LEGACY - The Voice from the Darkside

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Friday, 13 April 2012 02:00

 

Tankard & Scornage, 13.04.2012 Köln – Underground

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Thrash ist back in town, Baby! Kaum zu glauben, aber TANKARD sind nun schon seit dreißig Jahren durstig. Zum Anlass dieses Jubiläums gab es eine ausgedehnte Tour und natürlich unzählige Songs über Bier.

Zuerst haben aber die Aachener SCORNAGE den Vortritt. Auch die sind keine Jungspunde mehr und bearbeiten die Republik schon seit 1998 mit ihren Riffs. Und obwohl sie den Sprung in die A-Liga nicht geschafft haben, macht die Band richtig Spaß. Die jahrelange Live Erfahrung ist deutlich zu spüren, während man das Underground langsam in die richtige Stimmung rockt. Vor allem Guido Grawe am Gesang ist ein großer Unterhaltungsfaktor. Ganz lässig dirigiert er seine Mannen durch das Set und ist in den Ansagen die Ruhe selbst. Da schwingt ganz viel Sympathie im Raum mit – die Band grinst sich beim Spielen einen ab und vor der Bühne werden langsam die ersten Matten geschwungen. Gegen Ende des Gigs gibt es mehr als nur Achtungsapplaus, was mit einer schön verthrashten Cover Version von ‚Ace Of Spades’ belohnt wird. Sher runder Gig.

Rund ist auch der Vorbau von Andreas „Gerre“ Geremia. Der Mann hat schließlich lange trainiert. Doch ein Bierbauch ist ganz offensichtlich kein Faktor, wenn es darum geht einen Laden komplett zu zerstören, denn genau das tun TANKARD ab dem ersten Ton an. Gerre flitzt zum Auftakt ‚Time Warp’ wie ein Verrückter über die Bühne und tatsächlich fühlt man sich in der Zeit zurück versetzt. War die 80er Thrashzeit wirklich jemals vorbei? Heute ist davon jedenfalls nichts zu spüren. Es dauert vielleicht eine halbe Songlänge, bis der Mosh jegliche Hemmungen verliert und das Kölner Publikum das tut, wozu es her gekommen ist – richtig, richtig viel Spaß haben. Und wie könnte man auch nicht? Schließlich sind TANKARD perfekt eingespielt und haben Bock. Gerre ist heute ganz offensichtlich in eine der anwesenden Damen verliebt und kriegt den Blick nur schwer gelöst. Seiner Performance tut dies keinen Abbruch – im Gegenteil. So sympathisch und natürlich gibt sich ein Frontmann selten. Außerdem hat man da ja noch eine Setlist voll mit flüssigen Vergnügen. Alleine die Anzahl der Songs über das Trinken ist beeindruckend: ‚Need Money For Beer’, ‚Beermuda’, Stay Thirsty!’, 666 Packs’, Alcohol’, ‚Die With A Beer In Your Hand’, ‚Space Beer’ und natürlich die großartige und alles wegthrashende Zugabe und Bandhymne ‚Empty Tankard’. Muss man hier noch wirklich viele Worte verlieren? Mit jedem dieser Schmuckstücke wird die Stimmung im Underground verschwitzter, betrunkener und ausgelassener. So hat ein Konzert auszusehen. Die Fans prügeln sich ordentlich durch, bevor sie sich in den Pausen glücklich grinsend in den Armen liegen oder umschlungen abbangen – das fühlt sich an wie zuhause sein. Stagediver machen ununterbrochen die Runde, was im vollen Laden sogar ausnahmsweise funktioniert. Und als krönenden Abschluss setzt Gerre am Ende des Gigs selbst zum Luftsprung in die Menge an – und landet exakt auf dem Schreiber dieser Zeilen – sehr zur Freude des Selbigen. So lässt man sich gerne zu Boden walzen. Was für ein Thrash Gig. Danke, ihr durstigen!

Eugen Lyubavskyy

 

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