LEGACY - The Voice from the Darkside

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Tuesday, 26 June 2012 19:24

 

Metalfest 2012 - Tag 1 - 03.06.12, Puntamika, Zadar

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Der Metalfest-Tross machte dieses Jahr zum ersten Mal auch in Kroatien Halt. Als Location diente die Halbinsel Puntamika, die passender nicht hätte sein können. In einem Pinienwäldchen direkt am Strand stampfte man ein Festivalgelände mit insgesamt drei Bühnen aus dem Boden. Auf der Hauptbühne waren hauptsächlich die internationalen Acts zu sehen, die auch die weiteren Festivals rockten, während die 2nd Stage weitestgehend von kroatischen Bands unsicher gemacht wurde. Leider waren die Anfangszeiten der beiden Bühnen oft identisch, so dass sich zu den Hauptzeiten oft keine 20 Fans dort einfanden.

Sonntag 03.06.2012

Die undankbare Aufgabe, das Metalfest zu eröffnen, fällt der kroatischen Band INSOLITVS zu, die mit ihrem leicht progressiven Death Metal eine Hand voll Fans vor die Bühne locken kann. FLESHGOD APOCALYPSE heben die Zuschauerzahl ins Dreistellige, was wohl unter anderem an ihrem Bühnenoutfit und dem Pianisten in ihren Reihen lag, der den dargebotenen Death Metal um einige Facetten bereichert. EVIL BLOOD, die schon seit 1982 aktiv und in Kroatien beheimatet sind, können dann wohl alle schon anwesenden Festivalbesucher (inklusive Tom G. Warrior!) mit ihrem Old School Speed Metal vor die Bühne locken und zu Begeisterungsstürmen bewegen.

TRIPTYKON können (und wollen) die gute Stimmung nicht aufrecht erhalten, was nicht an der Band liegt, die eine souveräne Show bietet,  sondern eher der Tatsache geschuldet ist, dass Tom G. Warrior und Truppe mehr Kopf- als Bauchmusik zelebrieren, was jedoch am hellen Nachmittag in der Nähe des Strandes nicht wirklich wirkt. Live um einen zusätzlichen Keyboarder verstärkt, erhöhen die Schotten von ALESTORM den Spaßfaktor schlagartig, und man erwartet, dass jeden Moment Piraten die Halbinsel entern werden. Mit Klassikern wie 'Captain Morgan's Revenge' und aktuellem Material ('Shipwrecked', 'Midget Saw', 'The Sunk‘n Norwegian', 'Rum', 'Death Toes') schafften sie es, die Hauptbühne in eine große Party zu verwandeln. Zur Belohnung werden am Ende der Dreiviertelstunde zum ersten Mal Zugaberufe laut.

Die Dark-Metaller von MOONSPELL haben ebenso wie TRIPTYKON damit zu kämpfen, dass ihre Show ohne die entsprechend atmosphärische Lichtunterstützung nicht wirklich gut zündet. Dennoch legen sich die Portugiesen, die als erste Band des Abends die komplette, wenn auch für ein Festival dieser Größe überschaubare, Bühne zur Verfügung haben, mächtig ins Zeug, um den mittlerweile etwa 2.000 Besuchern zu beweisen, dass sie den späten Platz im Billing verdient haben. Der Start besteht aus den ersten drei Stücken des aktuellen Longplayers "Alpha Noir" ('Axis Mundi', 'Lickanthrope', 'Versus', später folgt auch noch 'Em Nome Do Medo'), der von den Fans der Band textsicher intoniert wird. Im Lauf der knappen Stunde werden auch ältere Songs wie 'Wolfshade', 'Opium', 'Full Moon Madness', 'Alma Mater' und 'Vampiri' zum Besten gegeben, was ein insgesamt gelungenes Set darstellt und bei den Fans der Portugiesen zufriedene Gesichter zurücklässt.

HYPOCRISY setzen anschließend mit ihrem Death Metal einen guten Kontrast und legen mit 'Fractured Millennium', 'Valley Of The Damned' und 'Adjusting The Sun' los, als ob sie die Halbinsel in Schutt und Asche legen wollten. Mit ihrem Best-Of-Set haben die Mannen um Peter Tätgren eine gute Auswahl getroffen und die mittlerweile auf knapp 4.000 Menschen angewachsene Meute rastet total aus. HYPOCRISY beweisen einmal mehr, dass es eine gute Entscheidung war, nach "The Final Chapter" doch nicht aufzuhören, denn es macht allen sichtlich Freude, auch ohne aktuelle Scheibe im Gepäck, ein Open Air mit einer gut eingespielten Band zu rocken. Im weiteren Verlauf des Gigs folgen Songs wie 'Fire In The Sky', 'Killing Art', 'Medley (Pleasure Of Molestation, Osculum Obscenum, Penetralia)', 'A Coming Race', 'Wead Out Of The Weak', 'Eraser', 'The Final Chapter', 'Warpath', 'Roswell 47'. Nach einer Stunde ist dann Schicht im Schacht, und die Death Metal-Fans sind zufrieden und glücklich. In dieser Form sind die Schweden ein Gewinn für jedes Festival.

Headliner des ersten Abends sind die Krefelder BLIND GUARDIAN, die sich für den Auftritt in Kroatien einen besonderen Gig zusammengestellt hatten. Wie immer verstärkt um Keyboarder Mi Schüren und Oli Holzwarth am Bass, stellt die Band von Anfang an klar, dass sie gehörig Spaß am „Strandauftritt“ hat. Hansi Kürsch hat mit seinen Willkommensgrüßen auf Kroatisch die Fans fest in seiner Hand und entpuppt sich während des Sets als guter Entertainer. So schafft er es, dass das Publikum Höchstleistungen erzielt, um bei den Songs, vor allem natürlich 'The Bard’s Song', mitzusingen. Highlights sind 'The Lord Of The Rings' und 'Valhalla', bei dem die Zuschauer teilweise lauter als Blind Guardian tönen. Jedoch ebbt die Begeisterung komischerweise zwischen den Songs recht schnell wieder ab, was wohl an einem anstrengenden, da heißen Festivaltag liegt. Die größte Überraschung ist jedoch 'Barbara Ann', das aufgrund der Strandatmosphäre seinen Weg in den Set findet. Daneben werden 'Sacred Worlds', 'Born In A Mourning Hall', 'Nightfall', 'Fly', 'Time Stands Still (At The Iron Hill)', 'A Voice In The Dark', 'Lost In The Twilight Hall', 'And The Story Ends' und 'Mirror Mirror' zum Besten gegeben, und alle Fans sind der Meinung, dass der Auftritt mit etwas über einer Stunde viel zu kurz war.

Abgeschlossen wird der erste Tag durch die Newcomer von SKULL FIST, die unerklärlicherweise auf die 2nd Stage verbannt werden. Das hat jedoch den Vorteil, dass es vor der Bühne ziemlich voll ist, was dem Speed Metal der Kanadier entgegenkommt. So ist es kein Wunder, dass sowohl die Band als auch das Publikum nochmals eine Stunde lang Vollgas geben. Auch die Tatsache, dass SKULL FIST für ein paar Songs ihren Bassisten verlieren, tut der Stimmung keinen Abbruch – eher im Gegenteil. Und mit Songs wie 'Ride The Beast', 'Head Öf The Pack', 'Heavier Than Metal', 'No False Metal' und 'Sign Of The Warrior' kann eigentlich auch nichts schief gehen. Bemerkenswert ist Doppelgitarrensolo, das Jonny Nesta und Jackie Slaughter Huckepack absolvieren und das mittlerweile fester Bestandteil der Show ist – muss man gesehen haben!

Insgesamt ein gelungener Auftakt für das Metalfest-Debüt in Kroatien. Leider war der Zuschauerzuspruch sehr sehr mau, so dass sich nicht mehr als 4.000 Metalfans auf die Halbinsel verirrten.

(c) 2012 www.legacy.de

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