LEGACY - The Voice from the Darkside

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Thursday, 09 August 2012 08:20

 

KYLESA, JOHN FRUMS CARGO CULT @ Saarbrücken, kleiner Club Garage, 05.08.2012

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Besucher: ca. 200
Eintritt: ca. 18 Euro

Bei traumhaftem Wetter bittet die Hauptstadt heute nicht nur zum eher massentauglichen „Saarspektakel“, sondern auch in Sludge-Niederungen. Zeremonienmeister ist das amerikanische Quartett KYLESA, das wie bei Relapse-Bands üblich gerne als Geschenk der Götter an die harte Musikszene dargestellt wird. Zunächst dürfen allerdings die in jedem Fall gänzlich irdischen Pfälzer JOHN FRUMS CARGO CULT ran, die zwar nicht erst seit gestern gemeinsam musizieren, aber abgesehen von Down-Worship und einigen schmissigen Grooves wenig bieten, was im Gedächtnis bleibt: Trucker-Kappe, Tätowierungen und ein Trouble-Logo auf der Klampfe. Das Quartett ist sympathisch, aber egal.

Mit zwei Drummern sind KYLESA sicherlich der Alptraum jedes Mischers, und der Herr, der heute Abend an den Reglern sitzt, dreht Neu-Basser Carl gleich prophylaktisch den Hahn zu. Der Arme, der sich von allen am meisten verausgabt, ist kaum zu hören, und dementsprechend klingt die Band weniger druckvoll als einfach nur laut. Dass Laura Pleasants und Phil Cope dabei mit dünnen Schrei-Stimmchen gesegnet sind, die sich kaum gegen den instrumentalen Wirbel behaupten können, ist der Chose ebenfalls abträglich, aber wie dem auch sei: ‚Tired Climb’, der Opener des immer noch aktuellen Albums „Spiral Shadows“, fällt aufgrund der aufgebrachten Energie und Wucht noch einigermaßen packend aus. Das folgende Tripel aus ‚Bottom Line’, ‚Forsaken’ und ‚Said And Done’ zeigt jedoch bereits Abnutzungserscheinungen. Die Formel der Band, die immerhin die Gründung der gegenwärtigen Medien-Platzhirsche Baroness inspiriert haben soll, erweitert die Sludge-Gleichung um wenig mehr als hypnotische, teils betörende Melodien wie im Höhepunkt ‚To Forget’ beziehungsweise Theremin-Spielereien, für die etwa ‚Distance Closing In’ steht. Vom Frühneunziger-Alterna-Charme des Hits ‚Don’t Look Back’ bleibt vor der dumpf plärrenden Klangkulisse kaum etwas übrig. So sind es die früheren Werke (‚Hollow Severer’ von 2006, 'Scape Goat'), die mit ihrer Hardcore-Affinität am authentischsten wirken, weil sie weniger vielschichtig angelegt wurden. Als unverhoffter Höhepunkt erweist sich das floydig-doomige 'Unknown Awareness', zumal ein Neuzugang in der Setlist, die sich faktisch nicht von jener der Frühjahrs-Gigs unterscheidet. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gruppe null mit dem Publikum kommuniziert, was wiederum zu verhaltenen Reaktionen führt. Eric Hernandez und Tyler Newberry letztlich, die anderthalb Trommler (letzterer zum Glück ohne Bassdrum), wuchten ihre Beats wie auf dem Album weitgehend identisch aus den Kesseln – tight zwar, aber eben doch eher auf den Effekt ausgerichtet … was für KYLESA heute insgesamt gilt: Diese Band hat ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft, veranstaltet aber lieber viel Lärm um nichts. Dazu passt, dass sie nach kaum einer Stunde die Bühne verlässt. Ginge man bei einer vergleichbaren deutschen Gruppe um kurz nach 22 Uhr aus einem Club, würde man sie nicht mehr mit dem Arsch anschauen, aber die hippen Amis, die dürfen das.

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