LEGACY - The Voice from the Darkside

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Thursday, 02 August 2012 07:03

 

Heavy Summerbreak Festival, 28.07.12, München

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München, Feierwerk
Besucherzahl: ca. 250
Eintrittspreis: Vorverkauf 15,- Euro, Abendkasse,- 18 Euro, Festival-Bundle (Shirt + Ticket) 20,- Euro

 

Das heuer zum dritten Mal im Münchner Feierwerk stattfindende Heavy Summerbreak Festival hat einen ungewöhnlichen Ursprung: Im Jahr 2008 wurde eine Reihe bayerischer Bands von einem Musikproduzenten mit einem „Munich Metal Sampler“ geködert, der dann allerdings nie erschien. Diese schlechten Erfahrungen mit der Musikindustrie nahmen die Bands zum Anlass, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und der gemeinsamen Enttäuschung etwas Positives entgegenzusetzen. Mit einem von Plattenlabels und Veranstaltern unabhängigen Festival will man lokalen Bands die Chance bieten, sich in professionellem Rahmen einem breiten Publikum zu präsentieren. Der Erfolg spricht für sich: Das seit 2010 vom dafür eigens gegründeten Schalldruck e.V. veranstaltete Heavy Summerbreak Festival hat aufgrund der positiven Publikumsresonanz mit dem Heavy Winterstorm Festival seit März 2011sogar noch einen Frühjahrs-Ableger bekommen.

Neun Bands und ein Headliner, eine breite Palette von Metal-Genres, faire Eintrittspreise zwischen 15,- und 18,- Euro und kurze Umbaupausen – so lässt sich das überzeugende Konzept des Festivals knapp umreißen. Den Auftakt machen vier Newcomer-Bands, die jeweils 30 Minuten Zeit haben, ihr Können unter Beweis zu stellen – denn das Publikum stimmt anschließend ab, und die Gewinner bekommen einen festen Slot im Hauptprogramm des nächsten Festivals.

Den Anfang bestreiten pünktlich um 18 Uhr die DOC BUSTERS aus München, die angesichts der frühen Stunde noch vor einer recht leeren Halle spielen und überdies mit technischen Problemen zu kämpfen haben. Schade, denn die ansprechende Mischung aus Rockabilly, Rock’n’Roll und einem Hauch Südstaaten-Rock macht wirklich Spaß und könnte bei günstigeren Rahmenbedingungen richtig zünden. Bei INFINUM ist das Feierwerk dann allerdings gut gefüllt, denn die Münchner Band kann erfolgreich ihre Fans mobilisieren. Und die bekommen wirklich etwas geboten: Mit druckvollem Melodic Power Death und einer stimmigen Balance aus hymnisch-melodischen und schnellen, rifflastigen Passagen setzen INFINUM ein deutliches Ausrufezeichen. Neben der exzellenten Gitarrenarbeit fällt die stimmliche Variabilität von Frontfrau Timea Göghova auf, die auch mit ihrer enormen Bühnenpräsenz beeindrucken kann. Kein Wunder, dass INFINUM schließlich auch als Sieger aus dem Newcomer-Contest hervorgehen. HELL INC machen anschließend ihrem Namen alle Ehre: Einerseits ist es in der Konzerthalle mittlerweile höllisch heiß, andererseits sorgen heftig bratende Gitarren und der diabolisch growlende Sänger Gerdi für eine überzeugende Präsentation von Songs wie ‚Follow Us To Hell‘ oder ‚Into The Black‘. IMPROVED GODS beenden dann die Newcomer-Runde mit einem Auftritt, der die ganze Leidenschaft der fünf Landshuter für Metal mit Thrash-Einschlag zeigt. Hier sind Musiker am Werk, deren Authentizität und Identifikation mit jedem Riff zu spüren ist – folglich ist die Enttäuschung von IMPROVED GODS groß, dass sie sich im Newcomer-Contest lediglich mit einer einzigen Stimme Unterschied INFINUM geschlagen geben müssen. Nichtsdestotrotz: eine Band, die man sich merken sollte!

Das Hauptprogramm eröffnen um 20 Uhr SEQUESTER, die mittlerweile schon seit elf Jahren im erzkonservativ-katholischen Wallfahrtsort Altötting die Bastion des „wahren Metal“ verteidigen und auch zu den Mitveranstaltern des Festivals gehören. Als „Bajuvarentod nach alter Schule“ bezeichnen Brösl, Brandy und Shmukko augenzwinkernd ihren Stil – schnörkelloser, geradliniger Old School Death Metal mit starken Anleihen an Entombed, Asphyx und Obituary, der einfach Spaß macht und mit der Bandhymne ‚Death To False Metal‘ zum Mitgrölen und Headbangen animiert. Wer das Interview in Legacy Nummer 79 gelesen hat, weiß, dass I SPIT ASHES mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein gesegnet sind. Am aufwändig gestalteten Merchandising-Stand werden Flyer mit folgendem Zitat des Gitarristen verteilt: „Ein I SPIT ASHES-Konzert soll auf Dich wirken, als würde vor Dir ein UFO landen“. Das weckt hohe Erwartungen an den von den fünf Franken propagierten „Metal 2.0“, die an diesem Abend allerdings nicht erfüllt werden können: Einerseits funktioniert die Band-eigene zusätzliche Bühnenbeleuchtung nicht, andererseits gibt es schon in der Umbaupause verschiedene technische Probleme, die letztlich den Auftritt enorm verkürzen. Vielleicht wäre es besser, wenn sich die Band weniger auf technische Spielereien und dafür einfach nur auf ihren an In Flames erinnernden Melodic Death konzentrieren würde.

GLORY DAZE gehören zu den Lieblingen des Münchner Publikums – und dies zu Recht: Sänger Many Stürmer hat im Handumdrehen die Sympathien auf seiner Seite und präsentiert mit seinen Bandkollegen tief im Classic Rock und NWOBHM verwurzelte Hymnen wie ‚Octavirus‘ oder ‚Tales Of Mystery‘. Hier stehen wahrlich keine Newcomer auf der Bühne. Dass die Herren eine Menge Erfahrung haben, zeigt nicht nur ihr fortgeschrittenes Alter, sondern insbesondere ihr untrügliches Gespür für Stimmungen, Groove und Interaktion mit den Zuschauern. Wie es sich für München gehört, fordert dann auch das begeisterte Publikum mit „Oana geht no!“ lautstark einen Nachschlag. Als „heimlichen Headliner“ des Abends darf man KNAAT bezeichnen, denn keine Band kann die Halle derart zum Kochen bringen. Als Sieger des Newcomer-Contests des diesjährigen Heavy Winterstorm Festivals nutzen die Münchner ihren Auftritt zu einer beeindruckenden Demonstration ihres melodischen Pagan Metal, der unzweifelhaft von Equilibrium, Ensiferium und Korpiklaani inspiriert ist. Ihre Live-Qualitäten konnten die Mannen um Sänger Max bereits als Opener beim diesjährigen Paganfest in hochkarätigem Umfeld unter Beweis stellen. Der Aufforderung des hünenhaften Frontmanns „Teilt Euch, Hunde!“ kommt das aufgeheizte Publikum bereitwillig mit einer Mini-Wall-Of-Death nach. Die Enttäuschung ist schließlich groß, als nach 45 Minuten schweißtreibender Performance KNAAT schon wieder die Bühne verlassen. Doch die Fans können beruhigt werden: Die Veröffentlichung des Debütalbums „Die Lichtung“ wird am 13. Oktober mit einer Release-Party im Feierwerk gebührend zelebriert.

Warum sich anschließend die Halle deutlich leert und nur wenige NOTHGARD bei ihrem allerersten Auftritt in der bayerischen Landeshauptstadt hören wollen, bleibt ein Rätsel. Auch wenn die Deggendorfer heute ausnahmsweise nur mit zwei statt wie üblich drei Gitarristen antreten, servieren sie mit feinstem Melodic Death mit deutlicher Pagan- und Folk-Schlagseite einen absoluten musikalischen Leckerbissen, der wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Gegen Mitternacht ist es dann soweit: LACRIMAS PROFUNDERE entern als Headliner die Bühne. Seit fast 20 Jahren sind sie eine feste Größe im Gothic Rock und genießen mittlerweile internationale Anerkennung. Ihr Konzert im Münchner Feierwerk ist in diesem Jahr der erste Auftritt in Deutschland, denn bislang war man ausgiebig in Spanien und China unterwegs. Zum Abschluss der Studioaufnahmen in München präsentieren sie ein breites Spektrum ihrer Ohrwürmer der letzten drei Alben wie ‚Ave End‘, ‚Again It’s Over‘ oder ‚Be Mine In Tears‘ und zeigen dabei keinerlei Headliner-Allüren. Ganz im Gegenteil: Mit spürbarer Spielfreude, eingängigen Melodien, satten Rock-Passagen und insbesondere dem eindringlichen Gesang von Rob Vittaca sorgen LACRIMAS PROFUNDERE für einen perfekten Abschluss des Festivals.

Zufrieden können Veranstalter, Musiker und Zuschauer gegen ein Uhr nach Hause gehen: Das Heavy Summerbreak Festival hat (wieder einmal) dank großem Enthusiasmus bei allen Beteiligten, perfekter Organisation und hervorragendem Sound viele positive Überraschungen und einen rundum gelungenen Abend geboten. Man kann dem Festival eigentlich nur zwei Dinge wünschen: Zum einen, dass es noch möglichst viele Wiederholungen gibt. Zum anderen, dass künftig noch etwas mehr Zuschauer den Weg ins Feierwerk finden.

 

 

 

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