LEGACY - The Voice from the Darkside

Switch to desktop

Thursday, 31 May 2012 02:00

 

RUNNING WILD „Shadowmaker“

Written by 
Rate this item
(0 votes)
 



Additional Info


Bewertung: 5


Label: Steamhammer/SPV
Band-Website: Band-Webseite
erschienen in Ausgabe Nr.: 078
RUNNING WILD „Shadowmaker“

So umfassend die Begeisterung für Accepts “Stalingrad” ausfällt, so erschlagend ist der Schockwirkung von „Shadowmaker“. Dabei sind die drei letzten RUNNING WILD-Alben und Rock’n’Rolfs Pop Punk-Spaßprojekt Toxic Taste Warnungen genug gewesen. Auch ein längeres Vorabinterview vor einigen Monaten bremste die Euphorie auf ein Wiederhören mit einer der drei einst bedeutendsten Teutonenstahl-Schmieden. Rolf hat nichts aus den Debakeln „Victory“ (1999) , „The Brotherhood“ (2002) und „Rogues En Vogue“ (2005) gelernt. Nicht nur das neue Cover - eine Hartz IV-Version von Maskottchen Adrian – trägt dem Sparzwang weiter Rechnung, der schon bei der inkonsequenten Live-Abschiedsshow in Wacken herrschte. Auch der Sound erreicht mitnichten die Güte der teuren, aber eben grandiosen Produktionen aus der Hochphase von „Port Royal“ bis „Masquerade“. „Shadowmaker“ klingt weitestgehend wie ein Ein-Mann-Demo, welches man seinen Band-Kumpanen als Rohentwurf mit Song-Skizzen zur detaillierten Ausarbeitung vorlegt. Aber RUNNING WILD waren zuletzt keine Band mehr und sind es auch jetzt nicht. Rolf wird nur vereinzelt auf andere Musiker zugegriffen haben. Dass darunter ein Drummer aus Fleisch und Blut war, ist sehr unwahrscheinlich. Ausnahmslos jeder Song zimmert vom Anfang bis Ende einen hölzernen, unbeweglichen Beat durch, Breaks und Fills sind akute Mangelware. Der dünne Refrain von ‚Riding The Tide’ taugt melodisch – aber wo sind bitte die massiven Chöre, die ein Anwesender der vom Label gesponserten Listening-Session in Hannover gehört haben will? Einzig das flotte ‚I Am Who I Am’ (hat was von ‚Raise Your Fist’ und besingt den eigenen Dickschädel) erreicht kompositorisch den Standard eines früheren Albumstandards; der Rest dümpelt weit unter dem Niveau einstiger B-Seiten herum. Eine absolute Blamage, die alle Makel des Albums zusammenfasst, wurde als Opener auserkoren: ‚Piece Of The Action’, ein süffiger Slade- und The Sweet-Abklatsch ohne jeden Heavy Metal-Bezug. Der Flüsterrezitativ der ersten Strophe, der primitive Uffta-Beat und der Schunkelrefrain konterkarieren mit ihrem billigen Party-Appeal alles, wofür die Band stand und müffeln nach Toxic Taste-Ausschuss. Gleiches gilt auch für ‚Me & The Boys’ , welches im Rahmen eines unsagbar cheesigen Stadion-Mitgröl-Stampfers dümmlichste Rock-Plattitüden abspult und trotz versuchter lyrischer Brücken kein zweites ‚Prisoners Of Our Time’ oder ‚Chains And Leather’ ist. Warum müssen kaum variierte Ausschuss-Riffs ganze Songs wie ‚Locomotive’, das Titelstück oder den anfänglich an die ersten Brian Johnson-Alben von AC/DC erinnernden Stampfer ‚Into The Black’ tragen? Wo sind die glorreichen keltischen Motive hin (‚Sailing Fire’ nimmt die Fährte versuchsweise auf, bleibt aber melodisch ), wo die fesselnden Solo-Schlachten, für die RUNNING WILD einst standen? Die seltenen Twin-Gitarren dudeln noch dünner als der Chorgesang, und viele Soli klingen nach Platzhaltern – eben wie bei einem Demo. Das schleppende ‚Black Shadow’ soll scheinbar an die beiden Alben vor dem Piratenimage erinnern, kommt aber noch dürftiger rüber als die Kompositionen von The Gate, der Band des Ex-Mitglieds Preacher. Ganz bitter auch das gänzlich undramatische Schlussepos ‚Dracula’, bei dem schon die Kirchturmglocke des Intros gelangweilt bimmelt. Gerade hier singt Kasparek noch kraftloser als ohnehin schon. Die Bridge mit den „beware of the night“-Wiederholungen und der gehauchte Refrain verpuffen, der Song-Aufbau ist primitiv statt episch. Auf dem künstlerischen Zenith abzutreten, schafft kaum jemand. Aber diese Wiederkehr als Gespenst – die Worte Reunion und Comeback verbieten sich von selbst – stimmt tieftraurig.

(c) 2012 www.legacy.de

Top Desktop version