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Wednesday, 01 August 2012 23:48

 

Amphi Festival Tag 2 - 22.07.2012

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Mono Inc Mono Inc Kai Bimber

Der zweite Tag des Amphi Festivals startet mit herrlichem Sonnenschein – ein Zustand, an dem sich im Laufe des Tages auch nicht mehr allzuviel ändern sollte.

Als Opener an diesem Tag fungieren LORD OF THE LOST. Die Band um Chris Harms glänzt mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz und liefert dabei einen der besten Opener-Auftritte ab, die auf dem Amphi bisher geboten wurden, der Gothic Rock der Hanseaten geht direkt ins Ohr und wird von den Zuschauern angemessen abgefeiert. Unter exzessivem Posing werden überaus memorable Songs wie 'Dry The Rain' , 'Sex On Legs', 'Blood For Blood' und das Amy McDonald-Cover 'This Is The Life' gespielt, und jeder einzelne davon zündet beim Publikum. Schade ist dabei nur, dass LORD OF THE LOST als Opener nicht die Spielzeit haben, die sie aufgrund ihrer Qualitäten und ihrer beträchtlichen Fanbasis verdient hätten.

Indoor geht es zwischenzeitlich zwar ein wenig zurückhaltender, aber keineswegs schlechter zu, denn dort sind nun SCHÖNGEIST am Werk. Die Münchner um den Sympathieträger Timur Karakus, die aktuell mit Eisbrecher on tour sind, bieten dabei schönen, stimmigen und soliden Rock und vermögen mit gutem Sound zu punkten, auch wenn man die Lichtverhältnisse im Staatenhaus wieder bestenfalls als "diffus" bezeichnen kann. Drummer Nook wird übrigens noch die Ehre haben, den Tag im Staatenhaus sowohl zu eröffnen als auch zu beenden, da er auch für Project Pitchfork hinter den Drums sitzen wird.

Und weiter geht´s auf der Mainstage, denn dort betritt nun Sven Friedrich die Bühne. Der Mann mit der ruhigen Stimme und den markanten Augen ist hier kein Fremder mehr, stand er doch im vergangenen Jahr gleich mit zwei seiner Projekte – Zeraphine und Dreadful Shadows – auf der Hauptbühne, und in diesem Jahr, getreu dem Motto "Aller guten Dinge sind drei", mit SOLAR FAKE – dem Projekt mit den meisten elektronischen Anleihen. Der charismatische Sänger stolziert dabei sichtlich gut gelaunt über die Bühne, und präsentiert überwiegend Material des neuesten Albums, 'Frontiers'. Sven, der nicht gerade unter die Kategorie "Rampensau" fällt, gibt dabei eine relativ ruhige und relaxte, musikalisch gelungene Leistung ab und und versammelt gegen Ende seines Auftritts eine sehr respektable Menschenansammlung vor der Hauptbühne.

Leidtragender dieser Popularität von SOLAR FAKE ist indes Ashley Dayour, der mit seinen WHISPERS IN THE SHADOW auf der Indoor-Bühne spielt, hält sich die Zuschauermenge doch in sehr überschaubaren Grenzen. Der Frontmann, der übrigens bei L´ame Immortelle an der Gitarre steht, kommentiert die frühe Uhrzeit und das anscheinend noch nicht 100% fitte Publikum mit einem trockenen Willkommen zur "Breakfast Show". Musikalisch liefert die Band atmosphärischen Gothic Rock mit teilweise überraschend harten Gitarrenriffs, textlichen Anleihen bei Lovecraft und eindringlicher Gestik und Mimik von Ashley. Eine Performance, die im Staatenhaus auf jeden Fall besser ihre Wirkungskraft entfalten kann als im Sonnenlicht auf der großen Bühne, auch wenn die Reaktionen des Publikums vergleichsweise verhalten ausfallen.

Gegen Ende des Whispers-Auftritts geht es dann auch auf der Hauptbühne wieder heiß her, denn dort macht einer d-e-r Überraschungs-Acts des Festivals Stimmung: AESTHETIC PERFECTION um Daniel Graves. Musikalisch eher im melodischen Teil der Aggrotech-Ecke angesiedelt, überzeugen Graves und Konsorten mit einer verblüffenden stimmlichen Bandbreite, hartem und druckvollem Sound und einer sichtlichen Spielfreude mit viel Posing. Das Publikum dankt´s mit Jubel und Tanz, und Nummern wie 'All Beauty Destroyed', 'Inhuman' und 'A Place To Visit' gehen ins Ohr und ohne Umwege von dort direkt in die Beine. Ein erster Höhepunkt des Festivals, der mit 'Spit It Out' viel zu schnell vorüber ist und auch bei doppelter Länge die Massen vor der Bühne gehalten hätte.

Währenddessen vertritt eine weitere Band ihr Genre im Alleingang: Im Staatenhaus stehen THE OTHER auf einer schön auf Horrorkitsch getrimmten Bühne im Kathedralenstil, mit Totenschädeln, Kerzenständern und allem, was dazugehört. Das Horrorpunk-Urgestein zeigt sich dabei als sehr spielfreudig und bringt ganze 14 Songs in der Spielzeit unter, dabei sehr erfolgreiche Tracks wie 'Fright Night', 'Take You Down', 'Horrornight' und 'Back To The Cemetary'. Das Ganze kommt zwar beim Publikum gut an, die Reaktionen fallen aber nicht sehr frenetisch aus, was wohl auch daran liegen mag, dass die Schnittmenge zwischen Horrorpunk und den anderen vertretenen Musikstilen des Festivals nicht groß ist… dennoch eine solide Leistung, die Appetit auf mehr macht.

An der Hauptbühne geht es dann als nächstes wirklich heiß her, denn hier ist nun STAHLZEIT. Interessanterweise polarisiert diese Band, trotz aller Militärsymbolik oder provokativer Bühnenshows von anderen Bands, die Besucher am meisten, da STAHLZEIT eine reine Rammstein-Coverband sind und sich zum Ziel gesetzt haben, möglichst nahe an das Original heranzukommen. Die einen genießen also die Show, die anderen empören sich, dass man einer Coverband Spielzeit auf der Hauptbühne zubilligt. Nun kann man das sehen, wie man will, optisch machen STAHLZEIT jedenfalls einiges her, und viele Elemente des großen Vorbilds finden ihren Weg auf die Bühne: Pyros, die Masken mit integrierten Flammenwerfen, brennende Mikrofone, das blutige Koch-Outfit und der gnadenlos als Psycho mit irrem Blick overactende Sänger. Musikalisch gibt´s ebenfalls nichts zu meckern, die Rammstein-Nummern werden routiniert und technisch versiert dargebracht, seien es nun das stampfende 'Links 2 3 4' zum Auftakt oder 'Mein Teil', 'Sehnsucht' oder 'Mutter', was die Zuhörerschaft auch mit viel Mitsingen belohnt. Der gewaltige Flächenbrand, den Rammstein auf ihren Konzerten abfackeln, ist hier natürlich nicht zu erwarten, aber schon verdammt nahe dran – und bei dunkleren Lichtverhältnissen wäre die Show sicherlich nochmal besser gekommen, was man aber u.a. noch Karlsruhe oder der Luxemburger Rockhal bestaunen kann.

Eine weniger hochtechnisierte Art von Wahnsinn gibt es indes wieder Indoor zu besichtigen: Die hohen Herren der coppelianischen Gesellschaft – a.k.a. COPPELIUS – laden hier zum Tanze, um auf dieser feinen kleinen Festivität im werten Colonia zu zeigen, dass eine scheyne Bühnenvorstellung auch ohne allerley galvanisch´ Gerät zu funktionieren weiß. Und wer COPPELIUS kennt, der weiß, dass es hier auch mit Klarinette, Cello, Kontrabass & Co. ordentlich zur Sache geht. Den zahlreich erschienenen Zuschauern werden Covernummern wie 'Murder In The Rue Morgue', 'Running Free' (beide Iron Maiden), aber auch eigenes Material wie 'Nachtwache', 'To My Creator' oder 'Der Handschuh' präsentiert, in gewohnt charmanter, aber auch hysterisch-wahnsinniger und überdrehter COPPELIUS-Manier, und erst nach zwei Zugaben – standesgemäß mit "Da capo!" eingefordert – lassen die Zuschauer COPPELIUS wieder von dannen ziehen.

Beim nächsten Hauptbühnen-Act wird es langsam zur Abwechslung auch auf der Bühne eng: Die siebenköpfige Truppe aus Florida, die CRÜXSHADOWS, sind jetzt im Rahmen ihrer aktuellen Tour am Zuge, der Zuhörerschaft ihre old-schoolig angehauchten Synth-Rock-Sounds vorzuführen. Sänger Rogue und Violinisten Johanna haben dabei sogar zwei Tänzerinnen im Tourgepäck, die zu jedem Song eine energiegeladene Performance abliefern. Rogue selbst gibt sich wie immer publikumsnah, steht längere Strecken direkt an der Absperrung beim Publikum – und liefert natürlich wieder einen Beweis seiner Kletterkünste, indem er sich den kompletten Bühnenaufbau hinaufarbeitet und von dort singt – Headset sei Dank. Die meisten Songs stammen vom neuen Album 'As The Dark Against My Halo', mit dem die meisten noch nicht sehr firm sind, es gibt aber auch Klassiker wie 'Winterborn' zu hören. Eine sehr sympathische Band mit einem Auftritt, bei dem es jede Menge zu sehen gibt. Live, Love, Be, Believe!

Indoor stehen auch bereits schon 18 SUMMERS auf der Bühne, eine Band, die sich ihren Kultstatus redlich verdient hat, handelt es sich doch hier um die früheren Silke Bischoff. Die Band um Felix Flaucher weiß mit einer gefühlvoll-melancholischen Performance in stimmigem Licht zu punkten und weckt im teilweise sichtlich ergriffenen Publikum sicher die eine oder andere Regung von Nostalgie.

Outdoor bricht inzwischen die Monomanie aus – ja, MONO INC., die noch vor wenigen Wochen auf dem Castle Rock Festival die Headliner-Rolle inne hatte, dürfen in Köln unter Beweis stellen, warum sie sich in wenigen Jahren vom kleinen Opener zum Headliner-Kandidaten gespielt haben. Entsprechend des guten Rufs, den die Band mittlerweile inne hat, ist das Gedränge vor der Bühne auch ziemlich groß, und als Katha Mia als erste die Bühne betritt und das Publikum zu Applaus animiert, gibt es dann auch kein Halten mehr. Die Hamburger beweisen auch wieder ein sehr geschicktes Händchen für die Songauswahl und präsentieren All-Time-Faves wie 'This Is The Day', 'Viva Hades', 'Gothic Queen' und 'Voices Of Doom', außerdem auch die neue Single 'Arabia', die mit einem starken Refrain punktet. Auch den allseits beliebten 'Passenger' von Iggy Pop gibt es wieder in einer Akustikversion, und insgesamt kommt man erneut nicht umhin, MONO INC. eine sehr gelungene Performance zuzusprechen.

Ruhiger ging es Indoor im Staatenhaus zu. CONJURE ONE, ein Projekt von Rhys Fulber von Frontline Assembly, bringt seine Songs aus dem Bereich des ruhigen, stilvollen Electro Pop überzeugend und atmosphärisch rüber, verzichtet aber im Gegensatz zu vielen Bands des Vortags auch nicht auf eine gewisse optische Ausstattung, und so gibt es unter anderem drei schicke LED-Wände zu bestaunen. Hier ist besonders das Ende des Auftritts hervorzuheben, denn dieses wird vom Ohrwurm 'Silence' markiert, einer Nummer, die Fulbers Projekt Delerium bereits in die Charts brachte.

Der Mainstage-Bereich war, ist und bleibt um diese Zeit gestopft voll – kein Wunder angesichts der Tatsache, dass nun mit BLUTENGEL ein weiterer hochkarätiger Act angesagt ist. Nun mag man von Chris Pohl und Konsorten halten, was man will, und sie entweder in die Schublade „peinlicher Gothic-Kitsch“ schieben oder als schwarzromantische Perle in der Musiklandschaft Deutschlands glorifizieren, aber auf beide Arten kommt man bei nüchterner Betrachtung nicht umhin, die hier aufgefahrene Bühnenshow zu respektieren. Maskierte Tänzerinnen in Lackmänteln, eine Leinwand mit Musikvideos und Promobildern der Bald als Bühnenhintergrund, Feuer, Blut und nackte Haut... Mastermind Pohl weiß, was er seinen Fans schuldig ist. Musikalisch wird auch einiges geboten, und so liefern BLUTENGEL eine Mischung ihrer eingängigsten und beliebtesten Hits – so zum Beispiel 'Children Of The Night', 'Soul Of Ice', 'Lucifer' und den überragenden Titeltrack des aktuellen Albums, 'Nachtbringer'. Optisch ein Hochgenuß und musikalisch sehr gelungen – auf jeden Fall einer der Festival-Höhepunkte.

Auch im Staatenhaus an der Indoor-Bühne ist nun der Punkt erreicht, an dem die Besucherzahl eher steigt denn fällt. Und das zu Recht, denn hier sollte nun quasi Armageddon in Form von COMBICHRIST über die Zuschauer hereinbrechen. Ist die Bühne und die darauf stehenden drei Drumkits zunächst noch in weiches Licht getaucht, während ruhige, Country-ähnliche Klänge zu hören sind, so wird die Ruhe jäh durch Strobo-Blitze und die ersten Töne des aggressiven Stampfers 'What The Fuck Is Wrong With You' zerrissen. Ein wahrer Sturm wird entfesselt: Andy LaPlegua stürmt in einem Affenkostüm gekleidet auf die Bühne, Abbey Nex mit seiner Gitarre und einem Outfit, das an Marilyn Manson erinnert, sowie Joe Letz in einem Tigerkostüm ziehen nach – und vernichten direkt das eine Drumset regelrecht, überall fliegt Equipment durch die Luft, LaPlegua brüllt mit irren Blicken seine wütenden Texte heraus. Dieses Niveau von mühsam kontrollierten Wahnsinn hält die Band den kompletten Auftritt lang, und das Publikum lässt sich von der überdrehten Atmosphäre mitreißen und geht ebenfalls in die Vollen. Ganze 13 Songs – inklusive solcher Nummern wie 'Blut Royale', 'Fuck That Shit', 'Get Your Body Beat' – schaffen COMBICHRIST es, die Stimmung dabei nicht nur zu halten, sondern mit jeder Note noch eins draufzusetzen. Sorry an Project Pitchfork und And One, aber so und nicht anders geht headlinern.

Apropos AND ONE – bei den Mannen um Steve Naghavi auf der Hauptbühne geht es in der Tat wesentlich zivilisierter und stilvoller zu. Der Mann, der unlängst Unheilig den Tour-Mittelfinger zeigte, ist leider stimmlich etwas angeschlagen und darum offenbar auch nicht bester Laune, schafft es aber trotzdem, den überfüllten Platz vor der Mainstage in fast geschlossener Formation in Tanzbewegungen zu versetzen. Mit einer Setlist, bestehend aus 'Back Home', 'Zerstörer', 'Wasted', 'Stand The Pain', 'Love You To The End', 'Metalhammer', 'Timekiller', 'Traumfrau', 'Deutschmaschine', 'Seven', 'The Walk', 'High' und 'Sometimes' , einem Zugabeblock mit 'Techno Man', 'Get You Closer', 'Military Fashion Show', 'Shouts Of Joy' und schließlich der finalen Zugabe 'So klingt Liebe' in einer Akustikversion ist es auch nicht schwer, positive Reaktionen hervorzurufen.

Das letzte Konzert auf der Mainstage ist somit beendet, bleibt noch der Indoor-Headliner. Eine Rolle, für die PROJECT PITCHFORK wie geschaffen sind. Der gewohnt zottelige Peter Spilles mit seiner blau-weißen Kriegsbemalung hat sichtlich Spaß dabei, den letzten Gig des Amphi Festivals liefern zu dürfen, und bietet der Zuhörerschaft einen sehr druckvollen Auftritt mit einer solchen Bass-Wucht, dass man befürchten mußte, dass sich der Feindflug-Vorfall mit der Hallendecke von vor ein paar Jahren wiederholen würde. Die stampfenden Beats kommen dabei von zwei Live-Drummern, was Nummern wie 'Timekiller', 'Existence', 'Continuum', 'KNKA', 'Steelrose', 'Souls' und wie sie alle heißen, nochmals ordentlich aufwertet.

Traditionsgemäß gibt es nach dem letzten Auftritt dann auch schon die ersten Bandbestätigungen für 2013, und so darf der geneigte Freak sich schon mal freuen auf: FIELDS OF THE NEPHILIM , ALIEN SEX FIEND, AGONOIZE, PETER HEPPNER, LETZTE INSTANZ, WELLE: ERDBALL, UMBRA ET IMAGO, TANZWUT, DE/VISION, FAUN, GRENDEL, THE BEAUTY OF GEMINA, SANTA HATES YOU, XOTOX und FABRIK C.

Der 20. und 21. Juli 2013 ist hiermit schon fest verplant.

 

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