz dieses vermeintlichen Handicaps sehr gut die Gitarre bedienen kann. Sein Brüder Stu hingegen agiert an der Akustikklampfe wie ein Derwisch und bangt sich zumindest zum Ende des Sets bei den etwas rockigeren Momenten die Seele aus dem Leib. XANDER AND THE PEACE PIRATES fahren mit diesem Auftritt jedenfalls mehr als nur einen kleinen Achtungserfolg ein, sind danach noch hinterm Merchandise-Stand sowie letzten Endes gar auf der Bühne bei MANFRED MANN´S EARTH BAND zu sehen.

Der Headliner zollt seiner Vorband mit dieser Geste Respekt, und das Publikum erhält erneut die Gelegenheit, den Liverpoolern gebührend Beifall zu bekunden. Mit einer zwar wenig überraschenden, aber dennoch sehr gelungenen Songauswahl läutet der Headliner den Abend ein: Das vom 1972er Debüt der EARTH BAND her bekannte 'Captain Bobby Stout' markiert dabei den Anfang. Dem folgt das gelungene Springsteen-Cover 'Spirits In The Night'. Mit 'Martha's Madman' , der Dylan-Hommage 'You Angel You' und 'Don't Kill It Carol' berücksichtigt man auch die End-70er-Phase der Gruppe. Als kleine Auflockerung für Zwischendurch erweisen Manfred Mann und seine Mitstreiter den unsterblichen T.Rex mit 'Get It On' ihre Aufwartung: Freunde schwerer, düsterer Klänge dürften indes an der Ministry-Version 'Bang A Gong' mehr Freude haben. Unabhängig davon präsentiert sich jeder einzelne Musiker auf der Bühne an diesem Abend zu jedem Zeitpunkt voll auf der Höhe des Geschehens: Ganz besonders magisch werden jene Momente, wenn sich die beiden Gründungsmitglieder der EARTH BAND, namentlich Gitarrist Mick Rogers und natürlich Manfred Mann selbst in Soloeskapaden duellieren. Letzterer verlässt dann seinen ihm angestammten Platz hinter dem Berg an Tasteninstrumenten, um sich mit einem Umschnall-Keyboard bewaffnet ein wildes Gefecht mit seinem langjährigen Bandkollegen zu liefern. Die erhabene Musikalität dieser beiden Protagonisten wird besonders dann selbst für den Laien hör- und spürbar. Derlei Augenblicke könnten wahrlich ewig dauern! Rogers Kunst beschränkt sich indes jedoch keineswegs nur auf die elektrische Gitarre: Auch wenn er seine Stimmbänder schwingen lässt, ist Aufhorchen angesagt. Ohne die ausgezeichnete Leistung des seit 2011 bei der EARTH BAND aktiven Frontmannes Robert Hart schmälern zu wollen, muss konstatiert werden, dass Mick Rogers ebenso ein hervorragender Sänger ist.

Sehr groß auch jene Momente, wenn der Gitarrist seine elektrische zu einer akustischen Konzertgitarre „umwandelt“ und wahlweise Country-/Western- oder spanische Spielweisen imitiert. Doch weiter im Takt: Als persönlichen absoluten Höhepunkt kürt der Schreiberling das atmosphärisch dichte Epos 'Father Of Day, Father Of Night' vom progressiv geprägten Meisterwerk „Solar Fire“ aus dem Jahr 1973. Dem folgt die Interpretation des Merle Travis-Songs 'Cannon Ball Rag'. Danach werden eigentlich fast ausschließlich die Liebhaber der kommerzielleren Mann-Songs zufrieden gestellt: Das wunderbar melancholische Springsteen-Cover 'For You' rührt die Herzen und jagt Gänsehautschauer über den Rücken, während die unmittelbar darauf folgenden 'Blinded By The Light' und 'Davy's On The Road Again' für Euphorie sorgen.

Um eine letzte Zugabe zum Besten zu geben kommen die Mannen um Herrn Mann auch noch mal auf die Bühne, und es kommt, was kommen muss: Die beiden Evergreens 'Dooh Wah Diddy Diddy' sowie 'Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)'. Bei beiden Songs stellt die EARTH BAND jedoch einmal mehr ihre spritzige Spielfreude und scheinbar endlose Experimentierfreudigkeit unter Beweis. 'Dooh Wah Diddy Diddy' wird in schönster Country-/Rock N' Roll-Manier nur von Gitarrist / Sänger Mick Rogers intoniert, während Schlagzeuger Jimmy Copley den Takt vorgibt. Kurz davor zockt der sympathische Sechsaitenvirtuose noch eine Strophe von „Stille Nacht, Heilige Nacht' und zwischen drin gibt's mit 'Shake, Rattle And Roll' noch einen Elvis-Kniefall. Aller guten Dinge sind drei: Bei der dritten Interpretation eines Dylan-Songs in Form des unvermeidlichen 'Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)' lassen Rogers und Mann noch einmal ihrer Lust an Solo-Duellen freien Lauf. Dabei spickt Erstgenannter seine Eskapaden immer wieder mal mit Zitaten aus der langen, glorreichen Geschichte der Rockmusik: 'Jessica' von den unerreichten Allman Brothers klingt beispielsweise ganz kurz an, nur um kurz danach weiterer, wilder Improvisationswut freien Lauf zu lassen.

Der Auftritt der EARTH BAND an diesem Abend in München dürfte den Anwesenden in mehrerer Weise in Erinnerung bleiben: Einerseits sind da die Gedanken, dass genau zu dem Zeitpunkt Berlin und damit die gesamte Republik von einem verheerenden Terrorakt erschüttert wurde. Andererseits ist da die Tatsache, dass man in der bayerischen Metropole hingegen in friedlicher Atmosphäre guter Musik gelauscht, eine Zeitreise in die 70er unternommen und schlichtweg das Leben zelebriert hat. Wichtig ist, Letztgenanntes weiterhin zu tun, allem Negativen zum Trotz! – MANFRED MANN´S EARTH BAND macht genau das, wird's doch standesgemäß auch im nächsten Jahr noch einige weitere Deutschland-Shows geben.

 

 

 

MATT HARVEY

Sunday, 25 December 2016 13:38 Published in Fortsetzungs-Stories

Mit voller Leidenschaft

 

Als es darum ging, im Rahmen des “Sänger weg”-Specials in Ausgabe #106 ein paar Worte zu verlieren, zeigte sich Matt Harvey umgehend bereit, über seine Aktivitäten mit DEATH TO ALL und GRUESOME Auskunft zu erteilen. Bei Erstgenannten sieht sich der Kalifornier mit der nicht gerade leichten Aufgabe konfrontiert, Chuck Schuldiner zu ersetzen, die Philosophie der Letztgenannten gründet sich darin, Musik im Stile der frühen Death zu erschaffen.

 

So schnell wie Matt zusagte, ein Interview im Rahmen des genannten Specials zu geben, so flugs war er auch beim Beantworten der Fragen: In Windeseile trudelten seine Antworten ein. Leider konnte nicht alles im platztechnisch begrenzten Heftrahmen wiedergegeben werden, weswegen es an dieser Stelle nun eine Fortsetzung gibt. Matt wurde äußerst redselig in Bezug auf jene Zeit, als er zum ersten Mal mit der Musik von Chuck Schuldiner in Berührung kam. „Als Kind war ich ein riesiger Death-Fan, sie waren für mich eine Art Bindeglied zwischen deutschem Thrash, Slayer, Dark Angel und Napalm Death, Entombed, Terrorizer etc. Ich erinnere mich noch klar daran, wie ich mit meinen Kumpels aus der 8. Klasse anno 1989 im Wohnzimmer meiner Eltern herumhing und wir uns 'Sacrificial' sowie 'Regurgitated Guts' anhörten, zusammen mit 'Bombenhagel', 'Riot Of Violence' sowie ein paar anderen Songs. Ich war damals 13 Jahre alt. Wir liebten die extremen Texte von „Scream Bloody Gore“! Ich erinnere mich daran, dass die Zeile ‚Vomit for a mind, maggots for a cock‘ von 'Zombie Ritual' meine absolute Lieblingsphrase war. Im selben Jahr hörte ich „Leprosy“ und war sehr beeindruckt davon, wie viel anspruchsvoller das im Verhältnis zum Debüt war. Chucks Soli waren im Vergleich mit denen von anderen extremen Bands der damaligen Zeit wie beispielsweise Possessed, Slayer, Kreator, Sodom etc. ganz schön geschmackvoll. Zu der Zeit als „Spiritual Healing“ erschien, waren Death meine absolute Lieblingsband. Ich erinnere mich daran, wie ich mir diese Scheibe in der Woche, in der sie veröffentlicht wurde, holte: Ich kratzte mein restliches bisschen Kohle zusammen, um mir dieses Tape zuzulegen. Damals hatte ich gerade meine Fähigkeiten an der Gitarre verbessert und es war mir möglich, die geradlinigen Sachen auf der Scheibe wie 'Genetic Reconstruction' oder 'Low Life' mitzuspielen. Im März 1990 sah ich mir dann Death zusammen mit Devastation an; damals war ich 14 Jahre alt und ich bekam leider nur einen Song mit, weil mein Vater draußen auf dem Parkplatz auf mich wartete. Er meinte zu mir, dass wir spätestens Mitternacht heim müssten und wenn ich dann nicht am vereinbarten Treffpunkt sein würde, würde er mich mutterseelenallein in Oakland zurücklassen, das war 30 Meilen weit weg von meinem damaligen Zuhause, haha! Später in diesem Jahr sah ich Death aber dann doch endlich noch mal zusammen mit Pestilence und Carcass, in den folgenden Jahren besuchte ich noch mehr Konzerte von ihnen. Das Erlernen all der Songs von „Scream Bloody Gore“ war es, das mir die Sprache des Death Metal – Riffings in Bezug auf Noten, Akkorde, Intervalle etc. beibrachte. Diese Grundlage hat mir im Laufe der Jahre so einige gute Dienste erwiesen, denke ich!“

 

Eine glückliche Fügung des Schicksals

 

Der Einstieg bei DEATH TO ALL ging für Matt auf ziemlich natürliche Art und Weise vonstatten: “Das war eine etwas lustige Geschichte. Ich traf den DEATH TO ALL – Manager Eric Greif, als er einen EXHUMED-Gig in Calgary promotete und schwafelte ihm ein Ohr ab über die Bands, mit denen er gearbeitet hatte, namentlich Num Skull, Morbid Saint und anderen, aber die meiste Zeit sprachen wir natürlich über seine Arbeit mit Death. Er war ein großartiger Typ, wir verstanden uns blendend. Ich traf ihn wieder in Los Angeles und hörte, dass DEATH TO ALL gerade in der Planungsphase waren. Ich meinte, dass ich interessiert daran sei, den Gesang zu übernehmen, sollten sie noch jemanden brauchen. Ich habe damals nicht allzu viel darüber nachgedacht, aber das könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass ich letztendlich zu der Gruppe stieß. Ursprünglich sollte Stefan von Obscura im Rahmen der ersten Reihe an Shows das spätere Death-Material übernehmen, während Charles Elliot von Abysmal Dawn die frühen Sachen spielen und singen sollte. Beide sind fantastische Gitarristen und Sänger, aber ich fand, dass ihre Stimmlage sich nicht wirklich nach Death anhörte. Wie dem auch sei, ich hörte, dass sie diese Auftritte bestreiten sollten und ich beneidete Charles sehr darum. Er ist ein guter Kumpel von mir, aber auch dabei habe ich mir nichts weiter gedacht. Wie das (gnädige) Schicksal es wollte, hatte Stefan Probleme mit seinem US-Visum, weswegen ich acht oder neun Tage vor der ersten Show eine SMS von meinem Kumpel Danny Walker erhielt, der als Drum-Techniker für Gene Hoglan arbeitete und damals auch auf der EXHUMED-Scheibe „All Guts, No Glory“ spielte. Danny meinte, dass ich mich „bereitmachen“ solle. Natürlich hatte ich keinerlei Ahnung, was das nach sich ziehen würde. Einen Tag oder so später fragten sie mich, ob ich als Ersatz aushelfen könne, nur für den Fall, dass es Stefan nicht mehr rechtzeitig schaffen würde. Klar packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und begann damit, die Songs, die sie mir schickten in der Kürze der Zeit so gut wie mir das möglich war einzustudieren. Stefan schaffte es nicht, in die Staaten zu kommen, weswegen ich die erste Reihe von zehn Konzerten übernahm. Es war wirklich megageil und eine wahre Ehre, zusammen mit Jungs wie Bobby Koebele, Shannon Hamm und dem späten, großartigen Scott Clendenin (R.I.P.) sowie mit Steve DiGiorgio und Gene Hoglan zu spielen: Ich war schließlich schon seit der Junior High (das entspricht in Amerika den Klassen 7, 8 und 9) ein riesengroßer Fan dieser Musiker!“

 

Gedenkfeier für Chuck und seine Fans

 

Eine Kritik, die DEATH TO ALL oft zu hören bekommen dürften, ist die Meinung, dass Death ohne Chuck Schuldiner schlichtweg nicht funktionieren. „Nun, für mich sind DEATH TO ALL nicht Death: Dies ist eine Tributband oder ein Revival. Ich denke, dass es so viele Menschen gibt, die nie die Chance hatten, Death damals zu sehen, als sie noch eine aktive Gruppe waren. DEATH TO ALL ist eine coole Möglichkeit für sie, eine Art Ersatz zu erleben, der sich so nah am Original wie möglich bewegt. Solange das Ganze von Chucks Familie unterstützt und mit Respekt getan wird, habe ich kein Problem damit! Wenn es die Leute satt haben sollten, DEATH TO ALL zu sehen oder sie fühlen, dass das Ganze schon zu lange geht, ist die Lösung einfach: Wir spielen einfach keine Gigs mehr! Die Jungs machen das, weil einfach eine Nachfrage von Menschen da ist, die sehen wollen, wie diese Musiker diese Songs zocken. Glaube mir, Leute wie Sean Reinert, Steve DiGiorgio und Gene Hoglan sitzen daheim nicht nur rum, um darauf zu warten, dass das Telefon klingelt: Sie spielen viele Konzerte und haben viele Möglichkeiten, aber sie machen das für die Fans und das Vermächtnis der Musik von Death. Was die Fans betrifft, so nahmen sie das Ganze herzlich und nett auf. Das war die erste Inkarnation von DEATH TO ALL, deswegen war das alles so besonders: Bei jedem Konzert waren ungefähr mehr als 900 Leute in kleinen Clubs anwesend, weswegen eine wahrhaft fantastische Atmosphäre vorherrschte! Es war verdammt cool, zu sehen, wie viel diese Songs den Fans bedeuten und wie glücklich sie waren, die Möglichkeit zu erhalten, sie live zu erleben. Das Netteste, was mir jemand sagte, war, dass das Ganze wie eine ‚Gedenkfeier für Chuck sowie all die Leute, die ihn nur durch seine Musik kannten‘ sei. Ich dachte, dass dies ein ziemlich bewegendes Statement war, und ich fühlte mich sehr geehrt, davon ein Teil gewesen zu sein!”

Neue Songs im Stile der alten Death-Platten werden DEATH TO ALL aller Voraussicht nach jedoch wohl nicht schreiben. „Ich glaub nicht, aber ich bin jetzt auch nicht die Person, die man diesbezüglich fragen sollte, haha!“ Zu einem Treffen zwischen Matt und Chuck Schuldiner kam es einmal kurz im Oktober 1990, persönlich kannte Harvey den Extrem Metal-Pionier jedoch nicht. „Als ich ihn als Fan kurz kennenlernen durfte, gab er sich sehr wohlwollend. Ich denke, dass Chuck brillant und getrieben war, zudem hatte er eine eigenständige Vision, die er unablässig verfolgte. Kann sein, dass diese Hartnäckigkeit bewirkte, dass manche Leute ein falsches Bild von ihm hatten und dass sie zu einigen komplizierten interpersonellen Beziehungen sowie vielen Besetzungswechseln führte, speziell in der frühen Bandgeschichte. Letzten Endes ist das Vermächtnis, das Death hinterlassen hat, der beste Beweis für seine musikalische Vision, und dieses Vermächtnis ist riesengroß! Was ich von den Jungs in DEATH TO ALL und anderen Leuten hörte, die ihn persönlich kannten, war, dass Chuck grundsätzlich gesehen ein lieber, entspannter Typ war, der mit voller Leidenschaft bei seiner Musik sowie beim Metal generell war.“

 

 

 

FIREWIND

Sunday, 25 December 2016 13:13 Published in Fortsetzungs-Stories

Eine gesunde Sache

 

Während sich das Interview mit Gitarrist Gus G. in der gedruckten Version des Heftes in erster Linie mit dem neuen FIREWIND-Album „Immortals“ sowie schmerzhaften Zahnbehandlungen auseinandersetzte, gab der Sechssaitenflitzer im Gespräch auch einiges abseits der anstehenden Veröffentlichung zu Protokoll.

 

Bleiben wir zunächst jedoch noch bei dem neuen Longplayer, dem ein textliches Konzept über antike Geschichte zugrunde liegt, genauer gesagt beschäftigen sich FIREWIND mit den legendären Schlachten bei den Thermopylen und bei Salamis im Jahre 480 vor Christus. Um der Geschichte, die im Rahmen von „Immortals“ erzählt wird, gerecht zu werden, sind auf dem Cover der neuen Scheibe antike griechische Ruinen sowie ein Spartaner-Helm zu sehen. “Gustavo, ein Kerl aus Brasilien, mit dem wir schon sehr lange zusammenarbeiten, zeichnete für das Artwork verantwortlich. Er fertigte seit der „The Premonition“-Scheibe all unsere Cover an. Ich teilte ihm mit, um was es beim Albumkonzept geht und er kam dann irgendwann mit seinen Ideen an, was man aufs Cover packen könnte. Er malte diesen alten griechischen Tempel und all diese Symbole. Wir diskutierten viel über das Artwork, ich wollte definitiv einen griechischen Kriegerhelm auf dem Cover. Die Losung war, dass das Bild sehr antik und griechisch aussehen sollte. Ich denke, dass Gustavo großartige Arbeit geleistet hat!“

Das Cover ist dabei recht einfach, aber effektiv gehalten. „Ich wollte kein Gemälde, sondern einfach nur Symbole, die für bestimmte Komponenten des Konzepts stehen.“ Nach einem kurzen Intermezzo in den Vereinigten Staaten wohnt Gus mittlerweile wieder in seiner Heimatstadt Thessaloniki. “Drei Mitglieder von FIREWIND leben in Griechenland, der Sänger in Deutschland und unser Schlagzeuger Johan Nunez ist halb Belgier / halb Spanier und wohnt mittlerweile in Madrid, nachdem er aus Belgien dorthin gezogen ist. Wir sind mittlerweile seit fünf Jahren in dieser Besetzung tätig und unser Drummer spielt auch in meiner Soloband. Wir sind also mehr oder weniger immer zusammen, reisen gemeinsam in der Weltgeschichte rum. Bevor eine Tour beginnt, proben wir ein paar Tage davor, das war´s aber auch schon!“

 

Andere Perspektiven

 

Erneut schrieb Gus sämtliche Songs für das neue Album, insofern ist es gerechtfertigt zu sagen, dass er der Mastermind von FIREWIND ist. “In gewisser Hinsicht ist das tatsächlich meine Band, denn ich rief diese Gruppe damals, als ich 18 Jahre alt war, ins Leben. Das ist also mein „Baby“, ich baute alles von Anfang an auf. Und meine Mitmusiker wissen und respektieren das. Sie vertrauen mir, weil sie wissen, dass ich eine bestimmte Vision habe und diese verfolge. Ich liefere die Ideen, ich bin der Haupt-Songwriter. Trotzdem überlasse ich es meinen Mitstreitern, zur Musik ebenfalls etwas beizutragen, sie haben also auch ihren Input. FIREWIND sind eine Band, die im Wesentlich auch auf Freundschaft basiert. Wenn es diese Freundschaft untereinander nicht geben würde, hätten wir uns wohl schon lange aufgelöst. Jeder bringt hier seine Persönlichkeit mit ein. Wenn es jedoch einen „Führer“ dieser Gruppe gibt, dann wäre das klar ich, weil ich einen Großteil der Musik schreibe. Meine Mitmusiker vertrauen mir komplett und das klappt eigentlich alles sehr gut!“

Indes fürchtet Gus nicht wirklich, dass trotz seiner zahlreichen Engagements bei FIREWIND, Ozzy Osbourne sowie seinem Soloprojekt irgendwann mal seine kreative Quelle versiegt. Trotzdem hatte er vor vier Jahren das Gefühl, dass es vielleicht besser wäre, mit FIREWIND etwas langsamer zu treten, was er dann auch tat. „Das war die grundlegende Idee: Ich wollte nicht einfach so schnell wie möglich wieder eine Scheibe erschaffen. Ich wollte etwas Neues ausprobieren, wollte meine Songwriting-Fertigkeiten weiterentwickeln und mit anderen Leuten Musik machen: Deswegen initiierte ich meine Solo-Alben. Das war eine inspirierende Erfahrung, bei der ich alles auf einer anderen Ebene und aus einer anderen Perspektive heraus sehen konnte. Dies half mir wirklich, meinen Kopf freizubekommen und zu wissen, wie FIREWIND klingen und welche Richtung sie einschlagen sollten. Den meisten Menschen, die mich nur von außerhalb begleiten, kommt es so vor als ob ich niemals ruhen könnte, dass ich ständig irgendetwas anderes mache (was auch irgendwie wahr ist, haha!), aber für gewöhnlich nehme ich mir die Zeit, die ich brauche, um neue Musik zu schreiben. Ich sage nur dann etwas, wenn ich was zu sagen habe. Darüber hinaus bin ich ein überaus kreativer Mensch. Ich liebe es, Musik zu machen, dies ist ja auch mein Beruf, das mache ich wirklich jeden Tag. Es ist nur natürlich für mich, eine Gitarre zur Hand zu nehmen und Sachen zu spielen.“

Und solange die Endresultate so gut sind wie „Immortals“ braucht man das auch nicht zu kritisieren. „Danke, haha! Jeder Musiker versucht, ein besseres Album als das vorherige einzuspielen. Ich glaube nicht, dass es auch nur einen Musiker auf dieser Welt gibt, der das Gegenteil behauptet, der eine wirklich beschissene Scheibe erschaffen möchte. Jeder möchte ein besseres Album schreiben. Man experimentiert viel herum und manchmal klappt`s, manchmal aber auch nicht - so ist das nun mal! Man kann dies auch nicht verhindern, sondern nur weitermachen, andere Songs schreiben und es dieses Mal versuchen, ein besseres Ergebnis zu erzielen.“ Und wie gesagt gibt der kreative Output Gus recht, ist „Immortals“ doch sicherlich eines der besten FIREWIND-Alben überhaupt. „Dankeschön! An dieser Stelle möchte ich noch etwas klarstellen: Ich möchte jetzt nicht etwas so klischeeträchtiges sagen, das in nahezu jedem Interview zu hören ist, nämlich dass “dies unser bestes Album ist”! Die Leute, mit denen ich bis dato sprechen konnte, haben mir aber alle das gesagt was Du gerade meintest. Insofern glaube ich, dass wir etwas Gutes erschaffen haben…”

 

Abwarten und Tee trinken

 

Wenden wir uns abschließend einem weiteren Betätigungsfeld des begnadeten Gitarristen zu: Bei Ozzy Osbourne geht derzeit nicht allzu viel, ist der „Madman“ momentan doch mit seinen alten Weggefährten Black Sabbath auf deren Abschiedstour „The End“ unterwegs. “Ja, Du hast recht: Zur Zeit ist Ozzys Solokarriere auf Eis gelegt, weil er so sehr mit Black Sabbath beschäftigt ist. Wir warten darauf, bis sie aufhören zu spielen und danach wird Ozzy erstmal eine Pause einlegen, um darüber nachzudenken, was er später machen will. Wir müssen also einfach noch etwas Geduld haben, hehe!” In der Zwischenzeit dürfte es Gus mit FIREWIND und seinem Soloprojekt ja nicht allzu langweilig werden… „Ja, ich bin bis Ende des Jahres bereits ziemlich ausgebucht, ich habe so viel zu tun! Ich arbeite bereits an Songs für ein neues Soloalbum. Die Arbeit geht nie aus, das ist gut, das ist eine gesunde Sache! Es ist ebenso gut, nach fünf Jahren der Stille auch wieder mal etwas mit FIREWIND zu machen!“

Während Gus bei Letztgenannten sowie logischerweise bei seinem Soloprojekt sämtliche Fäden in den Händen hält, ist das bei Ozzy Osbourne nicht der Fall: “Wenn ich ehrlich bin, war ich dort bis dato noch nicht wirklich ins Songwriting eingebunden. Als ich mich Ozzy Osbourne anschloss und das Album „Scream“ mit ihm machte, waren bereits sämtliche Stücke mit Ausnahme der Gitarren-Parts geschrieben. Meine Arbeit war es dann, diese Parts zu erschaffen. Natürlich hatten sie schon einen Teil der Riffs und gewisse Strukturen, aber Soli fehlten beispielsweise komplett. Als ich ins Studio kam, ließen sie mir völlige Freiheit und meinten: „Du kannst an der Gitarre machen was Du willst, spiel was immer Dir gefällt, solange es Dir Spaß macht!“ 2010 schrieben wir, als wir gerade on the road waren, ein paar Songs zusammen, von denen wir einige Demos anfertigten, die nicht gerade über einen guten Sound verfügten. Dies ging solange bis zu jenem Zeitpunkt, als die Black Sabbath-Reunion die ganze Angelegenheit vorerst zum Erliegen brachte. Wir konnten gar nicht damit fortfahren, ein neues Album zu schreiben. Jetzt, sechs Jahre später, vermag ich mir nicht vorzustellen, wie es sein wird, wenn wir wieder zusammenkommen, um neue Songs zu erschaffen. Ozzy schreibt ja auch mit anderen Leuten Musik. Ich weiß nicht: Wir müssen einfach abwarten und Tee trinken…!“

Anfang 2017 werden FIREWIND wieder extensiv touren, was eine gelungene Abwechslung zur Arbeit im Studio darstellen dürfte. “Nun, ich glaube, dass man Beides braucht: Man kann nur extensiv touren, wenn man Material hat, das man live vorstellen kann und wenn man neue Songs hat, muss man auch zwangsläufig rausgehen, sie promoten und auf Bühnen zum Besten geben: Das eine bedingt das andere. Ich bin definitiv jemand, der es mag, live zu spielen, ich toure exzessiv und spiele viele Shows pro Jahr. Ich liebe es, meine Musik zu zocken!“

 

 

PILEDRIVER

Wednesday, 02 November 2016 12:29 Published in Fortsetzungs-Stories

Born To Boogie

 

In der regulären Print-Version von Ausgabe #105 erzählte Sänger/Gitarrist Michael Sommerhoff bereits einiges über seine Band PILEDRIVER, die natürlich nicht mit den kanadischen Speed-Metallern der 80er zu verwechseln ist. Der Name rührt stattdessen von einem Status Quo-Album her, eine Band, der Michael und seine Mitstreiter bereits seit mehr als über 20 Jahren huldigen. Auf dem neuen PILEDRIVER-Album "Brothers In Boogie" gibt's dann mit Ausnahme von zwei Coverstücken ausschließlich eigene Songs.

 

Drehen wir jedoch das Rad der Zeit noch etwas zurück und lassen wir Michael Revue passieren, wie es zu seiner Liebe zu Status Quo überhaupt erst kam. "Für mich ging es los mit der Musik, als ich mit ca. 10 Jahren den Beatles-Film "Help!" im Fernsehen sah. Kurze Zeit später bekam ich dann das gleichnamige Album, und natürlich wollte ich dann ebenfalls Gitarre spielen. Ich nervte meine Eltern so lange, bis sie mir meine erste Akustikgitarre kauften. Einige Monate später entdeckte ich Status Quo. Sie hatten 1975 eine Live-EP mit vier Titeln herausgebracht, und ein Song davon – 'Roll Over Lay Down' – wurde regelmäßig im Radio gespielt. Wow, dieser Sound war doch eine ganz andere "Hausnummer" als jener der Beatles – ich war hin und weg und wollte unbedingt lernen, wie dieser Track auf der Gitarre funktioniert. Das nächste Schlüsselereignis war dann 1976 die "Blue For You"-Tour von SQ. Ich hatte meinen Vater schließlich überredet, mit mir zusammen den Gig in der Dortmunder Westfalenhalle zu besuchen (am 06.06.76 – weiß ich natürlich noch, und die 13 DM teure Eintrittskarte habe ich selbstverständlich bis heute aufbewahrt). Die Band hatte damals ihren Zenit erreicht – auf der Bühne einzigartig, unschlagbar. Sie waren die Erfinder des "Head Banging" und tatsächlich die ersten, die mit tiefer gestimmten Gitarren spielten (zu hören z.B. auf 'Backwater' oder '4500 Times'). Und seit diesem Tage meinte ich zu wissen, wie die Zukunft verlaufen müsse… Nun ja, letztlich ist es dann doch anders gekommen als von mir in Teenager-Jahren herbeigesehnt. Und dies sicherlich zu meinem Besten, wie ich heute weiß. Sänger/Gitarrist Peter Wagner und ich sind mit Quo aufgewachsen. Wir waren so etwa zwölf Jahre alt, als sie ihre größten Erfolge feierten. Wie schon erwähnt, habe ich die Band erstmals im Rahmen ihrer "Blue For You"-Tour 1976 gesehen. Damit hat alles angefangen. Quo waren in der Original-Besetzung absolut einzigartig und live unschlagbar – vier Farben, die perfekt zusammen passten. Und sie waren so unglaublich laut... Dieser erste Gig und die in den nächsten Jahren folgenden Konzerte, die ich besuchte, haben mich so stark beeindruckt, dass die Band lange Zeit eine bedeutende Rolle in meinem Leben spielte. SQ war eine ganz besondere Band, denn sie haben den ‚Heads Down Legs Apart No Nonsense Boogie‘ geprägt. Keine andere Band hat den 12 Bar Blues bzw. Shuffle je wieder so gespielt. Uns und alle anderen Musiker eingeschlossen. Quo haben ihre Sache absolut auf den Punkt gebracht. Deshalb haben sie ihren Platz in der Rockgeschichte redlich verdient."

 

Eigengewächse und eine Hommage

 

Sprechen wir über "Brothers In Boogie", auf dem sich neben 13 eigenen Titeln auch noch zwei Coverversionen von Status Quo befinden: Cool ist, dass PILEDRIVER mit 'Don't Think It Matters' und 'Drifting Away' zwei Stücke ausgewählt haben, die zwar eher weniger bekannt, dafür aber nicht minder genial sind. "Die beiden von uns ausgewählten Tracks sind zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geraten. Zudem stammen diese aus der Zeit, in der Status Quo ihren Sound geprägt haben. Und dieser wiederum hat sehr viel mit dem Einfluss der Original-Rhythmus-Sektion zu tun, Bassist Alan Lancaster und Drummer John Coghlan. Die beiden Tracks hat Alan geschrieben, der Mitte der 1980er Jahre die Band verlassen musste, obwohl er Gründungsmitglied gewesen ist. Spätestens mit seinem Ausscheiden haben die ‚echten‘ Quo aufgehört zu existieren. Dass wir seine Songs bearbeitet und neu aufgenommen haben, verstehen wir als Hommage an ihn."

Als Produzent für "Brothers In Boogie" konnte indes Stefan Kaufmann (Accept, U.D.O.) gewonnen werden. "Peter Wagner und ich kennen Stefan Mageney (Sänger von Crystal Ball) schon seit ca. 30 Jahren. Bei einem Gig der Band sind wir uns nach langer Zeit wieder einmal über den Weg gelaufen, und da wir gerade auf der Suche nach einem geeigneten Produzenten und Studio für unser zu dem Zeitpunkt noch in Planung befindliches "BIB"-Album waren, fragten wir Stefan M., wo und mit wem sie denn das letzte Crystal Ball-Album aufgenommen hätten. Von ihm erhielten wir die Kontaktdaten von Stefan Kaufmann. Bis dato wusste ich gar nicht, das er neben Accept und U.D.O. auch andere Bands aufnimmt und produziert. Ich habe Stefan angerufen, ihm vorab ein paar Demos geschickt, und nach einem persönlichen Treffen sind wir uns handelseinig geworden. Nachdem wir im Mai 2013 in Peters Home-Recording-Studio mit der Entwicklung und der Vorproduktion der 13 "BIB"-Tracks begonnen und daran zwei Jahre gearbeitet hatten, siedelten wir schließlich im Mai 2015 über nach Solingen in das ROXX-Tonstudio von Stefan Kaufmann. Dort haben wir dann alles auf Null gestellt und mit den Aufnahmen noch einmal von vorn begonnen. Stefan hat übrigens auch bei zwei Tracks als Musiker mitgewirkt, da er nach eigenem Bekunden großen Spaß an der Produktion hatte; er hat die Drums für unser achteinhalbminütiges Opus 'Last Words' eingespielt, und auf 'Mountain' hat er einen Teil der Leadgitarren beigesteuert."

 

Wider dumpfe Parolen, für Demokratie, Freiheit und Solidarität

 

Neben allen "Natural Born Rockers" widmen PILEDRIVER ihr "Brothers In Boogie" auch den Flüchtlingen, die für eine bessere, aber unsichere Zukunft alles aufs Spiel setzen. "Für uns sind die Flüchtlinge die wahren Rocker, denn - wie Du bereits sagst – setzen sie für ihre Freiheit und für eine - möglicherweise - bessere Zukunft alles auf eine Karte. Das nötigt uns großen Respekt ab! Ich kann mir umgekehrt kaum vorstellen, hier in Deutschland alle Zelte abzubrechen und in ein mir fremdes Land zu ziehen, dessen Sprache und Kultur mir nicht vertraut sind. Persönlichen Kontakt hatte ich noch nicht zu Flüchtlingen, aber es gibt in unmittelbarer Nähe meiner Privatwohnung eine Flüchtlingsunterkunft. Ab und an sieht man sich, lächelt sich an und hebt die Hand zum Gruß. Aufgrund der sprachlichen Barrieren ist bis jetzt aber nichts darüber hinausgegangen. Im richtigen Leben - abseits der musikalischen Aktivitäten – betreibe ich ein Fortbildungsinstitut (siehe www.sommerhoff.de); wir führen Vorbereitungslehrgänge auf Prüfungen in der IHK-Aufstiegsfortbildung durch. Aufgrund der Entwicklungen in den letzten zwei Jahren wollen wir unser Angebot nun auch um Sprachlehrgänge erweitern. Im Rahmen unserer Möglichkeiten möchten wir auf jeden Fall zur Integration der Zuwanderer in unsere Gesellschaft beitragen. Wie man der Widmung auf der Rückseite des "BIB"-Booklets entnehmen kann, sind wir der Überzeugung, dass die Zuwanderung für Deutschland sowie auch die anderen EU-Staaten mit alternden Gesellschaften und deshalb mit auf tönernen Füßen stehenden Sozialsystemen ein Glücksfall ist. Natürlich können die Menschen aus fremden Ländern nicht sofort die Arbeitsplätze der bereits jetzt schon spürbar fehlenden Fachkräfte ausfüllen. Es wird zehn bis 15 Jahre dauern. Und es wird sicherlich viel Geld kosten. Aber wie sollen wir denn den Fachkräftemangel ausgleichen? Selbst bei einer sofortigen signifikanten Erhöhung der Geburtenrate würde diese doch nicht helfen. Studien besagen, dass bis 2030 bereits eine Million Fachkräfte mit Berufsausbildung fehlen werden. 2013 betrug die Zahl der Erwerbsfähigen in Deutschland 62 Millionen Menschen. In 2060 werden es trotz des Zuzuges aus dem Ausland wohl nur noch 51 Millionen sein. Kein Mensch kann sich ausmalen, welche Verwerfungen dies für unsere Volkswirtschaft bedeuten wird. Wir sollten also sehr dankbar sein, wenn Mitbürger mit ausländischen Wurzeln sich für ein Leben bei uns entscheiden. Denn dies ist die einzige Möglichkeit, den erreichten Wohlstand annähernd zu sichern. Und das Rentenniveau würde ohne erheblichen Bevölkerungszuwachs von außen in 2040 sicherlich nicht einmal mehr den heute prognostizierten 41,7% des letzten Bruttoverdienstes entsprechen. Auch wenn wir mit Musik und engagierten Texten die Welt natürlich nicht verändern können – wir müssen gegen die nationalistischen Tendenzen und die dumpfen Parolen der Ewiggestrigen ein Zeichen setzen. Bislang hatten wir in der Tat das große, aber nicht selbstverständliche Glück, in Frieden und Freiheit leben zu dürfen. Dass dies auch in Zukunft so sein wird, ist nicht ausgemacht, wenn Volksverhetzer wie AFD-Höcke, Petry und Komplizen tatsächlich die Gelegenheit zur Machtübernahme erhalten sollten. Deshalb sollten wir für Demokratie, Freiheit und Solidarität eintreten – wir dürfen es noch; in manchen Ländern, die in gar nicht so weiter Ferne liegen, ist das nicht mehr der Fall."

 

Überschäumende Lebensfreude, unbändige Energie und Emotionen

 

Kommen wir zurück zur Musik, genauer gesagt - natürlich - zu Status Quo: Wie steht jemand, der seit so vielen Jahren bei einer Tributband spielt, zu den heutigen Aktivitäten der Formation? - Man meint ja landläufig, dass Sänger/Gitarrist Francis Rossi & Co. in Würde gealtert sind. "Nein, wir mögen die jüngeren Produktionen nicht mehr. Auch die meisten Sachen aus den späten 1980er und den 1990er Jahren finden bei uns kein Gehör mehr, weil die Songs recht beliebig und banal sind. Es fehlt eben die spezielle Chemie, über die nur die "Frantic Four"-Formation verfügte. Demzufolge können wir mit dem Quo-Line-up dieser Tage nicht mehr viel anfangen, denn dieses reicht selbstverständlich nicht an das Original heran; schon deshalb nicht, weil die Mitmusiker von Francis Rossi und Rick Parfitt bei Weitem nicht über das Charisma und die Bühnenpräsenz von Alan Lancaster und John Coghlan verfügen. Außerdem sind es für jedermann erkennbar austauschbare angestellte Musiker, die nicht das repräsentieren und leben, wofür der Name "Status Quo" einst stand. Das Problem, das ich heute mit Quo habe ist, dass ich sie nicht mehr als eine Einheit, als eine Band im eigentlichen Sinne ansehen kann. Aber das ist ein anderes Thema und lediglich meine persönliche Meinung... 2013 und 2014 haben die "Frantic Four" ja noch zwei Reunion-Tourneen gespielt, und man hat den Unterschied zum anderen Line-Up sofort gehört. Da war die spezielle Chemie und der Sound wieder, der uns damals so begeistert hatte – nach all den Jahren konnten sie also immer noch liefern! Die Dublin-Show am 12. April 2014 hätte den Schlusspunkt bilden müssen, denn da hatte sich der Kreis geschlossen. Es geht halt nichts über das Original!"

Getroffen hat Michael seine Idole bis dato nur zweimal: "Quo wissen sicherlich von unserer Existenz, und unsere CDs sind über Fanclubleute auch bei ihnen angekommen. Was man dort über unsere Aktivitäten denkt, ist mir aber nicht bekannt. Ich habe Rossi und Parfitt im Jahre 2000 zusammen mit Fanclubvertretern während einer Promo-Tour in einem Kölner Hotel getroffen, und wir haben ein paar Minuten miteinander geplaudert. Ich kann und möchte mir kein Urteil über die Menschen Rossi und Parfitt erlauben; aus heutiger Sicht würde ich ein persönliches Treffen aber nicht wiederholen wollen. Es zerstört die Illusionen, die man sich von Stars macht. Und das ist doch schade! Man will doch glauben, dass diese Menschen auch abseits der Bühne etwas ganz Besonderes sind. Und häufig ist das eben nicht der Fall. Erwähnt werden muss aber, dass wir im Dezember 2005 in der Zeche Bochum eine Show mit Original-Quo-Drummer John Coghlan spielen konnten. Das war für uns als alte Fans natürlich das Größte! Wenn mir das einer in den 1970er Jahren vorausgesagt hätte… und John ist in der Tat einer der weltbesten Shuffle-Drummer, der einen ganz eigenen und sofort identifizierbaren Stil geprägt hat. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir diese Gelegenheit hatten."

Status Quo sind generell eine Band, die mitunter stark polarisieren kann: Entweder man liebt oder man hasst sie. "Sie polarisieren, da hast Du vollkommen recht. Das war schon immer so. Ich verstehe allerdings nicht, wie ein Rockfan die "Frantic Four" – Besetzung der Band nicht mögen kann. Quo sind der Ursprung all dessen, was danach kam. Und sie sind eine Band des Volkes, keinesfalls die Favoriten der Akademiker, denen diese Musik zu einfach strukturiert ist. Für mich steht Quo für überschäumende Lebensfreude, unbändige Energie und Emotionen. Auf CD oder Vinyl entfalten die Songs nicht ihre Wirkung und ihr Potential. Man muss es live erleben. Kein Zufall, dass die Die-Hard-Quo-Fans meist sehr bodenständige, geradlinige und sehr emotionale Menschen sind – die auch keinerlei Veränderungen wünschen. Insofern gibt es keinen passenderen Namen für diese Band als jenen, den sie schließlich gewählt haben. Auch wenn ihnen die Bedeutung dieser lateinischen Phrase seinerzeit wohl gar nicht bewusst bzw. bekannt war, wie sie selbst einmal bekundet haben. Dass man die heutigen Quo nicht mag, kann ich im Übrigen sehr gut nachvollziehen - die Magie ist dahin."

 

Alles ist endlich

 

Voraussichtlich nächstes Jahr wird es einen Live-Mitschnitt eines PILEDRIVER-Konzertes auf DVD / Blu-Ray geben. "Ich hatte den Wunsch, eine Show dieser Band, mit der ich schon so lange spiele, festzuhalten. Nur für uns, für mich, damit ich mir in 25 Jahren noch einmal anschauen und -hören kann, wie gut dieses Line-Up auf der Bühne funktioniert hat und wie viel Spaß uns die Gigs bereitet haben. Alles ist endlich, und deshalb das Bedürfnis, einen Gig zu konservieren. Leider gibt es keine Aufzeichnungen der "Frantic Four"-Shows aus den 1970er Jahren – darum und dafür würde ich eine Menge geben! Am 3. Oktober 2015 haben wir ein zweistündiges PILEDRIVER-Konzert in der Bochumer Stadthalle aufgezeichnet. Wir hatten das Kamerateam von RCNTV, die für diverse bekannte Acts (U.D.O., Unheilig u.a.) gefilmt haben. Tonmann war Arne von Schilling, der viel für U.D.O. (aber auch für Thomas Anders) arbeitet. Absolute Profis, und da wiederum Stefan Kaufmann für den Schnitt sowie die Nachproduktion verantwortlich zeichnete, ist es ein erstklassiges Produkt geworden. Mir jedenfalls gefällt es sehr gut, und ich freue mich, dass ich dieses Zeitdokument habe. Wir haben sieben Titel vom "BIB"-Album aufgenommen sowie ein Best-Of der "Frantic Four". Gitarren-, Drum- und Keyboardsoli sind natürlich unvermeidbar und inklusive! Release voraussichtlich Anfang 2017. Wir planen jetzt allerdings schon etwas Neues. Ein Bekannter hat mich auf die Idee gebracht, eine Show im 360 Grad-Verfahren aufzuzeichnen. Dann haben die Fans das Gefühl, sie seien mit uns auf der Bühne und wir könnten gemeinsam abrocken. Das will ich auf jeden Fall noch machen! Und die Songs für ein "BIB"-Nachfolgealbum sind ebenfalls schon geschrieben. Diesmal lassen wir nicht noch einmal zehn Jahre zwischen zwei Alben verstreichen!"

Zunächst einmal soll Anfang 2017 kräftig getourt werden. "Bevor es in die konkreten Tourplanungen geht, warten wir nun erst einmal die Resonanz auf das neue Album ab. Eine Tour wird es dann sicherlich zum Release unserer BluRay/DVD geben, um die CD als auch den Konzertmitschnitt zu unterstützen. Die meisten Fans haben wir sicherlich in UK, den Niederlanden, aber – wenn man Facebook Glauben schenken darf – auch in einigen osteuropäischen Ländern, insbesondere Ungarn und Polen. Aus Brasilien liegt eine Anfrage für eine Mini-Tour vor. Wir werden sehen…"

DARKTHRONE

Tuesday, 01 November 2016 12:19 Published in Fortsetzungs-Stories

Ehrlich und astrein

 

Das ohnehin bereits opulente Interview mit DARKTHRONEs Fenriz aus Ausgabe #105 findet hier seine Fortsetzung, präsentierte sich der Meister aus Norwegen doch ungemein auskunftsfreudig und gutgelaunt. Nach einem einführenden „Okelidokeli“ philosophiert der sympathische Skandinavier noch einmal über seine Musik, diverse Nebentätigkeiten oder die Szene an sich.

 

Das für den Schreiberling auch nach Jahren noch wichtigste DARKTHRONE-Album respektive das, mit dem er persönlich am meisten verbindet, ist und bleibt “Panzerfaust”, wenngleich es hart ist, eine spezielle Platte aus dem Oeuvre von Nocturno Culto und Fenriz herauszugreifen. Richtig schlechte Scheiben gibt’s in der Diskografie DARKTHRONEs ja überhaupt nicht auszumachen. „Ich mag mein Songwriting auf “Total Death” nicht sonderlich und der Sound dieser Scheibe war auch nicht gerade der Beste. Wenn ich wählen müsste, würde ich wohl „Under A Funeral Moon“ als meine Lieblingsplatte auswählen, aber als ich alle unsere Platten analysieren und bewerten musste, um Songs zu finden, die wir für die Dreifach-LP mit Buch – Box „Black Death And Beyond“ von vor ein paar Jahren verwenden konnten, fand ich heraus, dass rein statistisch gesehen „The Cult Is Alive“ unser bestes Album war, haha!“

Generell ist Fenriz mit dem aktuellen Status Quo durchaus zufrieden, macht jedoch eine kleine Einschränkung: „Ich hatte jetzt 15 Jahre DARKTHRONE in der Form und ich mag`s so wie das ist. Doch irgendwie vermisse ich jene Tage, als wir noch eine richtige Band waren und nahe beieinander in der Gegend um Kolbotn lebten.“ Fenriz ist indes niemand, der ständig an neuen Songs arbeitet: „Zur Hölle nein! Ich bin damit ausgelastet, mir die Musik anderer Leute anzuhören!“ Wenden wir uns nunmehr ehemaligen Nebentätigkeiten des Norwegers zu: Bereits seit 2000 hat Fenriz nicht mehr mit den Jungs von Valhall zusammen gespielt. „Und als ich damals 1995 bei Neptune Towers den Stecker zog, war dies eine unwiederbringliche, definitive Aktion. An Isengard denke ich oft, aber ich kann es mir nicht leisten, so ausgebrannt wie damals 1996 zu werden, deswegen friere ich diesbezügliche Pläne lieber ein. Dennoch erscheint bald eine Isengard-Single mit zwei Songs von 1989 und 1992, die ich all die Jahre unter Verschluss gehalten hatte.“

Eingedenk der Tatsache, dass DARKTHRONE seit Urzeiten bei Peaceville Records unter Vertrag stehen, ist anzunehmen, dass sich daran zukünftig auch nichts mehr ändern dürfte… „Ja, wir haben eine großartige, symbiotische Beziehung! Es geht dabei nicht nur um Peaceville, sondern um ihre Chefs Snapper, die Publishing-Belegschaft bei Imagem sowie die Merch-Firma Razamataz: Das ist einfach eine Einheit! Ihr Deutschen wärt sicherlich stolz auf diese hohe Kunst der Organisation und wie ehrlich und astrein das alles abläuft!“ Allzu viele Tipps für neue, hoffnungsvolle Bands hat Fenriz dieses Mal jedoch leider nicht auf der Pfanne: „Früher gab´s davon viel mehr, heutzutage wird alles sofort veröffentlicht, aber Black Viper sind phänomenal!“ Die Szene seiner Heimatstadt Kolbotn ist indes unermesslich reich an hoffnungsvollen Underground-Formationen: „Ja, man denke nur mal an Flight, Gouge, Condor, die erwähnten Black Viper, Nekromantheon, Obliteration, Lamented Souls, Infernö etc.“

 

Einige Leute beschweren sich darüber, dass die gegenwärtige Szene/das Business viel zu kurzlebig ist: Überflüssige Bands werden in den Himmel gehoben, Fans werden immer oberflächlicher und immer mehr „fremdgesteuert“ etc. In gewisser Hinsicht war das schon immer so, sogar schon vor der „Prä-Internet“-Ära. Fest steht jedoch, dass sich die Szene gewandelt hat, im Laufe der letzten zirka zehn Jahre wurden sogar Teile des Undergrounds mehr und mehr „professionalisiert“, um nicht zu sagen „kommerzialisiert“. „Das erste was ich dachte als ich die erste Zeile Deiner Ausführungen las war: „Aber das war doch schon immer so!“ Darüber hinaus hat an mich bislang noch nie jemand derartige Beschwerden herangetragen. Die gesamte Metal-Welt ist zu so etwas Riesigem angewachsen, dass es Raum für alle Arten von Stilen und Bands gibt und jeder sollte schlichtweg versuchen, das besser zu machen und es gibt immer vielerlei Möglichkeiten, dies zu erreichen. Meine ist beispielsweise mein Radio Fenriz. Seit etwa den frühen 2000ern war es wegen des Internets leichter, für sich selbst neue wie alte Bands sämtlicher Genres anzutesten, weswegen man nicht sein ganzes sauer verdientes Geld für irgendeinen Scheiß und einige wenige gute Alben mehr ausgeben musste. Jetzt konnten die Leute die Sachen erst mal anchecken und dann das erst kaufen was sie mochten. Die Vorgehensweise des Musik-Business, zu versuchen, die Geschmäcker der Menschen sozusagen in Wellen zu kontrollieren, war nunmehr durchbrochen. Die Leute hörten sich jetzt einfach das an was auch immer sie wollten und fingen an, ebenfalls das was auch immer sie wollten zu kaufen. Genauso lief das beispielsweise auch in der Modewelt, es gibt keine großartigen Wellen, keine Trends mehr: Die Menschen fingen an, was auch immer sie wollten zu tragen und ich glaube, dass die Szene besser denn je zuvor ist! Aber natürlich ist die Obskurität von einst für immer verschwunden, das ist klar.“ Fragt sich nur, ob Fenriz abschließend eigentlich von der Metal- oder der Modeszene sprach…?

Den von Thrash dominierten Reigen eröffnen an diesem Abend die Brasilianerinnen von NERVOSA. In ihrer relativ kurzen Schaffenszeit vermochten die Südamerikanerinnen bereits einiges an Aufsehen zu erregen. Ob das nun am adretten Äußeren der Damen sowie der Tatsache liegt, dass es dem einen oder anderen verwunderlich erscheinen mag, dass derart zarte Kreaturen rabiaten Thrash Metal zocken oder ob nicht doch auch die Musik etwas Außergewöhnliches zu bieten hat sei mal dahingestellt. Fest steht, dass NERVOSA an diesem noch recht frühen Mittwochabend mit dem Sound zu kämpfen haben, der zu noch zu undifferenziert wirkt und spielerische Feinheiten nicht zur Geltung kommen lässt. Die Damen aus São Paulo legen einen annehmbaren Auftritt auf die Bretter und stimmen gut auf das, was noch folgen wird, ein.

ENFORCER bieten danach einmal mehr einen ziemlich gut inszenierten Auftritt. Trotzdem kann man sich jedoch des Eindrucks nicht verwehren, dass den Schweden die derzeitige Tour ziemlich schwer in den Knochen liegen muss, hat man die Jungs doch schon weitaus energiegeladener und vor allen Dingen enthusiastischer gesehen. So wirkt vieles an diesem Abend wie „Business As Usual“: Klar können die Jungs verdammt gut spielen, klar sind ENFORCER eingespielt wie ein Schweizer Uhrwerk und natürlich haben die Jungs ungemein mitreißende Songs im Repertoire. Doch selbst beim kommerziellsten Stück, dem Über-Hit und Titeltrack ihres aktuellen Albums „From Beyond“, vermag der Funke von Band in Richtung Publikum nicht wirklich überzuschwappen: Zumindest beim Schreiberling kommt nicht allzu viel an. Das sehen viele junge Fans an diesem Abend ganz anders, so dass ENFORCER trotzdem begeistert abgefeiert werden. Allein, es wirkt vieles zu einstudiert. Ganz sicher sind Sänger/Gitarrist Olof Wikstrand und seine Mannen hervorragende Entertainer. Trotzdem fehlt dem Schreiberling irgendwie noch das gewisse Etwas, jener unvergleichliche Funke, den die Schweden zumindest in der Vergangenheit live immer zu entfachen wussten. Liegt es vielleicht daran, dass Gitarrist Joseph Tholl dieses Mal nicht mit von der Partie ist und von einem blonden Schweden ersetzt wird? – Wohl kaum, denn auch wenn der Ersatz im direkten Vergleich nicht ganz so agil wirkt, erledigt er seinen Job doch überaus professionell. „Professionell“ ist ein gutes Stichwort: Hier ist wahrlich eine ungemein versierte, tighte Band am Werke, doch leider sucht man inniges Herzblut und loderndes Feuer vergebens.

Davon gibt’s dann weitaus mehr bei FLOTSAM AND JETSAM: Die Spielfreude ist den Amis zu jedem Zeitpunkt anzumerken. Selbst wenn die größtenteils betagteren Herren im direkten Vergleich mit den Jungspunden von ENFORCER nicht allzu agil agieren, machen doch Leidenschaft und ehrlicher Schweiß dieses kleinere Manko locker wieder wett. Spaß scheinen irgendwie alle Bandmitglieder zu haben, allen voran Sänger Eric A. Knutson: Die US-Thrash-Legende stellt an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis, dass mit ihr immer noch zu rechnen ist und dass sie im Laufe der Jahre nichts, aber auch gar nichts an Energie verloren hat. Im Gegenteil: Live kommt so mancher Song der Amis erst so richtig zur Geltung. Während so mancher Scheibe FLOTSAM AND JETSAMs etwas der Dreck sowie die nötige Rohheit und Aggressivität fehlt, kommt genau dies auf einer Bühne erst zum Tragen. Da ist es dann auch egal, ob das Quintett alte Klassiker oder Stücke neueren Datums spielt. Ein Höhepunkt im Set ist sicherlich 'Hammerhead', der Opener des legendären Debüts „Doomsday For The Deceiver“. Aber auch das trefflich betitelte 'Iron Maiden' vom aktuellen, selbstbetitelten Album hat es in sich. Der Songtitel kommt indes keineswegs von ungefähr, lassen sich in dem Stück doch zuhauf Bezüge zu den Eisernen Jungfrauen herstellen: Das fängt beim Gesang an und hört bei den zweistimmigen Gitarren-Leads auf. FLOTSAM AND JETSAM präsentieren sich ebenfalls als ungemein eingespielte Mannschaft, die auch vor progressiveren Versatzstücken nicht Halt macht. Dass das Ganze dann dennoch auch Nicht-Musiker überzeugt, ist Verdienst gestandener Songwriter mit dem gewissen Gespür für einprägsame, nichtsdestotrotz anspruchsvolle Arrangements. Mit einem derart sympathisch-professionellen Auftritt sichern sich FLOTSAM AND JETSAM den Zuspruch des Publikums und stellen eindrucksvoll unter Beweis, wieso es verdammt noch mal gerechtfertigt ist, dass es diese Band nach wie vor noch gibt!

Danach fällt mit dem Titelsong und Opener des neuen Albums „Under Attack“ der Startschuss für einen kleinen Streifzug durch die Historie DESTRUCTIONs. Neben Krachern jüngeren Datums der besagten Scheibe ('Second To None' 'Dethroned' und 'Pathogenic') gibt's allerlei Klassiker respektive Standards, die sich schon lange im Set des Trios befinden ('Mad Butcher', 'Total Desaster', 'Curse The Gods' oder 'Life Without Sense'). Sänger/Bassist Schmier kündigt gar einen Song an, den die Band seit Mitte der 80er nicht mehr in Nürnberg live zum Besten gegeben hat: Was folgt ist das kongeniale Instrumental 'Thrash Attack', das nahtlos übergeht in ein fulminantes 'Invincible Force': Unglaublich, welchen Druck DESTRUCTION mit nur einer Gitarre zu entfachen wissen! Sechssaiten-Flitzer Mike kommt indes ungemein abgeklärt rüber, während er schier unglaubliche Riffs ins Publikum schmettert, die sicherlich mit zum Besten zählen, was die Thrash-Welt je erlebt hat. Nachdem Schmier den Nürnberger Gerstensaft zum besten Bier der Tour kürte, geht's mit 'The Butcher Strikes Back' vom 2000er Comeback-Album „All Hell Breaks Loose“ noch mal in die Vollen, bevor sich die Band vorerst verabschiedet.

Angesichts des frenetischen Publikumsjubels lässt sich das Trio Infernale jedoch nicht lange bitten und schmettert mit 'Thrash Till Death' und 'Bestial Invasion' noch zwei zusätzliche Knaller. Das als Eventualität in der Setlist noch aufgeführte 'Eternal Ban' kommt im Zugabenblock dann allerdings leider nicht mehr zum Zuge. Insgesamt gesehen lassen auch DESTRUCTION mit einer fulminanten Song-Zusammenstellung nichts anbrennen. Einzig die Lichtshow hätte etwas weniger opulent ausfallen können: Manchmal ist weniger eben mehr… Nach dem Konzert treffen sich noch einige Leute auf einen letzten Absacker an der Bar, um diesen gelungenen Abend gemütlich ausklingen zu lassen und danach, im Bewusstsein, einen geilen Abend erlebt zu haben, die Heimreise anzutreten.

 

 

SOULBURN

Monday, 31 October 2016 16:12 Published in Fortsetzungs-Stories

Erlösung vor Entfremdung

 

Auch SOULBURN-Schlagzeuger Bob Bagchus zeigte sich am Telefon fürs Interview in der aktuellen Ausgabe #105 ziemlich redselig: Der Holländer wirkte ungemein entspannt, stand an dem Abend doch kein weiterer Promo-Termin mehr an. Nur ein paar Kumpels von der Arbeit würden später noch vorbeischauen, so dass laut Bob genügend Zeit sei, noch etwas über das eine oder andere Thema abseits des üblichen Programms zu sprechen.

 

Der Zufall will es, dass das neue SOULBURN-Album „Earthless Pagan Spirit“ nur wenige Wochen nach der neuen Asphyx-Scheibe „Incoming Death“ erscheinen wird. Letztgenannte Platte ist bekanntlich die erste in der langen Geschichte der Todesblei-Legende, die ohne Gründungsmitglied Bob Bagchus entstanden ist. “Ich mag das Album sehr gerne“ lobt dieser seine ehemaligen Band-Kollegen. „Die Jungs waren letztes Wochenende erst hier an meiner Tür und überreichten mir die erste Kopie der Scheibe. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und „Deathhammer“ einen würdigen Nachfolger beschert! Es ist das was ich die „neuen Asphyx“ nenne. Ich teile die Karriere immer in zwei Teile ein: Vor und nach der Reunion. Ich glaube, dass die Jungs etwas nervös waren, was ich denn darüber denken würde. Aber ich war wirklich sehr beeindruckt! Wenn ich bei Asphyx geblieben wäre, hätte ich wahrscheinlich dasselbe gemacht!“

Wirklich komisch fühlt es sich für Bob indes nicht an, Asphyx weiterhin ohne ihn aktiv zu sehen. „Für mich kam das Ganze eher einer Erlösung gleich. Meine Kinder brauchten mich zu dem damaligen Zeitpunkt zuhause. Meine Frau ist Krankenschwester und mit der damit verbundenen Schichtarbeit hat das einfach nicht mehr hingehauen. Ich bin jemand, der aufrichtig an Zeichen glaubt: Das war ein solches Zeichen mit der Bedeutung, dass ich das Ganze mit meinem Privatleben nicht mehr vereinbaren konnte. Darüber hinaus fühlte ich mich meiner eigenen Band gegenüber irgendwie entfremdet. Ich hatte sicherlich noch Spaß, aber die letzten 15 Shows oder so sah ich mehr als Partys an als alles andere: Der richtige Bezug zur Gruppe war jedoch nicht mehr da. Das fühlte sich für mich sehr komisch an. Der Hauptgrund war sicherlich, dass ich Asphyx einfach nicht mehr mit meiner Familie vereinbaren konnte. Der andere Grund war der oben beschriebene, dass mir eben einfach jeglicher Bezug zur Band fehlte. Ich wusste, dass die anderen Jungs immer noch total darin aufgingen. Ich schrieb eine Mail, wo ich meine Gefühlslage Martin van Drunen schilderte und er war wegen dieser Neuigkeiten völlig am Boden zerstört. Ich meinte jedoch, dass die Jungs durchaus auch ohne mich weitermachen könnten. Und das fühlt sich im Nachhinein nicht komisch an oder so: Die Jungs machten ein großartiges Album und ich zieh mein Ding durch, allerdings auf einem niedrigeren Level. Ich glaube, so ist jeder glücklich!“

 

Langsamkeit regiert

 

Erst kürzlich erschien ebenfalls eine Scheibe von Minotaur Head, einer Band, die Bob zusammen mit dem schwedischen Tausendsassa Rogga Johansson ins Leben gerufen hat. “Haha, es ist lustig, dass Du darauf zu sprechen kommst, aber gerade diesen Nachmittag hab ich ein Interview für Minotaur Head gegeben! Das ist erneut etwas ganz Anderes, sehr schwere Musik. Rogga und ich wollten schon vor Jahren etwas ungemein Hartes machen. Wir spielten ja auch schon mal bei To The Gallows zusammen, das war ein totaler Bathory-Tribut! Danach fing ich mit SOULBURN wieder an, weswegen weitere Pläne mit Rogga erstmal auf Eis gelegt wurden. Letztes Jahr schickte mir Rogga eine Email und meinte, dass er einige Ideen parat hätte und ob ich gerne mit ihm zusammen ein Projekt aufziehen würde, jetzt da ich mehr Zeit hätte? Ich hatte de facto mehr Zeit zur Verfügung, denn das SOULBURN-Album „The Suffocating Darkness“ war gerade draußen. Ich meinte zu Rogga, dass ich das machen möchte, worauf ich am meisten stehe: Etwas richtig Doomiges, verdammt hartes Zeug! Also keinen Standard-Death, sondern eher in die Richtung Black Sabbath, Celtic Frost, Triptykon oder Winter. In derselben Nacht noch entstanden zwei Songs und wenige Wochen später waren es deren schon fünf. Zuerst wollten wir ein Mini-Album machen, aber dann meinten wir, dass wir lieber noch zwei weitere Stücke schreiben, um eine vollständige Scheibe zusammenzubekommen.“

Eine Band, woran die Sachen von Minotaur Head mitunter ebenfalls erinnern, sind die kongenialen Necro Schizma – allein der Name öffnet Tür und Tor bei Bob: “Ja, die sind hervorragend! Das ist eine meiner absoluten Lieblingsbands aus Holland!“ Die Band hatte anno 1989 lediglich drei Demotapes herausgebracht und ist mit ihrer kompromisslosen, megadüsteren und lavagleich langsamen Musik mittlerweile tonnenschwerer Underground-Kult. „Ja, insbesondere das „Erupted Evil“-Demo war einfach nur noch genial! Necro Schizma waren zweimal Support von Asphyx, damals als noch Theo Loomans mit dabei war, 1989 und 1990. Das waren gute Freunde von uns, ihre Musik war so langsam, so heavy, so einfach! Wow, ich liebe das einfach!! So einige Leute scheinen Minotaur Head zu mögen, was wir nicht wirklich erwarteten, um ehrlich zu sein!“ Als richtige Band würde Bob Minotaur Head dennoch nicht bezeichnen: “Nein, das ist ein Projekt, aber wenn wir ein cooles Angebot für ein geiles Festival erhalten würden, würden wir überlegen da zu spielen! Das Problem ist nur, dass Rogga in Stockholm wohnt, was etwa 1.400 km von meinem Heimatort entfernt ist. Aber wenn wir ein cooles Angebot von einem tollen Festival erhalten sollten, würden wir uns aufraffen, auch einen Tag eher anreisen, um dort zu proben. Ich meine, ich kenne die Songs in- und auswendig, ich könnte sie jederzeit spielen!“

 

Eine ziemlich rabiate Angelegenheit

 

Bob trommelt darüber hinaus dann noch bei Infidel Reich, die der dortige Mitmusiker Vincent Crowley von Acheron in sozialen Medien ziemlich martialisch ankündigte: „Zeit für etwas Metal, der sich nicht der politisch korrekten Masse unterwirft. Wir sind jene Ungläubigen, die gegen die extremen Anhänger Allahs sowie all die Heuchelei in der modernen Gesellschaft aufstehen! Schließ Dich uns an, wir erschaffen Musik, die diejenigen eint, die es wagen zurückzuschlagen!“ Zitat Ende. Rein musikalisch gesehen will man die Old School-Schiene bedienen, wie Bob beschreibt: „Neben Vincent und mir ist dort noch ein Kerl von Rectal Smegma, einer Grind-Band aus Holland, zugange sowie ein weiterer Musiker. Stilistisch bewegen wir uns irgendwo in der Nähe von Motörhead, Discharge, den alten Venom und Carnivore. Wahrscheinlich werden wir uns allerdings kaum Freunde machen, denn das Ganze ist eine ziemlich rabiate Angelegenheit: Wir sagen einfach das was wir wollen, genauso wie das damals auch S.O.D. machten. Wir singen also über Dinge, die uns schlichtweg nerven.”

Political Correctness sucht man also woanders… “Genau! Das war überhaupt erst einer der Gründe, wieso Infidel Reich gegründet wurde, denn Vincent postete damals bei Facebook, dass er Leute hasste, die politisch korrekt wären, um auftreten zu können, um einen Plattenvertrag zu ergattern oder zu behalten. Ich antwortete darauf und meinte, dass ich meinen Mund für niemanden halten würde, ich sage, was immer ich sagen will! Wenn das gewissen Leuten nicht passt, ist das schlimm, aber letztlich nicht mein Problem! Ich selbst werde ja auch tagtäglich mit irgendwelchen Sachen konfrontiert, die mir nicht passen und trotzdem macht mir das nichts aus! Letzten Endes meinten wir also, dass wir unbedingt eine Band gründen müssten. Vincent und ich kennen uns bereits seit Jahrzehnten. Danach schrieb mir Crowley noch eine E-Mail, wo er noch mal betonte, dass es ihm diesbezüglich wirklich ernst war. Ich war auch voll dabei, weswegen Infidel Reich gegründet wurden. Wir haben mittlerweile sogar einen Plattenvertrag bei einem sehr kleinen holländischen Label, das bereits hervorragende Sachen veröffentlichte wie beispielsweise eine Neuauflage des 1987er Demos von Incubus. Ende des Jahres wird unser Album voraussichtlich fertiggestellt werden, herausgebracht wird das Ganze dann 2017, nehme ich mal an.“

 

Keine Tour-Band

 

Kommen wir zum Abschluss dieses Interview-Nachschlags noch mal auf SOULBURN zu sprechen: Diverse Einzelgigs in Clubs respektive bei Festivals stehen bis dato an. Umfassende Touren werden die Holländer aber wohl nicht mehr spielen, wie Bob bekräftigt: “Ja, die Zeiten sind definitiv vorüber für mich, das wird nie wieder passieren! In der Vergangenheit ging ich genau zweimal richtig auf Tour, das war immer ein Heidenspaß: 1991 mit Entombed und ein Jahr später tourten wir fast zwei Monate lang mit Bolt Thrower und Benediction. Und das war`s dann auch – das ist nicht wirklich mein Ding. Es würde komisch anmuten, wenn ich jetzt mit SOULBURN touren würde – allein an Angeboten würde es uns nicht mangeln, so fragten doch beispielsweise Marduk mehrmals nach, ob wir nicht mit ihnen touren würden. Aber wir können das einfach nicht machen! Die neuen SOULBURN spielten ihre ersten Shows 2014 mit Bolt Thrower. Auch die Engländer fragten mich, ob wir eine ganze Konzertreise mit ihnen bestreiten könnten, denn sie fanden das Package Killer. Sie wussten, dass ich bei Asphyx draußen war und fragten bzgl. SOULBURN oder Grand Supreme Blood Court nach. Ich meinte, dass ich lieber mit SOULBURN spielen würde, weil die zur damaligen Zeit ja gerade ein neues Album draußen hatten. Aber ich meinte, dass wir nur drei Dates oder so mitspielen könnten. Letzten Endes standen wir an den Abenden dann mit Bolt Thrower und Morgoth auf der Bühne. So ist das: Wir können keine zusammenhängende Tour machen, höchstens drei bis vier Dates am Stück. Ich verließ Asphyx, um mehr daheim zu sein und da wäre es komisch, jetzt mit SOULBURN plötzlich auf Tour zu gehen. Wir spielen also auf Festival-Shows oder im Rahmen von Club-Gigs, welche ich persönlich viel lieber mag!

Donnerstag, 15.09.2016 (Preday):

Am Vorabend des diesjährigen Storm Crusher Festivals findet eine hart rockende Sause im „Salute Rockclub“statt – einer kleinen, gemütlichen Location im nahegelegenen Weiden. Der Zuschauerzuspruch an dem Tag ist beachtlich und lässt für das seit einigen Wochen restlos ausverkaufte Festival so einiges erwarten. Inmitten Eierquetscher-Metal der Marke STALLION, IRON KOBRA und RISING STORM sowie krachendem Thrash Metal à la ANTIPEEWEE und SPELLBOUND fühlen sich die Todesblei-Schergen von DEATHRONATION etwas de(ath)platziert. Dennoch werden nach Anlaufschwierigkeiten auch die Franken vom Publikum gebührend abgefeiert.

 

Freitag

 

Zum insgesamt sechsten Mal findet das Storm Crusher Festival in diesem Jahr statt, dabei feiert man in der O'Schnitt Halle im oberpfälzischen Wurz Premiere: Die Halle scheint den Bedürfnissen eines solchen Festivals wie auf den Leib geschneidert und vermag so manches Mal gediegenes Keep It True-Feeling zu verbreiten. Trotz der Tatsache, dass die Veranstaltung restlos ausverkauft ist, herrscht an beiden Tagen eine herrlich entspannte Atmosphäre vor: Nur bei Headlinern sowie absoluten Publikumsmagneten ist die Halle bis zum Bersten gefüllt. Ansonsten ist jederzeit freies Bewegen möglich, selbst ein Vorstoß in vordere Publikumsreihen ist fast immer von Erfolg gekrönt. Allzu lange muss man beim Bier nur anstehen, wenn die Kaltschale ausnahmsweise mal nur 2 Euro kostet, wie seitens der Veranstalter während des ASPHYX-Soundchecks angekündigt. Auch kulinarisch gibt’s von „Old School“ (Pommes, Currywurst etc.) über Quasi-Elsässisch (Flammkuchen) bis hinüber zu geilem Chili eine ziemlich reichhaltige Auswahl. Ein paar Verkaufsstände entlocken Banger-Geldbeuteln dann noch die letzten paar Kröten. Doch nun zum Wesentlichen: den Bands.

Dass HORNS OF DOMINATION derzeit den heimatlichen Underground gehörig aufmischen, ist angesichts des superben letztjährigen Demos durchaus gerechtfertigt. Diverse Club-Shows sowie der Auftritt beim Chaos Descends-Festival vor einigen Wochen unterstreichen die Live-Qualitäten des Nürnberger Trios. Es ist wohl anzunehmen, dass sich die Magie der Musik der Franken generell in kleinen, düsteren Clubs wirksamer entfaltet als auf großen Festival-Bühnen. Doch HORNS OF DOMINATION machen ihre Sache sehr gut und erfüllen die undankbare Opener-Pflicht auf herausragende Art und Weise. Cool auch, dass beim Storm Crusher keine Band weniger als 45 Minuten spielt: So erhält auch eine Underground-Combo wie eben HORNS OF DOMINATION genug Zeit, um ihren intensiv-düsteren Death Metal zu Gehör zu bringen. Mit ihren beiden bis dato erschienenen Platten „Firestorm“ und „Desecrator“ vermochten AMBUSH ebenfalls, für anerkennendes Kopfnicken bei der Banger-Gemeinde zu sorgen. Der traditionelle Heavy Metal der Schweden kommt auch beim Storm Crusher sehr gut an, das Publikum feiert die Band gebührend ab.

Ähnlich verhält es sich mit den ostdeutschen Thrashern von DIVISION SPEED, die ihre deftigen Songs den anwesenden Kuttenträgern um den Latz knallen. Die Leipziger stehen für die räudig-aggressive Seite dieses Subgenres, ganz in der Tradition teutonischer Helden der Marke Violent Force, Deathrow, Darkness, Destruction oder Sodom. Ganz anders dagegen die Kölner von PRIPJAT, deren Name nicht nur für eine heutige Geisterstadt in der Nähe von Tschernobyl steht, sondern auch für musikalischen versierten Thrash, der mehr in Richtung Bay Area tendiert. Die Jungs machen ihre Sache grundsätzlich ganz gut, versprühen jedoch nicht so viel Kult-Feeling wie die davor regierenden DIVISION SPEED, was einen klaren Punktgewinn für Ostdeutschland bedeutet. Nach der vorangegangenen Thrash-Breitseite folgt nun mit 77 die geballte Ladung Rock'n'Roll: Natürlich kommt man nicht umhin, im Hinterkopf zu behalten, dass die Katalanen in der Form nicht existieren würden, hätte es nicht eine Band namens AC/DC gegeben. Doch das hindert die Jungs aus Barcelona nicht daran, eine schweißtreibende, ungemein agile Show aufs Parkett zu legen. Die Setlist wird dabei von Midtempo-Stampfern dominiert, was jedoch auch vereinzelt zackigere Stücke oder aber richtig schön bluesige Momente keineswegs ausschließt. Es macht ungemein viel Spaß, 77 zuzugucken, und als der quietschfidele Gitarrist LG Valeta noch einen Ausflug ins Publikum unternimmt, brechen alle Dämme. Die Katalanen verbreiten ungemein viel Kurzweil und lassen die Stunde Spielzeit wie im Flug vergehen!

EXUMER machen dagegen da weiter, wo zuvor DIVISION SPEED und PRIPJAT aufgehört hatten: Der Name der Band steht nicht umsonst synonym für erdigen Thrash Metal teutonischer Machart. Der eine oder andere Altfan wird angesichts eines engagierten Auftritts bekehrt, den Namen EXUMER nicht ausschließlich in der zweiten Reihe deutscher Thrash-Formationen der 80er zu verorten. Neben Songs des überraschend guten neuen Albums „The Raging Tides“ zocken Sänger Mem von Stein & Co. an diesem Abend selbstverständlich auch viele alte Klassiker. Es war im Vorfeld zu erwarten gewesen, dass ATLANTEAN KODEX ziemlich viel Zuspruch ernten würden: Die Band zählt nach wie vor zu den großen Hoffnungsträgern im Dunstkreis zwischen Heavy, Epic und Doom Metal, zudem kann man das Storm Crusher als Heimspiel der Oberpfälzer werten. Darüber hinaus handelt es sich bei dem Auftritt um den einzigen Deutschland-Gig im Jahr 2016. Eine logische Folge dessen ist dann natürlich, dass ungemein viele Leute mit ATLANTEAN KODEX-Leibchen gesichtet werden, und dass es bei den Oberpfälzern vor der Bühne ungemein voll wird. Letztgenannter Umstand als auch die sengende Hitze in der Halle veranlassen so manchen Anwesenden, sich draußen einzufinden und die eine oder andere Zigarette durchzuziehen oder genüsslich ein, zwei Kaltschalen zu leeren. Was bei fast anderthalb Stunden episch-langsamen Metals auffällt, ist, dass sich mit der Zeit etwas Langeweile einschleicht: So manches Mal könnte man etwas mehr Abwechslung vertragen. Ansonsten machen ATLANTEAN KODEX jedoch alles richtig und stellen ihre zahlreich erschienenen Fans zufrieden.

Etwas mehr Variantenreichtum gibt’s dann bei MANILLA ROAD, die zwar ebenso episch daherkommen, aber eben auch häufiger mal das Tempo variieren und mehr Brücken zu anderen (Sub-)Genres schlagen. Der Anfang des Auftritts der Jungs aus Wichita, Kansas schürt noch große Erwartungen. Leider wirkt dann die Mitte des Sets, wo unter anderem ein Gitarrensolo präsentiert wird, etwas zu langatmig. Allerdings drehen die Jungs um Sänger/Gitarrist Mark „The Shark“ Shelton zum Ende hin wieder auf. Angesichts von Klassikern wie 'Death By The Hammer', 'Witches Brew', 'Open The Gates'; 'The Riddle Master', 'Mystification', 'The Ram' oder 'Crystal Logic' im Gepäck können MANILLA ROAD nicht viel falsch machen. Doch leider will beim göttlichen 'Cage Of Mirrors' nicht so wirklich Stimmung aufkommen. Dafür feiert das Publikum jedoch wieder beim unvermeidlichen 'Necropolis', bevor die Amis mit 'Flaming Metal Systems' ihren Auftritt beim Storm Crusher beschließen. Vielleicht hat die ausgiebige Tour zuvor dafür gesorgt, dass MANILLA ROAD an diesem letzten Abend dieser Konzertreise etwas mitgenommen rüberkamen. Dennoch ist den Amis natürlich ein rundum solider Gig gelungen.

Manch ein Zeitgenosse hat danach nicht mehr viel für die Thor-Tributband IRON THOR übrig: Gut, rein instrumental gesehen gibt’s nichts zu bemängeln, allein der Gesang sowie der sehr auf Show-Elemente ausgerichtete Auftritt sind natürlich Geschmackssache. Als Rausschmeißer fungieren die Jungs allerdings recht gut, dafür sorgen schon Thor-Standards wie 'Thunder On The Tundra' oder 'Keep The Dogs Away'. Für Aufsehen sorgt dann noch eine eigentlich recht cool dargebrachte Manowar-Coverversion (natürlich 'Thor (The Powerhead)', was sonst?).

 

Samstag

 

Erst eine MCD („Under Carpathian Sun“) haben die Rheinland-Pfälzer von LORD VIGO draußen, trotzdem beehren die Jungs nach dem letztjährigen Hammer Of Doom nun auch das Storm Crusher-Festival. Geboten wird epischer Doom Metal, der auch zu einer undankbar frühen Spielzeit von 13 Uhr ansprechend funktioniert. Natürlich sind die MASTERS OF DISGUISE mehr eine Art Tributband denn eine ernstzunehmende Musik-Kapelle: Savage Grace werden wirklich zu jeder Zeit gehuldigt, rein musikalisch gesehen wird das indes ziemlich gut in Szene gesetzt. Und so stellt man sich einmal mehr die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines derartigen Unterfangens, aber wer auf erdigen Speed/Heavy US-amerikanischer Prägung steht, macht hier zumindest nichts falsch. Wer mit MASTERS OF DISGUISE Savage Grace in Verbindung bringt, müsste natürlich beim Namen DEADHEADS sofort an die Westcoast-Legende Grateful Dead denken: Doch weit gefehlt, hier stehen nämlich Schweden auf der Bühne, die anstatt heimeligen Hippie-Rock erdigen Rock'n'Roll bieten! Gewisse Parallelen zu skandinavischen Truppen der Marke Hellacopters oder vor allen Dingen Turbonegro sind dabei nicht auszuschließen. Die Jungs beschränken sich in erster Linie auf die Songs ihres treffend betitelten Debüts „This Is Deadheads First Album“ mit dem schönen Zusatz „(It Includes Electric Guitars)“. Die Schweden sorgen mit ihrer geradlinigen Mucke für gute Stimmung und das nötige Quäntchen Abwechslungsreichtum beim ansonsten sehr metallisch geprägten Storm Crusher Festival.

Ungeachtet des feinen neuen Albums „The Gasoline Solution“ im Gepäck, welches sich Artwork-technisch wie auch musikalisch wieder mehr an den Frühwerken der Band orientiert, konzentrieren sich DARKNESS in erster Linie natürlich auf ihre alten Klassiker. Und die kommen zwangsläufig vermehrt vom genialen Debüt „Death Squad“: Egal ob das nun der Titeltrack ist, das derbe 'Staatsfeind', 'Faded Pictures' oder das vergleichsweise eher gemäßigte 'Burial At Sea', die 80er-Thrash-Helden werden vom zahlreich anwesenden Publikum abgefeiert als gäbe es kein Morgen mehr. Den krönenden Abschluss bildet dann gewohnter Weise die Hymne 'Iron Force': Ein ganz starker Auftritt und definitiv ein Highlight des Wochenendes! Scheinbar ist das Publikum des diesjährigen Storm Crusher-Festivals vermehrt dem Thrash Metal zugetan, Schwarzwurzelklänge stellen hier eher Exoten dar. Und doch liefern auch die tschechischen Black Metal-Pioniere von ROOT einen Auftritt ab, der sich gewaschen hat: Musikalisch perfekt aufeinander eingespielt, inszenieren die Osteuropäer eine akustische schwarze Messe. Während die Klampfer öfters mal auf Podeste steigen, um noch größer zu wirken als sie es ohnehin schon sind, brilliert Sänger Big Boss einmal mehr mit seiner beschwörenden, ungemein charismatischen Stimme. Natürlich mag es etwas befremdlich anmuten, dass der Frontmann mittlerweile das einzig verbliebene Urmitglied der Formation ist, dennoch versprühen ROOT auch anno 2016 noch jene Magie, welche die Band seit jeher auszeichnete. Mit dem obligatorischen Klassiker 'Píseň Pro Satana' verabschieden sich die Tschechen voller Stolz darauf, einen der unbestreitbar besten Auftritte des Festivals abgeliefert zu haben!

Während ROOT höchst originelle Mucke boten, wird's bei STORMWARRIOR nunmehr weitaus traditioneller: Wer teutonischem Power/Speed/Heavy Metal der 80er Jahre nicht abgeneigt ist, wird hier vollends zufriedengestellt. Kritiker bemängeln natürlich, dass sich in den Songs der Hamburger zuhauf Zitate von Helden wie Halloween, Running Wild oder Gamma Ray wiederfinden, aber das ist wohl durchaus so gewollt. Ergo: STORMWARRIOR sind keine Überflieger und zocken keine besondere Mucke, bieten ihren Fans aber eine durchaus ansprechende Show. Auch bei IRON ANGEL ist mittlerweile nur mehr Sänger Dirk Schröder von der Ur-Besetzung mit von der Partie. Doch fulminante Auftritte, unter anderem beim diesjährigen Raging Death Date, haben gezeigt, dass auch die neuen Mitglieder den Spirit der Band verinnerlicht zu haben scheinen. Wie bei vorherigen Gigs konzentrieren sich die Hamburger zum Großteil auf Stücke des Klassiker-Debüts „Hellish Crossfire“: Unsterbliche Speed-Kracher wie beispielsweise 'Sinner 666', 'The Metallian', 'Legions Of Evil', 'Black Mass' oder 'Hunter In Chains' werden vom Publikum, welches sich aus Vertretern älterer sowie jüngerer Semester zusammensetzt, gebührend abgefeiert. Zwischendrin gibt’s dann auch mal was vom Zweitwerk „Winds Of War“ wie beispielsweise das coole 'Fight For Your Life'. Als krönenden Abschluss schmettern die Nordlichter noch die Hymnen 'Heavy Metal Soldiers' sowie 'Rush Of Power' und hinterlassen eine von Grund auf zufriedene Meute.

Waren bei IRON ANGEL vorwiegend Die-Hard-Maniacs am Start, füllt sich die Halle bei den darauffolgenden RAM zusehends, sodass kaum mehr ein Durchkommen möglich ist. Sicher, das letztjährige Album „Svbversvm“ zählt zu den wohl besten Veröffentlichungen der seit 1999 existenten Schweden-Formation. Auf der Storm Crusher-Bühne können die Skandinavier ihre im Laufe von unzähligen Auftritten gesammelte Live-Erfahrung vollends ausspielen: Agil und energisch präsentiert das Quintett seine Songs, die zwar immer noch ein ums andere Mal an die großen Vorbilder Judas Priest erinnern, letzten Endes jedoch mittlerweile relativ eigenständig daherkommen. Doch trotz der Tatsache, dass die zum Bersten gefüllte Halle RAM vorbehaltlos abfeiert, vermag der Funke beim Rezensenten nicht wirklich überzuspringen: Zu sehr wirken Musik wie Auftritt von der Stange, zu durchschnittlich die Leistung als dass man in die allgegenwärtigen Lobhudeleien bedenkenlos mit einstimmen könnte. RAM waren und sind halt gut, aber keineswegs überragend! DIAMOND HEAD hingegen lediglich auf die Querverbindung zu Metallica zu reduzieren, greift eindeutig zu kurz: Das Debüt „Lightning To The Nations“ war, ist und bleibt für immer und ewig ein absoluter Klassiker! Kein Wunder, dass die Briten an dem Abend so einige Songs davon zum Besten geben wie beispielsweise 'It's Electric', 'Helpless' oder den Titeltrack. Und natürlich darf auch das DIAMOND HEAD-Überstück 'Am I Evil?' nicht fehlen, bei dem so einige der Anwesenden noch einmal sämtliche Kraftreserven mobilisieren und lauthals mitsingen und -bangen. Songs des vor Kurzem erst erschienen neuen, selbstbetitelten Albums finden ebenso ihren Weg in die Setlist. Manches Mal würde man sich eine engagiertere, beseeltere Show seitens der NWOBHM-Legende wünschen – oder liegt es vielleicht daran, dass auch hier mit Brian Tatler nur mehr ein einziges Originalmitglied von damals mit von der Partie ist? DIAMOND HEAD wirkt halt anno 2016 bei weitem nicht so frisch wie noch Ende der 70er/Anfang der 80er, aber das ist verständlich. Irgendwie haben es die Briten dann dennoch geschafft, diese Band ins Hier und Jetzt auf amtliche Art und Weise hinüberzuretten.

Was nach den Engländern folgt, ist die oben erwähnte Bier-Aktion zu Schleuderpreisen, was sehr cool ist! Nicht so cool ist die etwas deplatzierte „Verlosung“ vor dem Auftritt von ASPHYX: Gut, die Dame mit dem weitesten Anreiseweg (aus Thailand) zu prämieren, ist noch vertretbar, und vielleicht hat sich ja auch jemand über die Nuclear Blast-Tasche gefreut – man merkt jedoch, dass die Fans heiß auf ASPHYX sind und eher ungeduldig der Dinge harren, die da noch kommen sollen. Doch dann ist es endlich soweit: Mit einer gehörigen Breitseite an traditionellen Death Metal-Klassikern legt die holländische Institution los. Was folgt, ist ein munterer Streifzug durch die Annalen der Bandgeschichte, im Rahmen dessen auch neuere Stücke gleichberechtigt neben alten Krachern stehen. ASPHYX präsentieren sich einmal mehr als zerstörerische Todesblei-Maschinerie, welche gnadenlos alles zermalmt, was sich ihr in den Weg stellt. Natürlich war der Weggang des letzten Gründungsmitglieds Bob Bagchus ein Verlust, aber Desaster-Drummer Husky ist ein guter Ersatz hinter den Kesseln. Mit den beiden größtenteils langsamen Hymnen 'The Rack' und 'Last One On Earth' üben ASPHYX noch einmal den Kniefall vor ihren Frühwerken und verabschieden sich auf düster-doomige Art und Weise vom Storm Crusher-Publikum.

Festival-Fazit: Flops gab's keine, als persönliche Highlights haben sich 77, ROOT, DARKNESS und IRON ANGEL erwiesen. Die neue Veranstaltungshalle ist der Killer, zudem kommt auch etwas Keep It True-Feeling auf, wobei zu begrüßen ist, dass die Band-Auswahl auch mal extremere Kapellen zulässt! Zudem hat man den Eindruck als ob's beim Storm Crusher etwas entspannter zugeht als bei vergleichbaren Veranstaltungen. Nächstes Jahr also gerne wieder, dann mit solch Hochkarätern wie EXCITER (!!!), OLIVER DAWSON SAXON, HIGH SPIRITS, IRON CURTAIN, VULTURE, FATAL EMBRACE und vielen mehr. Keine Frage: Das Storm Crusher hat sich mittlerweile inmitten all der in erster Linie traditionell ausgerichteten Metal-Festivals vollends etabliert und ist eine Hausnummer für sich!

 

 

 

FATSO JETSON “Idle Hands”

Sunday, 16 October 2016 18:08 Published in A-Z

Genre: Desert Rock
FATSO JETSON bezeichnen sich selber als „Paten der Desert Rock – Szene“. Dies mag insofern gerechtfertigt sein als dass die Kalifornier bereits zwei Jahre vor einer stilistisch ähnlich gearteten Formation wie den Queens Of The Stone Age ins Leben gerufen wurde. Allerdings muss man bedenken, dass es DIE „Wüstensöhne“ schlechthin, Kyuss, doch schon weitaus früher gab! Die drei genannten Pioniere haben gemeinsam, dass sie allesamt aus Palm Desert, einem Ort im äußersten Südwesten der USA, stammen. Anders als QOTSA oder Kyuss schafften FATSO JETSON jedoch nie so wirklich den Durchbruch. Dennoch wurde die Vorreiterrolle der Gruppe seitens zahlreicher Fans im Underground gebührend gewürdigt. Sechs Jahre nach dem letzten Longplayer „Archaic Volumes“ gibt’s nunmehr mit „Idle Hands“ was Neues auf die Lauscher der Anhängerschaft. Dabei kommt auch auf vorliegender Platte gleich von vornherein der eigenwillige, originelle Stil der Kalifornier vollauf zur Geltung: Sicherlich ist auch die Musik dieser Wüstenbewohner in erster Linie irgendwo im düsteren Heavy-Sound der 70er Jahre verankert. FATSO JETSON schaffen es jedoch, völlig frank und frei, bar jeglicher musikalischer Limitierungen zu agieren. Dennoch ist das, was man hier hört, keineswegs eine Form von Crossover, wirken die elf Songs von „Idle Hands“ doch erstaunlich homogen. Zuweilen kommt die Musik der Jungs fast schon so verschroben-schrullig wie die Kunst von Frank Zappa rüber. FATSO JETSON alleine deswegen in eine verquere Avantgarde-Ecke einordnen zu wollen, würde jedoch wiederum auch zu kurz greifen, haben wir es hier doch eindeutig mit einer deftigen Rockband mit einem untrüglichen Gespür für nichtsdestotrotz einprägsame Songstrukturen zu tun.

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