LEGACY - The Voice from the Darkside

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Friday, 13 July 2012 23:17

 

Castle Rock, Tag 2 - 07.07.2012

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Am zweiten Festivaltag um 13 Uhr bei strahlendem Sonnenschein eröffnen die NDH/Thrasher von HÄMATOM das Festival. Nord, Süd, West und Ost beginnen ihr Set sozusagen "straight into your face" mit den Nummern 'Ihr kotzt mich an' und 'Totgesagt doch neu geboren'. Die Band, von der Optik her eine Art deutsche Slipknot, meistert die Opener-Rolle ausgezeichnet und animiert die Anwesenden immer mehr zum Mitsingen bzw. Mitklatschen. Wie üblich der vorläufige Höhepunkt ihres Auftritts wird der Song 'Neanderthal' (der im Original übrigens von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung stammt), inklusive Drummer Süd beim Herumalbern im Affenkostüm. Darauf folgen die sozialkritischeren Nummern 'Schau, sie spielen Krieg' und 'Spieglein' (Kritik an Heidi Klum und ihrer Model-Castingshow). Letzterer allerdings ohne die Sexpuppe, mit der Nord während dieses Songs früher des Öfteren zu posen pflegte. Den Abschluss des HÄMATOM-Auftritts stellt der Song 'Leck mich' dar, bei dem Nord erfolgreich das Publikum animiert "es mal rauszulassen" und und die Mittelfinger hochzurecken

Über das frühe Ende dieser Performance weint dann auch der Himmel, denn während der Umbaupause setzt auch der erste kurze Regenschauer des Tages ein - nicht allzu lang und auch nicht gerade stark, aber ausreichend, um eine leichte Fluchtreaktion bei den Zuschauern zu initiieren Pünktlich zum auftritt von IN LEGEND lässt der Schauer zum Glück nach, so dass es möglich wird, ein paar Fotos der Band zu schießen und danach noch ein wenig in der Menge zu feiern, ohne sich gleiche eine mittelschwere Lungenentzündung zuzuziehen. Die Piano-Metaller haben, obwohl "nur" zweite Band des Tages, eine ziemlich große Menge Fans in passenden Shirts vor der Bühne versammelt - ein paar davon sogar mit einem großen Banner der Band. Los geht es mit den perfekt als Eröffnungsnummern geeigneten Songs 'Heya' und 'Prestinate' sowie der Begrüßung der Zuhörerschaft - und dem Hinweis, dass es beim letzten Castle Rock-Auftritt ebenfalls geregnet hatte. So was zweimal hintereinander ist irgendwie kein gutes Omen... Die nächsten Songs - unter anderem 'Pandemonium' - vertreiben dann zum Glück auch die letzten paar Wolken, und die ersten größeren Headbanger-Ansammlungen lassen sich vor der Bühne ausmachen - und sogar ein (wenn auch kleiner und sehr zahmer) Circle Pit. Nun ja, eigentlich mehr ein "Im-Kreis-Tanzen", aber wollen wir doch beim dramatischer klingenden Anglizismus bleiben. Weiter geht es mit 'Hanging Matter' und exzessivem Posing von Daniel Wicke und Daniel Schmidle. 'Vortex' schließlich markiert den Höhepunkt des Auftritts, der aber leider auch schon das Ende kennzeichnet. Jedoch nicht, ohne den niedlichen kleinen Circle Pit zu einem... na ja, Vortex ausufern zu lassen.

Abgang IN LEGEND, Auftritt ADVERSUS, angekündigt als eine "Band, die man nicht allzu oft live sieht". Das macht natürlich neugierig und verspricht etwas Besonderes. Nun sind ADVERSUS allerdings sicherlich keine Partyband, die zu ausgiebigem Feiern oder Biergelagen vor der Bühne animiert... Die instrumentalische Inszenierung (Violine, Gitarre, Drums, Kontrabass) und die zwei Sängerinnen plus Sänger Torsten Schneyer sowie die fast schon orchestralen Arrangements der Band kommen weniger eingängig und etwas sperrig daher und hätten sicherlich in düstererem, verträumtererem Ambiente wesentlich mehr Anklang gefunden als an einen sonnigen Samstagmittag vor Zuschauern, die gerade von IN LEGEND aufgepeitscht wurden. Dazu dann noch ein paar kleinere Probleme mit dem Sound, und schon ist das Interesse an der Band für einen gewissen Teil der Zuhörerschaft erkaltet, welcher sich dann entweder in den angrenzenden Park oder zum Bierkonsum verzieht. Diejenigen aber, die sich auf die Band und ihre Kompositionen einlassen, stimmen sicherlich zu, dass ADVERSUS den Auftritt unter diesen widrigen Umständen gut meistern: Ob zehnminütige Songs à 'Die Glocke' (mit einem durchaus tanzbaren Refrain), 'Das Ding im Spiegel' oder 'Katharsis', die Sympathie, die der Band entgegen schlägt, steigert sich mit der Zeit, die die verträumten Nummern (die vor allem von dem Kontrast des Gesangs von Stefan, Aysel und Johanna getragen werden) nunmal brauchen, um zu wirken. Davon, dass ein Teil der Festivalbesucher nicht besonders viel mit ihrer Musik anfangen kann, lassen ADVERSUS sich nicht beirren und erspielen sich sicherlich an diesem Tage auch einige neue Fans

Als nächste Band stehen A LIFE DIVIDED auf dem Plan - und somit ist Synthie-Rock versus Metal angesagt. Bei Sänger Jürgen Plangger handelt es sich übrigens um niemand Geringeren als den Gitarristen von Eisbrecher, der bei dieser Band seit 2003 das Mikrofon übernommen hat. Nach Aussage der Band soll A LIFE DIVIDED die Menge für Xandria nochmal ordentlich aufheizen, und diesen Job erledigt die Band dann auch mehr als überzeugend - überraschend ist allerdings die Tatasche, dass auf die Frage von Jürgen, wer die Band denn schon kenne, nach seiner eigenen Schätzung nur circa die Hälfte der Anwesenden dies bejahen kann. Auch A LIFE DIVIDED bedanken sich im Laufe des Auftritts für die Chance, auf dem Castle Rock auftreten zu dürfen und bezeichnen es sogar als "Deutschlands schönstes Festival".
Den Auftritt selbst kann man als Vorstellung des Albums "Passenger" betrachten, befinden sich doch ausnahmslos alle gespielten Stücke - abgesehen von dem VNV Nation-Cover 'Perpetual' - auf besagter Scheibe. Die feierwütige Masse vor der Bühne interessiert das freilich nicht, die Stimmung bleibt konstant auf einem hohen Niveau und stellt wie beabsichtigt einen erstklassigen Aufheizer für die nun angekündigten XANDRIA an.

Die Female Fronted Symphonic-Metaller um Marco Heubaum und Philip Restemeier haben einen langen Weg zur Gewichtsklasse "Germany´s Finest" ihres Genres hinter sich. Dabei ist es eher ein Zufall, dass sie auf dem Castle Rock 2012 spielen, denn ihren Platz im Line-Up hatten eigentlich Edenbridge inne. Da diese allerdings aufgrund von "internen Umbesetzungen" ihren Auftritt canceln mussten, zogen als Ersatz XANDRIA nach. Allerdings ist "Ersatz" natürlich kein gutes Wort für eine Band dieser Güteklasse... Manuela Kraller & Co eröffnen ihren Auftritt dann auch sichtlich gut gelaunt mit den Songs 'Valentine' und 'Blood On My Hands' und sind, wie schon die Vorbands, voll des Lobes für das Castle Rock. Nach dem anschließenden 'Never Ending' kommt es dann zu einem zutiefst emotionalen Moment, als Manuela erklärt, dass das nun kommende Stück 'Thousand Letters', welches von der Liebe zweier Menschen während des zweiten Weltkriegs handelt, durch die Briefe ihres Großvaters von der Front an ihre Großmutter inspiriert wurde. Die Stimme Manuelas gerät bei dieser Ankündigung auch tatsächlich ein wenig ins Stocken... ganz großes, emotionales Kino.
Nach dieser etwas gemächlicheren Nummer ziehen XANDRIA das Tempo dann wieder mit 'Save My Life' und 'Lost Elysium' an, während gleichsam auch die Temperaturen im vollen Burghof steigen und steigen, was aber niemandem davon abhält, zusammen mit der Band zu feiern. Dass diese bei ihrem Auftritt ganz gewaltig ihren Spaß hat, kann man auch die ganze Zeit über sehen - Bangen und Posen, dass es eine wahre Pracht ist. Die begeisterte Aussage von Manuela "Ist das geil! Ich komme gar nimmer runter!", ist gar nicht mehr nötig, um das festzustellen. Leider endet dann mit 'India' und 'Ravenheart' die Magie dieses stimmungsvollen Auftritts...

Wobei das vielleicht der falsche Ausdruck ist - es geht durchaus mit Magie und Zauber weiter, aber eher mit böser, schwarzer, norwegischer Magie, denn nun sind GOTHMINISTER angesagt. Für diesen Auftritt war die Messlatte im Vorfeld schon ziemlich hoch gelegt worden, hatte unser aller Lieblingsanwalt Björn Brem ja verkündet, dass es die "biggest GOTHMINISTER-Show ever!" werden würde... allerdings mit der unangenehmen Konsequenz, dass der Bühnengraben wegen der vielen Pyro-Effekte und technischen Gimmicks für die Fotografen gesperrt wird. Und was da während dem Umbau auf der Bühne aufgefahren wird, macht Appetit: Links im Graben wird etwas sehr Großes mit schwarzem Tuch blickdicht verhüllt, auf der Bühne steht ein Podest mit Bandlogo, ein großes Skelett als Mikrofonständer sowie die riesige Geisterfigur, die schon auf dem WGT und anderen größeren Shows zum Einsatz kam, am Bühnenrand vorne drängen sich Zündevorrichtungen für Pyro-Effekte nebeneinander, und zu guter Letzt wird ein Gargoyle mit einem Jutesack am rechten Bühnenrand hochgezogen. Schließlich ist es soweit - die Norweger legen los: Sie feuern ihre harten Industrial Metal-Salven auf das Publikum ab. Bereits bei den ersten beiden Songs ist klar, dass sich hier ein Overkill an gutem altem 80er-Jahre-Horrorkitsch anbahnt, liefert sich Björn "Gothminister" Brem doch bereits frühzeitig einen Kampf mit einer Hexe, der er schließlich die Eingeweide herausreißt und triumphierend gen Publikum reckt. Die ersten Pyro-Effekte gibt es dann während 'Happiness In Darkness', und im Laufe von 'Meet The Devil' lässt der damönische Fronter zwei Fledermäuse auf das Publikum los (von denen eine allerdings eine Punktlandung auf dem Bühnendach hinlegt – na ja, etwas Materialschwund muss ja sein...). Die Bühnenshow umfasst weiterhin noch ein Werwolfsbaby, das Björn aus dem Sack des Gargoyles stiehlt und daraufhin mit Mama Werwolf um den Nachwuchs streitet. Außerdem gibt es noch wüstes Posen mit einen rauchenden, von einem Totenschädel gekrönten Voodoostab. Den effekt-technischen Höhepunkt erreicht der Auftritt, als zwei Monster Drummer Chris Dead von der Bühne führen und er (bzw. ein ihm ähnelnder Dummy) dann kopfüber in den Klauen einer fünf Meter hohen Dämonenfigur auftaucht, die vom linken Bühnenrand in die Höhe gefahren wird. Als Chris wieder auf der Bühne ist, gibt es noch eine brennende Bibel in des Meisters Klauen und den Angriff von Björn auf einen weiblichen Geist, dem er kurzerhand den Kopf mit einer Kettensäge abtrennt, um dann damit über die Bühne zu stolzieren.

Flammensäulen, Funkenblitze... alle weiteren Szenen mit Special Effects aufzuzählen, wäre müßig, aber memorabel ist und bleibt noch die Vorstellung der neuen Single "Utopia", in deren Zuge sich Björn noch mit der gut drei Meter hohen Gespensterpuppe anlegt und sie mit einem weiteren feurigen Effekt in die Flucht schlägt. Resümee zu diesem Auftritt? Um es mal mit den Worten von Chris Dead kurz nach dem Auftritt zu sagen, "Horror Spinal Tap at it's best". Aufgrund der Bühnenshow, bei der es so verdammt viel zu sehen und zu bestaunen gibt, bleibt nur wenig Zeit, um sich wirklich auf die Musik zu konzentrieren - auch wenn die Songauswahl sehr gelungen ausfällt. Ob das nun positiv oder negativ ist, mag jeder für sich selbst entscheiden, aber die meisten Fans fühlen sich bestens unterhalten und quittieren den Auftritt dann auch mit entsprechendem Applaus. Die kostümierten Mitstreiter von GOTHMINISTER verlassen dann den Platz durch die Zuschauer - was allerorten für lustige Szenen sorgt, so zum Beispiel der Gesichtsausdruck eines Mitfotografen, als ihm der Werwolf, direkt hinter ihm stehend, auf die Schulter tippt. Geradezu "priceless"

Und nun ist die Zeit für das Projekt VON ZAUBERERBRÜDERN von ASP und seinen Mitzauberern gekommen. Aufgrund des großen Erfolgs der letzten Akustiktour entschied sich Alexander Spreng - besser bekannt unter seinem Pseudonym ASP - nicht nur, eine zweite Tour zu planen, sondern das Projekt künftig unter dem Namen VON ZAUBERERBRÜDERN, losgelöst von ASP, als eigenes Projekt zu behandeln. Schon der Auftakt zum Auftritt - die einzelnen Zaubererbrüder (und -schwestern) betreten bei stimmigem Licht und Nebel gemächlich und würdevoll die Bühne und nehmen den Platz an ihren Instrumenten ein - zeigt, dass es sich hier weniger um ein reißerisches Uptempo-Konzert, sondern einen gediegenen Besuch in ASPs Märchenwelten handeln wird. Die Performance eröffnet mit der 'Beschwörung'. Der sichtlich gut gelaunte und stets erfreut dreinblickende ASP, der für dieses Konzerte auch mal auf jegliche Schminke verzichtete, kündigt dann den versammelten Massen (auch nur noch 20 Personen mehr in den Burghof zu bekommen, wäre schwer gewesen) an, dass die Band zunächst befürchtet hatte, dass es zu Problemen mit all den nötigen Instrumenten hätte kommen können. Weiterhin verkündet er, dass die Zuhörerschaft das Vergnügen haben wird, auch ältere und unbekanntere ASP-Stücke zu hören, welche sonst nur sehr selten gespielt werden.

Als Überleitung zum Song 'Once In A Lifetime' verdeutlicht ASP, dass hier "nomen est omen" gilt: Es werde zwar noch mehr Auftritte mit diesem Ensemble geben, aber dieser eine Auftritt auf eben diesem Festival vor genau jenen Festivalbesuchern sei ein einzigartiger Moment im Leben aller Beteiligten. Sehr schöne Worte als Überleitung. Im Zuge dessen folgt dann auch noch die Warnung an die anwesenden Eltern, doch bitte ihrem Nachwuchs bei unpassenden Textpassagen die Ohren zuzuhalten, weswegen der Meister bei Textpassagen wie "I don´t give a fuck" verschmitzt und entschuldigend lächelt. Weiter geht der ruhige und stilvolle Auftritt dann mit der 'Schneekönigin'. Offenbar verlassen zu diesem Zeitpunkt einige Zuschauer das Gelände, und man meint eine gewisse Enttäuschung in ASPs Stimme zu hören, als er dies feststellt. Die nächste Passage der Show beinhaltet die dämonischeren Stücke der Zaubererbrüder, die böseren Stücke. Diese stellt das Triumvirat 'Duett', 'Hunger' und 'Demon Love' dar, bevor es dann mit 'Ich bin der Meister' (inklusive Rollenspiel des Meisters selbst, in dem er sowohl den schurkenhaften als auch normalen ASP gibt) und 'Mistakes' weitergeht. Hierauf nimmt ASP sich dann noch die Zeit, seine "bezaubernden Streicherinnen", nämlich Ally "The Fiddle" Storch und Sylvia Eulitz, vorzustellen. Die Band setzt das Konzert nun mit 'Zaubererbrüder' und 'Rücken an Rücken' sowie 'Werben' und 'Der geheimnisvolle Fremde' fort - doch auch der schönste Zauber und die tollste Magie vermag nicht auf ewig zu wirken, und mit der nächsten Nummer - 'Stretched On Your Grave' - ist dann auch schon das Ende des Auftritts erreicht (gleichwohl es noch eine Zugabe inklusive eines Medleys gibt).

Und das markiert dann auch gleichsam das Ende des 13. Castle Rocks, das trotz ungünstiger Wettermeldungen und der Unglückszahl als voller Erfolg verbucht werden kann. Schönes Wetter, die geniale Location, eine tolle Bandauswahl und super gelaunte Musiker taten alle das Ihrige, um das Festival zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen, und die Mehrzahl der Besucher freut sich wohl schon auf das 14. Castle Rock am 12. und 13. Juli 2013. Zwei Daumen nach oben für dieses Festival!

 

 

 

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