LEGACY - The Voice from the Darkside

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Friday, 13 July 2012 19:47

 

Castle Rock, Tag 1 - 06.07.2012

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Castle Rock - das Musikfestival von Fans für Fans im Mülheimer Schloss Broich erspielte sich in den nunmehr 13 Jahren seines Bestehens einen hervorragenden Ruf in der Szene als gemütlich-familiäres, aber dennoch stets mit Topbands besetztes Festival und war auch 2012 aus diesem Grunde wieder einmal mit 1.400 verkauften Karten ausverkauft. Grund genug, sich auf die Reise von rund 350 Kilometer zu begeben und sich vor Ort selbst davon zu überzeugen.

Opener für den ersten Tag sind SCHWARZER ENGEL, das Projekt von Dave Jason, die mit 30-minütiger Verspätung dann um 17:30 auch schon loslegten. Nachdem die Band den Legacy-Rezensenten bei der letzten Begegnung auf dem Hexentanzfestival am Bostalsee nicht sonderlich begeisterte (hatten sie dort doch allerdings auch mit Technikproblemen zu kämpfen), besserte sich dieser Eindruck nach ein paar Liedern direkt. Der Düster-Metal von SCHWARZER ENGEL ist und bleibt zwar nicht sonnenlichttauglich, stimmt die Anwesenden aber recht gut auf die noch kommenden Bands ein und sorgt durchaus auch für erhobene Arme und gute Laune. Mit der geschickten Songauswahl quer durch die bekannteren Songs der Band, von 'Apokalypse' bis 'Königin der Nacht', kann man SCHWARZER ENGEL durchaus Qualitäten als Festival-Opener attestieren - für einen Headliner würde es noch nicht reichen, aber hey, was noch nicht ist, kann ja noch kommen. Amüsanterweise stellt die Band übrigens anwesende Fotografen immer wieder vor gewisse Probleme, da Daves Gesicht entweder permanent von seinen Haaren oder durch seine beidhändiges gehaltenes Mike verdeckt wird, was für permanent die Bühnenseite wechselndes Fotovolk sorgt.

Nach Umbau und persönlicher Begrüßung durch den Veranstalter geht es dann mit THE BEAUTY OF GEMINA aus der Schweiz weiter. Sänger Michael Sele (mit seinem karierten Jackett, Frisur und der Sonnenbrille optisch irgendwo zwischen Heino und David Bowie) kann dem Publikum mit seiner Band und ihrer stilistisch irgendwo zwischen Rock, Gothic und Electro gelegenenen Mucke mit ein paar Elementen "Neue Deutsche....", ähm, "Schweizer Härte" zunächst nur eher verhaltenen Applaus entlocken. Aber mit steigender Spielzeit taut das Eis dann zunehmend auf - eine Entwicklung, die man bei THE BEAUTY OF GEMINA-Konzerten öfter beobachten kann. Spätestens mit dem 'Shadowdancer' wird aus dem Höflichkeitsapplaus dann richtiger Jubel, und die Band verabschiedet sich gegen 19:15 von einem applaudierenden Publikum.

Beim darauf folgenden Act hingegen gibt es keine Frage, ob das Publikum positiv auf die Band reagieren wird, gehört die Bühne doch ab 19:30 den Spielleuten von TANZWUT, bei denen wie eigentlich immer der Name auch Programm war - schon bei den ersten paar Liedern wie 'Ihr wolltet Spaß' oder 'Phönix aus der Asche' herrscht rege Tanzfreude und frenetischer Applaus, auch wenn Ardor seine Bandkollegen aus gesundheitlichen Gründen nicht begleiten kann und durch Pyro ersetzt wwird. Auf den Fun-Faktor und die Performance der Band wirkt sich das aber kaum aus, und Teufel, eine echte Rampensau vor dem Herrn, lässt seine sichtlich gute Laune und den berühmten Funken quasi von Beginn des Sets an auf die Zuschauer überspringen. Ob 'Ekstase', 'Merseburger Zaubersprüche' oder 'Gift', es gibt kaum jemanden, der sich der Wirkung der Band entziehen kann. Gegen Ende des Auftritts setzt es dann auch noch den 'Rückgratreißer', inklusive Holzgerüst mit skelettierten Wirbelsäulen. Den Abschluss des Auftritts bilden 'Bitte bitte', 'Folge deinem Herzen' und 'Lügner'. Jetzt darüber zu trauern, dass Tanzwut die Bühne bereits verlassen haben, wäre nur recht und billig, aber dafür bleibt keine Zeit, denn nun ist Headliner-Time!

Und diese Funktion nehmen am Freitag keine Geringeren als MONO INC. ein. Die Hamburger Monomanen Martin Engler, Katha Mia, Carl Fornia und Manuel Antoni legten in den letzten Jahren ja einen geradezu kometenhaften Aufstieg in der Szene hin. Man erinnert sich noch klar an gar nicht mal so lang vergangene Zeiten, wo sie als Opener auf Festivals fungierten (und damals schon sagte ich "Der Mann hat 'ne jute Stimme, die Melodien sind fett und die Drummerin 'ne Augenweide, aus denen wird noch was"). Wie die Band das geschafft hat, stellt sie an diesem Abend wieder einmal beeindruckend unter Beweis. Los geht der Auftritt, als Katha Mia alleine im Trockeneisnebel vor das Publikum tritt, um die Leute anzufeuern, bevor dann der Rest der Band die Bühne betritt und die Massen mit Songs wie 'This Is The Day', 'Temple Of The Thorn' und 'Comedown' in Bewegung versetzt. Martin Engler zeigt dabei wieder eine derartige Spielfreude und kommt dermaßen sympathisch und mitreißend rüber, dass wohl im gesamten Burghof niemand Kopf oder Füße stillhalten kann. Er erweist sich dabei wie üblich als sehr publikumsnah und interagiert auch mit den anwesenden Fotografen, dass es eine wahre Pracht ist. Er lässt es sich auch nicht nehmen, während des Auftritts mal die Rollstuhlrampe hinauf zu sprinten und den dortigen Fans die Hand zu schütteln. Auch der plötzlich bei 'Viva Hades' einsetzende Regenschauer kann die feiernden Fans nicht mal ansatzweise abkühlen.

Und MONO INC. haben auch eine echt gelungene Überraschung im Gepäck: Vom Veranstalter gebeten, sich für diesen Headliner-Auftritt etwas besonderes zu überlegen, präsentieren die Hamburger (nach der Bitte Martin Englers, doch mal die Handykameras und Digi-Knipsen ausgeschaltet zu lassen) exklusiv auf dem Castle Rock ihre neue Single, die eigentlich erst in 14 Tagen veröffentlicht wird. 'Arabia', so der Name, dürfte sich übrigens als eine ziemliche Granate erweisen - ein "must have" für Fans der Band und solche, die es werden wollen. Emotional wird es noch, als Martin sich beim Veranstalter des Festivals dafür bedankt, zum nunmehr dritten Mal auf dem Castle Rock spielen zu dürfen - vom Opener 2009 zum Headliner 2012, wobei laut Martin die vergangenen Auftritte maßgeblich mit dafür verantwortlich waren, dass MONO INC. heutzutage solcher Erfolg beschieden ist. Es folgen noch 'Symphony Of Pain', 'Revenge' und 'Voices Of Doom' und, wie könnte es anders sein, ein Drum-Solo von Prinzessin Katha Mia. Dass danach noch eine Zugabe gefordert wird, war klar, und hierfür hat die Band sich 'Get Some Sleep' aufgespart, einen weiteren Song, ohne den kein MONO INC.-Auftritt so wirklich komplett ist. Und so endet gegen 22:30 der erste Festivaltag mit rauem Hals, durchnässt vom Regen, schmerzenden Füßen und Rücken, aber auch einem glücklichen Grinsen aufgrund des gelungenen, unterhaltsamen Tages.

 

 

 

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