LEGACY - The Voice from the Darkside

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Thursday, 31 May 2012 02:00

 

VERDUNKELN „Weder Licht noch Schatten“

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Additional Info


Bewertung: 12


Label: Ván/Soulfood
Band-Website: Band-Webseite
erschienen in Ausgabe Nr.: 078
VERDUNKELN „Weder Licht noch Schatten“

Ursprünglich in Aachen beheimatet, waren Gnarl und Ratatyske, der Kern von VERDUNKELN, Teil des Wòd-Ván – jenes Kreis, aus dem dann das Label Ván hervorging. Fünf Jahre nach dem Debüt „Einblick in den Qualenfall“ erscheint nun das zweite Album „Weder Licht noch Schatten“. Auch darauf gibt es tendenziell eher langsamen und doomigen, dabei aber melodischen Black Metal zu hören, der zudem in den Gitarren und teilweise auch den Bassspuren eine gewisse Verwandtschaft zum Gothic Rock in der Form aufweist, in der ihn Fields Of The Nephilim oder frühe The Sisters Of Mercy geprägt haben. Die erste Minute von ´Die letzte Legion´ spricht diesbezüglich Bände. Ohne Intro-Firlefanz startet der erste Song ´Das Antlitz des Himmels´ und sorgt mit seiner finsteren Lead-Melodie direkt dafür, dass wohlige Gänsehautschauer über den Rücken laufen. Während die Rhythmusgitarren sehr roh und teilweise gewollt unsauber klingen, erklingen die wuchtigen Drums mit viel Hall. Gleiches gilt für die Leadgitarren und den abwechslungsreichen Gesang. Gnarl intoniert sowohl mit klarer Stimme als auch mit schwarzem Knurren und schreit klagend herum. Der Song variiert das Tempo dezent und ist mit kurzen sieben Minuten ein gelungener Einstieg in das Album. Natürlich sind sieben Minuten eigentlich nicht kurz, aber dies ist im Verhältnis zu sehen, denn das folgende ´Am Ende des Abgrunds´ ist mit 12 Minuten länger. In der höchst atmosphärischen Nummer singt Gnarl fast schon freundlich mit klarer Stimme, was dem Song eine eigentümliche Stimmung verleiht. Besonders die zweite Hälfte der Nummer lädt mit ihren hypnotischen Wiederholungen der Motive dazu ein, sich fallenzulassen. Was VERDUNKELN auf ihrem zweiten Album machen, ist Musik, zu der man eine emotionale Bindung aufbauen muss, um sie genießen zu können. Ein schlichtes Konsumieren ist weder gewollt, noch praktikabel. Das bereits genannte ´Die letzte Legion´ wirkt vergleichsweise eingängig, auch wenn es das mit zehn Minuten Länge nicht wirklich ist. Nach dreieinhalb Minuten wird die Nummer zunächst sperriger und finsterer, um in den letzten vier Minuten wieder zu den anfänglichen Motiven zurückzukehren, dabei aber die Härte zu variieren. Mit knapp über sechs Minuten ist ´Unsre Richter´ die kürzeste Nummer des Albums, dabei auch die ruppigste. Den charakteristischen Melodien wird weniger Platz eingeräumt; das schwere Riff und das angezogene Tempo dominieren zunächst, bevor auch hier wieder die eingeschlagenen Pfade verlassen werden und die ausschweifenden Instrumentalpassagen Haken schlagen. Der am Ende platzierte Titeltrack startet wieder mit dieser schönen, leicht gotischen Gitarre, bevor Gnarls raue Stimme und Marsch-artiges Drumming einsetzen. Der Song zeigt sich einerseits wieder melodischer, aber auch die Ruppigkeit, die das andere Gesicht von VERDUNKELN repräsentiert, ist allgegenwärtig. „Weder Licht noch Schatten“ ist kein Album für Schöngeister oder Soundfetischisten, sondern ein finsteres, emotionales Werk, das nicht auf Biegen und Brechen gefallen will, sondern sich durch spröde Schönheit auszeichnet.

(c) 2012 www.legacy.de

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