LEGACY - The Voice from the Darkside

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Tuesday, 26 June 2012 07:39

 

VAINSTREAM ROCKFEST 2012 @ Haverkamp, Münster, 09.06.2012

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VAINSTREAM ROCKFEST 2012 @ Haverkamp, Münster, 09.06.2012 Fotos: Tom Naber

Der diesjährige Sommer ist zwar noch nicht richtig in Deutschland angekommen, trotzdem darf sich auf die kommenden großen Festivals gefreut werden. Egal, ob Wacken, Rock am Ring, With Full Force, Reload usw., für jeden Musikgeschmack findet sich die passende Veranstaltung. Wer es sich an einem Tag besorgen lassen will, für den ist das Vainstream Rockfest zu Münster die richtige Adresse. Von morgens an bis spät in den Abend kann man hier MetalCore, Hardcore, Ska, Thrash Metal oder auch Punk Rock vom Feinsten genießen, und das auf zwei nebeneinander liegenden Bühnen. Für das leibliche Wohl oder diverse Shopping-Gelüste wird ebenfalls gesorgt, und die sanitären Einrichtungen sind vorbildlich. Wer sich ein ordentliches Warm-Up genehmigen möchte, der findet sich am Freitagabend vor dem offiziellen Akt im Skaters Palace ein, wo als Headliner keine Geringeren als HATEBREED dem Publikum ordentlich in den Hintern treten. Die Halle brodelt und ist mehr als gut gefüllt, als die Mannen um Frontsau Jamie Jasta nach zwei Support-Bands (u.a. Hammercult) die Bühne betreten und ordentlich losbrettern. Warum sie allerdings nicht im Hauptfeld des Festivals auftreten dürfen, weiß wohl nur der Veranstalter. Die Menge in der Halle jedenfalls feiert ihre Helden, und es wird ein Circle Pit nach dem anderen gestartet. Songperlen wie ‚To The Threshold’, ‚I Will Be Heard’, ,Destroy Everything’ oder ‘Defeatist’ geben auch genug Grund, das Tanzbein ordentlich zu schwingen. Ein gelungener Abend mit Lust auf mehr.

Als dann am Samstagvormittag die Tore des Geländes geöffnet werden, strömen bereits zahlreiche Besucher den Haverkamp, und die Location wird genauestens inspiziert. Pünktlich wie die Maurer geben sich als erstes YOUR DEMISE die Ehre. Mit  ihrem Gute-Laune-Hardore sind die Jungs aus England genau der richtige Anheizer zu früher Stunde. Zwar sind die Plätze vor der Bühne noch nicht voll besetzt, aber dennoch geht hier schon gut die Luzie ab, auch wenn es zu Beginn einen kleineren Stromausfall gab. Wer es lieber schwedisch mag, der ist mit ADEPT im Anschluss gut bedient. Letztes Jahr noch sowohl beim Warm-Up als auch bei der After-Show-Party tätig, durften sie in diesem Jahr eine der Mainstages entern und wurden entsprechend ihrer guten Leistung abgefeiert. Als Highlight kann man mit ‚The Lost Boys’ gleich den Opener anführen.

Bei EVERGREEN TERRACE müssen wir leider kurz aussetzen, kommen aber rechtzeitig zu einer ordentlichen Portion DeathCore mit EMMURE zurück. Man merkt den Mannen ihren Status in der Szene an, und so sind die Reihen vor der Bühne nun mehr als gut gefüllt. Die Arme kurbeln, die Füße kicken, und es herrscht eine Menge Bewegung, was das Geschehen auf der Bühne enorm beflügelt. Und schon geht es wieder auf die linke Seite, wo GOJIRA starten und sich mit ihrem Progressive Metal Gehör verschaffen. Der Sound ist zwar fett, aber die Perfomance der Franzosen ist zu statisch und uninspiriert. Das Roadrunner Records-Quartett liefert daher in die belangloseste Perfomance des Festivals bis dahin. Bei den Recken von SMOKE BLOW sieht das Ganze dann schon anders aus. Mit ihrem routinierten Hardcore „Made in Germany“ geben sie ordentlich Gas, und das Publikum geht erneut steil. Trotz eines defekten Fußes und Krücken in der Frontfraktion, wirkt der Auftritt aus einem Guss, und die 35 Minuten Spielzeit gehen viel zu schnell vorbei.

Die Amis von AUGUST BURNS RED haben mit ihrem letzten Album eine ordentliche Messlatte gelegt, und so selbstbewusst treten sie auch zu ihrem Set an. MetalCore vom Allerfeinsten wird hier zelebriert. Vor allem das jüngere Publikum in den ersten Reihen ist äußerst textsicher, und so haben alle Beteiligten ihren Spaß. Wer es gerne poppiger mag, dem ist in der Folge mit ENTER SHIKARI ein besonderes Schmankerl geboten. Electro-Klänge gepaart mit harten Gitarren und Wechselgesang geben den Marsch an. Frontmann Rou erweist sich dabei als Aktivposten und ist sich auch nicht zu schade, für ein Weilchen im Publikum zu verschwinden, was die Stage-Organisatoren ordentlich in Wallung bringt. ‚Sorry You Re Not A Winner’ ist wie immer das Highlight eines mehr als gelungenen Auftritts. Da man bei einem Festival auch mal etwas zu beißen braucht, fielen in der Folge LAGWAGON und MASTODON sprichwörtlich durchs Rost unseres Berichts.

Gut gestärkt und voller Erwartung geht es dann zu CALIBAN, die  wissen, wie sie das Publikum zu packen haben. Routiniert wie eh und je zeigen sich die deutschen MetalCore-Heroen einmal mehr von ihrer besten Seite, auch wenn Band Chef Marc Görtz eine Weile mit seinem Monitor zu kämpfen hat und ein Techniker den zahlreichen Fotografen vor der Bühne ständig ins Bild läuft. Mit etlichen Hits ausgestattet, haben CALIBAN erneut eine Festivalschlacht für sich entschieden und mit dem  gut getimten Rammstein-Cover ‚Sonne’ der Menge noch einen weiteren Mitsingfaktor präsentiert. Noch zu erwähnen sei der Shred-Contest-Gewinner, der begleitend auf seiner Klampfe einen Song mit seinen Helden zum Besten geben durfte. Lust auf gute Laune? Die BROILERS gehören nicht umsonst zu den letzten vier Bands des Vainsteam Rochfest-Tages. Bereits vor zwei Jahren haben die Mannen (und Frau) Münster in verzückte Partylaune versetzt, und trotz teils heftiger Windböhen legen sie auch in diesem Jahr eine heiße Sohle aufs Parkett. Man kann die Musik mögen oder nicht, aber taugen tut das Ganze, und eine tobende Menge feiert ihre Helden frenetisch ab. Vor gut zehn Jahren haben sich die Schweden REFUSED aufgelöst. Ganz zum Leid der zig tausenden von Fans, die die Jungs seit den 90ern begleitet haben, und man kann nur sagen: „Ja liebes Jungvolk, das war ein ganz entscheidender Vorreiter Eurer heutigen Musik!“ Gemeint sind natürlich die Screamo, Noise- und Post-Hardcore-Bands dieser Welt, die eine deutliche Beeinflussung nahmen. Man kann nun von diesem Comeback aus Geldgründen halten, was man will, REFUSED sollen eines der Highlights des Festivaltages werden, und so haben Dennis Lyxzen und seine Mannen nichts Besseres zu tun, als Münster von Minute eins an ordentlich in den Arsch zu treten. Und obwohl sich die Herren deutlich dem grauen Haar nähern, die Leistung ist grandios und wirkt, als wären sie nie weg gewesen. Als zum Ende die Gitarrenklänge zu ‚New Noise’ ertönen, gibt es vor der gesamten Bühne und weiter hinten kein Halten mehr, mitsamt Stagedive von Dennis Lyxzen. Was für eine geile Perfomance.

Nach kurzer Pause darf mit THE GASLIGHT ANTHEM der Co-Headliner die rechte Bühne beackern. Und die Punk/Indie/ Alternative-Rockband aus den US-Landen erweist sich einmal mehr als die richtige Wahl des Veranstalters. Die Menge tobt erneut, und das Material bietet sowohl Kennern als auch Nichtkennern der Band viele Möglichkeiten, den Auftritt abzufeiern. Das breite Grinsen von Sänger und Gitarrist Brian Fallon zwischendurch verrät deutlich den Spaß an der Sache. Wer noch kein Shirt oder keine CD der Band hat, ist spätestens danach auf der Suche nach dem passenden Gimmick.

SLAYER als Headliner zu bekommen, hat die Veranstalter sogar dazu veranlasst, die ganze Veranstaltung um fast einen Monat vor zu verlegen. Viele konnten es nicht nachvollziehen, sollten aber im Finale des Tages verstehen, warum. Die älteren Herrschaften, mit denen unter anderem eine ganze Ära begann, sind zwar nicht zwingend die Agilsten (nie gewesen), aber spielerisch machen sie doch den meisten Vertretern des Tages noch eine Menge vor, coole Lightshow inklusive. Man könnte jetzt hier etliche, gespielte SLAYER-Perlen aufzählen, aber die wahren Fans wissen ohnehin, was hier serviert wird. Wenn man allerdings ehrlich ist und sich nicht schämt, über die Götter zu lästern, so wirkt die ganze Gestaltung on Stage im Gegensatz zu Vorherigem ein wenig blutleer.

Zum Abschluss genehmigen wir uns noch einen Knaller auf der Aftershow-Party mit den Orange County-Hardcorelern von STICK TO YOUR GUNS. Die Sputnik-Halle ist rappelvoll, das Wasser tropft von der Decke, und on Stage wird ordentlich geackert. Nicht nur die besten Songs ihrer neuen Knallerscheibe „Diamond“ werden zum Besten gegeben, auch zu Krachern wie ‚Amber’ oder ‚Enough’s Enough’ darf steil gegangen werden. Nach gut 40 Minuten Spielzeit hinterlassen die Mannen um Frontsau Jesse Barnett eine glückliche Menge im Schweiße ihrer Arbeit. Als Fazit gibt es nur eines zu sagen: Wer das Vainstream verpasst hat, ist selber schuld!

(c) 2012 www.legacy.de

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