LEGACY - The Voice from the Darkside

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Thursday, 21 June 2012 21:00

 

Mötley Crüe, Slash, Kissin' Dynamite @ Arena Bamberg, 20.06.2012

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Mötley Crüe, Slash, Kissin' Dynamite @ Arena Bamberg, 20.06.2012 Fotos: Uwe Gick

Bereits 1,5 Stunden vor dem Anpfiff um 19:00 Uhr in der Arena Bamberg wiesen die umliegenden Parkplätze einen respektablen Füllstand auf. Ein Fakt, der auch kurz vor Beginn der Show durch immer noch recht lange Blechschlangen vor der Einfahrt darauf hinwies, dass die Arena an diesem Abend bis an die Kapazitätsgrenzen gefüllt sein dürfte. Dass man kurz vor dem "Ausverkauft" stand, bestätigte auf Nachfrage auch ein Vertreter des Veranstalters. Nicht nachvollziehbar war allerdings die Tatsache, dass man bei der Einfahrt drei Euro Parkgebühren abdrücken durfte, um danach um die komplette Arena herumgeschickt und auf der anderen Seite mit einem knappen "alles voll" wieder des Feldes verwiesen wurde und sich irgendwo selbst einen Parkplatz suchen musste.
 
Sehr kurzfristig schienen die Black Veil Brides ihren Auftritt gecancelt zu haben, zumindest wurde der Wechsel im Billing nicht vorher bekannt. Als Ersatz sprangen KISSIN' DYNAMITE ein, die rein musikalisch ohnehin besser zum Gesamtpaket passten, als die Brides. Die Truppe nutzte die Gunst der Stunde und bot der gut gefüllten Halle eine energiegeladene Show bei für einen Opener passablem Sound.  Lediglich der Sänger wurde viel zu laut abgemischt und übertönte mit seinem Organ bis auf das Schlagzeug den kompletten Rest der Band. Trotzdem wurden KISSIN' DYNAMITE freundlich empfangen und mit ausreichend Applaus bedacht.
 
Dass sich Mötley Crüe mit SLASH feat. MILES KENNEDY and the Conspirators einen echten Brocken an Bord geholt haben, war bereits vorher klar. Zu groß die Hitdichte, aus der Herr Slash schöpfen kann, zu mächtig das Denkmal, das er sich allein durch seine Gunners-Zeiten gesetzt hatte. Dazu kommt die richtig gut eingespielte Band und einer besten Rock-Frontmänner unserer Zeit. Egal ob Kompositionen der beiden aktuellen Soloscheiben, Material von Slash's Snakepit oder Guns 'n' Roses-Klassiker gespielt wurden, Herr Kennedy veredelte mit seiner einzigartigen Stimme jeden einzelnen Song. Entsprechend wurde die Band abgefeiert. Als zum Abschluss der Oberhit 'Paradise City' gezockt wurde, stand die Halle geschlossen Kopf - ein Stimmungslevel, der auch vom Headliner nicht mehr gehalten werden konnte. Leider war der Sound entschieden zu laut, was einen die Ohrstöpsel mehr als einmal schmerzlich vermissen ließ. Weniger ist manchmal mehr und wenn die Anlage übersteuert, hat es der Soundmensch definitiv übertrieben.
 
Die offiziellen Headliner MÖTLEY CRÜE konnten vor allem durch ihre fetten Stage und eine extrem perfekte Lightshow überzeugen. Die asymmetrisch aufgestellte Bühne wurde auf der rechten Seite von dem erstmals in Europa eingesetzten legendären Rollercoaster-Drumkit dominiert. In das Rondell wurde zusätzlich eine amtliche runde Videoleinwand integriert. Irgendwie wirkte die Bühne dadurch, als gehörte rechts neben dem Kit noch einmal die gleiche Traversenkonstruktion wie auf der linken Seite, wobei fraglich ist, in welchen Hallen man dieses Bühnenmonstrum überhaupt würde stellen können, da die alles andere als kleine Arena in Bamberg in ihrer kompletten Breite ausgenutzt wurde. Der Sound war etwas weniger anstrengend, als bei Slash, aber dennoch weit davon entfernt, als richtig gut bezeichnet zu werden. Die Songauswahl ließ keine Wünsche offen und so zockten die L.A.-Altstars einen Klassiker nach dem anderen. Unterstützt wurden sie dabei von zwei Klischeebunnies, die angeblich die Backingvocals beisteuerten, was ich allerdings entschieden bezweifle. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass alle Chöre vom Band gekommen sind. Schade, bei der versammelten stimmlichen Kompetenz on Stage hätte ich definitiv echte Livechöre erwartet. So konnte man die Damen darauf reduzieren, dass sie gut ausgebildete und mit modernen Werkstoffen an den richtigen Stellen aufgemöbelte Gogo-Tänzerinnen und die Musiker darauf, dass sie ihr spielerisches Handwerk durchaus verstanden. Leider fand die Vorstellung ein recht abruptes Ende nachdem ein Vollidiot gegen Ende des Songs 'Smokin' In The Boys' Room' einen mit Flüssigkeit (ungewisser Herkunft) voll gefüllten Becher mit ordentlich Schwung ins Gesicht geschossen hat. Neil hat die Bühne darauf hin wutentbrannt verlassen und die Kollegen durften den Song alleine zu Ende spielen. Danach zog Tommy Lee mit seinem einzigartigen Rollercoaster-Achterbahn-Videoeffekt-Drumsolo und einer brennenden Befreiungsrede für einen scheinbar in Deutschland inhaftierten Tier-Aktivisten auf sich. Danach hätten eigentlich 'Dr. Feelgood' und "Girls, Girls, Girls' folgen sollen, was leider nicht geschah. Statt dessen verabschiedete man sich mit den Songs 'Home Sweet Home' und 'Kickstart My Heart' ohne ein  Weiteres Wort von den recht verdutzten Fans. So bleibt festzuhalten, dass der Becherwerfer die restlichen Besucher um zwei Tophits gebracht hatte, was bei 55 (Stehplatz) bzw. 65 (Sitzplatz) Euro pro Ticket umso ärgerlicher ist. Aus Sicht der Band ist der Abbruch allerdings nachvollziehbar.

Fazit:

Alle drei Bands konnten spielerisch überzeugen und lieferten ordentliche, motivierte Shows ab. Die Lightshow v.a. beim Headliner war allererste Sahne, der Sound über weite Strecken zu lauft und übersteuernd. Unterm Strich bleibt ein gelungener Rockabend verbunden mit dem Wunsch, dass der Becher werfende Hornochse von den Fans in der Nähe ordentlich zusammen gefaltet wurde. Zum einen hat er uns alle zwei geile Songs gekostet, zum anderen hätte man Vince Neil mit der Aktion durchaus verletzen können.

Vielen Dank auch an unseren neuen Fotografen Uwe Gick, der seine tollen Shots in rekordverdächtiger Zeit abgeliefert hat.

Setlist Mötley Crüe:
 
1. Wild Side
2. Live Wire
3. Too Fast for Love
4. Saints of Los Angeles
5. Shout at the Devil
6.Don't Go Away Mad (Just Go Away)
7. Same Ol' Situation (S.O.S.)
8. Looks That Kill (Mick Mars solo in intro)
9. Piece of Your Action
10. Primal Scream
11. Smokin' in the Boys' Room (Brownsville Station cover) Wasser-Attacke
12. Drum Solo (Roller coaster)
13. Home Sweet Home
14. Kickstart My Heart

NIX: Dr. Feelgood
NIX: Girls, Girls, Girls
 
Setlist Slash:
 
1. One Last Thrill
2. Nightrain (Guns N' Roses song)
3. Ghost
4. Standing in the Sun
5. Back From Cali
6. Mr. Brownstone (Guns N' Roses song)
7. Halo
8. Anastasia
9. Sweet Child O' Mine (Guns N' Roses song)
10. You're a Lie (quick machine intro)
11. Slither (Velvet Revolver song)
12. Paradise City (Guns N' Roses song)

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